--- id: lb-pfa-01 batch: 4 title: "Einlangen einer Lohnpfändung" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: lohnpfandung author: "Kraft" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_einlangen_einer_lohnpfandung.pdf" text: ".lexis360/md/einlangen_einer_lohnpfandung.md" legal_bases: ["EO § 301 Abs 1 Z 6"] tags: [lohnpfandung, drittschuldner, ranganmerkung, existenzminimum, drittschuldnererklarung] cross_refs: ["lb-pfa-04", "lb-pfa-05", "lb-pfa-06", "lb-pfa-07", "lb-pfa-10", "lb-pfa-11"] --- # Einlangen einer Lohnpfändung *Lexis Briefings Personalrecht, Kraft, Stand Juli 2026 (lb-pfa-01).* ## Zusammenfassung - Langt eine Lohnpfändung beim **Drittschuldner** (idR Dienstgeber) ein, hat er die Exekution **ranggerecht einzureihen**, das **Existenzminimum** zu berechnen und den übersteigenden (pfändbaren) Betrag **einzubehalten und an den rangmäßig zum Zug kommenden Gläubiger zu überweisen**. - **Ranganmerkung:** Erfassung von Einlangedatum, Gläubiger, Forderungshöhe und Pfändungsart (Unterhalts- oder gewöhnliche Pfändung; behördliche Pfändung durch Gericht, Verwaltung oder Finanz bzw. vertragliche Verpfändung oder Zession) → lb-pfa-10. - **Unterhaltspflichten:** Eine ausdrückliche gesetzliche Pflicht, den Schuldner von sich aus danach zu befragen, gibt es nicht; die Rechtsprechung bejaht eine solche Nachfragepflicht aber aus der **arbeitsrechtlichen Fürsorgepflicht** → lb-pfa-11. - **Existenzminimum:** Je nach Art der Exekution gelten unterschiedliche Tabellen (gewöhnliche Pfändung: Tabellen 1; Unterhaltspfändung: Tabellen 2), zudem nach Zahl der bekannt gegebenen Unterhaltspflichten → lb-pfa-05. - **Einbehalt und Überweisung:** Der pfändbare Betrag ist einzubehalten (außer bei inaktiver Verpfändung bzw. Zession) und an den zum Zug kommenden Gläubiger zu überweisen; bei gerichtlichen Pfändungen ist häufig eine **4-wöchige Wartefrist** ab Einlangen zu beachten — ob eine gilt, steht in der Exekutionsbewilligung → lb-pfa-07. - **Drittschuldnererklärung:** Bei gerichtlichen und sonstigen behördlichen Exekutionen idR **binnen 4 Wochen** abzugeben, wenn die gerichtliche Exekutionsbewilligung bzw. der behördliche Pfändungsbescheid sie aufträgt; ist ein Verwalter bestellt, ist sie diesem gegenüber zu erstatten → lb-pfa-06. - Ohne Verwalter richtet sich die Erklärung an Gericht und betreibenden Gläubiger. Der Dienstgeber kann **anregen, dass der Verwalter den unpfändbaren Freibetrag berechnet** (§ 301 Abs 1 Z 6 EO): Der Verwalter sieht über seine „Sammelfunktion" alle bzw. mehrere Bezugsquellen des Schuldners und berechnet das Existenzminimum genauer als der Arbeitgeber, der nur die eigenen Auszahlungen kennt. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Drittschuldnererklärung | idR **binnen 4 Wochen** ab Einlangen der Exekution, wenn in Exekutionsbewilligung bzw. Pfändungsbescheid aufgetragen; an Exekutionsgericht und betreibenden Gläubiger, bei Verwalterbestellung an den Verwalter (Stand 2026-07) | | Wartefrist Auszahlung | bei gerichtlichen Pfändungen häufig **4 Wochen** ab Einlangen; ob sie gilt, ist der Exekutionsbewilligung zu entnehmen (Stand 2026-07) | | Ranganmerkung je Pfändung | Einlangedatum beim Drittschuldner, Gläubiger, Forderungshöhe, Art (Unterhalt/gewöhnlich; Gericht/Verwaltung/Finanz; Verpfändung/Zession) (Stand 2026-07) | | Existenzminimum-Tabellen | gewöhnliche Pfändung: **Tabellen 1** · Unterhaltspfändung: **Tabellen 2**; zusätzlich Zahl der Unterhaltspflichten (Stand 2026-07) | | Verwalter-Berechnung | Berechnung des unpfändbaren Freibetrags durch den Verwalter beim Dienstgeber anregbar; Verwalter hat über die „Sammelfunktion" weiteren Bezugsüberblick (§ 301 Abs 1 Z 6 EO — ✅ im Quelltext zitiert) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 301 Abs 1 Z 6 EO** ausdrücklich zitiert (Verwalter; Berechnung des unpfändbaren Freibetrags über dessen „Sammelfunktion"). - Die **Fristen** (4 Wochen Drittschuldnererklärung, 4-wöchige Auszahlungswartefrist) nennt das Briefing **ohne §-Zitat** — ⚠ Detailnormen vor Implementierung gegen RIS verifizieren; die Folgebriefings führen sie im Normzusammenhang aus (lb-pfa-06, lb-pfa-07). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Pfändung als Abzugsregel im Abrechnungslauf:** Ab Einlangen ist die Pfändung in der nächsten Bezugsabrechnung zu berücksichtigen — als employee-bezogene Abzugsposition mit Einlangedatum, Gläubiger, Forderungshöhe und **Pfändungstyp**; der Typ (gewöhnlich/Unterhalt) steuert die Tabellenwahl und gehört als Parameter an die Regel, nicht hard-codiert. - **Rangverwaltung:** mehrere Pfändungen je Employee als nach Einlangedatum geordnete Liste führen; die Abzugsreihenfolge folgt dem Rang (→ lb-pfa-10). - **Prozesspflichten außerhalb des Payslip:** Drittschuldnererklärung und Wartefrist sind Fristen-/Dokumentpflichten → als fristengesteuerte Aktivitäten je Pfändungsvormerkung abbilden, nicht als Lohnarten. - **Verwalter-Fall:** Kennzeichen an der Vormerkung, dass Berechnung und Überweisung an den Verwalter delegiert sind. ## Verweise - **KB-intern:** lb-pfa-04 (Begriff und Arten) · lb-pfa-05 (Berechnung Existenzminimum) · lb-pfa-06 (Drittschuldnererklärung) · lb-pfa-07 (Durchführung) · lb-pfa-10 (Ranganmerkung) · lb-pfa-11 (Unterhaltspflichten) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (die Pfändungsmechanik gilt im Privat- wie im GemBG-Kontext; Bgld.-Gemeinden zusätzlich `RECHTSQUELLEN-Bgld.md`). - *Hinweis:* Die Breadcrumb-Verweise des Quelltexts („Nähere Infos dazu finden sich beim Thema …") sind oben als KB-Verweise aufgelöst; Export-Footer („Page n", „Erstellt von …") ignoriert.