--- id: lb-pen-06 batch: 3 title: "Pendlerförderung - Berücksichtigung durch Arbeitgeber" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: pendlerforderung author: "Sabara" stand: 2026-08 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_pendlerforderung_berucksichtigung_durch_arbeitgebe.pdf" text: ".lexis360/md/pendlerforderung_berucksichtigung_durch_arbeitgebe.md" legal_bases: ["EStG § 41 Abs 1 Z 6", "EStG § 77 Abs 3", "EStG § 124b Z 395"] tags: [pendlerpauschale, pendlereuro, l34-edv, lohnkonto, gplb, arbeitgeberhaftung] cross_refs: ["lb-pen-01", "lb-pen-02", "lb-pen-04", "lb-pen-05", "lb-pen-08", "lb-pen-09"] --- # Pendlerförderung – Berücksichtigung durch den Arbeitgeber *Lexis Briefings Personalrecht, Sabara, Stand August 2026 (lb-pen-06).* ## Zusammenfassung - **Formular L 34 EDV:** PP und Pendlereuro darf der AG nur berücksichtigen, wenn der AN eine Erklärung über das Vorliegen der Voraussetzungen mit **Pendlerrechner-Ausdruck** (Abfragedatum ab 25. 6. 2014, Version 2.0) vorlegt; nur vollständig ausgefüllte Erklärungen sind verwertbar; der AG nimmt sie zum Lohnkonto und berücksichtigt PP/PE nach der **erklärten einfachen Wegstrecke** (vor 2015 genügte die L 34 ohne Rechnerausdruck). - **Änderungen der Verhältnisse** (zB Wohnsitzverlegung) muss der AN **innerhalb eines Monats** melden; berücksichtigt wird nach den Verhältnissen des jeweiligen **Kalendermonats**. Auch die Behebung fehlerhafter Programmierung oder sonstiger Fehlersituationen (zB Timeout-Fehlermeldung des Pendlerrechners) gilt als Änderung der Verhältnisse. - **Bestand in Urlaub/Krankenstand/Feiertagen:** PP/PE sind auch für diese Lohnzahlungszeiträume zu berücksichtigen; der AG muss nicht prüfen, ob ein anderer AG gleichzeitig ebenfalls ein PP berücksichtigt. - **Offensichtlich unrichtige Angaben** dürfen nicht berücksichtigt werden; erweist sich die Erklärung im Zuge der GPLB als unrichtig, wird der AN über die **Pflichtveranlagung (§ 41 Abs 1 Z 6 EStG)** als Steuerschuldner herangezogen; der AG haftet nur, wenn er die Unrichtigkeit aufgrund besonderer Umstände erkennen musste (Beispiele: Wien 19→23 als „135 km" deklariert → kein PP; 42 statt tatsächlich 39 km → AG durfte berücksichtigen). - **Nachträgliche Berücksichtigung** innerhalb des Kalenderjahres auch für Zeiträume vor der Antragstellung möglich: zunächst wahrscheinliche Verhältnisse, korrigierte Erklärung am Jahresende → AG berichtigt; gibt der AN keine korrigierte Erklärung ab, muss der AG von sich aus nicht korrigieren. - **Historie:** Für die befristete +50 %-Erhöhung des PP (Mai 2022–Juni 2023, § 124b Z 395 EStG) waren AG verpflichtet, die höheren Werte ehestmöglich, spätestens **31. 8. 2022 mittels Aufrollung** (§ 77 Abs 3 EStG) zu berücksichtigen. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Erklärung | **L 34 EDV** (Pendlerrechner-Ausdruck, Abfragedatum ab 25. 6. 2014); vollständig ausgefüllt, zum Lohnkonto | | Berücksichtigungsgrundlage | erklärte **einfache Wegstrecke** Wohnung–Arbeitsstätte | | Meldefrist | Änderungen der Verhältnisse binnen **eines Monats** (auch behobene Pendlerrechner-Fehlersituationen) | | Pendlereuro 2026 | von € 2,– auf **€ 6,–/km und Jahr** erhöht (Teilkompensation Klimabonus-Abschaffung) | | Bestand | PP/PE auch für Feiertage, Krankenstand, Urlaub | | Lohnkonto fortlaufend | insgesamt zustehender Pendlereuro · Anzahl der Kalendermonate mit arbeitgebereigenem Kfz (auch Teilmonat) · Werkverkehrsmonate | | Prüfpflicht/Haftung AG | keine Prüfung, ob ein anderer AG ebenfalls PP berücksichtigt; bei **offensichtlich unrichtigen** Angaben: Nichtberücksichtigung. AN als Steuerschuldner über Pflichtveranlagung (§ 41 Abs 1 Z 6 EStG); AG-Haftung nur bei erkennbar unrichtigen Angaben (GPLB) | | Nachträgliche Geltendmachung | im Kalenderjahr auch für Vorzeiträume; korrigierte Erklärung → Berichtigung durch den AG | | Aufrollung 2022 (historisch) | +50 %-PP-Werte bis 31. 8. 2022 per Aufrollung (§ 77 Abs 3 EStG) berücksichtigen | ## Rechtsgrundlagen - **§ 41 Abs 1 Z 6 EStG** — Pflichtveranlagung des AN bei unrichtiger Erklärung (Steuerschuldner). ✅ - **§ 77 Abs 3 EStG** — Aufrollung (Anwendungsfall Energiepaket 2022). ✅ - **§ 124b Z 395 EStG** — befristete +50 %-Erhöhung des PP Mai 2022– Juni 2023. ✅ - L 34/L 34 EDV sind **Formulare der Finanzverwaltung**, keine Gesetzesnorm; normativer Rahmen der Formularpflicht ⚠ an RIS/LStR verifizieren. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - L 34 EDV als **Dokument am Mitarbeiter** mit strukturierten Kernfeldern (Wegstrecke, Pendeltage-Kategorie, Abfragedatum) — Freibetrags- und Absetzbetrags-Ableitung im Payslip aus diesen Daten, nicht aus Freitext. - **Workflow „Änderung der Verhältnisse"**: 1-Monats-Meldefrist des AN, monatsgenaue Umstellung der Pendlerdaten (→ lb-pen-08); Urlaub/ Krankenstand/Feiertage unterbrechen die Berücksichtigung nicht. - **Lohnkonto-Attribute** (zustehender Pendlereuro, Kfz-Monate, Werkverkehrsmonate) als Ausgabefelder der Abrechnung/Lohnzettel mitführen. - Plausibilitätsprüfung „offensichtlich unrichtig" als grobe Konsistenzprüfung (zB Wegstrecke vs. Adressen) — Dokumentation der Entscheidung als Haftungsschutz für die GPLB. - Die Aufrollung 2022 illustriert die Anforderung, rückwirkend über abgeschlossene Perioden korrigieren zu können (Payslip-Korrektur/ Aufrollung); Periodenmechanik → lb-ent-01. ## Verweise - **KB-intern:** lb-pen-01/lb-pen-02 (Pauschalen) · lb-pen-04 (Pendlereuro) · lb-pen-05 (Grundsystematik, Lohnkonto-Einträge) · lb-pen-08 (Pendlerrechner als Basis der L 34 EDV) · lb-pen-09 (Aliquotierung) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`