--- id: lb-ent-11 batch: 3 title: "Aus- und Fortbildungskosten sowie deren Rückerstattung in der Lohnverrechnung" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: entgelt author: "Posch/Haas" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_aus_und_fortbildungskosten_sowie_deren_ruckerstatt.pdf" text: ".lexis360/md/aus_und_fortbildungskosten_sowie_deren_ruckerstatt.md" legal_bases: ["EStG § 26 Z 3", "EStG § 16 Abs 2", "ASVG § 49 Abs 3 Z 23", "AVRAG § 2d", "AVRAG § 11b", "FLAG", "Wirtschaftskammergesetz", "Kommunalsteuergesetz", "UStR 2000 Rz 9f", "LStR 2002 Rz 319 und 696 f."] tags: [ausbildungskosten, ausbildungskostenrueckersatz, werbungskosten, lohnsteuer, weiterbildung, rueckzahlungsklausel] cross_refs: ["lb-end-26", "lb-ent-03", "lb-ent-05", "lb-sac-13"] --- # Aus- und Fortbildungskosten sowie deren Rückerstattung in der Lohnverrechnung *Lexis Briefings Personalrecht, Posch/Haas, Stand Juli 2026 (lb-ent-11).* ## Zusammenfassung - **Aus- und Fortbildung im betrieblichen Interesse = abgabenfrei:** Beträge, die der Arbeitgeber im **überwiegenden betrieblichen Interesse** für die Aus- und Fortbildung des Arbeitnehmers aufwendet, sind keine Einkünfte aus unselbständiger Arbeit (§ 26 Z 3 EStG), kein SV-Entgelt (§ 49 Abs 3 Z 23 ASVG) und kein lohnnebenkostenpflichtiges Entgelt (DB, DZ, KommSt folgen über ihren Entgeltbegriff; eine dem EStG-Werbungskosten-Abzug vergleichbare Regelung enthalten FLAG, Wirtschaftskammergesetz und KommStG nicht) — bei SV-Freiheit lösen die Aufwände auch **keine BV-Kassen-Beiträge** aus. Nicht begünstigt: Führerschein-Kostenersätze Gruppe A/B (primäres Interesse des AN) und an Lehrlinge bezahlte Arbeitslöhne (steuerpflichtig). - **Rückersatzvereinbarung (§ 2d AVRAG):** Der Arbeitgeber kann bei **vorzeitiger Beendigung** des Dienstverhältnisses die Kosten einer **überbetrieblich verwertbaren Ausbildung** zurückfordern. Der OGH (9 ObA 131/15b) wendet § 2d AVRAG **nicht auf Fortbildungen** an (zB Tagesseminare), weil sie nur den vorhandenen Ausbildungsstand halten → für Fortbildungen keine wirksame Rückersatzvereinbarung. - **§ 11b AVRAG (ab 28. 3. 2024):** Pflicht des Arbeitgebers zu Kostentragung und Arbeitszeitanrechnung bei Aus-/Weiter-/Fortbildungen, die aus Gesetz, Verordnung, KV, BV oder Dienstvertrag Voraussetzung der Tätigkeit sind. Nach der BMAW-Information (September 2024) betreffen diese Pflichten das **aufrechte** Dienstverhältnis und stehen einem Rückersatz nach § 2d AVRAG **nicht entgegen**. - **Rechnungsgrenzen:** Rückersatzforderungen dürfen nur **bis zum Existenzminimum** aufgerechnet werden (sonst Lohndumping-Risiko); Lohnnebenkosten dürfen **nicht pauschaliert** (zB 30 %) zurückgefordert werden (OGH 8 ObA 70/09s), sondern nur tatsächlich entstandene — fortgezahltes Bruttoentgelt inkl. aliquotem SZ-Anteil und Lohnnebenkosten (Beispiel: € 3.021,17 Monatsgesamtkosten / 173 × 8 Stunden = € 139,71 für 8 Weiterbildungsstunden; LNK-Beispielwerte 2025: DG-SV 20,98 %, BV 1,53 %, DB 3,7 %, DZ Stmk 0,34 %, KommSt 3 % → 29,55 % laufend / 29,05 % SZ). - **Lohnsteuer der Rückzahlung:** Die Rückzahlung ist gem § 16 Abs 2 EStG **lohnsteuermindernde Werbungskosten** (LStR 2002 Rz 319): im aufrechten Dienstverhältnis reduziert der rückzuzahlende Bruttobetrag direkt die LSt-Bemessungsgrundlage des laufenden Arbeitslohns (Quellbeispiel: € 3.000 brutto, SV 18,07 %, Rückersatz € 800 in der April-Abrechnung → LSt-BG sinkt von € 2.457,90 auf € 1.657,90; Auszahlungsbetrag netto € 1.580,70). Nach Beendigung des Dienstverhältnisses ist die Berücksichtigung nur in der **Veranlagung** möglich; in beiden Fällen **ohne Anrechnung auf das Werbungskostenpauschale**. - **SV und Lohnnebenkosten:** Die Rückzahlung hat **keine** Auswirkung — keine Verkürzung der Pflichtversicherung, keine Verminderung der Beitragsgrundlagen (SV und DB/DZ/KommSt); Beispiel des Quelltexts: LNK bleiben trotz € 500-Rückersatz bei € 591 (SV-Beispiel 2023: 16,12 % wegen AlV-Reduktion um 2 %). - **Umsatzsteuer (BMF, Anfragebeantwortung Mai 2025):** Der Ausbildungskostenrückersatz ist ein **nicht steuerbarer Schadenersatz** (Rz 9f UStR 2000) — keine eigene USt des Arbeitgebers (Abkehr von der früheren Leistungsaustausch-Ansicht: OLG Linz 11 Ra 16/20g, OGH 8 ObA 77/20m). Die vom Bildungsinstitut dem nicht vorsteuerabzugsberechtigten Arbeitgeber in Rechnung gestellte „fremde“ USt darf an den Arbeitnehmer weiterverrechnet werden und kann Bestandteil des Rückersatzes sein. - **Übernahme von Rückzahlungspflichten gegenüber einem früheren Arbeitgeber:** abgabenfrei nur bei betrieblichem Interesse + nicht nur Lehr-/Anlernausbildung + Nachweis der tatsächlich getragenen Kosten + Erklärung, dass keine Geltendmachung als Werbungskosten (auch künftig nicht) + Prüfung, dass der Vorarbeitgeber die Rückzahlung nicht bereits als Werbungskosten berücksichtigt hat; Nachweise (Zeugnis, Vereinbarung, Gehaltszettel, Bestätigung) zum Personalakt. Wurde die Rückzahlung beim Vorarbeitgeber bereits als WK-Abzug behandelt, ist eine nochmalige steuerfreie/abzugsfähige Behandlung ausgeschlossen (Finanzbehörde: lohnnebenkostenpflichtig); SV-seitig bleibt die Zahlung nach § 49 Abs 3 Z 23 ASVG beitragsfrei (Rechtsprechung bleibt abzuwarten). ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | § 26 Z 3 EStG | Aus-/Fortbildungsaufwand im überwiegend betrieblichen Interesse: abgabenfrei (keine Lohnsteuer, § 49 Abs 3 Z 23 ASVG: kein SV-Entgelt, keine LNK, kein BV-Beitrag) | | Rückersatzbasis | tatsächlich aufgewendete Kosten: Kurskosten, notwendige Reisekosten, fortgezahltes Bruttoentgelt + aliquoter SZ-Anteil + tatsächlich entstandene LNK (keine Pauschale) | | 173 | Monatsstunden-Teiler im Quellbeispiel für den Entgelt-Rückersatz (€ 3.021,17 / 173 × 8 = € 139,71) | | LNK-Beispielwerte (2025) | DG-SV 20,98 % · BV 1,53 % · DB 3,7 % · DZ Stmk 0,34 % · KommSt 3 % → 29,55 % laufend / 29,05 % SZ | | § 16 Abs 2 EStG | Rückzahlung = lohnsteuermindernde Werbungskosten; bei aufrechtem DV Reduktion der laufenden LSt-BG, nach Beendigung nur Veranlagung; keine Anrechnung auf das WK-Pauschale | | SV/LNK | Rückzahlung ohne jede Auswirkung auf BG und Pflichtversicherung | | § 11b AVRAG | ab 28. 3. 2024 — Kostentragung/Arbeitszeitanrechnung im aufrechten DV (BMAW-Info 9/2024) | | Existenzminimum | Aufrechnungsgrenze des Rückersatzes (Lohndumping-Risiko) | | USt | Rückersatz = nicht steuerbarer Schadenersatz (BMF Mai 2025, Rz 9f UStR 2000) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 26 Z 3 EStG** (keine Einkünfte aus nsA) und **§ 16 Abs 2 EStG** (Werbungskosten-Abzug bei Rückzahlung von Arbeitslohn), **§ 49 Abs 3 Z 23 ASVG** (betriebliche Ausbildung kein Entgelt) — ausdrücklich zitiert. - **§ 2d AVRAG** (Ausbildungskostenrückersatz; OGH 9 ObA 131/15b: Fortbildungen ausgenommen) und **§ 11b AVRAG** (Kostentragung im aufrechten DV ab 28. 3. 2024; BMAW-Information September 2024). - **FLAG** (DB-Rechtsgrundlage), **Wirtschaftskammergesetz** (DZ), **Kommunalsteuergesetz**: keine dem § 26 Z 3 EStG vergleichbare Begünstigungsregel — die Freistellung ist dort systemschlüssig über den Entgeltbegriff gelöst. - **Rz 9f UStR 2000** (Schadenersatz, BMF-Anfragebeantwortung Mai 2025) iVm OLG Linz 11 Ra 16/20g und OGH 8 ObA 77/20m (frühere Ansicht); LStR 2002 Rz 319 (WK-Abzug) und Rz 696 f. (Übernahme von Kosten des Vordienstgebers). - ⚠ Die Beispielsätze des Quelltexts (SV 18,07 %/16,12 %, LNK 2025) sind **Rechenbeispiele mit historischen Ständen** — für die Umsetzung gelten die aktuellen Jahreswerte (SV-Werte/DB/DZ), nie diese Beispielzahlen. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Abzugslogik mit Zielsteuerung:** Der Rückersatzabzug wirkt **nur** auf den Lohnsteuer-Zweig (LSt-BG-Minderung nach § 16 Abs 2), **nicht** auf SV-Beitragsgrundlage, **nicht** auf DB/DZ/KommSt und **nicht** auf die BV-Bemessungsgrundlage — in der Regelkette braucht es deshalb eine eigene Abzugskategorie, die zwischen SV-Abzug und Tarifberechnung eingreift (Reihenfolge beachten), und das Auszahlungs-Netto um den Betrag mindert. - **Endabrechnungsszenario:** Rückersatz typischerweise im letzten Lohnzahlungszeitraum; Beispielrechnungen des Quelltexts als Rechenfall-Tests nutzen (LSt-BG-Reduktion bei unveränderter SV-BG und LNK-Basis). - **Vereinbarungsdaten:** Aliquotierungs-/Rückersatzmodelle (zB 1/36 je Monat im Quellbeispiel), Höchstbeträge und Fälligkeitsregeln je Dienstverhältnis führen (→ lb-ent-03 Einzelvereinbarung; Verjährung/ Verfall der Ansprüche → lb-ent-05). Die Abzugsmechanik in der Abrechnung ähnelt der Rückzahlung von Arbeitgeberdarlehen/Vorschüssen (→ lb-sac-13), wirkt aber lohnsteuerlich statt als reine Netto-Verrechnung. - **USt** ist Finanzbuchhaltungsthema (Schadenersatz, Rz 9f UStR 2000) — kein Odoo-Payroll-Regelinhalt. ## Verweise - **KB-intern:** lb-ent-03 (Entgelt – Einzelvereinbarung: Rückzahlungsklauseln im Dienstvertrag) · lb-ent-05 (Entgelt – Verjährung und Verfall der Ansprüche) · lb-sac-13 (Sachbezug – Gehaltsvorschuss und Arbeitgeberdarlehen: verwandte Abzugs-/Rückzahlungsmechanik) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (✅ §-67-Regime; § 16-Tarifkette; BMSVG-Entgeltbegriff Abschnitt 8). - *Hinweis:* Der Quelltext verweist („siehe dazu im Detail unter: Ausbildungskostenrückersatz“) auf ein Lexis360-Briefing dieses Titels — **mit Batch 8 im Korpus** (lb-end-26; Stand 2025-06) und als cross_ref aufgenommen; Export-Footer („Page n“, „Erstellt von …“) ignoriert.