--- id: lb-pfa-07 batch: 4 title: "Lohnpfändung - Durchführung" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: lohnpfandung author: "Kraft" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_lohnpfandung_durchfuhrung.pdf" text: ".lexis360/md/lohnpfandung_durchfuhrung.md" legal_bases: ["EO § 54b", "EO § 304"] tags: [lohnpfandung, durchfuhrung, zahlungssperre, wartefrist, einspruch, einbehalt] cross_refs: ["lb-pfa-01", "lb-pfa-04", "lb-pfa-09", "lb-pfa-10"] --- # Lohnpfändung – Durchführung *Lexis Briefings Personalrecht, Kraft, Stand Juli 2026 (lb-pfa-07).* ## Zusammenfassung - Der Drittschuldner (idR Dienstgeber) übt bei der Durchführung quasi „Exekutors"-Aufgaben aus: Er **zieht die pfändbaren Bezugsteile ab** und überweist sie — je nach Exekutionsbewilligung **sofort oder erst nach Ablauf einer verfügten Wartefrist** — an den Gläubiger. - **Einbehalt ab nächster Bezugsabrechnung:** Eine eingelangte gerichtliche oder sonstige behördliche Pfändung (Verwaltungs-, Abgabenexekution) ist grundsätzlich **sofort bei der nächsten Bezugsabrechnung** durch Einbehalt der pfändbaren Bezüge zu berücksichtigen. Besonders wichtig bei der **ersten** Pfändung: Ab Einlangen darf der Dienstnehmer die pfändbaren Bezüge nicht mehr erhalten (Reservierung für den Gläubiger); bei bereits aktiven Vorpfändungen ist die neue Pfändung zunächst von untergeordneter Bedeutung, weil die Bezüge ohnehin an die vorrangigen Gläubiger fließen. - Bereits „losgeschickte" Bezüge: Langt die Pfändung ein, nachdem die Auszahlung per **Zahlungsanweisung an die Bank** veranlasst wurde, muss diese nach praxisorientierter Ansicht **nicht „zurückgerufen"** werden. - **4-wöchige Zahlungssperre (§ 304 EO):** Die gerichtliche Exekutionsbewilligung kann anordnen, dass mit der Auszahlung an den Gläubiger zumindest **4 Wochen ab Zustellung** zugewartet werden muss. Sinn: Reservierung der Beträge für den Gläubiger einerseits, **Anfechtungschance** des Schuldners gegen eine unberechtigte Exekution andererseits. Die Sperre gilt in den Fällen des **vereinfachten Bewilligungsverfahrens (§ 54b EO)** — Bewilligung ohne strenge Prüfung aller Exekutionsvoraussetzungen bei Kapitalforderungen **unter € 50.000,–** — solange der Einspruch des Dienstnehmers erhoben werden könnte. - **Ereignisfall Einspruch:** Ist die Exekution unberechtigt und der Einspruch erfolgreich, erhält der Dienstgeber idR **innerhalb der 4-Wochen-Frist** einen Aufhebungsbeschluss — dann darf der einbehaltene pfändbare Betrag **keinesfalls** an den unberechtigten Gläubiger, sondern an den **Dienstnehmer** bzw. bei inzwischen eingelangter nachrangiger Exekution an den **nächstgereihten Gläubiger** fließen. Das Gericht kann auch die (befristete) **„Innehaltung der Exekution"** (Einbehalt bis zur Entscheidung über den Einspruch) anordnen. - **Keine Verständigung innerhalb der Frist:** Erhält der Dienstgeber binnen 4 Wochen keinen Gerichtsbeschluss, darf er von der Rechtmäßigkeit der Exekution ausgehen und auszahlen; mit der Überweisung darf er bis zum **nächsten Bezugsauszahlungstermin**, spätestens aber **8 Wochen nach Einlangen** warten. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Berücksichtigung | ab **nächster Bezugsabrechnung** nach Einlangen (gerichtliche wie behördliche Pfändungen) (Stand 2026-07) | | Zahlungssperre | zumindest **4 Wochen ab Zustellung**, wenn in der Exekutionsbewilligung angeordnet (§ 304 EO — ✅ zitiert) (Stand 2026-07) | | Vereinfachtes Bewilligungsverfahren | Sperre vorgesehen bei Kapitalforderungen **unter € 50.000,–** (§ 54b EO — ✅ zitiert) (Stand 2026-07) | | Aufhebungsbeschluss | idR **binnen der 4-Wochen-Frist** bei erfolgreichem Einspruch; Auszahlung dann an Dienstnehmer oder nächstgereihten Gläubiger (Stand 2026-07) | | Spätester Überweisungstermin | nächster Bezugsauszahlungstermin, **spätestens 8 Wochen** nach Einlangen (Stand 2026-07) | | Bereits angewiesene Zahlung | kein „Rückruf" der Zahlungsanweisung an die Bank (praxisorientierte Ansicht) (Stand 2026-07) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 304 EO** (4-wöchige Zahlungssperre) und **§ 54b EO** (vereinfachtes Bewilligungsverfahren) — ✅ beide ausdrücklich zitiert. - Die 8-Wochen-Außenfrist nennt das Briefing ohne §-Zitat — ⚠ vor Implementierung gegen RIS verifizieren. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Abzugs-/Auszahlungstrennung:** Der pfändbare Betrag wird im Abrechnungslauf als Einbehalt vom Netto abgetrennt und **gesperrt geführt** (nicht an den Mitarbeiter auszuzahlen); die Überweisung an den Gläubiger ist ein separater Auszahlungsprozess mit eigener Fälligkeit. - **Wartefrist-Logik je Pfändung:** Auszahlungsstatus „gesperrt bis Datum" (4 Wochen ab Zustellung, wenn angeordnet) mit Fälligkeitsereignis; die Frist ist der Exekutionsbewilligung zu entnehmen und gehört an die Pfändungsvormerkung. - **Ereignisbehandlung:** Aufhebung der Exekution → Umbuchung des einbehaltenen Betrags an den Mitarbeiter oder den nächstrangigen Gläubiger; „Innehaltung der Exekution" → Verlängerung der Sperre bis Gerichtsentscheidung. Rangfolge dafür sauber führen (→ lb-pfa-10). - **Kosteneinbehalt** des Dienstgebers bei der Überweisung beachten (→ lb-pfa-09). ## Verweise - **KB-intern:** lb-pfa-01 (Einlangen, Pflichten) · lb-pfa-04 (Begriff und Arten) · lb-pfa-09 (Kostenersatz für die Pfändungsdurchführung) · lb-pfa-10 (Ranganmerkung) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; Bgld.-Gemeinden siehe `RECHTSQUELLEN-Bgld.md`. - *Hinweis:* Export-Footer („Page n", „Erstellt von …") ignoriert.