--- id: lb-elt-06 batch: 7 title: "Elternteilzeit - Verfahren bei Nichteinigung" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Schwangerschaft & Elternkarenz" topic: elternteilzeit author: "Sabara" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_elternteilzeit_verfahren_bei_nichteinigung.pdf" text: ".lexis360/md/elternteilzeit_verfahren_bei_nichteinigung.md" legal_bases: ["MSchG § 15h", "MSchG § 15i", "MSchG § 15j", "MSchG § 15k", "MSchG § 15l", "MSchG § 15m", "MSchG § 15q", "VKG § 8a", "VKG § 8c", "VKG § 8d", "VKG § 8e", "VKG § 9", "ASGG § 50"] tags: [elternteilzeit, nichteinigung, asg-verfahren, ersatzkarenz, vergleichsverfahren, feststellungsklage] cross_refs: ["lb-elt-02", "lb-elt-04", "lb-elt-05", "lb-kar-04"] --- # Elternteilzeit – Verfahren bei Nichteinigung *Lexis Briefings Personalrecht, Sabara, Stand Juli 2026 (lb-elt-06).* ## Zusammenfassung - **Ausgangspunkt:** Verlangen schriftlich bekannt geben (Gesetzeswortlaut § 15j Abs 3 und 4 MSchG, § 8b Abs 3 und 4 VKG); nach der Rsp genügt u.U. ein mündlicher/unkennzeichneter Antrag, wenn der Betreuungszweck erkennbar ist (→ lb-elt-04, lb-elt-01). Besteht ein **Rechtsanspruch**, muss bei Nichteinigung der **Arbeitgeber** klagen; bei **vereinbarter** Elternteilzeit muss der **Arbeitnehmer** klagen. - **Verfahren bei Rechtsanspruch** (§ 15k MSchG, § 8c VKG): 1. **Verhandlungsphase** über Beginn, Dauer, Ausmaß und Lage (AN kann Betriebsrat beiziehen; nach zwei Wochen können Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer beigezogen werden). 2. **Keine Einigung binnen vier Wochen** (unter Beiziehung des Betriebsrats) → der Arbeitnehmer kann die Elternteilzeit **zu den von ihm bekannt gegebenen Bedingungen antreten** — außer der Arbeitgeber bringt binnen **weiterer zwei Wochen** (insgesamt max. sechs Wochen ab Antrag) einen **Antrag auf gütliche Einigung** beim Arbeits- und Sozialgericht ein. 3. Kommt binnen **vier Wochen ab Einlangen bei Gericht** keine gütliche Einigung (Vergleich) zustande (spätestens zehn Wochen ab Antragstellung), wird die beantragte Elternteilzeit wirksam — außer der Arbeitgeber klagt binnen **einer Woche** ab Ende des Vergleichsverfahrens auf Einwilligung in **seine** Bedingungen. Eine bloße Ablehnung ohne Gegenvorschlag ist in der Klage nicht möglich: Der Arbeitgeber kann die Elternteilzeit nicht verhindern, nur ihre Ausgestaltung beeinflussen. Das Gericht gibt der Klage statt, wenn die **betrieblichen Erfordernisse** die Interessen des Arbeitnehmers überwiegen; sonst wird die Arbeitnehmer-Variante mit Rechtskraft wirksam. Kein Kostenersatzanspruch, keine Berufung. - **Verfahren bei vereinbarter Elternteilzeit** (§ 15l MSchG, § 8d VKG): Verhandlungsphase (evtl. mit Betriebsrat); der Arbeitgeber muss eine Ablehnung **schriftlich begründen** (Grund nur allgemein, zB „organisatorische Ausgleichsmaßnahmen unmöglich"; Pflicht bei Bekanntgabe ab 1. 11. 2023). **Keine Einigung binnen zwei Wochen** → der Arbeitnehmer kann den Arbeitgeber **auf Einwilligung** in die Elternteilzeit (inkl. Beginn, Dauer, Lage, Ausmaß) klagen („Prozessrisiko beim Arbeitnehmer"); Abweisung, wenn sachliche Gründe entgegenstehen — Abstellung auf **Organisierbarkeit und Verkraftbarkeit**; Unteilbarkeit des Arbeitsplatzes ist ein wichtiges Argument, eine ungünstige wirtschaftliche Lage nicht. Kein Kostenersatzanspruch, keine Berufung. - **Ersatzkarenz statt Elternteilzeit** (§ 15m MSchG, § 8e VKG): Bei Nichteinigung kann der Arbeitnehmer binnen **einer Woche** bekannt geben, dass er statt der Elternteilzeit — oder bis zur Entscheidung des Gerichts — **Karenz** nimmt, längstens bis zur Höchstdauer der Karenz (22./24. Lebensmonat, → lb-kar-04). Das gilt bei Rechtsanspruch und Vereinbarung; die Zurückziehung des Elternteilzeitverlangens ist kein Verzicht — nach der Ersatzkarenz ist ein neues Verlangen möglich, solange keine Elternteilzeit angetreten und die Maximaldauer nicht verstrichen ist (8 ObA 72/16w; OLG Wien 7 Ra 72/25x). - **Karenz des anderen Elternteils** (§ 15q MSchG, § 9 VKG): Lehnt ein Arbeitgeber die Teilzeit ab und nimmt dieser Elternteil keine Karenz, kann der andere Elternteil für diese Zeit — längstens bis zur Höchstdauer — Karenz in Anspruch nehmen; Beginn und Dauer unverzüglich bekannt geben, Ablehnung nachweisen. - **Missbräuchlicher Elternteilzeitwunsch:** Weder MSchG noch VKG normieren die Betreuung als ausdrückliche Voraussetzung; das ASG Wien hält für den Arbeitgeber eine **Feststellungsklage** bereit, wenn die Anspruchsvoraussetzungen fehlen, und verlangt, dass die Arbeitszeitveränderung zur Betreuung des Kleinkindes **tatsächlich notwendig** ist (kein Anspruch, wenn die Betreuung durch den anderen Elternteil gewährleistet ist). Feststellungsklagen unterliegen nicht dem Kostenersatzausschluss des § 58 iVm § 50 Abs 2 ASGG — im Obsiegsfall stehen dem Arbeitgeber die Verfahrenskosten zu. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Stufe / Frist | Detail | |---|---| | Verhandlungsphase (Anspruch) | **4 Wochen** (mit Betriebsrat); AK/WKO ab 2 Wochen beiziehbar | | Antrag auf gütliche Einigung (AG) | binnen **weiterer 2 Wochen** (insgesamt max. 6 Wochen ab Antrag) | | Vergleichsversuch vor Gericht | **4 Wochen** ab Einlangen; danach ETZ wirksam (max. **10 Wochen** ab Antrag) | | AG-Klage auf Einwilligung | binnen **1 Woche** ab Ende des Vergleichsverfahrens, mit Gegenvorschlag | | Vereinbarte ETZ | Einigungsfrist **2 Wochen**, dann AN-Klage; AG-Ablehnung schriftlich (Bekanntgabe ab 1. 11. 2023) | | Ersatzkarenz | Bekanntgabe binnen **1 Woche** ab Nichteinigung; längstens bis Karenz-Höchstdauer (22./24. LM) | | Prozessbesonderheiten | kein Kostenersatz, keine Berufung (Ausnahme: AN-Feststellungsklage, 8 ObA 8/16h) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 15k MSchG / § 8c VKG** — Verfahren beim Rechtsanspruch; **§ 15l MSchG / § 8d VKG** — Verfahren bei vereinbarter Elternteilzeit; **§ 15m MSchG / § 8e VKG** — Ersatzkarenz; **§ 15q MSchG / § 9 VKG** — spätere Karenz-Geltendmachung des anderen Elternteils; § 58 iVm § 50 Abs 2 ASGG — Kostenersatzausschluss. - ⚠ **Quellen-Redaktionsfehler:** Das Briefing zitiert für den **Rechtsanspruch** „§ 15h MSchG, § 8a VKG"; nach der Systematik (vgl. lb-elt-02, § 8 VKG = Anspruch, § 8a VKG = Vereinbarung) ist § 8a dort vermutlich ein Zitierfehler — vor Implementierung gegen RIS verifizieren. - Judikatur: 8 ObA 72/16w, OLG Wien 7 Ra 72/25x (Ersatzkarenz, neues Verlangen), 8 ObA 8/16h (Berufung bei Feststellungsklage), ASG Wien 1 Cga 108/20p (Feststellungsklage, Betreuungsnotwendigkeit). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Verfahrensstatus am ETZ-Objekt** (`verhandelt | gütliche_einigung | klage | wirksam | gescheitert`) mit den Fristenmarken 4+2/6/10/1 Woche bzw. 2+1 Woche — rein terminsteuernd (Kalender-Constraints), ohne eigene Abrechnungsfolgen. - **ETZ wirksam trotz Nichteinigung:** Ab Inkrafttreten der Arbeitnehmer-Variante (Rechtskraft) läuft die Abrechnung auf dem reduzierten Ausmaß — Antrittsstichtag sauber führen, da Bandbreite und Entgelt-Aliquotierung daran hängen. - **Ersatzkarenz = Wechsel des Abwesenheitstyps:** ETZ-Verlangen → Karenz (unbezahlt, SV-Abmeldung, Karenz-Kündigungs- und Dienstzeitanrechnung nach lb-kar-04/lb-kar-05) — im Work-Entry-Modell als Umwandlungsereignis, nicht als neue Anstellung. - **Keine Kosten-/Berufungslogik im System** — Gerichtsverfahren bleiben außersystemisch; die Dokumentation der Nichteinigungszeitpunkte (inner- vs. außerbetrieblich) genügt der Beweissicherung. ## Verweise - **KB-intern:** lb-elt-02 (Rechtsanspruch vs. Vereinbarung — wer klagt) · lb-elt-04 (Bekanntgabe, Änderung, Fristenfortgang) · lb-elt-05 (Kündigungsschutz während des gesamten Verfahrens) · lb-kar-04 (Höchstdauer 22./24. Lebensmonat als Ersatzkarenz-Grenze) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; GemBG-Schiene: Elternteilzeitverfahren nach MSchG/VKG sind für Gemeindebedienstete nicht einschlägig (GemBG-Dienstrecht) — `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Bgld.md`. - *Hinweis:* Quellenverweise auf Muster (Antrag auf gütliche Einigung, Ergebnisaufzeichnungen) — Arbeitshilfen des Werks, im Export nicht enthalten.