--- id: lb-vor-01 batch: 3 title: "Aktien und Mitarbeiterbeteiligungsstiftung" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: vorsorgeleistungen author: "Sabara" stand: 2026-08 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_aktien_und_mitarbeiterbeteiligungsstiftung.pdf" text: ".lexis360/md/aktien_und_mitarbeiterbeteiligungsstiftung.md" legal_bases: ["EStG § 3 Abs 1 Z 15 lit c", "EStG § 3 Abs 1 Z 15 lit d", "EStG § 4d", "EStG § 26 Z 8", "EStG § 67a", "KStG § 10 Abs 1", "ASVG § 43a", "ASVG § 49 Abs 3 Z 18 lit d und lit e", "FlexKapGG § 9", "Start-Up-Förderungsgesetz", "LStR 2002 Rz 90n–90q"] tags: [mitarbeiterbeteiligung, aktien, mitarbeiterbeteiligungsstiftung, belegschaftsbeteiligung, start-up-mitarbeiterbeteiligung] cross_refs: ["lb-vor-07", "lb-vor-08", "lb-vor-09"] --- # Aktien und Mitarbeiterbeteiligungsstiftung *Lexis Briefings Personalrecht, Sabara, Stand August 2026 (lb-vor-01).* ## Zusammenfassung - **Aktienweitergabe bis € 4.500 steuer- und beitragsfrei:** Die unentgeltliche oder verbilligte Abgabe von Aktien an Arbeitgebergesellschaften — durch den Arbeitgeber selbst oder durch eine Mitarbeiterbeteiligungsstiftung — an Begünstigte (Dienstnehmer, ehemalige Dienstnehmer, [Ehe-]Partner und Kinder) bleibt bis **€ 4.500 jährlich je Dienstverhältnis** steuer- und sozialversicherungsfrei; die Begünstigung ist jedes Jahr neu nutzbar (§ 3 Abs 1 Z 15 lit c EStG iVm § 49 Abs 3 Z 18 lit d und lit e ASVG). - **Gruppenmerkmal:** Der Vorteil muss allen Dienstnehmern oder bestimmten Gruppen von Dienstnehmern des Unternehmens gewährt werden. Freie Dienstnehmer und überlassene Arbeitskräfte gehören nicht zu den Begünstigten. Bei mehreren Konzern-Dienstverhältnissen ist die Begünstigung je Dienstverhältnis nutzbar; pro Jahr und Dienstverhältnis jedoch nur **1× € 4.500** (nicht zusätzlich für Partner und Kinder desselben Dienstverhältnisses). - **Treuhandsystem:** Aktien samt Stimmrechten müssen bis zur Beendigung des Dienstverhältnisses auf eine Mitarbeiterbeteiligungsstiftung zur treuhändigen Verwahrung und Verwaltung übertragen sein; eine Kündigung dieser Vereinbarung vor Beendigung des Dienstverhältnisses muss vertraglich ausgeschlossen sein. Der Vorteil aus Verwahrung/Verwaltung ist ebenfalls steuerfrei (§ 3 Abs 1 Z 15 lit d EStG). - **Vorzeitige Ausfolgung** der Aktien an den Arbeitnehmer vor Beendigung des Dienstverhältnisses ist ein Zufluss eines geldwerten Vorteils in jener Höhe, die bei der Abgabe steuerfrei blieb (Anschaffungskosten = um übliche Preisnachlässe verminderter üblicher Endpreis am Abgabeort im Abgabezeitpunkt). - **Dividenden** aus treuhändig verwalteten Aktien werden an die Begünstigten weitergeleitet und sind bei diesen (kapitalertrag)steuerpflichtige Kapitalerträge. - **Stiftungsformen:** *Mitarbeiterbeteiligungsstiftung* (§ 4d Abs 4 EStG: ausschließlich Abgabe von Aktien, treuhändige Verwahrung/Verwaltung, einheitliche Stimmrechtsausübung; Stifter können nur Arbeitgebergesellschaft und gesetzliche Arbeitnehmervertretung sein; Eigenholding bis 10 % der Stimmrechte möglich) vs. *Belegschaftsbeteiligungsstiftung* (§ 4d Abs 3 EStG: gibt Beteiligungserträge iSd § 10 Abs 1 KStG weiter — keine Aktien; Zuwendungen bis € 4.500/Jahr steuerfrei, § 26 Z 8 EStG). - **SV-Behandlung der Belegschaftsbeteiligungsstiftung ist umstritten** (Stand 2026-08): Bis € 4.500 liegen Einkünfte aus Kapitalvermögen vor (KESt, keine Lohnsteuer, keine Lohnnebenkosten); über € 4.500 lohnsteuerpflichtige Einkünfte mit Lohnnebenkosten und SV-Pflicht. Da § 49 Abs 3 Z 18 ASVG keine Ausnahme enthält, wird überwiegend SV-Pflicht angenommen; eine § 43a-Anfrage an die ÖGK kann Klarheit bringen. - **Lohnnebenkosten** (DB, DZ, KommSt) folgen der Steuerpflicht. - **Start-Up-Mitarbeiterbeteiligung (§ 67a EStG, ab 1. 1. 2024):** keine Steuerbefreiung, sondern Verlagerung des Besteuerungszeitpunkts in die Zukunft (Vinkulierung) → Detail bei lb-vor-09. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | € 4.500/Jahr | steuer- und beitragsfreie Grenze der Aktienweitergabe je Dienstverhältnis (§ 3 Abs 1 Z 15 lit c EStG; SV-Freiheit über § 49 Abs 3 Z 18 lit d und lit e ASVG) | | € 4.500/Jahr | steuerfreie Zuwendungen aus einer Belegschaftsbeteiligungsstiftung (§ 26 Z 8 EStG); darüber lohnsteuerpflichtig inkl. SV und Lohnnebenkosten | | Bis € 4.500 | Einkünfte aus Kapitalvermögen: KESt-Abzug, keine Lohnsteuer, keine Lohnnebenkosten; SV ⚠ (umstritten, s. o.) | | 10 % | Stimmrechtsanteil, den die Mitarbeiterbeteiligungsstiftung selbst unter bestimmten Voraussetzungen halten darf | | 10 % | max Beteiligung des Arbeitnehmers am Kapital des Arbeitgeberunternehmens (§ 67a Abs 2 Z 4 EStG) | | 10 Jahre | Anteile müssen innerhalb von 10 Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres der Gründung abgegeben werden (§ 67a Abs 2 Z 3 EStG) | | 1. 1. 2024 | Start-Up-Beteiligungen, für die § 67a EStG erstmals anzuwenden ist | ## Rechtsgrundlagen - **§ 3 Abs 1 Z 15 lit c und lit d EStG** (Steuerfreiheit der Aktienweitergabe bzw. der Verwahrung/Verwaltung), **§ 4d Abs 3, 4 und 5 EStG** (Belegschaftsbeteiligungsstiftung, Mitarbeiterbeteiligungsstiftung, Begünstigte), **§ 26 Z 8 EStG** (Zuwendungen der Belegschaftsbeteiligungsstiftung), **§ 10 Abs 1 KStG** (Beteiligungserträge) — im Quelltext zitiert. - **§ 49 Abs 3 Z 18 lit d und lit e ASVG:** SV-Freiheit, soweit die Steuerfreiheit nach § 3 Abs 1 Z 15 lit c EStG besteht; **§ 43a ASVG** (Anfrageverfahren). „Die SV folgt der Lohnsteuer" (Stand 2026-08). - **§ 67a EStG** (Start-Up-Mitarbeiterbeteiligung): Abs 2 taxative Voraussetzungen (Gewährung zum Nennwert — kein Gruppenmerkmal —, Unternehmenskriterien, 10-Jahres-Abgabe, 10 %-Beteilierungsgrenze, Vinkulierung, Option mit Lohnkontoausweis); Abs 3 Zuflusszeitpunkte (u. a. Veräußerung, Beendigung des Arbeitsverhältnisses, Aufhebung der Vinkulierung); Start-Up-Förderungsgesetz (BGBl I 200/2023). - LStR 2002 Rz 90n–90q (Fußnoten des Quelltexts) als Verwaltungsgrundlage. - Das Quell-Briefing nennt keine BMSVG-Vorschrift (kein BV-Kassen-Bezug). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Außerhalb der laufenden Abrechnung:** Die begünstigte Aktienweitergabe ist kein Lohnabzugsposten; nur die **vorzeitige Ausfolgung** (Nachversteuerung des steuerfrei belassenen Vorteils) und **Zuwendungen über der Grenze** sind in der Abrechnung als Bezug zu erfassen. - **Belegschaftsbeteiligungsstiftung:** Bezugsart mit Grenzwert-Logik — bis € 4.500/Jahr kein Abzug (KESt-Bereich), darüber lohnsteuer-, SV- und lohnnebenkostenpflichtiger Bezug; kumulative Jahresüberwachung je Dienstverhältnis. - **§ 67a-Start-Up:** laufende Abrechnung bewusst ohne Besteuerung (Aufschub); Erklärung und Höhe der Besteuerung gehören ins Lohnkonto → als Dokumentationsfeld/Anhang, nicht als Rechenregel; SV-Abbildung über § 50a ASVG (→ lb-vor-09). - Die €-4.500-Grenzen sind konstante Jahreswerte; das **Gruppenmerkmal** ist je Programm zu dokumentieren (Zulässigkeitsvoraussetzung der Freigrenze, keine Rechengröße). ## Verweise - **KB-intern:** lb-vor-07 (Mitarbeiterbeteiligung – Arbeitsrecht) · lb-vor-08 (gemeinsame Voraussetzungen der Steuerbegünstigung) · lb-vor-09 (Mitarbeiterbeteiligung nach § 3 Abs 1 Z 15 lit b EStG) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (§-67-Regime der sonstigen Bezüge; BMSVG-Kernregime Abschnitt 8). - *Hinweis:* Export-Footer („Page n", „Erstellt von …") ignoriert; Fußnoten des Quelltexts verweisen auf LStR 2002 und externe Materialien (ErlRV, Hegel/patka-knowhow), keine KB-Verweise betroffen.