--- id: lb-lsd-05 batch: 4 title: "Sicherungsmittel - Zahlungsstopp mit Sicherheitsleistung" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: lohndumping author: "Burger" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_sicherungsmittel_zahlungsstopp_mit_sicherheitsleis.pdf" text: ".lexis360/md/sicherungsmittel_zahlungsstopp_mit_sicherheitsleis.md" legal_bases: ["LSD-BG § 34", "LSD-BG § 34 Abs 4a", "LSD-BG § 34 Abs 8", "ASVG § 67a", "EStG § 82a", "VStG § 9"] tags: [lohndumping, lsd-bg, sicherungsmittel, zahlungsstopp, sicherheitsleistung, auftraggeberhaftung] cross_refs: ["lb-lsd-02", "lb-lsd-04", "lb-lsd-06", "lb-lnk-02"] --- # Sicherungsmittel – Zahlungsstopp mit Sicherheitsleistung *Lexis Briefings Personalrecht, Burger, Stand Juli 2026 (lb-lsd-05).* ## Zusammenfassung - Das zweite Sicherungsmittel (§ 34 LSD-BG) richtet sich **nicht gegen den beschuldigten Arbeitgeber**, sondern gegen den **unverdächtigen inländischen Auftraggeber** — bei Überlassung den **Beschäftiger**. Drei Schritte: (1) **Zahlungsstopp**: das Amt für Betrugsbekämpfung bzw die BUAK tragen dem Auftraggeber schriftlich auf, den noch offenen Werklohn (Überlassungsentgelt) oder Teile davon nicht an den Auftragnehmer/Überlasser zu zahlen; (2) **Sicherheitsleistung mit Zahlungsverbot** (Bescheid der Bezirksverwaltungsbehörde): Zahlung des fälligen Werklohns an die Behörde statt an den Vertragspartner; (3) **Verwertung**: Anrechnung auf die verhängte Geldstrafe oder Weiterzahlung an den Auftragnehmer. - **Betragslogik:** Der Zahlungsstopp darf das **Höchstmaß der angedrohten Geldstrafe** und den **offenen Werklohn** nicht übersteigen; bei Überschreitung wirkt er nur im wirksamen Umfang, bei niedrigerem Betrag erfasst er die zuerst fälligen Teile (Beispiel: Strafrahmen € 20.000, offener Werklohn € 13.000 → Zahlungsstopp wirkt über € 13.000; offener Werklohn € 25.000 → € 5.000 fließen weiter an den Auftragnehmer). - **Voraussetzung:** begründeter Verdacht einer LSD-BG-Übertretung und Verfolgungs-/Vollzugsschwierigkeiten (wie bei § 33, → lb-lsd-04); ein Zahlungsstopp darf nur verhängt werden, wenn eine **vorläufige Sicherheit** gegen den Beschuldigten nicht festgesetzt oder eingehoben werden konnte (Beschlagnahme schließt ihn nicht aus). - **Schutz des Auftraggebers:** Er zahlt nicht mehr und nicht früher als ohnehin (Sicherheit erst mit zivilrechtlicher Fälligkeit fällig); er darf weiterhin **aufrechnen** und Zurückbehaltungsrechte geltend machen; die Zahlung an die Behörde wirkt **schuldbefreiend**; der Bescheid enthält keine Leistungsfrist und ist nicht vollstreckbar. Bei Mängeln/Wegfall des Werklohnanspruchs ist das im Verfahren zu beachten. Nach § 34 Abs 4a kann die Behörde dem säumigen Auftraggeber einen konkreten Betrag per (vollstreckbarem) **Leistungsbescheid** auftragen — bei strittigem Werklohn darf sie davon absehen. - **Haftungsfreistellung:** Nimmt die Sicherheit den offenen Werklohn so weit in Beschlag, dass der Haftungsbetrag der Auftraggeberhaftung (§ 67a ASVG, § 82a EStG) nicht mehr bedeckt ist, kann der Auftraggeber den Haftungsbetrag haftungsbefreiend ans **Dienstleistungszentrum** zahlen (Beispiel: Werklohn € 20.000, Sicherheit € 20.000 → 25 % = € 5.000 ans Dienstleistungszentrum, € 15.000 als Sicherheit an die Behörde). - **Verwertung:** **Frei** zu erklären bei Einstellung des Verfahrens, vollzogener Geldstrafe, wenn der Auftragnehmer selbst erlegt oder wenn binnen **5 Jahren ab Erlegung** kein Verfall ausgesprochen wurde; **verfallen** ist die Sicherheit, sobald sich die Strafverfolgung als unmöglich erweist. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Deckel Zahlungsstopp/Sicherheit | max. **Höchstmaß der angedrohten Geldstrafe** und max. **noch offener Werklohn** (Überlassungsentgelt) (Stand 2026-07) | | Antrag auf Sicherheitsleistung | vom Amt für Betrugsbekämpfung/BUAK binnen **3 Arbeitstagen** nach Verhängung des Zahlungsstopps bei der Bezirksverwaltungsbehörde zu stellen (Stand 2026-07) | | Stellungnahme-Aufforderung | Zustellungseinleitung binnen **1 Woche** ab Antragseinlangen (Stand 2026-07); Entscheidung binnen weiterer **3 Wochen** ab Stellungnahme (ohne Stellungnahme: Bescheid möglich) | | Beendigung des Zahlungsstopps | u. a. wenn kein Antrag binnen **3 Arbeitstagen** gestellt wird oder binnen **3 Wochen** nach Einlangen der Stellungnahme nicht entschieden wird (Stand 2026-07) | | Beschwerde | gegen den Bescheid über die Sicherheitsleistung binnen **4 Wochen** ans LVwG; keine aufschiebende Wirkung (§ 34 Abs 8), außer unverhältnismäßiger Nachteil (Stand 2026-07) | | Verfallsfrist der Sicherheit | **5 Jahre ab Erlegung** (Stand 2026-07) | | Rechtsmittel gegen Zahlungsstopp | keines zulässig | ## Rechtsgrundlagen - **§ 34 LSD-BG** (Abs 1/2 Zahlungsstopp, Abs 3/4 Sicherheitsleistung, **Abs 4a** vollstreckbarer Leistungsbescheid, **Abs 8** Beschwerde ohne aufschiebende Wirkung). - **§ 67a ASVG** und **§ 82a EStG** (Haftungsbetrag der Auftraggeberhaftung; SV-Beiträge und Lohnabgaben) als Bezugsgröße der haftungsbefreienden Zahlung ans Dienstleistungszentrum — damit berührt der Zahlungsstopp auch die sv-beitragsbezogenen Lohnnebenkosten (Dienstgeberbeitrag, → lb-lnk-02). - **§ 9 VStG** (verantwortliches Organ ohne Parteistellung im Sicherheitsleistungsverfahren). ✅ §-Zitate ausdrücklich im Quelltext; Judikatur mit Fundstellen im Original. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - Betrifft nicht die Lohnabrechnung, sondern den **Kreditoren-/Zahlungs- workflow** des Auftraggebers (Kommune, General-AT-Mandant): ein Zahlungsverbot ist als Sperre/Höchstbetrag auf der offenen Lieferantenforderung abbildbar; Auszahlungskonto wechselt zur Bezirksverwaltungsbehörde. - **Fälligkeitssteuerung:** Die Sicherheit wird erst mit zivilrechtlicher Fälligkeit des Werklohns geschuldet — Fälligkeitsdaten der Werk-/Überlassungsverträge als Datenbasis; Aufrechnungs- und Zurückbehaltungsrechte des Auftraggebers bleiben wirksam. - **Haftungsfreistellung (§ 67a ASVG, § 82a EStG):** Die 25-%-Logik des Beispiels (zahlungshalber ans Dienstleistungszentrum) verlangt die Kenntnis des Haftungsbetrags der Auftraggeberhaftung — außerhalb der Payroll-Engine (Abgaben-/Haftungsthema), aber prozessrelevant für AP-Buchungen. - Kein Eingriff in die `hr_payroll`-Engine; Bezugsgrößen (Strafhöchstmaß) liefert der Unterentlohnungs-Kontext (→ lb-lsd-06). ## Verweise - **KB-intern:** lb-lsd-02 (Einführung LSD-BG) · lb-lsd-04 (vorläufige Sicherheit — Vorrang vor dem Zahlungsstopp) · lb-lsd-06 (Strafrahmen als Bezugsgröße) · lb-lnk-02 (Dienstgeberbeitrag als von der Auftraggeberhaftung mitumfasste Lohnnebenkosten) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; für die Kommune als Auftraggeberin/Beschäftigerin ergänzend `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Bgld.md`.