--- id: lb-bsv-15 batch: 9 title: "Beitragsgrundlage – Feststellung/Berechnung des Einheitswertes" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Sozialversicherung" topic: bauerliche-sozialversicherung author: "Fiedler" stand: 2026-01 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_beitragsgrundlage_feststellungberechnung_des_einhe.pdf" text: ".lexis360/md/beitragsgrundlage_feststellungberechnung_des_einhe.md" legal_bases: ["BSVG § 23 Abs 3", "BSVG § 23 Abs 3 lit a", "BSVG § 23 Abs 3 lit b", "BSVG § 23 Abs 3 lit c", "BSVG § 23 Abs 3 lit d", "BSVG § 23 Abs 3 lit e", "BSVG § 23 Abs 2 lit f", "BSVG § 23 Abs 5", "BSVG § 23c", "BSVG § 20 Abs 5", "BSVG § 2 Abs 1 Z 4", "ABGB § 1217 Abs 2", "BAO § 191 Abs 4", "BewG § 21 Abs 1 Z 1 lit a", "BewG § 29", "SRÄG 2012"] tags: [einheitswert, versicherungswert, verpachtung, zupachtung, miteigentum, hektarsatz, bsvg] cross_refs: ["lb-bsv-12", "lb-bsv-16", "lb-bsv-17", "lb-bsv-18"] --- # Beitragsgrundlage – Feststellung/Berechnung des Einheitswertes *Lexis Briefings Personalrecht, Fiedler, Stand Jänner 2026 (lb-bsv-15).* ## Zusammenfassung - **Bindung:** der **rechtskräftige Einheitswert** ist die bindende Grundlage für Pflichtversicherung und Beitragsgrundlage nach dem BSVG; heranzuziehen ist der **zuletzt festgestellte** Einheitswert. Die SVS darf keine eigenen Berechnungen außerhalb der Bestimmungen des **§ 23 Abs 3 BSVG** anstellen (VwGH 99/08/0139); Einwendungen gegen die Feststellung sind beim **Finanzamt** einzubringen. - **Mehrere Betriebe (§ 23 Abs 3 lit a BSVG):** die abgerundeten Einheitswerte der rechtskräftigen Bescheide werden **addiert** (Beispiel: € 2.300,– + € 1.800,– → € 4.100,–). - **Miteigentum (lit b; KV und PV):** bei Ehegatten/eingetragenen Partnern mit Gesamtbetriebsführung **keine Teilung** — der Einheitswert wird beiden angerechnet (Gütergemeinschaft bzw **§ 1217 Abs 2 ABGB** beachten). Miteigentümer-GesbR ohne Ehepaar: **Aufteilung nach Eigentumsanteilen**, ungerundet hinzurechnen und erst zuletzt runden; nur solange die Gemeinschaft **keine juristische Person** ist. In der **Unfallversicherung** grundsätzlich keine Aufteilung (Betriebsversicherung), außer bei naturalgeteilter Bewirtschaftung. Sonderfall natürliche Person + KG/OG: UV-Betriebsbeitrag vom vollen Einheitswert, KV/PV hälftig bzw nach EStB. - **Überlassung von Nutzungsrechten an Miteigentumsanteilen:** an den mitbesitzenden Ehegatten → voller (gerundeter) Einheitswert; an andere Miteigentümer → der auf den Anteil entfallende Ertragswert **zur Gänze** (3/3-Wert, nicht der um 1/3 verminderte); scheidet ein Miteigentümer aus der Betriebsführung aus, wird im Verhältnis der verbleibenden Anteile aufgeteilt (Beispiele 1/2:1/2, 2:1, 3:1). - **Betriebsführung mit Dritten (GesbR):** Zutritt nur über eine **Gesellschaft bürgerlichen Rechts**; Aufteilung des Einheitswerts **nach Köpfen** (SRÄG 2012, BGBl I 2013/3; VwGH Ro 2016/08/0018). Ein Pachtvertrag über einen **ideellen Anteil** ist rechtlich nicht möglich (VwGH 98/08/0193); zulässig bei **Naturalteilung** oder über eine Nutzungsvereinbarung mit Einbringung in eine GesbR. - **Verpachtung von Flächen (lit c):** der Einheitswert mindert sich um den anteilsmäßigen Ertragswert (**Hektarsätze laut Einheitswertbescheid × Fläche**); bewirtschaftungsändernde Verträge (Pacht, Brache) rechnen vom **gerundeten**, eigentumsändernde Verträge (Kauf, Schenkung) vom **ungerundeten** Einheitswert. Die Finanzämter übermitteln Einheitswertbescheide gem **§ 29 BewG** der SVS. **Brache**: voller Ertragswertabzug wie bei Verpachtung; die AMA-Förderungsrichtlinien sind sv-rechtlich unerheblich — geförderte (Teil-)Flächen bleiben grundsätzlich berücksichtigungspflichtig (BVwG W 151 2163340-1/10E). - **Zupachtung (lit d):** unentgeltliche Nutzungsüberlassung (Fruchtgenuss, Leihe, Bittleihe) → **voller Ertragswert**; Pacht mit ortsüblichem Zins → grundsätzlich **2/3-Anrechnung**, bei Zupacht von nahen Angehörigen (seit 1. 1. 1975 Ehegatten, seit 1. 1. 1988 andere nahe Angehörige) immer **3/3**; stehen **nicht alle** Pächter in einem nahen Angehörigenverhältnis zum Verpächter, gilt für den Gesamtvertrag **2/3**. Subpacht: vom Finanzamt festgestellter Einheitswert; SVS prüft **Scheingeschäftsverdacht**; eingebrachte Pachtrechte in eine GesbR ändern den Einheitswert nicht. Nahe Angehörige: Ehegatten, eingetragene Partner, Eltern, Großeltern, Wahl(Adoptiv)eltern, Stief-/Schwiegereltern, Kinder, Enkel, Wahl(Adoptiv)-, Stief-/Schwiegerkinder; die **Schwägerschaft** endet mit Auflösung/Nichtigerklärung der Ehe — BSVG-Sonderregel: bei **Tod** der schwägerschaftsbegründenden Person bleibt sie seit 1. 1. 2015 aufrecht (**§ 2 Abs 1 Z 4 BSVG**, SVAG BGBl I 2015/2; Beispiele Scheidung → 2/3, Unfalltod → 3/3). Der Hektarsatz für Pachtflächen richtet sich nach dem Bescheid des **verpachteten Betriebs** (VwGH 82/08/0033); ist keiner eruierbar, gilt **§ 20 Abs 5 BSVG** (Hektarsatz aus dem Bescheid des Pächters). - **Gesamtzupacht (lit e):** seit **1. 4. 2018** Sonderregeln für Zu-/Abschläge (**§ 23c BSVG**): betriebsbezogene Zuschläge werden **nicht mitübertragen**; grundstücksbezogene Zuschläge anteilsmäßig vom ungerundeten Zuschlag; solange Zuschläge nicht mitübertragen werden, ist nach **lit c** (ungerundet) vorzugehen. - **Erwerb/Veräußerung von Flächen:** Fläche je Kulturart × Hektarsätze des **bisherigen** Bescheids, auch wenn finanzrechtlich keine Änderung eintritt (**§ 21 Abs 1 Z 1 lit a BewG**); Ergebnis auf volle **€ 100** abrunden; beim Käufer gilt der Zeitpunkt des Verkaufs maßgebende Einheitswert bis zum neuen Bescheid (**§ 191 Abs 4 BAO**). ⚠ Die Überschrift des Abschnitts zitiert „**§ 23 Abs 2 lit f BSVG**", der Kommassierungs-Absatz desselben Textes „§ 23 Abs 3 lit f BSVG" und lb-bsv-12 nennt „§ 23 Abs 3 lit a bis f" — Abs-Nummerierung inkonsistent, RIS-Klärung offen (vermutlich Abs 3 lit f). - **Kommassierungen:** nach Zusammenlegungsverfahren ergehen meist **keine** Wertfortschreibungsbescheide (finanzrechtischer Einheitswert unverändert, § 21 Abs 1 Z 1 lit a BewG-Grenze nicht erreicht); sv-rechtlich sind die Änderungen **Flächenänderungen iSd § 23 Abs 5 BSVG** → Versicherungswert ändert sich mit dem **ersten Tag des Folgemonats**; Zeitpunkt ist die **vorläufige Übernahme des neuen Besitzstandes**; die Hingabe von Flächen gilt als Veräußerung, der Erhalt als Tausch (VwGH 99/08/0129). ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-01) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Mehrere Betriebe | Addition der **gerundeten** Einheitswerte der rechtskräftigen Bescheide (lit a) (Stand 2026-01) | | Miteigentum KV/PV | Aufteilung nach **Eigentumsanteilen**; ungerundet hinzurechnen, erst zuletzt auf volle € 100 runden; Ehegatten-Gesamtbetriebsführung: keine Teilung (Stand 2026-01) | | Miteigentum UV | grundsätzlich **keine Aufteilung** (Betriebsversicherung); Ausnahme: naturalgeteilte Bewirtschaftung → mehrere Betriebe (Stand 2026-01) | | GesbR mit Dritten | Aufteilung des Einheitswerts **nach Köpfen** (SRÄG 2012) (Stand 2026-01) | | Verpachtung/Brache | anteilsmäßiger Ertragswert (**Hektarsatz × Fläche**) abziehen; bewirtschaftungsändernd → vom **gerundeten**, eigentumsändernd → vom **ungerundeten** Einheitswert; Brache: voller Ertragswert, AMA-Richtlinien irrelevant (Stand 2026-01) | | Zupacht unentgeltlich | Fruchtgenuss/Leihe/Bittleihe → **voller Ertragswert** (Stand 2026-01) | | Zupacht entgeltlich | **2/3-Anrechnung**; von nahen Angehörigen (Ehegatten seit **1. 1. 1975**, andere nahe Angehörige seit **1. 1. 1988**) immer **3/3**; nicht alle Pächter nahe Angehörige → 2/3 für den Gesamtvertrag (Stand 2026-01) | | Subpacht | vom Finanzamt festgestellter Einheitswert der Fläche; SVS-Scheingeschäftsprüfung (Stand 2026-01) | | Schwägerschaft | endet mit Auflösung/Nichtigerklärung der Ehe; BSVG-Sonderregel: bei **Tod** der begründenden Person seit **1. 1. 2015** aufrecht (§ 2 Abs 1 Z 4 BSVG) (Stand 2026-01) | | Hektarsatz Pachtflächen | aus dem Einheitswertbescheid des **verpachteten Betriebs** (VwGH 82/08/0033); ersatzweise § 20 Abs 5 BSVG (Stand 2026-01) | | Gesamtzupacht | seit **1. 4. 2018** (§ 23c BSVG): betriebsbezogene Zuschläge nicht mitübertragen; grundstücksbezogen anteilig vom **ungerundeten** Zuschlag (Stand 2026-01) | | Erwerb/Veräußerung | Flächen × Hektarsätze des **bisherigen** Bescheids, Abrundung auf volle **€ 100**; Käufer: alter Einheitswert bis zum neuen Bescheid (§ 191 Abs 4 BAO) (Stand 2026-01) | | Kommassierung | Flächenänderung iSd § 23 Abs 5 BSVG → Versicherungswert ändert sich mit **erstem Tag des Folgemonats**; Maßgeblichkeit der **vorläufigen Übernahme des neuen Besitzstandes** (Stand 2026-01) | | §-Zitier-Konflikt ⚠ | Abschnittsüberschrift „§ 23 **Abs 2 lit f**" vs Kommassierungs-Absatz „§ 23 **Abs 3 lit f**" vs lb-bsv-12 „§ 23 Abs 3 lit a bis f" — RIS-Klärung offen (Stand 2026-01) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 23 Abs 3 BSVG** samt **lit a** (mehrere Betriebe), **lit b** (Miteigentum), **lit c** (Verpachtung/Übertragung von Bewirtschaftungsrechten), **lit d** (Zupachtung), **lit e** (Gesamtzupacht) — ausdrücklich zitiert ✅ - **§ 23 Abs 5 BSVG** (Flächenänderungen/Kommassierung) — zitiert ✅ - **§ 23c BSVG** (Zu-/Abschläge seit 1. 4. 2018) — zitiert ✅ - **§ 20 Abs 5 BSVG** (Hektarsatz-Ersatzermittlung) — zitiert ✅ - **§ 2 Abs 1 Z 4 BSVG** (Fortbestand der Schwägerschaft bei Tod) — zitiert ✅ - **§ 1217 Abs 2 ABGB** (eingetragene Partner) — zitiert ✅ - **§ 29 BewG** (Übermittlung der Einheitswertbescheide) und **§ 21 Abs 1 Z 1 lit a BewG** (Wertgrenze) — zitiert ✅ - **§ 191 Abs 4 BAO** (Fortgeltung des Einheitswerts beim Käufer) — zitiert ✅ - **SRÄG 2012** (BGBl I 2013/3; Kopfaufteilung bei GesbR) — zitiert ✅ - ⚠ „**§ 23 Abs 2 lit f BSVG**" (Überschrift „Erwerb oder Veräußerung") — Abs-Nummer im Widerspruch zu „§ 23 Abs 3 lit f" (Kommassierungsabsatz) und lb-bsv-12 („Abs 3 lit a bis f"); vermutlich Abs 3 lit f, RIS-Klärung offen ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **BSVG-Sonderregime:** die Einheitswert-Mechanik (Hektarsätze, 2/3-/3/3-Anrechnung, Kopfteilungen) ist liegenschaftsbezogene Fremddatenverarbeitung — völlig außerhalb des `l10n_at_hr_payroll`-Entgelt-Scopes; kein Odoo-Standardobjekt (allenfalls Stammdaten-Import des Einheitswertbescheids, falls bäuerliche SV je abgebildet würde). - **Übertragbare Muster:** Rundungsdisziplin (erst am **Ende** runden) und Ereignisgetriggerte Neuberechnung (Quartals-/Monatserste, Folgemonatserste nach Flächenänderung) entsprechen allgemeinen Payroll-Grundsätzen (Wertewechsel erst zum Periodenbeginn) — auch für hr_payroll-Grenzwertwechsel zum 1. 1. lehrreich. - **Stichtags-Regeln** (Wirksamkeit mit Folgemonatserste, vorläufige Übernahme des Besitzstandes) wären als datumsbasierte Statuswechsel modellierbar (Hinweis, keine Spec). - **Datenhaltungshinweis:** Hektarsätze je Kulturart und gerundete/ungerundete Einheitswerte müssten als historisierte Datensätze (mit Bescheid- und Zustellungsdatum) geführt werden — im Standardumfang des Projekts bewusst **nicht** vorgesehen. - Keine GemBG-Relevanz; die Grenzwert-Übergänge (→ lb-bsv-17/18) sind die einzige Brücke zur DN-Payroll-Welt (Abgrenzung). ## Verweise - **KB-intern:** lb-bsv-12 (Beitragsgrundlage – Allgemeines; Versicherungswert- und Rundungsregeln, dort „§ 23 Abs 3 lit a bis f" ⚠) · lb-bsv-16 (Pauschalsystem — Versicherungswert als Ausgangsgröße) · lb-bsv-17 (Pflichtversicherung und Versicherungsgrenzen — Einheitswertgrenzen) · lb-bsv-18 (Übergangsbestimmungen — Hauptfeststellungen 2014/2015 und 2023) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (SV-Rahmen). Kein GemBG-Bezug (`RECHTSQUELLEN-Bgld.md` nur für GemBG-relevante SV-Teile).