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id: lb-pfa-04
batch: 4
title: "Lohnpfändung - Begriff und Arten"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung"
topic: lohnpfandung
author: "Kraft"
stand: 2026-07
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_lohnpfandung_begriff_und_arten.pdf"
text: ".lexis360/md/lohnpfandung_begriff_und_arten.md"
legal_bases: ["EO § 19", "EO § 20", "EO § 289 Abs 3", "EO § 301 Abs 1 Z 6", "EO § 301 Abs 5"]
tags: [lohnpfandung, drittschuldner, bezugeexekution, unterhaltsexekution, exekutionsarten, verwalter]
cross_refs: ["lb-pfa-01", "lb-pfa-05", "lb-pfa-06", "lb-pfa-10", "lb-pfa-13"]
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# Lohnpfändung Begriff und Arten
*Lexis Briefings Personalrecht, Kraft, Stand Juli 2026 (lb-pfa-04).*
## Zusammenfassung
- **Begriff:** Lohnpfändung (auch Bezüge- oder Gehaltsexekution) ist die
**Zwangsvollstreckung auf das Arbeitseinkommen** des Schuldners
(Lohn, Gehalt, Honorar etc.). Der Gläubiger („betreibende Partei")
lässt — aufgrund eines **Exekutionstitels** (zB gerichtliches Urteil)
zur Befriedigung seiner Forderung — den Entgeltanspruch pfänden, der
dem Schuldner gegen einen **Drittschuldner** (idR Dienstgeber)
zusteht.
- Der Drittschuldner übernimmt quasi die Aufgaben eines **„Exekutors"**:
Er errechnet die pfändbaren Beträge, behält sie ein und führt sie an
das Exekutionsgericht ab.
- **Verwalter:** Seit 1. 7. 2021 kann im Exekutionsverfahren ein
Verwalter bestellt sein (§ 301 Abs 1 Z 6 EO). Beantragt der Gläubiger
kein bestimmtes Exekutionsmittel, umfasst das Paket nach **§ 19 EO**
Fahrnisexekution, Gehaltsexekution und Aufnahme eines
Vermögensverzeichnisses; nach **§ 20 EO** („erweitertes
Exekutionspaket") ermittelt (und allenfalls verwertet) der Verwalter
Forderungen und Vermögensrechte. Der Verwalter kann sich mit dem
Drittschuldner verbinden (§ 301 Abs 5 EO) — etwa für eine
Vermögensaufstellung, die Berechnung des Existenzminimums oder die
Aufforderung zur Drittschuldnererklärung.
- **Anwendungsbereich (§ 289 Abs 3 EO):** Gepfändet werden regelmäßig
**wiederkehrende Geldleistungen** („Bezügeexekution"), insbesondere
Einkünfte aus einem Arbeitsverhältnis oder sonstige wiederkehrende
Leistungen mit **Einkommens(ersatz)funktion**. Für unregelmäßige
„Nebeneinkünfte" (zB Werklöhne, Bezüge aus freien Dienstverträgen)
gibt es ein **„Neben-Existenzminimum"** (Zusammenrechnung von
Bezügen).
- **Existenzminimum:** Um dem Schuldner die Existenzgrundlage zu lassen,
ist der Arbeitsverdienst im Regelfall nur **teilweise** pfändbar; der
unpfändbare Freibetrag ist zu berechnen (→ lb-pfa-05).
- **Arten (grundlegende Unterscheidung):** **Unterhaltsexekutionen**
(zugunsten gesetzlicher Unterhaltsansprüche inkl. Zinsen und
Prozesskosten) vs. **gewöhnliche Exekutionen** (alle sonstigen
Forderungen) — bei Unterhaltspfändungen ist das Existenzminimum
**niedriger**.
- **Vollstreckungsträger:** Meist das **Gericht** (Exekutionsbewilligung,
zugestellt mittels RSa, „blauer Brief"); daneben
**Finanzbehörden** (Steuerschulden), **Sozialversicherungsträger**
(Beitragsschulden, zB über den Rückstandsausweis) und
**Verwaltungsbehörden** (zB Verwaltungsstrafen für
Verkehrsdelikte) — dort fallen Gläubiger und Vollstreckungsbehörde
zusammen. Denkbar sind auch **privatrechtliche** Varianten:
vertragliche **Verpfändungen** und **Gehaltsabtretungen
(Zessionen)**, meist von Banken zur Kreditsicherung, zunehmend auch
von Inkassobüros; der Dienstgeber erhält eine Verpfändungs- bzw.
Abtretungsanzeige (→ lb-pfa-13).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Verwalterbestellung | möglich seit **1. 7. 2021** (§ 301 Abs 1 Z 6 EO) (Stand 2026-07) |
| Exekutionspaket ohne Mittelangabe | Fahrnisexekution + Gehaltsexekution + Vermögensverzeichnis (§ 19 EO) (Stand 2026-07) |
| Erweitertes Exekutionspaket | Forderungen und Vermögensrechte werden durch den Verwalter ermittelt (ggf. verwertet) (§ 20 EO) (Stand 2026-07) |
| Pfändungsgegenstand | regelmäßig wiederkehrende Geldleistungen mit Einkommens(ersatz)funktion — „Bezügeexekution" (§ 289 Abs 3 EO) (Stand 2026-07) |
| Gerichtliche Zustellung | Exekutionsbewilligung mittels **RSa** („blauer Brief") (Stand 2026-07) |
| Existenzminimum | bei Unterhaltspfändungen **niedriger** als bei gewöhnlichen Pfändungen (Stand 2026-07) |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 289 Abs 3 EO** (Bezügeexekution, wiederkehrende Geldleistungen),
**§ 301 Abs 1 Z 6 EO** und **§ 301 Abs 5 EO** (Verwalter) sowie
**§ 19 EO / § 20 EO** (Exekutionspakete) — ✅ alle im Quelltext
ausdrücklich zitiert.
- Belegstelle des Quelltexts: Markowetz in Deixler-Hübner (Hrsg),
Exekutionsordnung (35. Lfg 2022) Vor § 289 ff EO Rz 24.
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Pfändungstyp als Stammdatum:** Die Unterscheidung
gewöhnliche/Unterhaltspfändung sowie die Vollstreckungsträger
(Gericht, Finanz, SV, Verwaltung, privat) steuern Tabellenwahl,
Fristen und Pflichten → als typisierendes Feld je
Pfändungsvormerkung abbilden (→ lb-pfa-10, lb-pfa-13).
- **Drittschuldner-Rolle:** Die Abzugs- und Überweisungslogik liegt beim
Arbeitgeber — im Abrechnungslauf als dedizierte Abzugsregeln
je Pfändung, nicht als pauschale Nettokorrektur.
- **Nebeneinkünfte:** Das „Neben-Existenzminimum" für unregelmäßige
Bezüge verlangt eine Zusammenrechnung mehrerer Einkunftsquellen — für
Payroll nur relevant, wenn mehrere (auch externe) Bezüge
zusammengeführt werden (→ lb-pfa-05).
## Verweise
- **KB-intern:** lb-pfa-01 (Einlangen, Pflichten) · lb-pfa-05 (Berechnung
Existenzminimum) · lb-pfa-06 (Drittschuldnererklärung) · lb-pfa-10
(Ranganmerkung) · lb-pfa-13 (Verpfändung, Zession, Inkasso)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`
(allgemeines Entgeltregime der Privatwirtschaft; Lohnpfändung gilt
kontextübergreifend, für Bgld.-Gemeinden siehe `RECHTSQUELLEN-Bgld.md`).
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