--- id: lb-glb-07 batch: 6 title: "Verletzung Gleichbehandlungsgebot - Rechtsfolgen" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Verhaltenspflichten" topic: gleichbehandlung author: "Vinzenz" stand: 2026-08 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_verletzung_gleichbehandlungsgebot_rechtsfolgen.pdf" text: ".lexis360/md/verletzung_gleichbehandlungsgebot_rechtsfolgen.md" legal_bases: ["GlBG §§ 12, 15, 26", "BEinstG §§ 7e ff", "ABGB § 1486"] tags: [gleichbehandlung, rechtsfolgen, schadenersatz, entschadigung, fristen, lohnsteuer] cross_refs: ["lb-glb-02", "lb-glb-03", "lb-glb-05", "lb-glb-06", "lb-beh-04", "lb-lvr-04"] --- # Verletzung Gleichbehandlungsgebot – Rechtsfolgen *Lexis Briefings Personalrecht, Vinzenz, Stand August 2026 (lb-glb-07).* ## Zusammenfassung - **Sanktionsregime (§§ 12, 26 GlBG; §§ 7e ff BEinstG):** drei Rechtsfolgentypen — (1) Herstellung des diskriminierungsfreien Zustands (Vergangenheit und Zukunft), (2) Ersatz des materiellen und ideellen Schadens, (3) bei diskriminierender **Beendigung** die Anfechtung der Beendigungserklärung; zusätzlich Verwaltungsstrafe bei Verletzung des Gebots der diskriminierungsfreien Stellenausschreibung. § 26 GlBG und die BEinstG-Folgen sind laut Briefing wortgleich zu § 12 GlBG ausgestaltet. - **Begründungsdiskriminierung (§ 12 Abs 1 GlBG):** materieller + ideeller Schadenersatz; der **Bestbewerber** erhält **mindestens zwei Monatsentgelte**; gelingt dem Arbeitgeber der Nachweis, dass der Schaden nur in der Nichtberücksichtigung der Bewerbung lag, max. **€ 500,–**. „Ungenannte dritte Gruppe" (nicht bestgeeignet, aber mehr als bloße Nichtberücksichtigung): Bemessung nach allgemeinen Haftungsregeln ohne Ober-/Untergrenze. - **Aufstiegsdiskriminierung (§ 12 Abs 5 GlBG):** laut Briefing Mindestschadenersatz von **drei Monatsentgelten**, bloße Nichtberücksichtigung bis **€ 500,–** — ⚠ **Korpus-Widerspruch**: lb-beh-04 (Stand 2026-08) formuliert „mind. **3 Monate des Differenzbetrags** zwischen tatsächlichem Entgelt und dem der Beförderungsstelle" (andere Bemessungsgrundlage); vor Implementierung gegen RIS klären. - **€ 1.000,–-Hinweis:** das Briefing nennt in einem Hinweis für Bestbewerber/Beförderungsbetroffene einen „Mindestanspruch auf Schadenersatz iHv **€ 1.000,–**" (materiell + ideell) — ⚠ während lb-beh-04 (Stand 2026-08) **€ 1.000,–** als Mindestersatz bei **Belästigung** dokumentiert (dort bereits mit RIS-Verifikationsvorbehalt, ohne §-Zitat); Zuordnung des Mindestbetrags gegen RIS klären (vgl. lb-glb-03). - **Entgeltdiskriminierung (§ 12 Abs 2):** Herstellung des diskriminierungsfreien Zustands + Ersatz des ideellen Schadens; Entgeltbegriff = alle Geld- und Sachleistungen für die Zurverfügungstellung der Arbeitskraft (inkl. Sozialleistungen; ohne Aufwandsentschädigungen). - **Freiwillige Sozialleistungen (§ 12 Abs 3), Aus-/Weiterbildung (Abs 4), sonstige Arbeitsbedingungen (Abs 6) und sonstige Arbeitswelt (Abs 8–10):** Wahl zwischen Herstellung + ideellem Schadenersatz oder materiellem + ideellem Schadenersatz. - **Beendigungsdiskriminierung (§ 12 Abs 7):** Wahlrecht zwischen Anfechtung der Beendigungserklärung (bzw Feststellung des unbefristeten Bestehens) und materiellem + ideellem Schadenersatz; **kein** ideeller Schadenersatz neben der Anfechtung (9 ObA 5/14x). - **Steuerrechtliche Einordnung:** Ersatz eines **Vermögensschadens** = steuerpflichtige Einnahme aus nichtselbstständiger Arbeit; Entschädigung für die erlittene **persönliche Beeinträchtigung** (immateriell) = **nicht steuerbar**; zugesprochene **Gesamtbeträge** sind zur Gänze den Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit zuzuordnen. Zufluss im bestehenden Dienstverhältnis → lohnsteuerpflichtiger Vorteil mit **Besteuerung als Vergleichssumme** und Lohnzettel-Pflicht; Zahlungen an übergangene Stellenwerber im Weg der **Veranlagung**. Belästigungs-Zahlungen zum Ausgleich der persönlichen Beeinträchtigung = echter Schadenersatz, nicht steuerbar, soweit keine Vermögensschadens-Abgeltung. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08) | Wert / Frist | Detail | |---|---| | Begründung — Bestbewerber | mindestens **2 Monatsentgelte** (§ 12 Abs 1 GlBG) (Stand 2026-08) | | Begründung — bloße Nichtberücksichtigung | max. **€ 500,–** (§ 12 Abs 1 GlBG) (Stand 2026-08) | | Aufstieg | min. **3 Monatsentgelte** nach lb-glb-07 — ⚠ lb-beh-04 (Stand 2026-08): „mind. 3 Monate des Differenzbetrags"; Bemessungsgrundlage gegen RIS klären | | Mindestanspruch **€ 1.000,–** | Hinweis des Briefings für Bestbewerber/Beförderung — ⚠ Zuordnung uneinheitlich im Korpus: lb-beh-04 (Stand 2026-08) dokumentiert € 1.000,– als Belästigungs-Mindestersatz (ohne §-Zitat); RIS-Klärung erforderlich | | Anfechtung der Beendigung | **14 Tage** ab Zugang der Beendigungserklärung, Klage beim Arbeits- und Sozialgericht (§ 15 Abs 1a, § 12 Abs 7 S 2 GlBG) (Stand 2026-08) | | Schadenersatz nach diskriminierender Beendigung | **6 Monate** (Stand 2026-08) | | Begründung/Aufstieg | **6 Monate** ab Ablehnung der Bewerbung/Beförderung (Stand 2026-08) | | Geschlechtsbezogene Belästigung | **1 Jahr** (Stand 2026-08) | | Sexuelle Belästigung | **3 Jahre** (Stand 2026-08) | | Sonstige Ansprüche (§ 12 Abs 2, 3, 4, 6, 8, 9, 10) | **3 Jahre** (§ 1486 ABGB) (Stand 2026-08) | | COVID-Fristhemmung | am 16. 3. 2020 laufende oder danach beginnende Anfechtungsfristen gehemmt bis **30. 4. 2020** (Stand 2026-08) | ## Rechtsgrundlagen - **GlBG § 12** (Abs 1 Begründung, Abs 2 Entgelt, Abs 3/4/6 Sozialleistungen/Weiterbildung/sonstige Arbeitsbedingungen, Abs 5 Aufstieg, Abs 7 Beendigung, Abs 8–10 sonstige Arbeitswelt), **§ 15 Abs 1a** (Fristen), **§ 26** (Rechtsfolgen, sonstige Merkmale); Verwaltungsstrafe bei Verstoß gegen die diskriminierungsfreie Stellenausschreibung (§ 23 GlBG) ohne Betragsangabe im Briefing. - **BEinstG §§ 7e ff:** Rechtsfolgen bei Diskriminierung Behinderter; zwingendes **Schlichtungsverfahren** vor Klage — ⚠ Bezeichnungsdifferenz im Korpus: lb-glb-07 nennt das „Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen", lb-beh-04 (Stand 2026-08) das „Sozialministeriumservice" (§ 7k Abs 1 BEinstG iVm §§ 14 ff BGStG); vermutlich dieselbe Einrichtung — vor Implementierung klären (→ lb-beh-04). - **ABGB § 1486** (dreijährige Verjährung). Judikatur: 9 ObA 5/14x (kein ideeller Schadenersatz bei Anfechtung). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Entschädigungszahlungen als Bezüge:** Materielle Anteile (Verdienstausfall, entgangenes Monatsentgelt) sind steuerpflichtige Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit — im bestehenden Dienstverhältnis als Vorteil mit **Vergleichssummen-Besteuerung** abrechnen und im **Lohnzettel** (L16) ausweisen (→ lb-lvr-04); Zahlungen an Nicht-Beschäftigte (übergangene Stellenwerber) erfolgen außerhalb der Lohnverrechnung (Veranlagung). Immaterielle Anteile (persönliche Beeinträchtigung) sind nicht steuerbar; **pauschal zugesprochene Gesamtbeträge zur Gänze steuerpflichtig** — die Aufteilung daher im Titel/Vergleich mitführen. SV-Beitragslage äußert das Briefing nicht (❓ offen). - **Herstellung des diskriminierungsfreien Zustands** beim Entgelt = rück- und zukunftsbezogene Entgeltkorrektur: Vertragsdaten (hr.version) anpassen, Differenzbeträge als Korrekturbezüge. - **Fristenmanagement:** 14-Tage-Anfechtung, 6-Monats- und 1-/3-Jahres- Anspruchsfristen, 3-jährige Verjährung (§ 1486 ABGB) im Fristenmodell erfassen. - Entgeltdiskriminierung präventiv über Entgeltauswertungen monitoren (Einkommensbericht → lb-glb-04); Mindest-/Höchstbeträge sind Schadenersatzwerte, **keine** regelbasierten Abrechnungswerte. ## Verweise - **KB-intern:** lb-glb-02 (Tatbestände) · lb-glb-03 (Belästigung, Belästigungs-Fristen) · lb-glb-05 (Überblick) · lb-glb-06 (Behinderung, BEinstG-Brücke) · lb-beh-04 (BEinstG-Folgen, Schlichtung, Mindestbeträge — ⚠ Abweichungen: Aufstiegsbemessung, € 1.000,–-Zuordnung, Schlichtungsstellen-Name, je Stand 2026-08) · lb-lvr-04 (Lohnzettel – L16) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`. - *Hinweis:* Das Briefing verweist für Behinderte auf „Behinderte Arbeitnehmer – Schutz vor Diskriminierung" (= lb-beh-04); Export-Artefakte (Footer) ignoriert.