--- id: lb-url-11 batch: 7 title: "Urlaubsverjährung" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Urlaub & Karenzierung" topic: urlaub author: "Niederfriniger/Radauer" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_urlaubsverjahrung.pdf" text: ".lexis360/md/urlaubsverjahrung.md" legal_bases: ["UrlG § 4 Abs 5", "UrlG § 12", "ABGB § 1486 Z 5", "ABGB § 1497", "MSchG", "Väterkarenzgesetz"] tags: [urlaub, urlaubsverjahrung, verjahrungsfrist, fifo-verbrauch, verfallfrist, karenzverlangerung] cross_refs: ["lb-url-03", "lb-url-05", "lb-url-08", "lb-url-09", "lb-url-12", "lb-ent-05", "lb-kar-04"] --- # Urlaubsverjährung *Lexis Briefings Personalrecht, Niederfriniger/Radauer, Stand Juli 2026 (lb-url-11).* ## Zusammenfassung - **Frist:** Urlaubsanspruch verjährt, wenn er nicht **innerhalb von zwei Jahren ab dem Ende des Urlaubsjahres** konsumiert wird, in dem er entstanden ist (§ 4 Abs 5 S 1 UrlG) — praktisch: ab dem zweiten Arbeitsjahr drei Jahre ab Entstehung. ✅ Deckungsgleich mit `RECHTSQUELLEN-Privat.md` (§ 4 Abs 5 UrlG: 2-Jahres-Frist, Report-/Hinweisthema). - **FIFO-Verbrauch:** Konsumierter Urlaub ist vorrangig auf den **ältesten** bestehenden Urlaubsanspruch anzurechnen; verjährt ist ein Anspruch erst, wenn drei volle Jahresurlaube offen sind und ein neuer entsteht. Faustregel: bis zum 25. Dienstjahr max. 15 Wochen (90 Werktage), danach max. 18 Wochen (108 Werktage) offen. - **Zwingend:** § 4 Abs 5 UrlG ist zwingend (§ 12 UrlG) — weder Verkürzung noch Verfallsfristen sind beim Urlaubsanspruch zulässig; anders bei der Urlaubsersatzleistung (dort 3-Jahres-Verjährung nach § 1486 Z 5 ABGB, KV/Vertrag können Verfallfristen vorsehen → lb-url-09). - **Hinweispflicht des Arbeitgebers:** Er muss den Arbeitnehmer rechtzeitig auf die drohende Verjährung hinweisen und zum Verbrauch auffordern. Unterbleibt das, tritt hinsichtlich der unionsrechtlich gesicherten **4 Wochen** Jahresurlaub **keine** Verjährung ein (EuGH C-619/16 Kreuziger, C-120/21 LB). Obliegenheit entfällt nur in Ausnahmefällen (zB Geschäftsführer, Personalverantwortliche). - **Kündigungsanfechtung:** Der Urlaubsanspruch entsteht erst mit Aufhebung der Kündigung — die 2-Jahres-Frist beginnt erst mit dem Ende des Urlaubsjahres der Aufhebung. - **Unterbrechung (§ 1497 ABGB):** durch Anerkennung des Urlaubsanspruchs (auch schlüssig, zB Abdruck am Gehaltszettel) oder durch gehörig fortgesetzte gerichtliche Geltendmachung. - **Hemmung:** bei unverschuldeter Verhinderung am Verbrauch (Krankenstand, Beschäftigungsverbot, andauernde Vergleichsverhandlungen). **Karenz nach MSchG/Väterkarenzgesetz verlängert die Frist um die Karenzdauer** (§ 4 Abs 5 S 2 UrlG — seit der Novelle 2012 um die gesamte Karenzzeit, nicht mehr nur um die 10 Monate übersteigende Dauer); keine Hemmung bei freiwilliger (vereinbarter) Karenz (→ lb-url-03) und nicht während eines Entlassungsanfechtungsverfahrens. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Verjährungsfrist | 2 Jahre ab Ende des Urlaubsjahres der Entstehung (§ 4 Abs 5 S 1 UrlG) ✅ RECHTSQUELLEN Abschnitt 3; ohne Urlaubsjahresbezug (ab 2. Jahr): 3 Jahre ab Entstehung | | Verbrauchsreihenfolge | FIFO — Verbrauch zuerst auf den ältesten offenen Anspruch | | Maximaler Offenstand | < 25. DJ: 15 Wochen/90 Werktage; ab 25. DJ: 18 Wochen/108 Werktage | | Zwingend | § 4 Abs 5 iVm § 12 UrlG: keine Fristverkürzung, keine Verfallsfristen beim Urlaubsanspruch | | Ersatzleistung | 3-Jahres-Verjährung § 1486 Z 5 ABGB; Verfallsfristen KV/vertraglich möglich (→ lb-url-09, lb-ent-05) | | Hinweispflicht AG | ohne rechtzeitigen Hinweis + Aufforderung keine Verjährung der unionsrechtlichen 4 Wochen (EuGH Kreuziger/LB) | | Unterbrechung | § 1497 ABGB: Anerkennung (auch schlüssig, Gehaltszettel) oder Klage | | Hemmung | Krankenstand, Beschäftigungsverbot, Vergleichsverhandlungen | | Karenzverlängerung | § 4 Abs 5 S 2 UrlG: MSchG/VKG-Karenz verlängert die Frist um die Karenzdauer; freiwillige Karenz hemmt nicht | | Kündigungsanfechtung | Fristbeginn erst mit Ende des Urlaubsjahres der Aufhebung | ## Rechtsgrundlagen - **§ 4 Abs 5 UrlG** — zweijährige Verjährungsfrist, Karenz-Verlängerung (S 2); zwingend kraft **§ 12 UrlG**. - **§§ 1486 Z 5, 1497 ABGB** — dreijährige Entgeltverjährung (nur für die Ersatzleistung) und Unterbrechungsgründe. - **MSchG/Väterkarenzgesetz** — karenzbedingte Fristverlängerung (→ lb-kar-04); Rechtslage seit UrlG-Novelle BGBl I 2012/19 (davor: Verlängerung nur um die 10 Monate übersteigende Karenzdauer). - **EuGH C-619/16, C-120/21** — Hinweispflicht als Voraussetzung der Verjährung der 4 EU-Wochen (Mindesturlaub Art 7 RL 2003/88/EG). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Verfallwarnung/Report statt Abrechnungsregel:** RECHTSQUELLEN stuft § 4 Abs 5 als Report-/Hinweisthema — Umsetzung als Fristenmonitor (Urlaubsjahre + 2 Jahre) mit Hinweiserinnerung an HR/Arbeitgeber; unterbliebener Hinweis = keine Verjährung der 4 Wochen. - **FIFO-Saldoführung** im Urlaubskonto (Verbrauch auf ältesten Jahrgang zuerst) ist Kernlogik der Saldoermittlung und Grundlage der Ersatzleistungsauszahlung (→ lb-url-09). - **Karenz-/Hemmungs-Ereignisse** (Elternkarenz, Krankenstand, Beschäftigungsverbot) verlängern/beinflussen die Fristrechnung — als Datenpunkte am Urlaubskonto je Jahrgang führen. - **Aufbewahrung:** Aufzeichnungen bis Ende des Arbeitsverhältnisses + 3 Jahre halten (§ 8 UrlG-Kontext, → lb-url-08). ## Verweise - **KB-intern:** lb-url-09 (Verjährung der Urlaubsersatzleistung, 3 Jahre) · lb-url-05 (Entstehung/Urlaubsjahr) · lb-url-03 (keine Hemmung bei freiwilliger Karenz) · lb-url-12 (Vorgriff wirkt verjährungsbeschleunigend) · lb-url-08 (Aufzeichnungs-/Aufbewahrungsfristen) - **Querbezüge:** lb-ent-05 (Verjährung und Verfall von Entgeltforderungen) · lb-kar-04 (Elternkarenz) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (§ 4 Abs 5 UrlG ✅; Abschnitt 3/9)