--- id: lb-end-10 batch: 8 title: "Endabrechnung - Zeitguthaben bei durchrechenbarer Arbeitszeit" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Beendigungsansprüche & Endabrechnung" topic: endabrechnung author: "Posch/Haas" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_endabrechnung_zeitguthaben_bei_durchrechenbarer_ar.pdf" text: ".lexis360/md/endabrechnung_zeitguthaben_bei_durchrechenbarer_ar.md" legal_bases: ["AZG § 19e Abs 2", "AZG § 19d", "EStG § 68", "BMSVG"] tags: [endabrechnung, zeitguthaben, gleitzeit, durchrechnungszeitraum, mehrarbeitszuschlag, uberstundenpauschale] cross_refs: ["lb-azm-03", "lb-end-05", "lb-end-08", "lb-end-09", "lb-ues-02", "lb-vor-03"] --- # Endabrechnung - Zeitguthaben bei durchrechenbarer Arbeitszeit *Lexis Briefings Personalrecht, Posch/Haas, Stand Juli 2026 (lb-end-10).* ## Zusammenfassung - **Abgeltungspflicht:** Offene **Zeitguthaben** aus einem durchrechenbaren Arbeitszeitmodell (zB **Gleitzeit**), die am Ende des Dienstverhältnisses bestehen und nicht als **Überstunden** abgegolten sind, sind als **Guthaben an Normalarbeitszeit** mit einem **Zuschlag von 50 %** abzugelten (**§ 19e Abs 2 AZG**); der Berechnung ist der **Normalstundenteiler** zugrunde zu legen. Günstigere **kollektivvertragliche** Regelungen gehen vor (manche KV rechnen nicht abgebaute Zeitguthaben wie Überstunden ab). - **Geltungsbereich des Zuschlags:** für Teilzeit- wie Vollzeitmitarbeiter (OLG Wien 7 Ra 32/16a). Der Zuschlag entfällt bei **unberechtigtem vorzeitigen Austritt**; der anwendbare KV regelt häufig auch den Entfall bei **berechtigter Entlassung**. Entfällt der 50 %-Zuschlag, lebt bei **Teilzeitkräften** der **25 %-ige Mehrarbeitszuschlag** (§ 19d AZG) für jene Mehrleistungen wieder auf, die die vereinbarte wöchentliche Normalarbeitszeit im Durchschnitt überschreiten, ohne Überstundenarbeit darzustellen. - **Abrechnung nach Durchrechnungszeitraum (DRZ)** — es ist zu unterscheiden, ob das Modell einen **monatlichen** oder **längeren** DRZ vorsieht: - **Ende = DRZ-Ende (monatlich):** hinsichtlich der **nicht übertragbaren** Stunden liegen für Vollzeit Mehr-/Überstunden vor, die in **SV und Lohnsteuer als laufender Bezug** zu erfassen sind — keine Abweichung von der Abrechnung aufrechter Dienstverhältnisse (bei KV-verkürzter Normalarbeitszeit, zB 38,5 Wochenstunden, richtet sich die Mehrarbeitsbeurteilung nach dem konkreten KV). Der **Überstundenzuschlag** (samt allfälligem Mehrarbeitszeitzuschlag) kann im Rahmen der Grenzen des **§ 68 EStG** steuerbegünstigt bleiben. Wird ein sonst übertragbares Guthaben anlässlich der **Beendigung** abgegolten: Bruttoabgeltung **+ 50 % Zuschlag** (§ 19e AZG) — SV: laufender Beitrag **im Auszahlungsmonat**; LSt: **laufender Bezug**. - **Ende während des DRZ:** das gesamte Zeitguthaben ist **+ 50 %** (§ 19e AZG) abzugelten; SV und LSt ebenfalls im **Auszahlungsmonat** als laufender Bezug. - **Mehrmonatiger DRZ (Quartal, Halbjahr, Jahr):** der Bruttobetrag ist in der SV **im Monat der Auszahlung als laufender Bezug** abzurechnen — **keine Rollung** in die Entstehungsmonate: nach der VwGH-Rechtsprechung sind Zeitguthaben während eines DRZ das rechnerische Ergebnis von Gut- und Fehlstunden, gleichsam ein „Arbeitszeitkontokorrent", das **keinem bestimmten Beitragszeitraum zugeordnet** werden kann; LSt gleichfalls als laufender Bezug (LStR 2002 Rz 1150a). Die Auszahlung kann ein an sich **geringfügiges** Dienstverhältnis im Austrittsmonat **vollversicherungspflichtig** machen. - **Steuerliche Abgrenzung des Zuschlags:** der 50 %-Zuschlag auf Guthaben an Normalarbeitszeit ist **kein Überstundenzuschlag** und kann daher **nicht** nach § 68 EStG steuerbegünstigt erfasst werden. - **Pauschale Mehrleistungsvergütung** (Überstundenpauschale oder All-in): der AG muss **von sich aus (zumindest) einmal jährlich** eine **Deckungsprüfung** durchführen (Einzelverrechnung vs Pauschale; bei Beendigung für den **anteiligen Beobachtungszeitraum**); nach OGH ist für die Durchschnittsberechnung das **Kalenderjahr** zugrunde zu legen, sofern kein kürzerer Beobachtungszeitraum ausdrücklich vereinbart ist. Übersteigen die tatsächlichen Mehr-/Überstunden die Pauschale **regelmäßig**, sind die zusätzlich abzugeltenden Mehrleistungen in der SV den **Entstehungsmonaten zuzuordnen (= Rollung)** — die Überstundenpauschale gilt als **Akonto** auf die Mehrleistungsentlohnung (VwGH); andernfalls liegt ein **laufender Bezug im Zahlungsmonat** vor. In der LSt ist der Mehrleistungsüberhang als **laufender Bezug** zu versteuern (analog Gleitzeitguthaben), wenn ein **längerer als ein Monat** dauernder Beobachtungszeitraum gilt. - **Lohnnebenkosten/BVK:** die Abgeltung von Mehrleistungen am Ende des Dienstverhältnisses ist **voll lohnnebenkostenpflichtig** (DB, DZ und Kommunalsteuer); für AN im Anwendungsbereich des **BMSVG** (Abfertigung „neu") sind auch **Beiträge an die Betriebliche Vorsorgekasse** zu entrichten. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Abgeltungszuschlag | Guthaben an Normalarbeitszeit + **50 %** (§ 19e Abs 2 AZG); Bemessung mit dem **Normalstundenteiler**; gilt für Teilzeit und Vollzeit (OLG Wien 7 Ra 32/16a) (Stand 2026-07) ✅ | | Zuschlagsentfall | unberechtigter **vorzeitiger Austritt**; KV häufig auch bei **berechtigter Entlassung**; dann bei Teilzeit **25 %** Mehrarbeitszuschlag (§ 19d AZG) für Mehrarbeit ohne Überstundencharakter (Stand 2026-07) ✅ | | SV bei monatlichem DRZ | nicht übertragbare Mehr-/Überstunden **als laufender Bezug**; Abgeltung sonst übertragbarer Guthaben im **Auszahlungsmonat** beitragspflichtig (Stand 2026-07) ✅ | | SV bei mehrmonatigem DRZ | **laufender Bezug im Auszahlungsmonat**; **keine Rollung** in die Entstehungsmonate — VwGH 2001/08/0048: Zeitguthaben als „Arbeitszeitkontokorrent" keinem Beitragszeitraum zuordenbar (Stand 2026-07) ✅ | | Lohnsteuer | Abgeltung als **laufender Bezug** (LStR 2002 Rz 1150a); der Zuschlag nach § 19e AZG ist **nicht** § 68 EStG-begünstigt (Stand 2026-07) ✅ | | Überstundenzuschläge | im Rahmen der Grenzen des **§ 68 EStG** steuerbegünstigt; ebenso allfälliger Mehrarbeitszeitzuschlag bei KV-verkürzter NWZ (zB 38,5 Wochenstunden) (Stand 2026-07) ✅ | | Geringfügigkeit | Auszahlung im Beendigungsmonat kann ein geringfügiges DV **vollversicherungspflichtig** machen (Stand 2026-07) ✅ | | Deckungsprüfung | bei Überstundenpauschale/All-in **mindestens einmal jährlich**, bei Beendigung **anteilig** für den Beobachtungszeitraum; OGH: **Kalenderjahr** als Berechnungsgrundlage, sofern kein kürzerer Zeitraum vereinbart (Stand 2026-07) ✅ | | Rollung bei Pauschale | nur wenn die tatsächlichen Mehrleistungen die Pauschale **regelmäßig** übersteigen (VwGH: Pauschale = **Akonto**); sonst laufender Bezug im Zahlungsmonat (Stand 2026-07) ✅ | | Lohnnebenkosten/BVK | Abgeltung von Mehrleistungen am DV-Ende **voll DB-, DZ- und KommSt-pflichtig**; zusätzlich **BV-Beitrag** im BMSVG-Anwendungsbereich (Stand 2026-07) ✅ | ## Rechtsgrundlagen - **§ 19e Abs 2 AZG** — 50 %-Abgeltung offener Zeitguthaben als Guthaben an Normalarbeitszeit in durchrechenbaren Arbeitszeitmodellen — ausdrücklich zitiert ✅ - **§ 19d AZG** — 25 %-Mehrarbeitszuschlag (Teilzeit; Wiederaufleben bei Zuschlagsentfall) — zitiert ✅ - **§ 68 EStG** — Steuerbegünstigung für Überstundenzuschläge; ausdrücklich **nicht** anwendbar auf den Zuschlag für Guthaben an Normalarbeitszeit — zitiert ✅ - **BMSVG** — Anwendungsbereich Abfertigung „neu" (BV-Beitragspflicht für die Abgeltung) — genannt ✅ (ohne §-Zitat) - Judikatur/Verwaltung: OLG Wien 7 Ra 32/16a = ARD 6542/8/2017 (Zuschlag auch für Teilzeit) ✅; VwGH 2001/08/0048 = ARD 5542/7/2004 (keine Zuordnung zu Beitragszeiträumen; Pauschale als Akonto) ✅; LStR 2002 Rz 1150a (laufender Bezug) — Richtlinie, kein Gesetz - ⚠ AZG-Regime im Projekt noch nicht RIS-verifiziert (vgl. `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`): die § 19d/19e-Angaben sind quellen-, aber noch nicht projektverifiziert. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Endabrechnung (hr_payroll):** offene Gleitzeit-/Zeitguthaben aus den Work Entries als **once-off Eingabe** im Endabrechnungsslip (`hr.payslip` input types); die 50 %-Zuschlagsregel als eigene Lohnart, getrennt von Überstundenzuschlägen (kein § 68-Freibetrag). - **Laufender Bezug:** Auszahlung im Beendigungsmonat direkt in die SV-Beitragsgrundlage desselben Monats; **keine Rollungslogik** für DRZ-Guthaben (VwGH) — Rollung nur für den Pauschalen-Überhang bei regelmäßiger Überschreitung. - **Teilzeit-Variante:** Wiederaufleben des 25 %-Mehrarbeitszuschlags je nach Beendigungskonstellation (unberechtigter Austritt, berechtigte Entlassung, KV-Abweichung) als Regelvariante konfigurierbar. - **Geringfügigkeitsprüfung** im Austrittsmonat nach Zuweisung des Guthabens (Beitragsgrundlage gegen GFG-Parameter; `hr.rule.parameter`). - **Deckungsprüfung** bei Überstundenpauschale/All-in: jährlicher Hinweis per Report/Batch; bei Beendigung anteilige Prüfung — reine Hinweisfunktion, keine Abrechnungsregel. - **BV-Beitrag:** im BMSVG-Kontext beitragspflichtig (BMSVG-Regel); im Gemeindekontext (Bgld.) läuft die Abfertigung über § 130 GemBG — keine BMSVG-Mechanik. - **Vertragsende:** Auszahlung zwingend im Beendigungs-/ Auszahlungsmonat einbuchen (`hr.contract` state ending), nicht in eine Folgeperiode. ## Verweise - **KB-intern:** lb-azm-03 (Gleitzeit) · lb-end-05 (Abgeltung von Mehrleistungen bei Beendigung – Überblick) · lb-end-08 (Endabrechnung – Gehaltserhöhungen auf Zeitguthaben/Zeitschulden) · lb-end-09 (Endabrechnung – Mehr- und Überstunden ohne Durchrechnungszeitraum) · lb-ues-02 (Überstundenpauschale und All-in) · lb-vor-03 (Betriebliche Vorsorgekasse – Beitragszahlung) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (§ 68 EStG- Freigrenzen dort verbindlich verifiziert; AZG-Regime dort als ⚠/❓ geführt — § 19d/19e AZG vor Implementierung RIS-verifizieren)