--- id: lb-asc-04 batch: 6 title: "Arbeitnehmerschutz - Sicherheitsvertrauenspersonen" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Arbeitnehmerschutz" topic: arbeitnehmerschutz author: "Noga/Schrenk" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_arbeitnehmerschutz_sicherheitsvertrauenspersonen.pdf" text: ".lexis360/md/arbeitnehmerschutz_sicherheitsvertrauenspersonen.md" legal_bases: ["ASchG § 10", "ASchG § 130", "SVP-VO", "AVRAG § 9", "ArbVG § 105"] tags: [arbeitnehmerschutz, aschg, sicherheitsvertrauensperson, svp, svp-vo, anzahlstaffel] cross_refs: ["lb-asc-01", "lb-asc-03", "lb-asc-10", "lb-asc-11", "lb-asc-12"] --- # Arbeitnehmerschutz – Sicherheitsvertrauenspersonen *Lexis Briefings Personalrecht, Noga/Schrenk, Stand Juli 2026 (lb-asc-04).* ## Zusammenfassung - **Rolle:** Sicherheitsvertrauenspersonen (SVP) sind fachlich geeignete AN des Betriebs mit Arbeitnehmerschutzausbildung von mindestens **24 Unterrichtseinheiten**; sie sind keine „internen Sicherheitsfachkräfte", sondern Bindeglied zwischen Belegschaft und AG: informieren, beraten und unterstützen AN und Belegschaftsorgane, vertreten AN-Interessen ggü. AG, Behörden und sonstigen Stellen, beraten den AG, achten auf Einrichtungen, Mängel und die Anwendung der gebotenen Schutzmaßnahmen und arbeiten mit Sicherheitsfachkräften und Arbeitsmedizinern zusammen (→ lb-asc-03). SVP sind in Ausübung ihrer Tätigkeit grundsätzlich **weisungsfrei** und haben ein Anhörungsrecht gegenüber dem AG. - **Qualifikation:** Ausbildung mind. 24 UE; wird sie nicht vor der Bestellung absolviert, ist sie binnen des ersten Jahres der Funktionsperiode nachzuholen. Auch Betriebsräte sowie im Dienstverhältnis beschäftigte Sicherheitsfachkräfte/Arbeitsmediziner können SVP werden. Eine Wiederholungsausbildung bei Wiederbestellung sieht die SVP-VO nicht vor; Anspruch auf Erwerb/Erweiterung der erforderlichen Fachkenntnisse und Mittel. Die SVP-Tätigkeit ist auf die **Arbeitszeit** anzurechnen. - **Bestellung:** durch den AG; in Betrieben mit Betriebsrat nur mit dessen Zustimmung; ohne Betriebsrat sind alle AN schriftlich zu informieren, und mindestens ein Drittel der AN kann binnen **vier Wochen** durch schriftlichen Einwand die Bestellung verhindern (dann andere Person). Funktionsperiode **vier Jahre**; Neubestellung binnen **acht Wochen** nach Ablauf der vorangegangenen Periode; schriftliche Mitteilung ans Arbeitsinspektorat (Formulare der Arbeitsinspektion). Verhinderung länger als acht Wochen → Nachbesetzung. Vorzeitige Abberufung auf Verlangen des Betriebsrats bzw. ohne Betriebsrat mindestens eines Drittels der AN; die Abberufung beendet das Dienstverhältnis nicht. - **Wirkungsbereich:** Aufteilung nach organisatorischen, regionalen und fachlichen Gegebenheiten möglich; bedarf der Zustimmung der SVP, der Belegschaftsorgane bzw. der AN. SVP können nicht rechtswirksam zu **verantwortlichen Beauftragten** bestellt werden — und umgekehrt (VwGH 2005/02/0198; → lb-asc-12). - **Anzahl (Anlage zur SVP-VO):** In Betrieben mit Belegschaftsorganen (bzw. gleichgestellten Arbeitsstätten iSd ArbVG) zählen alle zum Betrieb gehörenden Arbeitsstätten, Baustellen und auswärtigen Arbeitsstellen zusammen; bei regelmäßig **mehr als 10 AN** jedenfalls eine SVP (§ 10 Abs 2 Z 1 ASchG); zusätzlich je betrieblicher Arbeitsstätte mit **mehr als 50 AN** zumindest eine eigene SVP (§ 10 Abs 2 Z 4 — keine Mitbetreuung durch andere SVP), während eine SVP einer >50-AN-Stätte zusätzlich kleinere Stätten bis 50 AN betreuen kann (§ 2 SVP-VO). Ohne Belegschaftsorgane wird **jede Arbeitsstätte separat** gerechnet (§ 10 Abs 4 ASchG; Gebäude im räumlichen Zusammenhang = eine Arbeitsstätte; >10 AN → zumindest eine SVP, § 10 Abs 4 Z 1). Saisonbetriebe: durchschnittliche AN-Zahl der drei Monate höchsten Beschäftigtenstands des vorangegangenen Kalenderjahres. - **Strafbarkeit:** Verstöße gegen die Bestellungspflicht sind nach dem ASchG erst bei Betrieben/Arbeitsstätten mit regelmäßig **mehr als 50 AN** strafbar (§ 130 Abs 1 Z 12 ASchG → lb-asc-12); unterhalb dessen kann gleichwohl Bestellungspflicht bestehen. - **Diskriminierungs- und Kündigungsschutz (§ 9 AVRAG):** keine Benachteiligung insb. hinsichtlich Entgelt, Aufstiegsmöglichkeiten und Versetzung; Kündigung/Entlassung wegen der SVP-Tätigkeit binnen **einer Woche** nach Zugang anfechtbar; vor jeder Kündigung nachweisliche Verständigung der örtlich zuständigen Arbeiterkammer, bei Entlassung unverzüglich (auch danach); bei Unterlassung Verlängerung der Anfechtungsfrist um die Verspätung, längstens um einen Monat; für den Meldeverstoß sieht das Gesetz keine Sanktion vor. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Mindestausbildung | **24 Unterrichtseinheiten**; Nachholung binnen des ersten Jahres der Funktionsperiode | | Funktionsperiode | **4 Jahre**; Neubestellung binnen **8 Wochen** nach Ablauf | | Einwand ohne Betriebsrat | mind. **1/3 der AN**, schriftlich, binnen **4 Wochen** | | Nachbesetzung | bei Verhinderung der SVP länger als **8 Wochen** | | Staffel (Anlage SVP-VO) | 11–50: 1 · 51–100: 2 · 101–300: 3 · 301–500: 4 · 501–700: 5 · 701–900: 6 · 901–1.400: 7 · 1.401–2.200: 8 · 2.201–3.000: 9; je weitere 800 AN +1, Bruchteile zählen voll | | Mindestzahl | mit Betriebsrat: >10 AN betriebsweit → jedenfalls 1 (§ 10 Abs 2 Z 1); je Arbeitsstätte >50 AN mind. 1 eigene (§ 10 Abs 2 Z 4); ohne Betriebsrat je Arbeitsstätte >10 AN → mind. 1 (§ 10 Abs 4 Z 1) | | Strafbarkeit der Bestellungspflicht | erst bei regelmäßig **>50 AN** (§ 130 Abs 1 Z 12 ASchG) | | Kündigungsanfechtung | **1 Woche** nach Zugang; ohne AK-Verständigung Verlängerung um die Verspätung, max. **1 Monat** | ## Rechtsgrundlagen - **ASchG § 10** (Abs 2 Z 1, Abs 2 Z 4, Abs 4, Abs 4 Z 1 — Bestellpflicht, Berechnungsgrößen) und **§ 130 Abs 1 Z 12** (Strafbarkeit) — ✅ ausdrücklich zitiert. - **SVP-VO** samt **Anlage** (Staffel) und **§ 2** (Mitbetreuung kleinerer Arbeitsstätten) — ✅. - **§ 9 AVRAG** (Diskriminierungs- und Kündigungsschutz); **§ 105 Abs 2 Z 1 lit g ArbVG** (erweiterter Kündigungsschutz, als Ausnahme benannt). - Judikatur des Quelltexts: VwGH 2005/02/0198 = ARD 5705/6/2006 (SVP ≠ verantwortlicher Beauftragter). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **SVP-Zeit = Arbeitszeit:** Die zur SVP-Tätigkeit verwendete Zeit zählt zur Arbeitszeit — als bezahlter Work-Entry-Typ „SVP-Tätigkeit" führen, nicht als Urlaub/Absenz; keine eigene Entgeltkomponente. - **SVP-„Wahlverfahren" abbilden:** Bestellperioden (4 Jahre), 8-Wochen- Nachbestellfrist, 4-Wochen-Einwandfrist ohne Betriebsrat, Mitteilung ans Arbeitsinspektorat — als HR-Fristen je Person/Arbeitsstätte; die Kopfzahl-Basis (regelmäßig Beschäftigte je Arbeitsstätte/Betrieb) entspricht der Logik des Begehungsmodells (→ lb-asc-03) und braucht konsistente Stammdaten. - **Diskriminierungsschutz beim Entgelt:** Benachteiligungsverbot (Entgelt/Aufstieg/Versetzung) bei Gehaltsläufen beachten; umgekehrt begründet § 9 AVRAG keinen Zulagenanspruch. - **Kündigungs-Workflow:** AK-Verständigung vor Kündigung und 1-Wochen- Anfechtungsfrist (Fristverlängerung bei Unterlassung) sind HR-Checklistenpunkte, bevor eine Beendigung im System erfasst wird. ## Verweise - **KB-intern:** lb-asc-01 (Überblick/Geltungsbereich) · lb-asc-03 (Präventivdienste: Zusammenarbeit SVP–SiFa/Arbeitsmediziner) · lb-asc-10 (§ 14 BS-V: informierte SVP ersetzen besondere Informationspflichten) · lb-asc-11 (§ 11 ASchG: SVP-Beteiligung an Hitzeschutzmaßnahmen) · lb-asc-12 (Strafrahmen § 130; Unvereinbarkeit mit verantwortlichem Beauftragten) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; Bgld.-Kontext „ASchG in Betrieben" → lb-asc-01 ⚠, `RECHTSQUELLEN-Bgld.md`. - *Hinweis:* Die Links auf die Meldeformulare der Arbeitsinspektion sind im Export verstümmelt („S Meldeformular …") — nicht rekonstruiert.