--- id: lb-fir-04 batch: 6 title: "Sachnutzung von Firmeneigentum - Internet" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Verhaltenspflichten" topic: firmeneigentum author: "Haider" stand: 2025-06 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_sachnutzung_von_firmeneigentum_internet.pdf" text: ".lexis360/md/sachnutzung_von_firmeneigentum_internet.md" legal_bases: ["ArbVG § 97 Abs 1 Z 6", "ArbVG § 96 Abs 1 Z 3", "AVRAG § 10 Abs 2", "DSGVO Art 6 Abs 1 lit f", "AngG § 27 Z 1", "AngG § 27 Z 4", "ABGB", "LStR 2002 Rz 214a"] tags: [internetnutzung, email, privatnutzung, uberwachung, dsgvo, entlassung] cross_refs: ["lb-fir-05", "lb-fir-06", "lb-wei-03", "lb-dnh-01", "lb-sac-15"] --- # Sachnutzung von Firmeneigentum – Internet *Lexis Briefings Personalrecht, Haider, Stand Juni 2025 (lb-fir-04).* ## Zusammenfassung - **Kein gesetzlicher Anspruch:** Der Arbeitnehmer hat kein ausdrückliches Recht auf private Nutzung des Internetanschlusses bzw. auf private E-Mails. Ohne betriebliche Regelung ist das Verfassen und Versenden privater E-Mails **in geringem Umfang** während der Arbeitszeit zulässig (vergleichbar gelegentlichen kurzen Privattelefonaten); das private Surfen ist nach höchstgerichtlicher Rechtsprechung etwas **strenger** zu beurteilen. - **Grenzen:** keine Beeinträchtigung der Arbeit, keine Belastung der betrieblichen Speicherkapazität, keine Sicherheitsrisiken (zB Virenimport), keine finanziellen Belastungen. Kostenpflichtige oder „verpönte" Seiten (pornografisch, politisch radikal) sind ohne ausdrückliche Genehmigung jedenfalls unzulässig. - **Regelungsebene:** Dienstvertrag, Arbeitgeberweisung (betriebliche Richtlinie) oder — im Betrieb mit Betriebsrat — erzwingbare Betriebsvereinbarung (§ 97 Abs 1 Z 6 ArbVG). - **Folgen exzessiver Privatnutzung:** Entlassungsgründe des § 27 Z 1 AngG (Vertrauensunwürdigkeit/Untreue) erst bei exzessivem missbräuchlichem Ausmaß; § 27 Z 4 AngG (beharrliche Pflichtenvernachlässigung) idR erst nach vorangegangener Verwarnung. Gelegentliches Weiterleiten von „Spaß-E-Mails" begründet idR keinen Entlassungsgrund (OGH 9 ObA 75/04a). - **Kontrolle/Überwachung:** heikler, im Detail ungeklärter Bereich. Mit Betriebsrat: schriftliche Zustimmung bzw. Betriebsvereinbarung nach § 96 Abs 1 Z 3 ArbVG; betriebsratslos: schriftliche Einzelzustimmung, jederzeit ohne Frist aufkündbar (§ 10 Abs 2 AVRAG); zudem ein Rechtfertigungsgrund nach Art 6 DSGVO. Erkennbar private E-Mails sind der Einsicht entzogen; die Einsicht berufsbezogener E-Mails ist von Art 6 Abs 1 lit f DSGVO gedeckt. - **Abgabenrechtlich** ist die private Internet-/E-Mail-Nutzung am regelmäßig beruflich genutzten Computer kein abgabepflichtiger Sachbezug (LStR 2002 Rz 214a). - **Virenhaftung:** dienstliche Nutzung → DHG-Mäßigung; private Nutzung → ABGB (volle Haftung auch bei leichtester Fahrlässigkeit). ## Kernwerte & Fristen (Stand 2025-06) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Ohne Regelung | private E-Mails in geringem Umfang während der Arbeitszeit zulässig; Surfen nach strengerem Maßstab | | Unzulässig jedenfalls | kostenpflichtige und „verpönte" Seiten ohne Genehmigung; Arbeitsbeeinträchtigung, Speicherbelastung, Sicherheitsrisiken, Kosten | | Regelungsebene | Dienstvertrag, Weisung (betriebliche Richtlinie) oder erzwingbare BV nach § 97 Abs 1 Z 6 ArbVG | | Entlassung | § 27 Z 1 AngG nur bei exzessivem Ausmaß; § 27 Z 4 AngG idR nach Verwarnung | | Überwachung | mit BR: BV nach § 96 Abs 1 Z 3 ArbVG; ohne BR: schriftliche Einzelzustimmung, jederzeit aufkündbar (§ 10 Abs 2 AVRAG); Datenverarbeitung nach Art 6 DSGVO zu rechtfertigen | | E-Mail-Einsicht | erkennbar private E-Mails: Einsicht unzulässig (auch bei Verbot der Privatnutzung); berufliche Nutzung/Sichtung: Art 6 Abs 1 lit f DSGVO | | Sachbezug Privatnutzung | kein abgabepflichtiger Sachbezug am regelmäßig beruflich genutzten Computer (LStR 2002 Rz 214a); bestätigt und ausdifferenziert durch lb-sac-15 (Stand 2026-07) | | Virenschaden | dienstliche Verursachung → DHG (Mäßigung); private Verursachung → ABGB (volle Haftung) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 97 Abs 1 Z 6 ArbVG** (erzwingbare BV für die zweckentsprechende Benützung von Betriebseinrichtungen und -mitteln) · **§ 96 Abs 1 Z 3 ArbVG** (Mitbestimmung bei Überwachung) — ausdrücklich zitiert. - **§ 10 Abs 2 AVRAG** (Aufkündbarkeit der Einzelzustimmung) · **Art 6 DSGVO / Art 6 Abs 1 lit f DSGVO** (Rechtfertigung der Datenverarbeitung bei Kontrolle und E-Mail-Einsicht). - **§ 27 Z 1 und Z 4 AngG** (Entlassungsgründe) — die Quelle nennt sie ausdrücklich; für Arbeiter gelten die Paralleltatbestände des GewO, die das Briefing hier nicht zitiert ⚠ (vor Übertragung auf Arbeiterverhältnisse verifizieren). - **ABGB** (allgemeines Schadenersatzrecht) und **DHG** (Haftungsmilderung nur bei dienstlicher Verursachung; Anwendungsbereich → lb-dnh-01). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Kein Sachbezugswert:** Für die private Internet-/E-Mail-Nutzung am beruflich genutzten Computer ist kein Sachbezug zu verrechnen (Stand 2025-06, LStR 2002 Rz 214a) → keine Sachbezugs-Regel in der Entgelt-Engine; die Detailabgrenzung fallweise/überwiegend private Nutzung für Handy & digitale Arbeitsmittel führt lb-sac-15 (Stand 2026-07). - **Policy-Datenpunkt:** Die Grenzen der Privatnutzung (erlaubtes Volumen, verbotene Inhalte, Folgen) sind als betriebliche Richtlinie abbildbar (Dokumente/Policy, Vertragsanlage), nicht als Engine-Mechanik. - Verwarnungen vor etwaigen Entlassungen sollten dokumentiert werden (schriftlich, Beweissicherung) — Disziplinarprozess, kein Abrechnungsvorgang. ## Verweise - **KB-intern:** lb-fir-05 (PC) · lb-fir-06 (Telefon) · lb-wei-03 (Sorgfaltspflichten Einrichtung/IT — Benützungsregeln als BV) · lb-dnh-01 (DHG-Anwendungsbereich) · lb-sac-15 (Handy & digitale Arbeitsmittel — abgabenrechtliche Differenzierung, Stand 2026-07; konsistent mit diesem Stand 2025-06) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (Kontext Abgaben-/Entgeltsystematik der Privatwirtschaft). - *Hinweis:* Export-Footer („Page n", „Erstellt von …") ignoriert; die zitierte Judikatur (OGH 9 ObA 75/04a) steht im Layer-1-Text.