--- id: lb-zus-08 batch: 3 title: "Überstundenzuschläge - Arbeitsrechtliches" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: zuschlage author: "Thöny-Maier" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_uberstundenzuschlage_arbeitsrechtliches.pdf" text: ".lexis360/md/uberstundenzuschlage_arbeitsrechtliches.md" legal_bases: ["AZG § 6", "AZG § 7 Abs 1", "AZG § 7 Abs 6", "AZG § 10"] tags: [uberstunden, uberstundenzuschlag, zeitausgleich, azg, all-in, ablehnungsrecht] cross_refs: ["lb-zus-07", "lb-zus-03", "lb-tzb-04", "lb-leh-12"] --- # Überstundenzuschläge – Arbeitsrechtliches *Lexis Briefings Personalrecht, Thöny-Maier, Stand Juli 2026 (lb-zus-08).* ## Zusammenfassung - **Vergütung (§ 10 AZG):** Für geleistete Überstunden gebührt ein Zuschlag von **50 %** — oder die Abgeltung durch **Zeitausgleich**, wobei der Zuschlag entweder in den Zeitausgleich einzubeziehen oder gesondert auszuzahlen ist. Kollektivverträge sehen häufig höhere Zuschläge und/oder andere (höhere) Bemessungsteiler für das Überstundenentgelt vor als bei der Normalstunde. - **Leistungsverpflichtung:** Ein Arbeitnehmer ist gesetzlich **nicht** zur Überstundenleistung verpflichtet; eine Verpflichtung kann sich nur aus Arbeitsvertrag, Kollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung ergeben, und die Leistung setzt deren Zulässigkeit nach dem AZG sowie das Fehlen entgegenstehender berücksichtigungswürdiger Interessen voraus. - **Ablehnungsrecht (§ 7 Abs 6 AZG, ab 1. 9. 2018, BGBl I 2018/53):** Überstunden, durch die die tägliche Arbeitszeit von **10 Stunden** bzw. die wöchentliche von **50 Stunden** überschritten wird, dürfen ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden; wegen der Ausübung dürfen Arbeitnehmer weder benachteiligt noch gekündigt werden. - **Ausmaß (§ 6 AZG):** Überstunden liegen bei Überschreiten der wöchentlichen oder täglichen Normalarbeitszeit vor. Bis zur AZG-Novelle 2018: 5 Überstunden pro Woche plus 60 Stunden-Jahreskontingent (maximal 10 Stunden pro Woche). Seit 1. 9. 2018 (§ 7 AZG): bei erhöhtem Arbeitsbedarf Tagesarbeitszeiten bis **12 Stunden** und Wochenarbeits- zeiten bis **60 Stunden** — rechnerisch bis zu 4 Überstunden täglich und 20 wöchentlich —, jedoch im Durchschnitt innerhalb eines **17-wöchigen Durchrechnungszeitraums** höchstens **48 Stunden** pro Woche (§ 7 Abs 1 AZG). - **Pauschale Abgeltung:** Werden Überstunden nicht monatlich einzeln abgerechnet, kommen zwei Formen in Betracht: eine **Überstundenpauschale** oder ein **All-in-Gehalt** (Detailbriefings des Quelltexts, nicht im KB-Katalog — s. Hinweis unten; zur steuerlichen Sicht → lb-zus-07). - Die steuerlichen Freibeträge des § 68 EStG (2026: erste 15 ÜStd / € 170,–) knüpfen an den **arbeitsrechtlichen** Überstundenbegriff an und decken nur den Zuschlag, nicht die Grundstunde (→ lb-zus-07). ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Überstundenzuschlag (§ 10 AZG) | **50 %**; alternativ Zeitausgleich (Zuschlag im Ausgleich enthalten oder gesondert auszuzahlen); KVs häufig höher/andere Teiler | | Ablehnungsrecht (§ 7 Abs 6 AZG) | ohne Gründe ablehnbar: > **10 h/Tag** bzw. > **50 h/Woche** (seit 1. 9. 2018, BGBl I 2018/53); Benachteiligungs-/Kündigungsschutz | | Rechtslage bis 31. 8. 2018 | 5 ÜStd/Woche + 60 ÜStd/Jahr, max 10 ÜStd/Woche | | Rechtslage ab 1. 9. 2018 | bei erhöhtem Arbeitsbedarf bis **12 h/Tag** und **60 h/Woche** (rechnerisch 4 ÜStd/Tag, 20/Woche); Durchschnitt max **48 h/Woche** in **17 Wochen** (§ 7 Abs 1 AZG) | | Leistungsverpflichtung | nur aus Arbeitsvertrag/KV/BV; keine gesetzliche Pflicht | | Pauschalabgeltung | Überstundenpauschale oder All-in-Gehalt | ## Rechtsgrundlagen - **§ 6 AZG** (Überstundenbegriff), **§ 7 Abs 1 AZG** (Durchrechnung 48 h/17 Wochen), **§ 7 Abs 6 AZG** (Ablehnungsrecht), **§ 10 AZG** (Zuschlag/Zeitausgleich) — alle ausdrücklich zitiert; AZG-Novelle 2018 mit BGBl I 2018/53 benannt. - Die steuerliche Anknüpfung (§ 68 EStG) wird hier nur als Verweis genannt; deren Werte → lb-zus-07. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Überstunden-Work-Entries:** Zuschlagsberechnung auf Basis einzelner Überstundenstunden (Teiler je Normalarbeitszeit/KV, Zuschlagssatz je KV als `kv.wert`/rule parameter — AZG-Mindestzuschlag 50 % als Untergrenze, KV-Sätze typischerweise höher). - **Zeitausgleich-Strecke:** Konsumierter Zeitausgleich muss den Zuschlag „mitnehmen" (eingebettet) oder als separater Zuschlagsposten im Abrechnungsmonat des Konsums ausbezahlt werden — zwei konfigurierbare Abgeltungsvarianten je Regelwerk. - **Ablehnungs-/Kontingentlogik:** Die 10-h/50-h-Ablehnungsgrenzen sind keine Berechnungsgrößen, aber betrieblich relevant (Zeitmanagement, Reports); die 48-h/17-Wochen-Durchrechnung ist für Durchrechnungsmodelle (Schichtbetrieb) engine-seitig abbildbar. - **Abgrenzung Mehrarbeit:** Teilzeit-Mehrarbeit (§ 19d AZG) hat eigene Zuschlagsmechanik und eigene Abgabenbehandlung (→ lb-zus-03); Work-Entry-Typen sauber trennen. - **Lehrlinge:** Überstundenbasis/Abrechnung bei Lehrverhältnissen → lb-leh-12. ## Verweise - **KB-intern:** lb-zus-07 (abgabenrechtliche Behandlung: § 68 EStG, 2026er-Freibetrag, All-in-Teiler) · lb-zus-03 (Mehrarbeit Teilzeit/Abgrenzung) · lb-tzb-04 (Überstunden/Mehrarbeit bei Teilzeit und Gleitzeit) · lb-leh-12 (Lehrlinge: Überstundenbasis) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (AZG ⚠ Volltextverifikation GP1/GP2; Zuschlagssätze je KV als KV-Daten). - *Hinweis:* Die Querverweise des Quelltexts auf Detailbriefings („Verpflichtung zur Überstundenarbeit", „Überstundenarbeit und Ausmaß", „Überstundenvergütung", „Überstundenpauschale und All-in") zielen auf Briefings außerhalb des KB-Katalogs — im Export nicht enthalten, nicht rekonstruiert.