--- id: lb-krs-02 batch: 7 title: "Krankengeld" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Krankenstand & Arbeitsunfall" topic: krankenstand author: "Ruß/Krabath" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_krankengeld.pdf" text: ".lexis360/md/krankengeld.md" legal_bases: ["AngG § 8", "EFZG § 2", "ASVG § 138 Abs 1", "ASVG § 139", "ASVG § 141", "ASVG § 142 Abs 1 Z 2", "ASVG § 143", "ASVG § 125", "ASVG § 88", "ASVG § 11 Abs 3", "ASVG § 19a", "GSVG § 164", "StGB § 91", "EStG § 69 Abs 2", "BPGG"] tags: [krankengeld, krankenstand, oegk, bemessungsgrundlage, lohnsteuer, geringfugig] cross_refs: ["lb-krs-03", "lb-krs-07", "lb-krs-08", "lb-wie-01", "lb-bes-06", "lb-kzs-07"] --- # Krankengeld *Lexis Briefings Personalrecht, Ruß/Krabath, Stand Juli 2026 (lb-krs-02).* ## Zusammenfassung - **Subsidiärleistung:** Krankengeld ist die Geldleistung der Krankenversicherung (idR ÖGK) für den krankheitsbedingten Entgeltausfall, sobald der arbeitsrechtliche EFZ-Anspruch (§ 8 AngG bzw § 2 EFZG) nicht mehr in voller Höhe besteht. Es ersetzt den Dienstgeber nicht, sondern läuft **neben** ihm. - **Beginn und Höhe:** Die Leistung fällt ab dem **4. Tag** der Arbeitsunfähigkeit an (§ 138 Abs 1 ASVG) und beträgt **50 % der Bemessungsgrundlage**, ab dem **43. Tag 60 %** (§ 141 ASVG); Satzungserhöhung bis max. **75 %** bei mitversicherten Angehörigen möglich. - **Bemessungsgrundlage (§ 125 ASVG):** sv-pflichtiges Einkommen des letzten voll entlohnten Kalendermonats; **Sonderzahlungen** werden über einen einheitlichen satzungsrechtlichen Zuschlag von **17 %** eingerechnet. Die jährliche Valorisierung der Bemessungsgrundlage ist für 2026 bis 2028 ausgesetzt. - **Dauer:** grundsätzlich **26 Wochen**; **52 Wochen**, wenn in den letzten 12 Monaten mindestens 6 Monate Versicherung bestand (ÖGK: bis **78 Wochen**, wenn die Wiedereingliederung innerhalb dieses Zeitraums zu erwarten ist); vor Wegfall Information 6 Wochen im Vorhinein. - **Ruhen/Verwirkung:** Der Anspruch ruht u. a. bei EFZ > 50 % (zur Hälfte bei EFZ = 50 %), bei Übergangsgeld, Präsenz-/Zivildienst, Pflegekarenzgeld, Wiedereingliederungsgeld und bei Nichtmeldung (Nachholung binnen 1 Woche). Verwirkung bei Raufhandel (§ 91 StGB), Trunkenheit/Suchtgift (§ 142 ASVG) sowie nach § 88 ASVG. - **Lohnsteuer** zahlt die ÖGK: Lohnsteuerpflicht erst bei Tagsatz > € 30,– (€ 900,–/Monat); die ÖGK behält **20 %** ein, Pflichtveranlagung des Arbeitnehmers — ⚠ Korpus-Widerspruch zu lb-wie-01 (dort 25 %), siehe unten. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Leistungsbeginn | ab **4. Tag** der Arbeitsunfähigkeit (§ 138 Abs 1 ASVG) | | Höhe | 50 % der Bemessungsgrundlage; ab **43. Tag** 60 % (§ 141 ASVG); Satzung max. 75 % bei mitversicherten Angehörigen | | Bemessungsgrundlage | sv-pflichtiges Einkommen des letzten voll entlohnten Monats (§ 125 ASVG); kurze DV → laufender Beitragszeitraum | | SZ-Einbezug | einheitlicher satzungsrechtlicher **Zuschlag von 17 %** (✅ Quelltext); kein Ansatz, wenn der AN kollektiv-/einzelvertraglich auch im Krankengeldbezug ungeschmälerte SZ erhält (10 ObS 95/24d) | | Valorisierung | BG-Aufwertung seit 2023 jährlich; **2026–2028 ausgesetzt** (Budgetbegleitgesetz 2025 bzw 2027–2028) | | Anspruchsdauer | **26 Wochen**; **52 Wochen** bei ≥ 6 Monaten Versicherung in den letzten 12 Monaten; ÖGK bis **78 Wochen** bei erwarteter Wiedereingliederung (§ 139 ASVG) | | Vorinformation | Krankenkasse informiert 6 Wochen vor Erreichen der Bezugshöchstdauer; Abschrift an PV-Träger | | Ruhen (§ 143 ASVG) | Nichtmeldung (Nachholung 1 Woche) · EFZ > 50 % · EFZ = 50 % (zur Hälfte) · Übergangsgeld · Präsenz-/Zivildienst · Pflegekarenzgeld (BPGG) · Wiedereingliederungsgeld · Urlaubsersatzleistung/Kündigungsentschädigung (verlängern die Pflichtversicherung) | | Verwirkung (§ 142 ASVG) | schuldhafter Raufhandel (rechtskräftige Verurteilung nach § 91 StGB) · unmittelbare Folge von Trunkenheit/Suchtgiftmissbrauch (Bsp.: 1,76 Promille auf der Fahrbahn, kokaininduzierter Sturz) | | Geringfügig Beschäftigte | grundsätzlich **kein** Krankengeld (Teilversicherung); bei Mehrfachbeschäftigung über GFG/Vollversicherung doch 50/60 %; § 19a ASVG Selbstversicherung | | Unbezahlter Urlaub | kein Krankengeld trotz aufrechter Pflichtversicherung (§ 11 Abs 3 ASVG; 10 ObS 23/23i) | | Lohnsteuer | § 69 Abs 2 EStG: Tagsatz > € 30,– (€ 900,–/Monat); **20 %** Quellenabzug durch ÖGK (Stand 2026-07; ⚠ lb-wie-01 Stand 2026-08 nennt 25 % — vor Implementierung gegen RIS klären) | ## Rechtsgrundlagen - **ASVG-Kern:** §§ 138 (Beginn), 139 (Dauer), 141 (Höhe), 125 (Bemessungsgrundlage), 142 (Verwirkung), 143 (Ruhen), 88 (allgemeine Verwirkung) — alle im Quelltext ausdrücklich zitiert (✅). - **Arbeitsrechtlicher Anknüpfung:** § 8 AngG, § 2 EFZG (EFZ-Anspruch, dessen Ausschöpfung dem Krankengeld vorgelagert ist). - **Abgabenrechtlich:** § 69 Abs 2 EStG für die Lohnsteuerpflicht der Krankenversicherungszahlungen. - **Nebenzitate:** § 91 StGB, § 164 GSVG (Übergangsgeld Selbstständige, kein Ruhen), BPGG, § 11 Abs 3 ASVG, § 19a ASVG — ⚠ Normtexte vor Implementierung gegen RIS verifizieren, insbesondere die aktuelle Lohnsteuer-Quote (20 % vs 25 %, s. o.). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Krankengeld fließt nicht durch den Dienstgeber-Payslip:** Zahlung und Lohnsteuer sind ÖGK-Sache; die PV-Relevanz für das AG-System liegt in der **Arbeits- und Entgeltbestätigung** (ELDA) nach Ausschöpfung des vollen EFZ-Anspruchs — Abschrift unverzüglich an den AN. Ein Hinweis-/Fristenmodell auf dem Payslip („volle EFZ erschöpft am …") vermeidet verspätete AuE-Meldungen. - **Bemessungsgrundlage braucht das letzte volle Bruttoentgelt:** Der letzte voll entlohnte Kalendermonat inkl. 17 %-SZ-Zuschlag ist für die ÖGK-Berechnung revisionssicher bereitzustellen (Sonderfall ungeschmälerte SZ im Krankengeldbezug nach 10 ObS 95/24d). - **Ruhen mitführen:** EFZ > 50 % bzw = 50 % steuert den Krankengeldanspruch — dasselbe **50 %-Kriterium** wie bei der SV-Beitragsfreiheit der EFZ (→ lb-krs-07); die Payslip-Logik sollte den EFZ-Phasenstatus (voll/halb/ erschöpft) als berechnete Größe halten. - **Dauer-Konstanten** (26/52/78 Wochen; 50/60 %; 4./43. Tag) als `hr.rule.parameter`-Jahreswerte führen, nicht hard-codieren; Geringfügig- und unbezahlte-Urlaubs-Konstellationen müssen das Krankengeld-Null-Ergebnis deterministisch ableiten. ## Verweise - **KB-intern:** lb-krs-08 (EFZ-Regime als Voraussetzung) · lb-krs-03 (Meldung/Nachweis, Anerkennung durch den KV-Träger — Breadcrumb-Verweis der Quelle) · lb-krs-07 (SV-Behandlung der EFZ und BMSVG-Bemessung) · lb-wie-01 (Wiedereingliederungsgeld verdrängt Krankengeld) · lb-bes-06 (geringfügige Beschäftigung) · lb-kzs-07 (Pflegekarenzgeld als Ruhenstatbestand) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (SV-Kernregime; ELDA/eSV-Meldewesen-Kontext im payroll-Skill) - *Export-Hinweis:* ÖGK-Fragenkatalog zur Arbeits- und Entgeltbestätigung ist im Quelltext nur als Kurzlink enthalten, hier nicht reproduziert.