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id: lb-ues-02
batch: 5
title: "Überstundenpauschale und All-in"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Arbeitszeit"
topic: uberstunden
author: "Thöny-Maier"
stand: 2025-12
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_uberstundenpauschale_und_all_in.pdf"
text: ".lexis360/md/uberstundenpauschale_und_all_in.md"
legal_bases: ["AZG § 10", "AZG § 7 Abs 6", "AVRAG § 2g", "UrlG § 7"]
tags: [uberstundenpauschale, all-in, deckungsrechnung, grundlohn, widerrufsvorbehalt, deckungsprufung]
cross_refs: ["lb-ues-01", "lb-ues-03", "lb-ues-04", "lb-zus-07", "lb-zus-08", "lb-sch-01"]
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# Überstundenpauschale und All-in
*Lexis Briefings Personalrecht, Thöny-Maier, Stand Dezember 2025 (lb-ues-02).*
## Zusammenfassung
- **Zwei Pauschalierungsformen:** Beim **Überstundenpauschale** wird zusätzlich
zum Gehalt ein monatliches Pauschale für eine fest vereinbarte Anzahl von
Überstunden samt Zuschlag bezahlt — unabhängig davon, ob diese tatsächlich
anfallen. Beim **All-in** deckt eine vereinbarte Gesamtsumme Grundgehalt,
Zulagen/Zuschläge, Reise-/Wegzeiten und sämtliche zulässige Mehr- und
Überstunden samt Zuschlägen ab.
- **§ 2g AVRAG (neue Verträge ab 1. 1. 2016):** Der dem Arbeitnehmer
zustehende **Grundlohn ist zwingend im Arbeitsvertrag/Dienstzettel
auszuweisen**; fehlt der Ausweis, gebührt der branchen- und ortsübliche
**Ist-Grundlohn** vergleichbarer Arbeitnehmer. Für Altverträge (vor
31. 12. 2015) gilt die Deckungsrechnung vom kollektivvertraglichen
Mindestsatz (Verwendungs-/Berufsgruppe im aktuellen Jahr) aus.
- **Deckungsrechnung (zwingend bei beiden Formen):** Der Arbeitnehmer darf
durch die Pauschalierung nicht schlechter gestellt sein als bei
Einzelabrechnung; die Prüfung erfolgt mangels abweichender Vereinbarung für
das **Kalenderjahr**. Deckt das Pauschale nicht, gilt es als
**Akontozahlung** — die Differenz ist nachzuzahlen.
- **Grenzen:** **Unzulässige** Überstunden sind ohne ausdrückliche Erwähnung
nicht erfasst. Die Einbeziehung der **Urlaubsersatzleistung** in ein All-in
ist **nichtig** (Ablöseverbot des § 7 UrlG).
- **Berechnungsmethode (Pauschale):** Vereinbartes (bzw. Ist-)Grundgehalt ÷
Überstundenteiler = Grundstunde; Zuschlag darauf; Vergleich mit der
Einzelabrechnung der geleisteten Stunden. Beispiel des Briefings:
Grundgehalt € 2.200, bei 40-h-Woche, Teiler 1/158 → Grundstunde € 13,92;
Pauschale für 15 Überstunden à 50 % = € 313,12 × 14/Jahr; geleistet wurden
168 Überstunden à 50 % und 14 à 100 % = € 3.897,60 → Pauschale (€ 4.383,68)
deckt, keine Nachzahlung.
- **AZG-Novelle 2018-Konflikt bei Alt-All-ins:** Die neu zulässigen
(früher unzulässigen) Stunden waren bei Altverträgen nicht „mitgedacht" und
bleiben daher grundsätzlich unabgegolten; ihre **Leistung** kann der
Arbeitnehmer nach § 7 Abs 6 AZG grundlos ablehnen (> 10 h/Tag bzw.
50 h/Woche). Das **Wahlrecht des § 10 Abs 4 AZG** (Geld oder Zeitausgleich)
geht vertraglich im All-in nicht unter.
- **Verfall:** Eine Verfallfrist beginnt erst mit der Geltendmachbarkeit,
regelmäßig mit Ende des Durchrechnungszeitraums (default Kalenderjahr).
- **Widerruf:** Ein Überstundenpauschale ist ohne ausdrücklichen
**Widerrufsvorbehalt** nicht widerruflich — auch nicht bei Wegfall des
Überstundenbedarfs; mit Vorbehalt nur nach billigem Ermessen.
- **Abgleich (verpflichtend, Stand-Divergenz):** Dieses Briefing (2025-12)
behandelt nur die **arbeitsrechtliche** Seite und zitiert keine
§ 68-EStG-Werte — ✅ kein Konflikt zu RECHTSQUELLEN-Privat. Die
**abgabenrechtliche All-in-Handhabung** liefert das neuere Briefing
**lb-zus-07 (Stand 2026-07)**: 2026 steuerfrei die Zuschläge für die ersten
**15 Überstunden**, max. **€ 170,/Monat**; ab 2027 wieder **10 Überstunden
/ € 120,** — ✅ deckungsgleich mit RECHTSQUELLEN-Privat (RIS-korrigiert
11.09.2026: § 124b **Z 440 lit c idF BGBl I 4/2026**, Aufrollung bis
31. 5. 2026 — das lb-zus-07-Zitat ist RIS-bestätigt; die frühere
„Z 476 lit c"-Zuordnung war ein Fehlzitat, Z 476 = Pendlerpauschale).
Zudem: Herausrechnen der Zuschläge aus All-in mit dem
**Teiler 195,5** (LStR Rz 1162) — nur für die Steuerbegünstigung, **nicht**
für die hier beschriebene arbeitsrechtliche Deckungsprüfung (→ lb-zus-07).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2025-12)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Überstundenpauschale | feste monatliche ÜStd-Anzahl samt Zuschlag; gebührt auch ohne tatsächliche Leistung |
| All-in | Grundgehalt + Zulagen/Zuschläge + Reise-/Wegzeiten + **sämtliche** Mehr-/ÜStd samt Zuschlägen pauschal abgegolten |
| § 2g AVRAG | ab 1. 1. 2016 zwingender Grundlohn-Ausweis im Vertrag/Dienstzettel; sonst Ist-Grundlohn |
| All-in alt | vor 31. 12. 2015: Deckungsrechnung ab KV-Mindestsatz (Einstufung in Verwendungs-/Berufsgruppe) |
| Deckungsrechnung | Durchschnittsvergleich gegen Einzelabrechnung; default Zeitraum **1 Kalenderjahr**; Unterdeckung → Akonto, Differenz nachzahlen |
| Unzulässige ÜStd | nur bei ausdrücklicher Erwähnung erfasst; Ø-Grenze 48 h/17 Wochen beachten |
| Urlaubsersatzleistung | Einbeziehung nichtig (§ 7 UrlG) |
| Verfallfrist | Beginn mit Geltendmachbarkeit, idR Ende des Durchrechnungszeitraums (Kalenderjahr) |
| Widerruf | ohne Widerrufsvorbehalt unzulässig; mit Vorbehalt nur nach billigem Ermessen; kein einseitiger Umstieg auf Einzelabrechnung |
| § 10 Abs 4 AZG | Wahlrecht Geld/Zeitausgleich (> 10 h/Tag bzw. 50 h/Woche) durch All-in nicht abbedingbar |
| § 68 Abs 2 EStG (Kontext) | 2026: **15 ÜStd / € 170,**, ab 2027: **10 / € 120,** — per lb-zus-07 (2026-07) ✅ RECHTSQUELLEN-Privat |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 10 AZG** (Abgeltungsgrundsatz; Abs 4-Wahlrecht idF BGBl I 2018/53),
**§ 7 Abs 6 AZG** (grundlose Ablehnung > 10 h/Tag / 50 h/Woche),
**§ 2g AVRAG** (Grundlohn-Ausweis), **§ 7 UrlG** (Ablöseverbot) — ✅ alle im
Quelltext zitiert.
- AZG-Novelle 2018 (BGBl I 2018/53) als Änderungsgrundlage genannt.
- Lohnsteuerliche Werte (§ 68 Abs 2 EStG) stammen **nicht** aus diesem
Briefing, sondern aus lb-zus-07 (Stand 2026-07) und sind dort gegen
RECHTSQUELLEN-Privat abgeglichen (✅; § 124b-Zitierkonflikt ⚠ dort).
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Entgeltmodell-Flag** am Arbeitnehmer/Vertrag: Pauschale oder All-in
(mit Ausweis-Grundgehalt wegen § 2g AVRAG); Payslip führt den
Pauschalbetrag als eigenen Bezugsbestandteil.
- **Deckungsrechnung als Jahres-Prüfbericht:** geleistete Überstunden aus den
Work-Entries (Grundstunden + Zuschläge je KV-Satz) gegen das abgerechnete
Pauschale rechnen; bei Unterdeckung Differenz als Nachzahlungs-Work-Entry —
Akonto-Wirkung automatisch dokumentieren.
- **Getrennte Rechengrößen:** arbeitsrechtliche Deckungsprüfung mit dem
KV-Überstundenteiler; steuerliche Begünstigung mit Teiler 195,5 — nie
mischen (→ lb-zus-07); Teiler als versionierte Parameter führen.
- **Ruhe der Pauschale** während Schwangerschafts-Beschäftigungsverboten als
Regel-Ausnahme-Logik (→ lb-sch-01: Pauschale während der Verbotszeit nicht
auszahlen; § 2g-Ausweis entscheidet über All-in-Reduktion).
- **§ 68-Abs-2-Freigrenzen** (2026: 15/170; ab 2027: 10/120) als
`hr.rule.parameter`-Jahreswerte — nie hard-codieren (→ lb-zus-07).
## Verweise
- **KB-intern:** lb-ues-01 (Ausmaß der Überstunden) · lb-ues-03 (Vergütung,
Grundstunde) · lb-ues-04 (Leistungspflicht) · lb-zus-07 (abgabenrechtliche
All-in-Handhabung, § 68-Abs-2-Werte, Teiler 195,5) · lb-zus-08 (arbeitsrechtliche
ÜStd-Zuschläge) · lb-sch-01 (Ruhe der Pauschale bei MSchG-Verboten)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` — § 68 EStG ✅
(verbindliche Referenz für die Freigrenzen inkl. § 124b-Z-Lage).