--- id: lb-asc-03 batch: 6 title: "Arbeitnehmerschutz - Präventivdienste" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Arbeitnehmerschutz" topic: arbeitnehmerschutz author: "Noga/Schrenk" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_arbeitnehmerschutz_praventivdienste.pdf" text: ".lexis360/md/arbeitnehmerschutz_praventivdienste.md" legal_bases: ["ASchG § 9", "ASchG § 73", "ASchG § 76", "ASchG § 77", "ASchG § 77a", "ASchG § 78", "ASchG § 78b", "ASchG § 79", "ASchG § 81", "ASchG § 82", "ASchG § 82a", "ASChG § 82c", "BEinstG", "MSchG", "NSchG Art VII Abs 1"] tags: [arbeitnehmerschutz, praventivdienste, sicherheitsfachkraft, arbeitsmediziner, begehungsmodell, praventionszeit] cross_refs: ["lb-asc-01", "lb-asc-02", "lb-asc-04", "lb-asc-08", "lb-nsc-01"] --- # Arbeitnehmerschutz – Präventivdienste *Lexis Briefings Personalrecht, Noga/Schrenk, Stand Juli 2026 (lb-asc-03).* ## Zusammenfassung - **Ausnahmslose Bestellpflicht:** Jeder Arbeitgeber muss — unabhängig von der Betriebsgröße — **Sicherheitsfachkräfte (§ 73 ASchG)** und **Arbeitsmediziner (§ 79 ASchG)** bestellen; Erfüllung durch (1) Dienstverhältnis, (2) externe Beiziehung oder (3) Inanspruchnahme eines sicherheitstechnischen/arbeitsmedizinischen Zentrums. Sind betriebseigene Personen fachgeeignet, sind sie **vorrangig** zu bestellen (Erlass BMWA 5. 6. 2008). - **Rollen:** Sicherheitsfachkraft berät AG, AN, SVP und Belegschaftsorgane (§ 76 Abs 1); Arbeitsmediziner für Gesundheitsschutz und arbeitsbedingte Gesundheitsförderung (§ 81 Abs 1); ergänzend **arbeitsmedizinische Fachassistenz** (§ 82c) — alle in der Fachkunde **weisungsfrei** (Fachassistenz nur dem Arbeitsmediziner unterstellt). - **Begehungsmodell (§§ 77a ff, Arbeitsstätten bis 50 AN):** keine Präventionszeit, sondern **regelmäßige Begehungen** — 11–50 AN: mind. **jährlich**; 1–10 AN: alle **zwei Kalenderjahre**; 1–10 AN mit ausschließlich Büroarbeitsplätzen (bzw. bürovergleichbaren Gefährdungen): alle **drei Kalenderjahre**; zusätzlich Anlassbegehungen (§ 76 Abs 3, § 81 Abs 3). - **Grenzzahl 50:** maßgeblich sind die in der Arbeitsstätte (inkl. Baustellen/ auswärtiger Arbeitsstellen) **regelmäßig** Beschäftigten — „pro Kopf", **keine Teilzeitaliquotierung**; Urlaubs-/Krankenstände und Saisonkräfte zählen mit, kurzfristige Aushilfen, MSchG-Schutzfrist, Karenz und Zivil-/Präsenzdienst nicht; Überlassene zählen beim Beschäftiger (§ 9 Abs 2). Lehrlinge und begünstigt Behinderte (BEinstG) erweitern die Grenze auf **maximal 53**; bei wechselnder Belegschaft max. **30 Tage/Jahr über 75 AN**. Je Arbeitsstätte zählen — mehrere kleine Filialen bleiben im Begehungsmodell, während eine große in das Präventionsmodell fällt. - **Präventionszentren (§ 78 ASchG):** für Arbeitsstätten bis 50 AN (in mehreren Arbeitsstätten gesamt bis **250 AN**) Betreuung durch Präventionszentren des UV-Trägers (AUVA: „AUVAsicher") auf **Antrag** — **kostenlos**; in reinen Büro-Arbeitsstätten (1–10 AN) genügt die erste Begehung durch den Arbeitsmediziner, Folge- und Anlassbegehungen kann die arbeitsmedizinische Fachassistenz übernehmen. - **Präventionsmodell (§§ 82a ff):** Präventionszeit je AN und Jahr aus Kopfzahl und **Gefahrenklasse**: I (Büro/bürovergleichbar) **1,2 h**, II (sonstige) **1,5 h**; für AN mit mind. **50 Nachtarbeiten/Jahr** (Art VII Abs 1 NSchG: 6 Std zwischen 22 und 6 Uhr ohne bloße Arbeitsbereitschaft) zusätzlich **0,5 h** (Gefahrenklasse III). Teilzeitkräfte aliquot; Rundung <0,5 ab / ≥0,5 auf. Aufteilung: mind. **40 %** Sicherheitsfachkraft, mind. **35 %** Arbeitsmediziner, restliche **25 %** nach Erfordernis (auch Chemiker, Toxikologen, Arbeitspsychologen). Einzurechnen sind nur die taxativ in § 77 bzw § 82 ASchG genannten Tätigkeiten. - **Fachassistenz:** bis zu **30 %** der arbeitsmedizinischen Präventionszeit (§ 82a Abs 4) kann durch Fachassistenz erbracht werden (§ 82c Abs 3); allgemeine Gesundheitsförderung ohne Arbeitsbezug ist nicht präventionszeitfähig. Neuberechnung der Präventionszeit bei Erhöhung der Beschäftigtenzahl um mehr als **5 %** im laufenden Kalenderjahr. - **Unternehmermodell (§ 78b):** AG bis **50 AN** mit Sifa-Ausbildung bzw. bis **25 AN** mit 72-UE-Ausbildung können die Sifa-Aufgaben selbst wahrnehmen — nur für Sicherheitsfachkräfte, laut Quelle in der Praxis **ohne Bedeutung**. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Begehungsintervalle | 11–50 AN: mind. **1×/Jahr**; 1–10 AN: **alle 2 Kalenderjahre**; 1–10 AN nur Büro: **alle 3 Kalenderjahre** | | Grenzzahl Begehungsmodell | **50** regulär Beschäftigte je Arbeitsstätte; mit Lehrlingen/begünstigt Behinderten **max. 53**; wechselnde Belegschaft: an max. **30 Tagen/Jahr** mehr als 75 AN zulässig | | Präventionszentren (§ 78) | je Arbeitsstätte ≤ 50, über alle Arbeitsstätten ≤ **250 AN**; Antrag erforderlich; Betreuung kostenlos („AUVAsicher") | | Präventionszeit je AN/Jahr | Gefahrenklasse I (Büro) **1,2 h** · Gefahrenklasse II (sonstige) **1,5 h** · **+ 0,5 h** für ≥ 50 Nachtarbeitsleistungen/Jahr (Gefahrenklasse III, Art VII Abs 1 NSchG) | | Aufteilung der Präventionszeit | mind. **40 %** Sicherheitsfachkraft · mind. **35 %** Arbeitsmediziner · **25 %** flexibel nach Erfordernis | | Fachassistenz | max. **30 %** der arbeitsmedizinischen Präventionszeit; **70 %** zwingend Arbeitsmediziner | | Neuberechnung | bei Beschäftigtenzuwachs um mehr als **5 %** im laufenden Kalenderjahr | | Unternehmermodell (§ 78b) | ≤ 50 AN mit Sifa-Ausbildung · ≤ 25 AN mit **72 Unterrichtseinheiten**; nur Sifa, nicht Arbeitsmedizin | ## Rechtsgrundlagen - **ASChG §§ 73–82c** mit Einzelzitationen: § 73, § 76 (Aufgaben/Auftrag Sifa), § 77 (präventionszeitfähige Sifa-Tätigkeiten), § 77a (Begehungsmodell, Büro-Arbeitsstätten), § 78 (Präventionszentren), § 78b (Unternehmermodell), § 79, § 81, § 82 (Tätigkeiten Arbeitsmediziner), § 82a (Präventionszeit, Gefahrenklassen), § 82c (Fachassistenz), § 9 Abs 2 (Überlassene) — ✅. - **Nebenzitate:** BEinstG (begünstigt Behinderte), MSchG (Schutzfrist), NSchG Art VII Abs 1 (Nachtarbeit, 6 Std 22–6 Uhr), ArbVG (Belegschaftsorgane, nur genannt). - Erlässe des Quelltexts: BMWA 5. 6. 2008 (Vorrang betriebseigener Personen), BMASK 4. 8. 2017 (bürovergleichbare Gefährdungen), ZAI 5. 4. 1996 (Grenzzahl-Zurechnung), BMASK 2. 6. 2009 (Präventionszeit bei Kurzarbeit), § 78a Abs 1 (externe Präventivfachkräfte der Präventionszentren). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Kein Entgeltwert**, aber Personalbestandsdaten sind Berechnungsgrundlage: Kopfzahl **je Arbeitsstätte** (regelmäßig Beschäftigte inkl. Urlaubs-/ Krankenstand, Saison, Überlassene; ohne Karenz/MSchG-Schutzfrist/ Präsenzdienst) und **Gefahrenklasse je Arbeitsplatz** bestimmen Modell und Präventionszeit — Stammdaten je Mitarbeiter (Arbeitsstätte, Beschäftigungs- ausmaß, Gefahrenklasse) und je Standort konsistent führen. - **Büro-/Gefahrenklassen-Zuordnung:** Die Klasse I-Beispiele (Verwaltung, IT, Beratung) machen den Großteil einer Gemeinde-/Verwaltungsbelegschaft aus; eine falsche Klassifizierung verfälscht die Präventionszeit — als katalogisierte Stelle-Datenfelder abbilden, nicht als Freitext. - **Fristen-Tracking:** Begehungsintervalle (1/2/3 Jahre) und Neuberechnungsanlässe (> 5 % Beschäftigungszuwachs) als wiederkehrende Organisationsaufgaben; Kurzarbeit/Überlassung verändern die Berechnung (Erlass 2009) — bei Work-Entry-Kurzarbeitsmodellen beachten. - **Nachtarbeit-Trigger:** Gefahrenklasse III setzt bei ≥ 50 Nachtarbeitsleistungen/Jahr ein — Anknüpfung an die Nachtschwerarbeits-Logik (→ lb-nsc-01) und Work Entries. ## Verweise - **KB-intern:** lb-asc-01 (Überblick/Gefahrenevaluierung) · lb-asc-02 (ermächtigte Ärzte/Untersuchungen) · lb-asc-04 (SVP-Zusammenarbeit mit Präventivfachkräften) · lb-asc-08 (UV-Träger: Präventionszentren, „AUVAsicher") · lb-nsc-01 (Nachtschwerarbeit als Anknüpfung Gefahrenklasse III) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; Bgld.-Kontext: ASchG-Anwendbarkeit auf Gemeindebedienstete nur „in Betrieben" (→ lb-asc-01 ⚠, `RECHTSQUELLEN-Bgld.md`). - *Hinweis:* Die Breadcrumb-Verweisstellen „Beispiel: Berechnung der Präventionszeit von Präventivfachkräften" und „Information & Unterweisung, Arbeitnehmerpflichten" haben im Export **keinen Katalog-Eintrag** (Beschaffungslücken) — nicht rekonstruiert.