--- id: lb-pfa-09 batch: 4 title: "Lohnpfändung - Kostenersatz für Bearbeitung" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: lohnpfandung author: "Kraft" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_lohnpfandung_kostenersatz_fur_bearbeitung.pdf" text: ".lexis360/md/lohnpfandung_kostenersatz_fur_bearbeitung.md" legal_bases: ["EO § 292h", "EO § 302"] tags: [lohnpfandung, kostenersatz, drittschuldnererklarung, pfandungsdurchfuehrung, umsatzsteuer] cross_refs: ["lb-pfa-04", "lb-pfa-05", "lb-pfa-06", "lb-pfa-07"] --- # Lohnpfändung – Kostenersatz für Bearbeitung *Lexis Briefings Personalrecht, Kraft, Stand Juli 2026 (lb-pfa-09).* ## Zusammenfassung - Dem Drittschuldner stehen für den Aufwand der Pfändungsbearbeitung **pauschale Kostenersätze** zu: einerseits für die **Drittschuldnererklärung** (§ 302 EO), andererseits für **Berechnung und Überweisung des pfändbaren Teils** (§ 292h EO). - **Kostenersatz für die Drittschuldnererklärung (§ 302 EO):** im Normalfall **€ 35,–**; im Ausnahmefall — die gepfändete Person ist unbekannt, nicht beim Dienstgeber beschäftigt oder bereits ausgetreten — nur **€ 25,–**. - **Umsatzsteuer:** Nach der Praxis wurde die USt zeitweise aus den Kostenersatzbeträgen herausgerechnet; der **VwGH** (2011/15/0181 = ARD 6445/18/2015) entschied, dass die Erstellung der Drittschuldnererklärung — ebenso wie Zeugenaussagen — eine **bloße Wissenserklärung** und kein Ausdruck einer wirtschaftlichen Tätigkeit ist. Der „Kostenersatz" ersetzt pauschal Aufwendungen/Nachteile des von einem behördlichen Eingriff Betroffenen; **keine steuerbare Leistung**, keine USt abzuführen. Der Gesetzestext wurde an diese Rechtsprechung angepasst. - **Varianten der Geltendmachung** (auf dem Formular anzukreuzen): **Kosteneinbehalt vom Bezug** des Mitarbeiters (idR nur sinnvoll bei **erstrangiger** Pfändung; bei Vorpfändungen muss mit dem Einbehalt gewartet werden, bis die Exekution zum Zug kommt; das **Existenzminimum darf nicht geschmälert** werden — der Einbehalt geht idR zulasten des pfändbaren Betrags), **Verzicht** (dienstnehmerfreundliche Praxis mancher Unternehmen) oder **Überweisung durch den Gläubiger** (rasch und unabhängig vom Rang der Exekution). - **Kostenersatz für die Pfändungsdurchführung (§ 292h EO):** bei der **ersten** Zahlung an den betreffenden Gläubiger **2 %** des an den Gläubiger gehenden Betrags, höchstens **€ 8,–**; bei **weiteren** Zahlungen jeweils **1 %**, höchstens **€ 4,–**. Der Einbehalt erfolgt in der Gehalts-/Lohnabrechnung. - Die Kostenersätze sind **pauschaliert** — höhere tatsächliche Kosten kann der Dienstgeber nicht geltend machen. Der Abzug **nur vom pfändbaren Bezug** (nie vom Existenzminimum) verlängert idR die Tilgungszeit, weil sich die an den Gläubiger gehende Rate um den Kostenersatz verringert. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Kostenersatz Drittschuldnererklärung | Normalfall **€ 35,–** (§ 302 EO); Ausnahmefall (Person unbekannt/nicht beschäftigt/bereits ausgetreten) **€ 25,–** (Stand 2026-07) | | Kostenersatz Pfändungsdurchführung, erste Zahlung | **2 %** des an den Gläubiger gehenden Betrags, max. **€ 8,–** (§ 292h EO) (Stand 2026-07) | | Kostenersatz Pfändungsdurchführung, weitere Zahlungen | jeweils **1 %**, max. **€ 4,–** (Stand 2026-07) | | Kosteneinbehalt | nur vom **pfändbaren Bezug**, niemals vom Existenzminimum (Stand 2026-07) | | USt auf § 302-Kostenersatz | **keine** — bloße Wissenserklärung, keine steuerbare Leistung (VwGH 2011/15/0181, ARD 6445/18/2015) (Stand 2026-07) | | Variante Gläubiger-Überweisung | rascher Erhalt, unabhängig vom Rang (Stand 2026-07) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 302 EO** (Kostenersatz für die Drittschuldnererklärung) und **§ 292h EO** (Kostenersatz für Berechnung und Überweisung) — ✅ beide ausdrücklich zitiert. - Die USt-Beurteilung stützt sich auf die genannte VwGH-Entscheidung (Quelltext-Fußnote) — ✅ im Quelltext referenziert. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Eigener Abzugsposten im Pfändungskontext:** Der Kostenersatz ist Bestandteil des pfändbaren Betrags und mindert die Gläubigerrate — als eigene Abzugs-/Verteilposition je Pfändung abbilden, nicht als allgemeiner Lohnabzug. - **Rang-/Zählabhängigkeit:** „erste Zahlung" vs. „weitere Zahlungen" pro Gläubiger unterscheiden (2 %/max. € 8,– vs. 1 %/max. € 4,–); bei Kosteneinbehalt vom Bezug die Zugreihenfolge (erstrangig vs. nachrangig) berücksichtigen. - **Existenzminimum bleibt unangetastet:** Einbehalt nur aus der Pfändungsmasse — Reihenfolge in den Regeln erzwingen (EX zuerst). - **Kein USt-Buchungsfall:** Der Kostenersatz löst im Abrechnungs-/Buchungskontext keine USt aus — entsprechende Automatiken dürfen nicht greifen. - **Konfigurierbare Variante** je Pfändungsvormerkung: Einbehalt, Verzicht oder Gläubiger-Überweisung. ## Verweise - **KB-intern:** lb-pfa-04 (Begriff und Arten) · lb-pfa-05 (Existenzminimum bleibt ungeschmälert) · lb-pfa-06 (Drittschuldnererklärung, deren Kostenersatz) · lb-pfa-07 (Durchführung, Kostenersatz für die Berechnung/Überweisung) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; Bgld.-Gemeinden siehe `RECHTSQUELLEN-Bgld.md`. - *Hinweis:* Export-Footer („Page n", „Erstellt von …") ignoriert.