--- id: lb-end-08 batch: 8 title: "Endabrechnung - Auswirkung von Gehaltserhöhungen auf Zeitguthaben und Abrechnung von Zeitschulden" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Beendigungsansprüche & Endabrechnung" topic: endabrechnung author: "Posch/Haas" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_endabrechnung_auswirkung_von_gehaltserhohungen_auf.pdf" text: ".lexis360/md/endabrechnung_auswirkung_von_gehaltserhohungen_auf.md" legal_bases: ["AZG § 19e", "EStG § 67 Abs 8 lit c", "EStG § 68 Abs 1", "EStG § 68 Abs 2"] tags: [zeitguthaben, gehaltserhohung, zeitschulden, endabrechnung, aufrollung, uberstundenentgelt] cross_refs: ["lb-azm-03", "lb-end-05", "lb-end-09", "lb-end-10", "lb-url-15"] --- # Endabrechnung - Auswirkung von Gehaltserhöhungen auf Zeitguthaben und Abrechnung von Zeitschulden *Lexis Briefings Personalrecht, Posch/Haas, Stand Juli 2026 (lb-end-08).* ## Zusammenfassung - **Grundsatz Bewertung:** Vergütungen für Zeitguthaben, die vor dem Auszahlungszeitpunkt entstanden sind, sind grundsätzlich mit dem **aktuell gebührenden Entgelt** abzugelten. Entscheidend ist der Zeitpunkt der **Fälligkeit** des Anspruchs: bei einer Nachzahlung ist der nachzuzahlende Betrag nach dem bei **Fälligkeit** gebührenden Anspruch zu ermitteln; fallen Zeitguthaben erst **nach** einer Gehaltserhöhung fällig, ist das **aktuelle Entgelt** heranzuziehen — das Entgelt im Leistungsmonat spielt keine Rolle (8 ObA 4/11p). - **Beispiel 1 (Gleitzeit):** Gleitzeitperiode 12 Monate (Kalenderjahr) ohne Übertragungsmöglichkeit — Endguthaben gilt als Überstunden. 25 Stunden Guthaben; Gehaltserhöhung im Juli von € 2.000,– auf € 2.145,–; KV-Überstundenteiler 143. Rechnung: 2.145 ÷ 143 = € 15,– Überstundengrundlohn + 50 %-Zuschlag € 7,50 = € 22,50 × 25 = **€ 562,50**. Auch ein Konsum „in natura" hätte den vollen, aktuellen Monatslohn ausgelöst. - **Beispiel 2 (fixe Arbeitszeit, Zeitausgleich):** werden Überstunden vereinbarungsgemäß in Zeit abgegolten, der Zeitausgleich aber nicht zum gewünschten Zeitpunkt gewährt, und verlangt der AN dann die Geldauszahlung, ist trotz zwischenzeitlicher Gehaltserhöhung das **Entgelt im Zeitpunkt der Fälligkeit** maßgeblich. - **Zeitschulden — arbeitsrechtliche Dreifalt:** Erbringt der AN keine Arbeitsleistung, gebührt grundsätzlich kein Entgelt (der AG vergütet nur die Zeit, über die er verfügen konnte). Rückforderung richtet sich nach dem Grund der Minderleistung: 1. **Berechtigter Dienstverhinderungsgrund** (mit Fortzahlungspflicht) → kein Nachteil für den AN; 2. **AG-zurechenbare Minderleistung** (zB schlechte Auslastung) → **keine** Rückverrechnung zulässig, wenn der AN arbeitsbereit war — der AG darf sein Unternehmerrisiko nicht überwälzen; 3. **AN-verursachte Minderleistung** (Selbstunterschreitung der Normalarbeitszeit in gleitender Zeit, unberechtigtes Fernbleiben) → Rückforderung **zulässig**; ausgeschlossen nur bei **gutgläubigem Verbrauch** (guter Glaube fehlt schon, wenn der AN bei objektiver Beurteilung an der Rechtmäßigkeit der Auszahlung zweifeln musste; RIS-Justiz RS0033826). - **Urlaub-Kollision:** Zeitschulden gegen einen **offenen Urlaubsanspruch** zu verrechnen ist streng genommen **unzulässig** (Urlaubslage ist vereinbart; Urlaubsentgelt gebührt). Bei Beendigung ist zu beachten: die **Urlaubsersatzleistung umfasst auch Sonderzahlungsanteile**. - **Rückzahlung:** immer den **erhaltenen Bruttobetrag** zurückzahlen (8 ObA 69/05p); die Bewertung erfolgt — analog zur Abgeltung von Zeitguthaben — nach dem **aktuellen Gehalt**. - **Sozialversicherung — Aufrollung:** der für Fehlstunden einbehaltene Bruttobetrag darf **nicht** mit den Bezügen des laufenden Monats gegengerechnet werden; nach neuerer Auffassung der SV (NÖDIS-Veröffentlichung) ist das verminderte Entgelt durch **Aufrollung** den Beitragszeiträumen der Entstehung zuzuordnen — mit den **Beitragssätzen und der Höchstbeitragsgrundlage des Zielzeitraums**. **Zeitschulden aus einem Durchrechnungszeitraum** (zB Gleitzeitperiode) sind dagegen **nicht zu rollen** — sie sind das Ergebnis eines Arbeitszeitkontokorrents und nur dem Abrechnungsmonat zuordenbar. Keine Verminderung der Beitragsgrundlage bei **anderen** Rückverrechnungen (zB Ausbildungskostenersatz); rückverrechneter, zu viel konsumierter Urlaub bei schuldhafter Entlassung/unberechtigtem Austritt lässt Pflichtversicherung und Beitragsgrundlage **unberührt** (E-MVB 011-02-00-002). - **Korrekturverfahren:** Beitragszeiträume **bis 31. 12. 2018**: Beitragsnachweisung (des betroffenen Zeitraums) per „Gutschrift" oder „Berichtigung"; bei abgelaufenem Kalenderjahr/ausgeschiedenem AN mit bereits abgegebenem Beitragsgrundlagennachweis: **Storno und Neumeldung**. Beitragszeiträume **nach 31. 12. 2018**: Korrektur der monatlichen Beitragsgrundlagenmeldung (mBGM) **immer durch Storno und Neumeldung**. - **Lohnsteuer:** der rückzuzahlende Bruttobetrag mindert im aufrechten Dienstverhältnis die Bemessungsgrundlage als **Werbungskosten**; erfolgt die Rückzahlung erst **nach** Beendigung, kann der AN den Betrag bei der **Arbeitnehmerveranlagung** als Werbungskosten geltend machen. - **Lohnnebenkosten/BVK:** Werbungskosten führen **nicht** zu einer Verringerung der Bemessungsgrundlage für **DB, DZ und Kommunalsteuer**; die BVK-Beitragsgrundlage folgt dem sozialversicherungsrechtlichen Entgeltbegriff — Minusstunden sind den **Entstehungsmonaten** zuzuordnen. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Bewertungsstichtag | Fälligkeitsprinzip: bei Fälligkeit gebührendes (=aktuelles) Entgelt, nicht das Entgelt des Leistungsmonats (Stand 2026-07) | | Beispiel 1 | 25 Überstunden; Teiler 143; Gehalt aktuell € 2.145,–; Grundlohn € 15,– + 50 % Zuschlag € 7,50 = € 22,50 × 25 = **€ 562,50** (Stand 2026-07) | | Zuschlagssatz Beispiel | **50 %** Überstundenzuschlag auf den Grundlohn (Stand 2026-07) | | Rückforderung Zeitschulden | nur bei AN-verursachter Minderleistung; Rückzahlung stets vom **Brutto**; Bewertung nach aktuellem Gehalt (Stand 2026-07) | | Guter Glaube | ausgeschlossen bei objektiv begründetem Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Auszahlung (Stand 2026-07) | | SV-Aufrollung | Zuordnung zu den **Entstehungs-Beitragszeiträumen** mit deren Beitragssätzen/HBG; Durchrechnungs-Zeitschulden (Gleitzeitperiode) **nicht** rollen — Abrechnungsmonat (Stand 2026-07) | | Verfahrensstichtag | Beitragszeiträume **bis 31. 12. 2018**: Gutschrift/Berichtigung bzw Storno+Neumeldung; **ab 2019**: mBGM-Korrektur immer Storno + Neumeldung (Stand 2026-07) | | Urlaub-Verrechnung | Zeitschulden gegen offenen Urlaubsanspruch unzulässig; Urlaubsersatzleistung umfasst auch **Sonderzahlungsanteile** (Stand 2026-07) | | LSt | Werbungskosten-Abzug im aufrechten DV; nach Beendigung: Arbeitnehmerveranlagung (Stand 2026-07) | | DB/DZ/KommSt | **keine** Minderung der Bemessungsgrundlagen durch die Werbungskosten (Stand 2026-07) | | BVK | Minusstunden den **Entstehungsmonaten** zuordnen (folgt SV-Entgeltbegriff) (Stand 2026-07) | ## Rechtsgrundlagen - ⚠ **Das Briefing selbst nennt keine Paragraphen** — im gesamten Text finden sich nur Judikatur- und Verwaltungsbelege (8 ObA 4/11p; RIS-Justiz RS0033826; 8 ObA 69/05p; NÖDIS Nr 5/April 2017; 2001/08/0048; E-MVB 011-02-00-002). Die nachstehenden Normen sind aus dem Mutter-Überblick desselben Autorenteams und Stands (lb-end-05) für denselben Gegenstand übernommen und vor Implementierung am RIS zu verifizieren: - **§ 19e AZG** — Abgeltung von Zeitguthaben (Normalarbeitszeit, Zuschlagsbasis) — benannt in lb-end-05 ⚠ - **§ 67 Abs 8 lit c EStG** — begünstigte Nachzahlung/1/5-Regelung für Zeitguthaben — benannt in lb-end-05 ⚠ - **§ 68 Abs 1 und 2 EStG** — Steuerfreiheit der Überstundenzuschläge — benannt in lb-end-05 ⚠ (Parameterwerte → lb-end-09 mit ⚠-Konflikt) ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Aktualitätsregel als Engine-Baustein:** Zeitguthaben-Auszahlung bewertet zum **Fälligkeitszeitpunkt**-Entgelt — keine historische Stundenerfassungsbewertung; Teiler (zB 143) aus KV-Konfiguration, Zuschlag als zuschlagsgebende Regel (50 % im Beispiel). - **Zeitschulden-Dreifalt als Klassifizierung:** Grund der Minderleistung (Dienstverhinderung / AG-veranlasst / AN-verursacht) entscheidet über Rückforderung — als Prüfschritt des Endabrechnungs-Workflows, nicht als automatische Regel. - **SV-Aufrollung:** Neuberechnung historischer Beitragszeiträume mit **zeitraumrichtigen Beitragssätzen und HBG** — historische Parameterstände (`hr.rule.parameter`-Versionierung) vorhalten; Durchrechnungs-Zeitschulden vom Rollen ausnehmen. - **Meldewesen:** mBGM-/L16-Korrekturpfade (Storno + Neumeldung ab 2019; Gutschrift/Berichtigung bis 2018) als Korrektur-Workflow am Meldewesen-Modul. - **LSt/LNK-Schere:** Werbungskosten mindern die LSt-Bemessungsgrundlage, **nicht** aber DB/DZ/KommSt — getrennte Bemessungsgrundlagenpflege in den LNK-Regeln. - **BVK:** Zuordnung der Minusstunden zu Entstehungsmonaten — Beitragsgrundlagen wie SV führen. ## Verweise - **KB-intern:** lb-azm-03 (Gleitzeit) · lb-end-05 (Abgeltung von Mehrleistungen bei Beendigung – Überblick, Mutter-Briefing) · lb-end-09 (Endabrechnung – Mehr- und Überstunden ohne Durchrechnungszeitraum) · lb-end-10 (Endabrechnung – Zeitguthaben bei durchrechenbarer Arbeitszeit) · lb-url-15 (Urlaubsersatzleistung – Abgaben, Sonderzahlungsanteile) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (§ 67/68 EStG-Regime — dort verbindlich verifiziert; die hier übernommenen Normzitate stammen nicht aus dem Briefing selbst, sondern aus lb-end-05 und sind dort verifiziert zu führen).