--- id: lb-end-09 batch: 8 title: "Endabrechnung - Mehr- und Überstunden ohne Durchrechnungszeitraum" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Beendigungsansprüche & Endabrechnung" topic: endabrechnung author: "Posch/Haas" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_endabrechnung_mehr_und_uberstunden_ohne_durchrechn.pdf" text: ".lexis360/md/endabrechnung_mehr_und_uberstunden_ohne_durchrechn.md" legal_bases: ["AZG § 10", "AZG § 19d", "AZG § 19d Abs 3a", "AZG § 19e", "AZG § 19f", "EStG § 67 Abs 8 lit c", "EStG § 68 Abs 1", "EStG § 68 Abs 2"] tags: [uberstunden, mehrarbeit, zeitguthaben, endabrechnung, uberstundenzuschlage, nachzahlung, zeitausgleich] cross_refs: ["lb-end-05", "lb-end-10", "lb-lvr-07", "lb-ues-03", "lb-zus-07"] --- # Endabrechnung - Mehr- und Überstunden ohne Durchrechnungszeitraum *Lexis Briefings Personalrecht, Posch/Haas, Stand Juli 2026 (lb-end-09).* ## Zusammenfassung - **Begriffliche Einteilung:** Bei der Abgeltung von Zeitguthaben ist zu unterscheiden: (1) Guthaben an **Normalarbeitszeit**, (2) **Mehrarbeit** aufgrund kollektivvertraglicher Verkürzung der gesetzlichen Normalarbeitszeit (= **40 Stunden**), (3) **Teilzeit-Mehrarbeit** (Differenz zwischen individuell vereinbarter und gesetzlicher Normalarbeitszeit), (4) **Überstunden**. Vergütungen für Mehrleistungen sind grundsätzlich **abgabenpflichtig**; für Mehr-/Überstundenzuschläge gibt es in der Lohnsteuer eine Begünstigung. - **Zuschlagsrecht:** Das Gesetz kennt nur den **Überstundenzuschlag von 50 % (§ 10 AZG)**; höhere Zuschläge aus KV; ob für kv-Mehrarbeit ein Zuschlag gebührt, steht im jeweiligen KV. **Teilzeit:** bei Beendigung gebührt für Teilzeit-Mehrarbeit grundsätzlich der **Normalarbeitszeitzuschlag 50 % nach § 19e AZG** (nicht der 25 %-Zuschlag § 19d AZG); nur bei Wegfall des § 19e-Zuschlags (unberechtigter vorzeitiger Austritt oder abweichende KV-Regel) lebt der **25 %-Zuschlag nach § 19d AZG** wieder auf. Über Vollzeit-Grenzen hinaus: **echte Überstunden** (OLG Wien 7 Ra 32/16a). - **Austrittsmonat:** einfachster Fall — Stunden mit Zuschlag dem Auszahlungsmonat zuordnen; LSt und SV als laufender Bezug (Steuerfreiheit der ÜStd-Zuschläge nach § 68 Abs 1 und 2 EStG beachten). - **Laufendes Kalenderjahr mit (verbindlich) vereinbartem Zeitausgleich:** LSt-Zuordnung zum Entstehungszeitraum durch **Rollung** (§ 67 Abs 8 lit c letzter Satz), gemeinsam mit den laufenden Bezügen des Auszahlungsmonats; die Zuschläge der (bis 31. 12. 2025 **18**, davor/nach lt Quelle **10**) ersten 50%igen ÜStd sowie für Sonn-/Feiertags- und Nachtüberstunden bleiben steuerfrei — spätere Auszahlung schadet nicht. Bereits ein Teil als Zeitausgleich verbraucht: Zuschläge für die ersten zehn 50%igen ÜStd bleiben steuerfrei, da die Finanz annimmt, dass zuerst die **nicht begünstigten** Überstunden abgebaut werden (LStR 2002 Rz 1151). - **§ 68-Abs-2-Freibetrag:** lt Quelle befristet **1. 1. 2024 bis 31. 12. 2025**: Anhebung von **10 auf 18 Überstunden** und von **€ 86,– auf € 200,–**; ab **1. 1. 2026** wieder maximal **10 Überstunden**, Freibetrag **€ 120,–** ⚠ **Korpus-Konflikt** zur verbindlichen Rechtslage: `RECHTSQUELLEN-Privat.md` — 2026-Sondermaßnahme **§ 124b Z 440 lit c idF BGBl I 4/2026** (RIS-textverifiziert 11.09.2026): für 1. 1.–31. 12. 2026 **erste 15 Überstunden, max € 170,–/Monat** (Aufrollung bis 31. 5. 2026) — derselbe Konflikt ist bereits bei **lb-zus-07** dokumentiert. - **Nicht steuerfrei:** der **25 %-Mehrarbeitszeitzuschlag** (§ 19d Abs 3a AZG, Teilzeit) und der **§ 19e-Zuschlag** — auch bei Sonn-/Feiertags-/Nachtmehrarbeit; Zuschläge für kv-Mehrarbeit (Differenz zB 38,5 zu 40 Stunden) gelten dagegen steuerrechtlich **als Überstundenzuschläge**. - **Vorjahres-Zeitguthaben:** begünstigte Besteuerung als **Nachzahlung** nach § 67 Abs 8 lit c EStG (**1/5 steuerfrei, 4/5 steuerpflichtig**), wenn die verspätete Auszahlung **nicht willkürlich** verschoben wurde (LStR Rz 1106): bei vereinbartem Zeitausgleich ist die Geldabgeltung durch § 19e AZG **gesetzlich vorgesehen** → nicht willkürlich. Anders beim freiwilligen **Abgeltungswahlrecht** (Geld oder Freizeit): jederzeitige Auszahlbarkeit = willkürliche Verschiebung → laut Autorenmeinung (mE) laufender Bezug im Auszahlungsmonat (angelehnt an LStR 2002 Rz 1150a; die LStR behandeln den Fall nicht) ⚠. - **FIFO:** teilweise verbrauchte Zeitguthaben gelten in der LSt als in der Reihenfolge **First IN/First OUT** konsumiert. - **Sozialversicherung — Anspruchsprinzip:** Vergütung als laufender Bezug **im Auszahlungsmonat**; die Zeitguthaben werden **nicht** in die Leistungsmonate aufgerollt, weil der Anspruch auf Geldabgeltung erst mit der Beendigung entsteht (§§ 19e, 19f AZG; 9 ObA 44/14g). - **Lohnnebenkosten/BVK:** Mehrleistungsvergütungen sind **DB-, DZ- und kommunalsteuerpflichtig**; für AN im System **Abfertigung Neu** sind **BVK-Beiträge** zu entrichten. - **Rechtsmissbräuchlicher Zeitausgleich** (nur zum Schein vereinbart, nie konsumiert, zur Beitrags-/Abgabenvermeidung): LSt als laufender Bezug im Auszahlungsmonat; SV durch **Zuordnung zu den Entstehungszeiträumen** (auch bei abgeschlossenem Kalenderjahr) mit den dort gültigen **Beitragssätzen und Höchstbeitragsgrundlagen**; Korrektur bis 31. 12. 2018 über die Beitragsnachweise (übermitteltes **L16 stornieren und neu übermitteln**), danach **mBGM stornieren und neu übermitteln**. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Überstundenzuschlag | **50 %** (§ 10 AZG); höhere Zuschläge aus KV möglich (Stand 2026-07) | | Teilzeit-Mehrarbeit bei Beendigung | **Normalarbeitszeitzuschlag 50 %** nach § 19e AZG statt 25 % (§ 19d AZG); Rückfall auf 25 % nur bei Wegfall des § 19e-Zuschlags (Stand 2026-07) | | Steuerfreiheit ÜStd-Zuschläge | § 68 Abs 1/2 EStG: 50%ige Zuschläge der ersten ÜStd/Monat, Sonn-/Feiertags- und Nachtüberstunden; Rollungsvorbehalt § 67 Abs 8 lit c letzter Satz (Stand 2026-07) | | § 68 Abs 2 — 2024/2025 | lt Quelle: **18 Überstunden**, max **€ 200,–** (1. 1. 2024–31. 12. 2025; davor 10 ÜStd/€ 86,–) (Stand 2026-07) | | § 68 Abs 2 — ab 2026 | lt Quelle: wieder max **10 Überstunden**, Freibetrag **€ 120,–** (Stand 2026-07) ⚠ Konflikt: `RECHTSQUELLEN-Privat.md` (verbindlich, RIS-korrigiert 11.09.2026): 2026-Sondermaßnahme § 124b **Z 440 lit c idF BGBl I 4/2026** = **15 Überstunden/max € 170,–** (Aufrollung bis 31. 5. 2026); derselbe Konflikt bei lb-zus-07 dokumentiert | | Vorjahres-Zeitguthaben | § 67 Abs 8 lit c EStG: **1/5 steuerfrei, 4/5 steuerpflichtig** bei nicht willkürlicher Verschiebung (Stand 2026-07) | | SV laufender Bezug | Auszahlungsmonat (Anspruchsprinzip; §§ 19e, 19f AZG) — außer bei Rechtsmissbrauch (Stand 2026-07) | | Rechtsmissbrauch SV | Zuordnung zu den Entstehungszeiträumen; Beitragssätze/HBG des betreffenden Kalenderjahres (Stand 2026-07) | | Korrekturverfahren | bis 31. 12. 2018: Beitragsnachweise/L16 stornieren und korrigiert neu übermitteln; danach mBGM-Storno und Neumeldung (Stand 2026-07) | | Nicht steuerfrei | 25 %-Zuschlag (§ 19d Abs 3a AZG) und § 19e-Zuschlag, auch bei Sonn-/Feiertags-/Nachtleistung; kv-Mehrarbeitszuschläge gelten als ÜStd-Zuschläge (Stand 2026-07) | | LNK/BVK | DB, DZ, KommSt pflichtig; AbfN: BVK-Beitrag (Stand 2026-07) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 10 AZG** (Überstundenzuschlag 50 %) — ausdrücklich zitiert ✅ - **§ 19d AZG** und **§ 19d Abs 3a AZG** (Teilzeit-Mehrarbeitszuschlag 25 %) — zitiert ✅ - **§ 19e AZG** (Normalarbeitszeitzuschlag, gesetzliche Geldabgeltung bei Beendigung) und **§ 19f AZG** — zitiert ✅ - **§ 67 Abs 8 lit c EStG** (Nachzahlung 1/5 steuerfrei; letzter Satz Rollung) — zitiert ✅ - **§ 68 Abs 1 und 2 EStG** (Steuerfreiheit der Überstundenzuschläge) — zitiert ✅ ⚠ zum Freibetragswert ab 2026 besteht ein Korpus-Konflikt (Kernwerte-Tabelle): Quelle 10 ÜStd/ € 120,– vs verbindliche 2026-Sondermaßnahme § 124b Z 440 lit c idF BGBl I 4/2026 (15 ÜStd/€ 170,–; RIS-textverifiziert 11.09.2026) — vor Implementierung am RIS bzw gegen `RECHTSQUELLEN-Privat.md` klären; identischer Konflikt bereits bei lb-zus-07 - **LStR 2002 Rz 1151, 1106, 1150a** — als Belegstellen zitiert ✅ (Rz 1150a: Ansicht der Autoren „mE", kein ausdrücklicher Richtlinien-Ausspruch) ⚠ - Judikatur zitiert: OLG Wien 7 Ra 32/16a, 9 ObA 44/14g ✅ ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Kategorie der Mehrleistung** (Normalarbeitszeit/kv-Mehrarbeit/ Teilzeit-Mehrarbeit/ÜStd) steuert Zuschlagssatz (50 %/25 %) und Steuerfreiheit — als Zuschlagstyp am Work-Entry/once-off input klassifizieren; Teilzeit-Endabrechnung mit § 19e-Vorrang und § 19d-Rückfalllogik. - **§ 68-Abs-2-Freibetrag als `hr.rule.parameter`** mit **Jahresversionierung** (2024/2025: 18 ÜStd/€ 200 lt Quelle; 2026: lt Quelle 10/€ 120 — **vor Implementierung gegen die verbindliche 2026-Sondermaßnahme 15 ÜStd/€ 170 klären**; `RECHTSQUELLEN-Privat.md`: „Kern-Parameter für 2026; Jahresparameter-Pflege GP8"). - **LSt-Fallmatrix:** laufender Bezug vs Rollung (§ 67 Abs 8 lit c letzter Satz) vs 1/5-Begünstigung (Vorjahr) — Entstehungsjahr und Zeitausgleichs-Vereinbarung pro Stundenguthaben mitführen; FIFO-Annahme bei Teilverbrauch. - **SV-Anspruchsprinzip:** einmalige Zuordnung zum Auszahlungsmonat; nur bei festgestelltem Rechtsmissbrauch Rollung auf Entstehungszeiträume mit **historischen Beitragssätzen und HBG** (Parameterhistorie). - **Meldewesen-Korrekturpfade:** L16- bzw mBGM-Storno und Neumeldung (Stichtag 31. 12. 2018) als Korrektur-Workflow am Meldewesen-Modul (→ lb-lvr-07). - **LNK/BVK:** volle Bemessungsgrundlage für DB/DZ/KommSt; im System AbfN zusätzlich BVK-Beitragsregel auslösen. ## Verweise - **KB-intern:** lb-end-05 (Abgeltung von Mehrleistungen bei Beendigung – Überblick) · lb-end-10 (Endabrechnung – Zeitguthaben bei durchrechenbarer Arbeitszeit) · lb-lvr-07 (Neuberechnung der Lohnsteuer durch Aufrollung) · lb-ues-03 (Überstundenvergütung) · lb-zus-07 (Überstundenzuschläge – Abgabenrechtliches; dort ist derselbe § 68-2026-Konflikt dokumentiert) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (§ 67/68 EStG-Regime — dort verbindlich verifiziert; die 2026-Abweichung der Quelle ist als ⚠ dokumentiert und mit lb-zus-07 RUNBOOK-erfasst).