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id: lb-bnd-29
batch: 8
title: "Entlassung Arbeiter - Trunksucht"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Beendigungsarten"
topic: beendigungsarten
author: "Vinzenz"
stand: 2026-08
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_entlassung_arbeiter_trunksucht.pdf"
text: ".lexis360/md/entlassung_arbeiter_trunksucht.md"
legal_bases: ["GewO 1859 § 82 lit b", "GewO 1859 § 82 lit c", "GewO 1859 § 82 lit f", "AngG § 27 Z 1", "AngG § 27 Z 2", "AngG § 27 Z 4"]
tags: [trunksucht, alkoholmissbrauch, alkoholkrankheit, verwarnung, arbeitszeit]
cross_refs: ["lb-bnd-22", "lb-bnd-23", "lb-bnd-30", "lb-bnd-31", "lb-bnd-33"]
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# Entlassung Arbeiter - Trunksucht
*Lexis Briefings Personalrecht, Vinzenz, Stand August 2026 (lb-bnd-29).*
## Zusammenfassung
- **Entlassungsgrund (§ 82 lit c GewO 1859):** Entlassung des Arbeiters, der
**der Trunksucht verfällt** und **wiederholt fruchtlos verwarnt** wurde.
Im Angestelltenrecht gibt es **keine unmittelbare Entsprechung** — dort
kommen in Betracht: Vertrauensunwürdigkeit (§ 27 Z 1 AngG),
Dienstunfähigkeit (§ 27 Z 2 AngG) und die pflichtwidrige Unterlassung der
Dienstleistung (§ 27 Z 4 Fall 1 AngG).
- **Begriff:** ursprünglich „unwiderstehlicher, nicht zu löschender Durst nach
geistigem Getränk" (≈ heutige Alkoholabhängigkeit); judiziert: **wiederholte
Trunkenheit, die einen Hang zum Alkoholismus erkennen lässt** — damit wird
die Grenze zwischen **Alkoholkrankheit** und bloßem, die Weiterbeschäftigung
unzumutbar machendem **Alkoholmissbrauch** gezogen. Erfasst ist nur
Trunkenheit **während der Arbeitszeit**; wohl auch **anderer
Substanzmissbrauch** (zB Drogen).
- **Krankheitsstadium:** gerichtlich via **medizinisches
Sachverständigengutachten** festzustellen. **Alkoholkrankheit** (AN nicht in
der Lage, sich aus eigener Willenskraft zu befreien) → Entlassung nach
§ 82 lit c **nicht möglich**; bloßer **Alkoholmissbrauch** (kein
Krankheitsbild) → Entlassung grundsätzlich zulässig, sofern die übrigen
Voraussetzungen vorliegen.
- **Geringe Mengen:** kein Tatbestand — Beispiel: einmal ein **halber Liter
Bier** während des Dienstes.
- **Wiederholte fruchtlose Verwarnung:** der AG muss **mindestens zweimal**
einschreiten und abmahnen.
- **Unverzüglichkeit (gestrafft):** erscheint der AN zum Dienst, ist die
Entlassung **unverzüglich** auszusprechen — wegen der vorangegangenen
Verwarnungen ist eine **längere Überlegungsfrist nicht mehr zulässig**
(LG Innsbruck: Entlassung **dreieinhalb bis vier Stunden** nach Feststellung
der erneuten Alkoholisierung bei Dienstantritt → **verfristet**).
- **Verschulden** erforderlich.
- **Dauerzustand:** regelmäßiger Alkoholkonsum, der die Weiterbeschäftigung
unzumutbar macht; zwischen den Vorfällen muss ein **gewisser zeitlicher
Zusammenhang** bestehen — etwa einmal jährlich betrunken binnen einiger
Jahre → noch kein „Hang zum Alkoholismus".
- **Abgrenzung:** Alkoholisierung während der Arbeitszeit kann uU auch
**Pflichtenvernachlässigung (§ 82 lit f GewO)** oder **Arbeitsunfähigkeit
(§ 82 lit b GewO)** verwirklichen. Beispiele: einige Flaschen Bier mit nur
langsamer Arbeit → keine Trunksucht; bei **generellem Alkoholverbot** im
Betrieb oder **Lebensgefährdung** (zB Lenker öffentlicher Verkehrsmittel)
kann schon eine **einmalige** Alkoholisierung eine beharrliche
Pflichtenverletzung darstellen.
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Entlassungsgrund | Trunksucht + wiederholt fruchtlose Verwarnung, § 82 lit c GewO 1859 ✅ |
| Trunksucht (judiziert) | wiederholte Trunkenheit mit Hang zum Alkoholismus; nur während der Arbeitszeit; Drogenmissbrauch wohl ebenfalls erfasst |
| Krankheitsstadium | Feststellung via medizinisches Sachverständigengutachten |
| Alkoholkrankheit | Entlassung nach § 82 lit c nicht möglich (keine Selbstbefreiung aus eigener Willenskraft) ✅ |
| Bloßer Alkoholmissbrauch | Entlassung grundsätzlich zulässig (bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen) |
| Geringe Mengen | kein Tatbestand (Beispiel: einmal ½ Liter Bier während des Dienstes) |
| Verwarnungen | **mindestens zweimal** fruchtlose Verwarnung/Abmahnung erforderlich ✅ |
| Unverzüglichkeit | bei Erscheinen zum Dienst sofort; keine längere Überlegungsfrist mehr — LG Innsbruck: 3,54 Stunden nach Feststellung → verfristet ⚠ |
| Verschulden | erforderlich |
| Dauerzustand | regelmäßiger Konsum; zeitlicher Zusammenhang der Vorfälle nötig (einmal jährlich → kein Hang zum Alkoholismus) |
| Abgrenzung | § 82 lit f (beharrliche Pflichtenverletzung — schon bei einmaliger Alkoholisierung bei Alkoholverbot/Lebensgefährdung) · § 82 lit b (Arbeitsunfähigkeit, → lb-bnd-22) |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 82 lit c GewO 1859** (Trunksucht) — ausdrücklich zitiert ✅
- **§ 82 lit f GewO 1859** und **§ 82 lit b GewO 1859**
(Abgrenzungstatbestände) — zitiert ✅
- **§ 27 Z 1 / § 27 Z 2 / § 27 Z 4 Fall 1 AngG** (Angestelltenrecht ohne
Entsprechung; in Betracht kommende Tatbestände) — zitiert ✅
- Der Begriff „Trunksucht" ist gesetzlich undefiniert; die Judizierung
(wiederholte Trunkenheit mit Hang zum Alkoholismus) beruht auf Judikatur —
⚠ RIS-Verifikation im Einzelfall offen.
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Frist-Regel mit Abrechnungsrelevanz:** die gestraffte Unverzüglichkeit
(keine Überlegungsfrist nach der zweiten Verwarnung) ist ein
**Verfahrenswert**; der Ausspruchstag bleibt der letzte Entgelttag.
- **Zwei Verwarnungen vor Entlassung** sind Verfahrenshistorie — im
Beendigungs-Workflow als Hinweis führen, nicht automatisierbar.
- **Verfristete Entlassung** bleibt wirksam, ist aber **unbegründet**
Anspruchs-Flags (Abfertigung Alt, Urlaubsersatzleistung) nach der
Entlassungs-Folgen-Matrix (→ lb-bnd-31).
- Alkohol-/Drogenmissbrauch selbst ist kein Abrechnungsparameter; ggf.
Schnittstelle zu Verhaltenspflichten im Krankenstand.
- Kein SV-/Meldewesen-Spezifikum im Briefing.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-bnd-22 (Entlassung Arbeiter Arbeitsunfähigkeit,
Abgrenzung) · lb-bnd-23 (Entlassung Arbeiter Beharrliche
Pflichtenvernachlässigung, § 82 lit f GewO, Abgrenzung) · lb-bnd-30
(Entlassung Arbeiter Vertrauensunwürdigkeit) · lb-bnd-31 (Entlassung
Folgen und Ansprüche) · lb-bnd-33 (Entlassungsgründe Arbeiter und Angestellte)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (GewO/AngG-Regime)