--- id: lb-url-14 batch: 7 title: "Urlaubsentgelt" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Urlaub & Karenzierung" topic: urlaub author: "Niederfriniger/Krabath" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_urlaubsentgelt.pdf" text: ".lexis360/md/urlaubsentgelt.md" legal_bases: ["UrlG § 6", "ARG § 7a", "UrlG § 10 Abs 1 Satz 3", "UrlG § 10 Abs 1 Satz 4", "EStG § 16 Abs 2", "ASVG § 11 Abs 3 lit a", "Generalkollektivvertrag Entgeltbegriff § 6 UrlG"] tags: [urlaub, urlaubsentgelt, ausfallsprinzip, urlaubsschnitt, dreizehn-wochen-durchschnitt, generalkollektivvertrag] cross_refs: ["lb-url-05", "lb-url-07", "lb-url-09", "lb-url-10", "lb-url-12", "lb-url-13", "lb-ent-04", "lb-krs-07", "lb-naz-03", "lb-prm-05", "lb-vor-04"] --- # Urlaubsentgelt *Lexis Briefings Personalrecht, Niederfriniger/Krabath, Stand Juli 2026 (lb-url-14).* ## Zusammenfassung - **Basisanspruch & Vorauszahlung:** Während des Urlaubs bleibt der Entgeltanspruch unabdingbar aufrecht (§ 6 Abs 1 UrlG) — beim einseitigen Antritt des „persönlichen Feiertags" (§ 7a ARG) gebührt es ausnahmsweise sogar bei Nichtantritt (→ lb-url-10). Bei Antritt ist das Urlaubsentgelt für die ganze Urlaubsdauer **im Voraus** zu zahlen (§ 6 Abs 6 UrlG) — gedacht für den zusammenhängenden Jahresurlaub; bei gestückeltem Verbrauch keine Anwendung, Praxis: Auszahlung mit dem laufenden Entgelt. - **Entgeltbegriff** (eigener **Generalkollektivvertrag** zum § 6 UrlG): erfasst sind Grundentgelt, urlaubsgeeignete Sachbezüge, Überstundenentgelt/-pauschalen (nicht bei Zeitausgleich), Provisionen (außer weiterlaufende Direkt-/Folgeprovisionen), Prämien, Zulagen ohne Aufwandsersatzcharakter und Sonderzahlungen; **nicht** erfasst: Aufwandsentschädigungen (Tages-/Nächtigungsgelder, Trennungsgelder, Fahrtkosten) und im Urlaub nicht nutzbare Sachbezüge (Mahlzeiten, Wohnort-Arbeitsstätte-Beförderung). Steuerfreie Zulagen (zB Erschwerniszuschläge) sind im Urlaubsentgelt **nicht steuerfrei** — anders als beim Krankenentgelt (→ lb-krs-07). - **Drei gesetzliche Berechnungsarten:** (1) nach Wochen/Monaten/ längeren Zeiträumen bemessenes Entgelt bleibt für die Urlaubsdauer unverändert (§ 6 Abs 2 UrlG); (2) sonstige Fälle (Stunden-/Tagelöhner): jenes Entgelt, das ohne Urlaub gebührt hätte — **Ausfallsprinzip** (§ 6 Abs 3 UrlG); (3) **Leistungsentgelte** (Akkord-, Stück-, Gedingelöhne, leistungsabhängige Entgelte): Durchschnitt der **letzten 13 voll gearbeiteten Wochen** vor dem Urlaub, ausnahmsweise geleistete Arbeiten ausgeschieden (§ 6 Abs 4 UrlG); Mischlöhne: 13-Wochen-Schnitt. - **KV-Regeln:** Überstunden ohne Vorhersehbarkeit nach Durchschnittszeitraum vor dem Antritt (idR 13 Wochen; entfällt bei wesentlich geändertem Arbeitsanfall oder Überstundenverbot); Provisionen im Schnitt der letzten **12 Kalendermonate** (Direkt-/Folgeprovisionen nur, wenn im Urlaub kein Anspruch entsteht). Branchen-KVs können andere Berechnungsarten vorsehen (§ 6 Abs 5 UrlG). Praxis: „Urlaubsschnitt" über die letzten drei Monate, Teiler auf die tatsächlich gearbeiteten Normalstunden (Nichtarbeitszeiten neutralisieren). - **Rückforderung von Urlaubsentgelt:** Bei unberechtigtem vorzeitigem Austritt oder verschuldeter Entlassung kann der Arbeitgeber Übergenuss über die Aliquote des laufenden Jahres hinaus rückverrechnen (§ 10 Abs 1 S 3 und 4 UrlG; nicht zu verwechseln mit dem Urlaubsvorgriff → lb-url-12). Abgaben: Rückzahlung = Werbungskosten (§ 16 Abs 2 EStG); SV-Beitragsrückverrechnung nur bei unbezahltem Urlaub über einem Monat (§ 11 Abs 3 lit a ASVG); DB/DZ/KommSt nach umstrittener Ansicht der Finanzverwaltung nicht rückverrechenbar; BV-Beitrag rückverrechenbar. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Urlaubsentgeltanspruch | § 6 Abs 1 UrlG: unabdingbar während des Urlaubskonsums ✅ RECHTSQUELLEN Abschnitt 3 | | Vorauszahlung | § 6 Abs 6 UrlG: bei Antritt für die ganze Dauer im Voraus; bei gestückeltem Verbrauch nicht anwendbar | | Monatsentgelt | § 6 Abs 2 UrlG: keine höhenmäßige Minderung während des Urlaubs ✅ RECHTSQUELLEN | | Ausfallsprinzip | § 6 Abs 3 UrlG: Entgelt, das ohne Urlaub gebührt hätte (v. a. Stunden-/Tagelöhner) ✅ RECHTSQUELLEN | | 13-Wochen-Durchschnitt | § 6 Abs 4 UrlG: **nur** für Akkord-, Stück-, Gedingelöhne und leistungsbezogene Prämien ✅ RECHTSQUELLEN (13-Wochen-Durchschnitt nur bei Leistungslohn) | | Provisionsschnitt | Generalkollektivvertrag: Durchschnitt der letzten **12 Kalendermonate**; Direkt-/Folgeprovisionen nur, wenn im Urlaub kein Anspruch entsteht | | Überstundenschnitt | mangels KV-Regelung 13-Wochen-Durchschnitt vor dem Antritt; entfällt bei wesentlicher Änderung des Arbeitsanfalls/Überstundenverbot | | KV-Abweichungen | § 6 Abs 5 UrlG (§ 18 Abs 4 ArbVG-Kompetenz) ✅ RECHTSQUELLEN | | Neutralisierung | Nichtarbeitszeiten im Beobachtungszeitraum (Krankenstand, Urlaub) mindern den Teiler auf die tatsächlich gearbeiteten Normalstunden | | Rückforderung § 10 Abs 1 S 3 f | nur bei unberechtigtem vorzeitigem Austritt oder verschuldeter Entlassung; LSt-Werbungskosten § 16 Abs 2 EStG; SV-Rückverrechnung nur > 1 Monat (§ 11 Abs 3 lit a ASVG); DB/DZ/KommSt nicht rückverrechenbar (Finanzverwaltung, umstritten); BV-Beitrag rückverrechenbar | ## Rechtsgrundlagen - **§ 6 Abs 1–6 UrlG** — Anspruch, drei Berechnungsarten, KV-Öffnung, Vorauszahlung. ✅ **Abgleich mit `RECHTSQUELLEN-Privat.md` Abschnitt 3 deckungsgleich** — dort verbindlich: Urlaubsentgelt = § 6 UrlG (**nicht § 9** — seit 1. 1. 2001 aufgehoben); 13-Wochen-Durchschnitt nur für Akkord/ Stück/Gedinge/leistungsbezogene Prämien; KV-Abweichungen (Abs 5, § 18 Abs 4 ArbVG); Vorauszahlung (Abs 6). Keine Abweichungen, keine Trainingswerte. - **Generalkollektivvertrag über den Begriff des Entgelts gem § 6 UrlG** — Entgeltbestandteile und Berechnungsregeln für Überstunden/Provisionen. - **§ 10 Abs 1 S 3 und 4 UrlG** — Rückforderung bei Endegründen; **§ 16 Abs 2 EStG** — Werbungskostenabzug der Rückzahlung (→ lb-naz-03); **§ 11 Abs 3 lit a ASVG** — Grenze der Beitragsrückverrechnung (1 Monat); **§ 7a ARG** — doppelter Entgeltanspruch beim persönlichen Feiertag. - FLAG/WKG/KommStG sehen nach Ansicht der Finanzverwaltung keine Rückverrechnung vor (umstritten, ecolex-Literatur dazu) — ⚠ Detailverifikation für die Engine-Konvention GP2. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Monatslohn ohne Schnitt:** Bei monatsweise bemessenem Entgelt keine eigene Bezugsposition — der Monatslohn wird nicht gekürzt (§ 6 Abs 2 UrlG). Der „Urlaubsschnitt" ist eine **zusätzliche Bezugsart** nur für variable Bestandteile (Überstunden, Zulagen, Provisionen), berechnet aus dem Beobachtungszeitraum vor dem Antritt (13 Wochen/3 Monate, Provisionen 12 Monate), Teiler nach Neutralisierung von Nichtarbeitszeiten. - **13-Wochen-Mechanik nur bei Leistungslohn** (§ 6 Abs 4): als Typ-Merkmal des Gehaltsschemas (Mischlohn → Schnitt), kein pauschaler Schnitt für alle — ✅ RECHTSQUELLEN-Konvention. - **KV-Abweichungen** (Abs 5) als versionierte Werte im Regelwerk (`hr.rule.parameter`-Muster je Referenz-KV), nicht im Code. - **Vorauszahlungs-Modus** für zusammenhängenden Jahresurlaub (§ 6 Abs 6): Auszahlung bei Urlaubsantritt als Prozessvariante der Payslip-Erstellung. - **Rückverrechnung bei Beendigung** nur für die beiden Endegründe: Lohnsteuer-BG um Rückzahlungsbetrag (Werbungskosten), SV je Einmonatsgrenze, BV-Beitrag rückverrechnen, DB/DZ/KommSt unverändert — Konvention vor Implementierung gegen RIS/Finanzverwaltung absichern (⚠). - Werktage→Arbeitstage-Umrechnung: GP2-Konvention aus RECHTSQUELLEN Abschnitt 3 beachten (→ lb-url-05). ## Verweise - **KB-intern:** lb-url-05 (Anspruch & Ausmaß) · lb-url-13 (Urlaubsentgelt bei Wechsel des Arbeitsausmaßes) · lb-url-09 (Ersatzleistung, Endegründe) · lb-url-12 (Vorgriff — Rückforderung abgrenzen) · lb-url-07 (Ablöse: Bemessung wie Ersatzleistung) · lb-url-10 (persönlicher Feiertag § 7a ARG, doppeltes Entgelt) - **Querbezüge:** lb-ent-04 (gesetzliche Entgeltgrundlagen) · lb-krs-07 (Krankenentgelt: Gegenmodell der Zulagenbesteuerung) · lb-naz-03 (Nachzahlungen Lohnsteuer/Rückzahlungsmechanik) · lb-prm-05 (Provisionen im Urlaubsentgelt) · lb-vor-04 (BV-Beitrags-Rückverrechnung) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (§ 6 UrlG ✅ — Abschnitt 0 Kernaussage 5, Abschnitt 3; § 9 UrlG aufgehoben seit 1. 1. 2001)