--- id: lb-zus-07 batch: 3 title: "Überstundenzuschläge - Abgabenrechtliches" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: zuschlage author: "Thöny-Maier" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_uberstundenzuschlage_abgabenrechtliches.pdf" text: ".lexis360/md/uberstundenzuschlage_abgabenrechtliches.md" legal_bases: ["EStG § 68 Abs 1", "EStG § 68 Abs 2", "EStG § 68 Abs 4 Z 7", "EStG § 68 Abs 7", "EStG § 77 Abs 3", "EStG § 124b", "ARG § 9 Abs 5", "AZG § 10", "LStR 2002"] tags: [uberstundenzuschlag, uberstundenfreibetrag, freigrenzen, all-in, gleitzeit, aufrollung] cross_refs: ["lb-zus-08", "lb-zus-05", "lb-zus-02", "lb-zus-03", "lb-tzb-04", "lb-ent-01", "lb-lei-01"] --- # Überstundenzuschläge – Abgabenrechtliches *Lexis Briefings Personalrecht, Thöny-Maier, Stand Juli 2026 (lb-zus-07).* ## Zusammenfassung - **Systematik:** Das EStG unterscheidet Überstunden an Wochentagen (**§ 68 Abs 2**, außer Nachtarbeit) von Überstunden an Sonn-/Feiertagen oder in der Nacht (**§ 68 Abs 1**, gemeinsamer Freibetrag mit SEG- und SFN-Zuschlägen — Details → lb-zus-05). Die Grundstunde ist immer steuerpflichtig, nur der Zuschlag ist begünstigbar. - **Wochentags-Überstunden (§ 68 Abs 2 EStG):** 2026 sind die Zuschläge für die **ersten 15 Überstunden** im Monat im Ausmaß von 50 % des Grundlohnes, insgesamt jedoch höchstens **€ 170,–/Monat**, steuerfrei; ab 2027 gilt wieder die Grundregel (erste 10 Überstunden, max € 120,–). Die 2026er-Maßnahme wurde vom Nationalrat am 21. 1. 2026 beschlossen; noch nicht berücksichtigte LZP sind per Aufrollung nach **§ 77 Abs 3 EStG** zu korrigieren. — ✅ Verbindlich nach RECHTSQUELLEN-Privat (GP0): § 124b **Z 476 lit c idgF BGBl I 43/2026** (erste 15 ÜStd, max 170 €/Monat für LZP 2026, Aufrollung bis **30. 9. 2026**); Vorgängerfassung **BGBl I 4/2026** = § 124b **Z 492** (Aufrollung bis 31. 5. 2026). ⚠ Das Briefing zitiert „§ 124b Z 440 lit c" und die Aufrollungsfrist „31. 5. 2026" (Stand 2026-07) — Z-Nummer und Frist vor Implementierung gegen RIS konsolidieren; ⚠ lb-ent-01 (Stand 2026-07) nennt für § 68 Abs 2 pauschal € 120,– ohne die 2026er-Sondermaßnahme. Verbindlich für 2026: 15 ÜStd / € 170,– ✅ RECHTSQUELLEN. - **Stundenzählig:** Bei weniger als 15 (ab 2027: 10) Überstunden dürfen höhere Zuschläge die freien 50 %-Zuschläge nicht „auffüllen" (Beispiel 2026: 10 ÜStd à 100 % Zuschlag = € 300,– → nur € 150,– begünstigt); bei geringeren Zuschlägen bleibt es bei der Stundenbegrenzung (Beispiel: 20 ÜStd à 25 % → € 112,50,– steuerfrei für 15 Stunden). Zuschläge für Samstagsarbeit fallen unter § 68 Abs 2. Mehrarbeitszuschläge wegen KV-verkürzter Normalarbeitszeit gelten als Überstundenzuschläge (LStR Rz 1146); Mehrarbeitszuschläge nach § 19d AZG (Teilzeit, 25 %) sind steuerpflichtig (→ lb-zus-02/03). - **Stundenteiler:** Grundlohn-Teiler ausgehend von der 40-Stunden-Woche: **173** (KV/BV sehen oft andere vor). Bei All-in ohne abgeglichene Zuschlagsanzahl gilt der **Teiler 195,5** (173 + 15 Überstunden + 7,5 Stunden für die 50 %-Zuschläge) unabhängig von der kollektivvertraglichen Normalarbeitszeit (LStR Rz 1162; Beispiel: Monatsgehalt € 4.398,75,– → 15 Zuschläge = € 168,75,–; der KV-Teiler 150 darf dafür nicht verwendet werden). Diese Methode dient nur der Berechnung der steuerfreien Zuschläge, nicht der arbeitsrechtlichen Deckungsprüfung. - **Aufzeichnungen (LStR Rz 1161):** Keine gesonderten Aufzeichnungen nötig, wenn in früheren LZP Überstunden in diesem oder höherem Ausmaß geleistet und gezahlt wurden; geleistete AZG-Aufzeichnungen sind steuerlich maßgeblich. Bei Neuanstellung/Erstleistung: Aufzeichnung über mindestens **6 Monate**. Leitende Angestellte ohne AZG: Begünstigung nur, wenn innerbetrieblich eine Normalarbeitszeit entsprechend **§ 68 Abs 4 Z 7** für alle AN/Gruppen festgelegt ist. - **Feiertagsarbeitsentgelt ab 2026:** Nach der BFG-Entscheidung RV/3100544/2017 (19. 12. 2024) war das Feiertagsarbeitsentgelt (§ 9 Abs 5 ARG) nicht mehr als steuerfreier Zuschlag behandelbar; der Gesetzgeber hat es **rückwirkend ab 1. 1. 2026** wieder in den § 68 Abs 1-Begünstigungsumfang aufgenommen (Aufrollung ab Jänner 2026 lt. Quelltext bis Ende Mai 2026 — zur Fristen- und Z-Nummern-Lage s. o. und → lb-zus-05). - **Gleitzeit:** Die steuerliche Beurteilung knüpft seit 2025 konsequent an die arbeitsrechtliche Qualifikation an. Gleitzeit-Überstunden liegen vor bei Überschreiten der in der Gleitzeitvereinbarung festgelegten täglichen/wöchentlichen Normalarbeitszeit, bei Anordnung außerhalb der regulären Normalarbeitszeit, bei Arbeit außerhalb des Gleitzeitrahmens und bei Überschreiten des übertragbaren Saldos am Periodenende — diese Stunden sind auf einem **separaten Überstundenkonto** (nicht dem Gleitzeitguthaben) zu führen und dem LZP des Kalendermonats zuzuordnen. - **All-in:** § 68 Abs 2 ist seinem Wortlaut nach **monatlich** zugeordnet; nach LStR Rz 1162a ist eine durchschnittliche Betrachtung möglich, wenn im Jahresdurchschnitt tatsächlich Überstunden im erforderlichen Ausmaß geleistet werden (12 × 15 = 180 Stunden); missbräuchliche Verteilung schließt die Begünstigung aus. Ob diese Auslegung unter der neuen arbeitsrechtlich angelehnten Betrachtung aufrechterhalten wird, bleibt abzuwarten (⚠). - **Krankheit:** Können im Jahresdurchschnitt rechnerisch zugrunde gelegte Überstunden wegen Erkrankung nicht geleistet werden, sind die in der Gesamtvergütung enthaltenen Zuschläge nach **§ 68 Abs 7 dritter Teilstrich** wie abgeleistete Überstunden zu behandeln. - **Pauschalen:** Zuschläge nach § 68 Abs 1 lassen sich aus Überstundenpauschalen grundsätzlich nicht herausrechnen (VwGH, LStR Rz 1163). ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | § 68 Abs 2 EStG 2026 | Zuschläge für die **ersten 15 Überstunden**, 50 % des Grundlohnes, max **€ 170,–/Monat** steuerfrei — ✅ RECHTSQUELLEN-Privat (§ 124b Z 476 lit c idgF BGBl I 43/2026, Aufrollung bis 30. 9. 2026; Vorgänger BGBl I 4/2026 = Z 492, 31. 5. 2026; ⚠ Quelltext: „Z 440 lit c"/31. 5. 2026) | | § 68 Abs 2 EStG ab 2027 | Grundregel wieder **10 Überstunden, max € 120,–/Monat** (Quelltext und RECHTSQUELLEN) | | Auffüllverbot | Stundenbegrenzung gilt stundenzählig: höhere Zuschläge erweitern sie nicht; niedrigere verengen sie nicht (nur weniger Stunden) | | Stundenteiler | **173** (40-h-Woche) für den Grundlohn; **195,5** bei All-in ohne Zuschlagsanzahl (LStR Rz 1162) | | § 68 Abs 1 EStG | **€ 400,–/Monat** (bzw. € 600,– überwiegende Nachtarbeit) gemeinsamer Freibetrag SEG/SFN + ÜStd-Zuschläge — ✅ RECHTSQUELLEN (→ lb-zus-05) | | Feiertagsarbeitsentgelt | ab 1. 1. 2026 wieder § 68 Abs 1-begünstigt (BGBl I 2026/4; BFG RV/3100544/2017 zwischendurch ablehnend; 2025: steuerpflichtig) | | Aufzeichnungen | LStR Rz 1161: entbehrlich bei fortlaufender Leistung in diesem/höherem Ausmaß; sonst mind. 6 Monate dokumentieren; AZG-Aufzeichnungen maßgeblich | | Leitende Angestellte | steuerfreier Zuschlag nur bei innerbetrieblicher Normalarbeitszeit-Festlegung nach § 68 Abs 4 Z 7 | | Gleitzeit | separate Überstundenkonto; Begünstigung nach § 68 Abs 2 erst bei Gleitzeit-Überstunden bzw. Saldo-Überschreitung am Periodenende | | All-in-Jahresdurchschnitt | 180 Überstunden (12 × 15) im Jahresdurchschnitt; missbräuchliche Verteilung schadet; Bestand der LStR-Auslegung offen (⚠) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 68 Abs 2 EStG** (15/170 € 2026, 10/120 € Grundregel), **§ 68 Abs 1/4/7 EStG**, **§ 77 Abs 3 EStG** (Aufrollung), **§ 124b EStG** (2026er-Maßnahme; Z-Nummern-Konflikt s. Tabelle — verbindlich RECHTSQUELLEN: Z 476 lit c idgF BGBl I 43/2026, Vorgänger Z 492 BGBl I 4/2026), **§ 9 Abs 5 ARG** (Feiertagsarbeitsentgelt), **§ 10 AZG** (Mindestzuschlag 50 % für echte Überstunden), **LStR 2002** Rz 1146, 1161, 1162, 1162a, 1163. - Judikatur: BFG 19. 12. 2024, RV/3100544/2017; VwGH 0671/77 (Pauschal-Herausrechnung). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Zwei Freibetrags-Parameter:** § 68 Abs 2 (2026: 15 ÜStd / 170 €; Grundregel 10/120 ab 2027) und § 68 Abs 1 (400/600 €) als getrennte, versionierte `hr.rule.parameter`-Jahreswerte; die Abs-2-Logik muss **stundenzählig** (Anzahl begünstigter ÜStd) und betragsmäßig deckeln, ohne Auffüllung durch höhere Sätze. - **Grundlohn-/Zuschlagstrennung:** Zuschlagsbasen je Überstunden-Work- Entry (Teiler 173 je 40-h-Woche bzw. KV-Teiler), Zuschlagsanteil separat ausweisen und nur diesen in die Freibetragsrechnung speisen; All-in- Teiler 195,5 als eigene Rechengröße nur für die Steuerbegünstigung. - **Jahresdurchschnitt (All-in):** Jahres-Aggregat der geleisteten Überstunden (Rz 1162a, 180-Stunden-Kontrolle) und 6-Monats-Doku für Neuzugänge — Bericht/Lohnkonto-Protokoll als begleitender Ausweis (Nachweislast des AG). - **Aufrollungs-Events:** Parameterwechsel (§ 124b-Maßnahme, Feiertagsarbeitsentgelt-Re-Integration ab 2026) erzeugen Aufrollungspflichten mit Fristen (2026: bis 30. 9. ✅ RECHTSQUELLEN) — als datierte TODO-Mechanik bzw. Batchprozess im Jahreswechsel vorsehen. - **Gleitzeitkonten:** Überstunden separat vom Gleitzeitguthaben buchen (Work-Entry-Typen/Kategorien trennen), Zuordnung zum Kalendermonats-LZP; Periodenübergänge (Saldo-Überschreitung) als Zuschlagsereignis bewerten. - **Krankheits-/Feiertagsfälle:** § 68 Abs 7-Teilstriche (Krankheit, Betriebsrat) und Feiertagsarbeitsentgelt (2026 wieder Abs 1) in der Regelkette versioniert abbilden — Rechtslage je LZP prüfen. ## Verweise - **KB-intern:** lb-zus-08 (Überstunden arbeitsrechtlich: §§ 6, 7, 10 AZG) · lb-zus-05 (§ 68 Abs 1/6: SFN-Zuschläge, Feiertagsarbeitsentgelt- Zeitachse) · lb-zus-02/lb-zus-03 (Mehrarbeit: keine Begünstigung nach § 19d AZG) · lb-tzb-04 (Gleitzeit-/Teilzeit-Abgrenzung) · lb-ent-01 (§ 68-Freibeträge ohne Aliquotierung; AlV-Staffel-Kontext) · lb-lei-01 (leitende Angestellte) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` — § 68 EStG ✅ inkl. § 124b-Z-Nummern und Aufrollungsfristen (verbindliche Referenz für den 2026er-Überstundenfreibetrag).