--- id: lb-vor-05 batch: 3 title: "Betriebspension - Arbeitsrecht" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: vorsorgeleistungen author: "Sabara/David" stand: 2026-08 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_betriebspension_arbeitsrecht.pdf" text: ".lexis360/md/betriebspension_arbeitsrecht.md" legal_bases: ["BPG § 2", "BPG § 3", "BPG § 7", "BPG § 6a", "BPG § 6c", "PKG § 5 Z 4", "ArbVG § 97 Abs 1 Z 18 und Z 18a"] tags: [betriebspension, leistungszusage, unverfallbarkeit, pensionskasse, betriebliche-kollektivversicherung, betriebsvereinbarung] cross_refs: ["lb-vor-04", "lb-vor-11"] --- # Betriebspension – Arbeitsrecht *Lexis Briefings Personalrecht, Sabara/David, Stand August 2026 (lb-vor-05).* ## Zusammenfassung - **Anspruch:** Eine Betriebspension setzt eine **Zusage** des Arbeitgebers voraus, ergänzend zum gesetzlichen Pensionsanspruch im Fall des Alters, der Invalidität oder an Hinterbliebene zu leisten (§ 2 BPG). Zusagegrundlagen: einseitige Zusage, Einzelvertrag, Betriebsvereinbarung (§ 97 Abs 1 Z 18 und Z 18a ArbVG) oder Kollektivvertrag. - **Gleichbehandlung:** Pensionskassen-/Kollektivversicherungsmodelle sind am arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz zu messen; Missachtung lässt die steuerliche Behandlung der Arbeitgeberbeiträge unberührt (bleiben bei Einzahlung steuerfrei). - **Direkte Leistungszusage:** unmittelbare Zahlung durch den Arbeitgeber; zur Sicherung kann eine **Pensionsrückdeckungsversicherung** abgeschlossen werden (Anspruch des AN bleibt gegenüber dem AG, nicht dem Versicherer). - **Unverfallbarkeit der AG-Beiträge (direkte LZ, § 7 BPG):** Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses vor dem Leistungsfall wird die Anwartschaft nach **3 Jahren seit Erteilung der Zusage** unverfallbar — unabhängig von der Art der Beendigung (Vereinfachung durch BGBl I 2018/54). Der AN kann binnen **6 Monaten** die Übertragung des Unverfallbarkeitsbetrags verlangen (in eine Pensionskasse/Gruppenrentenversicherung des neuen — oder bei fortbestehender Alt-Anwartschaft auch alten — Arbeitgebers, in eine Rentenversicherung ohne Rückkaufsrecht, in die direkte Leistungszusage des neuen Arbeitgebers bei Arbeitgeberwechsel unter Wahrung der Pensionsansprüche, in eine ausländische Altersversorgungseinrichtung bei dauernder Verlegung des Arbeitsorts ins Ausland) oder die **Auszahlung**, sofern der Barwert der Abfindung **€ 16.500** (= Wert 2026) nicht übersteigt. Keine Erklärung binnen 6 Monaten → Erfüllung der Leistungszusage im Leistungsfall. - **AN-Beiträge** sind samt Verzinsung **jedenfalls unverfallbar** und jederzeit auszahlbar. - **Indirekte Leistungszusage (§ 3 BPG):** Zahlung von Prämien an eine Pensionskasse, eine Einrichtung iSd § 5 Z 4 PKG oder eine betriebliche Kollektivversicherung. - **Pensionskassen** (betrieblich/überbetrieblich): rechtsverbindliche Pensionenzusage, Leistung im Leistungsfall, Verwaltung und Veranlagung der Beiträge; zwingend Alters- und Hinterbliebenenvorsorge, Invalidität optional. Pensionsvermögen = Beiträge + Veranlagungsergebnis; im Leistungsfall direkter Anspruch gegen die Kasse. **Modelle:** beitragsorientiert (Fixbeitrag oder Prozentsatz des Einkommens, schwankende Pension) vs. leistungsorientiert (zugesagte Pensionshöhe, schwankende Beiträge). Unverfallbarkeit der AG-Beiträge per Vereinbarung erst **nach 5 Jahren** Beitragszahlung; Unverfallbarkeitsbetrag = **Deckungsrückstellung**. Bei Untätigkeit des AN (6 Monate) Umwandlung in eine beitragsfrei gestellte Anwartschaft; auch Fortsetzung nur mit eigenen Beiträgen (bei ≥ 5 Beitragsjahren oder Konzernwechsel) möglich. - **Einrichtungen iSd § 5 Z 4 PKG:** nach dem Kapitaldeckungsverfahren arbeitende Einrichtungen jeder Rechtsform, inländischen Pensionskassen gleichgestellt (auch EU-/EWR-Auslandseinrichtungen bei rechtlicher Unabhängigkeit, Zwecksetzung und Aufsichtszulassung). - **Betriebliche Kollektivversicherung (§ 6a BPG):** Gruppenrentenversicherung (Lebensversicherung) mit zwingender Alters- und Hinterbliebenenversorgung (+ optional Invalidität); arbeits- und steuerrechtlich den Pensionskassen gleichgestellt; eigene AN-Beiträge zulässig, dürfen die AG-Prämien grundsätzlich nicht übersteigen. Beitragsrückstellungen sind bei Beendigung **sofort unverfallbar** (§ 6c BPG, in Höhe der Deckungsrückstellung); Verfügungsoptionen analog Pensionskassen (u. a. prämienfreie Fortführung, Übertragung); Untätigkeit des AN (6 Monate) → prämienfreie Versicherung; Auszahlung bei Barwert ≤ € 16.500. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08) | Wert / Frist | Detail | |---|---| | € 16.500 | Barwertgrenze für die Auszahlung des Unverfallbarkeitsbetrags (direkte LZ und betriebliche Kollektivversicherung; Wert 2026) | | 3 Jahre | Unverfallbarkeit direkter Leistungszusagen ab Erteilung der Zusage (§ 7 BPG) | | 5 Jahre | vereinbarte Unverfallbarkeitsfrist für AG-Beiträge im Pensionskassenmodell; Voraussetzung für die Fortsetzung nur mit eigenen Beiträgen | | 6 Monate | Erklärungsfrist des AN über die Verwendung des Unverfallbarkeitsbetrags (alle Modelle) | | sofort | Unverfallbarkeit von AN-Beiträgen (inkl. Verzinsung) | | Deckungsrückstellung | Bemessungsgrundlage des Unverfallbarkeitsbetrags (Pensionskasse und Kollektivversicherung) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 2 BPG** (Anspruchsvoraussetzung/Zusageinhalt), **§ 3 BPG** (indirekte Leistungszusage), **§ 7 BPG** (Unverfallbarkeit direkter Zusagen), **§ 6a BPG** (betriebliche Kollektivversicherung), **§ 6c BPG** (deren Unverfallbarkeit), **§ 5 Z 4 PKG** (gleichgestellte Einrichtungen) — ausdrücklich zitiert. - **§ 97 Abs 1 Z 18 und Z 18a ArbVG** (Betriebsvereinbarung über Pensionszusagen) als Zusagegrundlage. - Der Quelltext nennt für die sofortige Unverfallbarkeit von Pensionskassen-AN-Beiträgen „**§ 5 BPGG**" — gemeint ist nach Kontext das Betriebspensionsgesetz; ⚠ Normzitat vor Implementierung gegen RIS prüfen. - Unverfallbarkeits-Vereinfachung (§ 7 BPG): BGBl I 2018/54 (Fußnote). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Laufzeit-Kontext:** Während des aufrechten Dienstverhältnisses ist nur die abgabenrechtliche Beitragslogik abrechnungsrelevant (→ lb-vor-04); die arbeitsrechtliche Zusageform (direkt/indirekt, Modell, Zusagegrundlage) ist Konfigurations- und Nachweisdaten je Arbeitnehmer. - **Beendigungsszenarien:** Unverfallbarkeitsstichtage (3/5 Jahre), die 6-Monats-Erklärungsfrist und die Übertragungs-/Abfindungsoptionen sind **HR-Prozessereignisse** außerhalb der Payslip-Engine; die Abfindung mit Barwert ≤ € 16.500 kann als Einmalposten in der Endabrechnung auftreten (abgabenrechtliche Behandlung dort nicht Gegenstand dieses Briefings). - **Deckungsrückstellung** ist Kassen-/Versicherungswert: als extern einzugebender Betrag führen, nicht selbst rechnen. - Gleichbehandlung ist kein Abrechnungsparameter, aber bei der Modellanlage (Gruppenbildung) als Prüfpunkt zu dokumentieren. ## Verweise - **KB-intern:** lb-vor-04 (Betriebspension – Abgaben: LSt/SV/LNK/BV-Behandlung der Beiträge) · lb-vor-11 (Zukunftssicherungsmaßnahmen: Kollektivversicherungs- und Pensionskassenbeiträge im § 3 Abs 1 Z 15 lit a-Rahmen) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (BMSVG-Regime Abschnitt 8 — Abgrenzung Pensionskassenbeiträge [BV-frei] zur BMSVG-Beitragspflicht). - *Hinweis:* Export-Footer („Page n", „Erstellt von …") und Fußnoten mit Umbruch-Artefakten ignoriert; keine unvollständigen KB-Verweisstellen im Quelltext.