--- id: lb-lvr-04 batch: 4 title: "Lohnzettel - L 16" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: lohnverrechnung author: "Sabara/Haas" stand: 2026-08 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_lohnzettel_l_16.pdf" text: ".lexis360/md/lohnzettel_l_16.md" legal_bases: ["EStG § 84", "EStG § 69 Abs 1", "ASVG § 34 Abs 2", "ASVG § 34 Abs 6", "ASVG § 689 Abs 8", "AVRAG"] tags: [lohnzettel, l16, mbgm, elda, fristen, insolvenz] cross_refs: ["lb-lvr-03", "lb-lvr-05", "lb-lvr-06"] --- # Lohnzettel – L 16 *Lexis Briefings Personalrecht, Sabara/Haas, Stand August 2026 (lb-lvr-04).* ## Zusammenfassung - **Jahreslohnzettel (§ 84 EStG):** Für alle im Kalenderjahr beschäftigten Arbeitnehmer ist — Selbstabrechner und Vorschreibebetrieb gleichermaßen — bis **Ende Februar des Folgejahres** ein (Jahres-)Lohnzettel zu übermitteln, grundsätzlich **elektronisch über ELDA**, an das Finanzamt der Betriebsstätte oder die Österreichische Gesundheitskasse; er enthält die abgabenerhebungsrelevanten Daten, die Summe der allgemeinen Beitragsgrundlagen und die Sonderzahlungen. - **mBGM ersetzt den SV-Teil:** Für Beitragszeiträume ab 1. 1. 2019 sind nach § 34 Abs 2 ASVG monatlich die individuellen Beitragsgrundlagen zu melden (mBGM); im Gegenzug entfallen Beitragsnachweisung und sozialversicherungsrechtlicher Teil des Lohnzettels — der L 16 besteht seither nur mehr aus dem lohnsteuerrechtlichen Teil. Beitragsgrundlagennachweise für 2018 waren letztmalig bis Ende Februar 2019 zu übermitteln (§ 689 Abs 8 ASVG). - **Form:** Elektronische Übermittlung über ELDA ist die Regel (unabhängig davon, ob die Lohnabrechnung EDV-unterstützt erfolgt; ohne geeignetes Programm stellt ELDA das kostenlose „Erfassungsprogramm für Arbeitgeber"). Nur bei mangelnden technischen Voraussetzungen ist das **Papierformular L 16** bis **Ende Jänner** des Folgejahres beim Finanzamt abzugeben. - **Berichtigung:** Nach steuerlich relevanten Ergänzungen des Lohnkontos ist ein **berichteter Lohnzettel** zu übermitteln. - **Unterjährige Lohnzettel:** Bei unterjähriger Beendigung war die Übermittlung bis 31. 12. 2018 verpflichtend; **ab 2019 entfällt die Pflicht** (Entfall des § 84 Abs 1 Z 3 lit a EStG), die Übermittlung bis Ende des Folgemonats ist freiwillig möglich. Bei **Insolvenz** des Arbeitgebers: Übermittlung bis Ende des zweitfolgenden Monats. Bereits übermittelte unterjährige/Insolvenz-Lohnzettel ersetzen den Jahreslohnzettel. - **Beendigungszeitpunkt:** grundsätzlich das arbeitsrechtliche Ende. Sonderfall Kündigung im Krankenstand: der Lohnzettel ist erst bis Ende des Monats nach der letztmaligen Krankenentgelt-Auszahlung auszustellen (als Dienstende gilt der letzte Krankenentgelt-Tag). Krankengeldbezug, Präsenz-/Zivildienst oder Waffenübungen nach dem Heeresgebührengesetz gelten nicht als Unterbrechung. - **Mehrere Dienstverhältnisse:** Einheitliches, fortlaufendes Dienstverhältnis = **ein** Lohnzettel (auch mit bezugsfreien Zeiträumen, zB Karenz). Beginnt der Arbeitnehmer im selben Kalenderjahr neuerlich beim selben Arbeitgeber, ist ein **zweiter** Lohnzettel ohne Summierung auszustellen; fallen Ende und Beginndatum in denselben Kalendermonat, dagegen ein einheitlicher Lohnzettel mit summierten Beträgen. Bei nur fallweiser Beschäftigung ist ein einheitlicher Jahreslohnzettel unbedenklich. - **Betriebsübergang (AVRAG):** Zum Umgründungsstichtag ist kein Lohnzettel auszufertigen; ob eine mBGM zu erstellen ist, richtet sich nach den SV-Bestimmungen. In Umgründungsfällen stellt der Arbeitgeber den Lohnzettel aus, der die Arbeitgeberpflichten zum Ausstellungszeitpunkt wahrnimmt — unter **seiner** Steuernummer; der Erwerber informiert das Betriebsstättenfinanzamt des bisherigen Arbeitgebers („Entlastung" der alten Steuernummer). - **Pauschalbesteuerte Bezüge (§ 69 Abs 1 EStG, Pauschalsteuersatz 2 %):** nicht in den Lohnzettel aufzunehmen; ab 2019 ist dafür kein Lohnzettel mehr erforderlich (endbesteuert). - Es gibt derzeit **24 Lohnzettelarten**, da auch bezugsauszahlende Stellen (KV/PV-Träger, Heeresgebührenstelle, Insolvenzentgeltfonds, Insolvenzverwalter) lohnzettelpflichtig sind. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Jahreslohnzettel L 16 | bis **Ende Februar** des Folgejahres, elektronisch via ELDA (Stand 2026-08) | | Papierformular L 16 | nur ohne technische Voraussetzungen, bis **Ende Jänner** des Folgejahres | | Berichtigter Lohnzettel | innerhalb **2 Wochen** ab steuerlich relevanter Ergänzung des Lohnkontos | | Unterjähriger Lohnzettel | ab 2019 **freiwillig** bis Ende des Folgemonats; ersetzt den Jahreslohnzettel | | Insolvenz | bis Ende des **zweitfolgenden Kalendermonats** | | mBGM-Selbstabrechner | bis **15. des Folgemonats** (Sonderregelung bei Beschäftigungsbeginn in der zweiten Monatshälfte) | | mBGM-Vorschreibebetriebe | bis zum **7. des Folgemonats** nach Anmeldung bzw. Änderung der Beitragsgrundlage | | Kündigung im Krankenstand | Lohnzettel bis Ende des Monats nach letztmaliger **Krankenentgelt**-Auszahlung; Dienstende = letzter Krankenentgelt-Tag | | Altfälle SV-Teil | Beitragszeiträume bis 31. 12. 2018: letztmalig Ende Februar 2019 | | Pauschalsteuersatz § 69 Abs 1 | **2 %** — endbesteuert, nicht im Lohnzettel, ab 2019 kein eigener Lohnzettel (Stand 2026-08) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 84 EStG** — Lohnzettel-(Jahres-)Übermittlungspflicht; die unterjährige Pflichtmeldung wurde mit 2019 aufgehoben (§ 84 Abs 1 Z 3 lit a EStG entfallen) (✅ im Quelltext zitiert). - **§ 69 Abs 1 EStG** — pauschal besteuerte Bezüge (2 %) und deren Behandlung im Lohnzettel (✅). - **§ 34 Abs 2 ASVG** — monatliche Beitragsgrundlagenmeldung ab 2019 (mBGM); **§ 34 Abs 6 ASVG** — Arbeitsstättenmeldung (→ lb-lvr-05); **§ 689 Abs 8 ASVG** — letztmalige Übermittlung der alten Beitragsgrundlagennachweise (jeweils idF BGBl I 2018/30) (✅). - **AVRAG** — Lohnzettelbehandlung bei Betriebs(teil)übergang (im Quelltext ohne §-Zitat) (✅ Nennung; ⚠ Detailnorm vor Umsetzung gegen RIS prüfen). - LStR 2002 Rz 1220–1230 als Detailquelle (✅ Verweis im Quelltext). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **File-basierter Jahresexport:** Der L 16 wird projektseitig als validierte Exportdatei mit Prüfprotokoll erzeugt; Übertragung via FinanzOnline/ELDA erfolgt beim Mandanten/Steuerberater (Architektur-Prämisse des Projekts). - **Ereignissteuerung als Job-Typen:** Jahreslauf (Ende Februar), freiwilliger unterjähriger Lohnzettel bei Beendigung (Ende Folgemonat), Insolvenzlauf (zweitfolgender Monat) und **Berichtigungslauf** (2-Wochen-Frist) — jeweils aus demselben Lohnkonten-Datenbestand. - **Ein Datenmodell für zwei Meldewesen:** mBGM (eSV, Fristen 15./7. des Folgemonats) und Lohnzettel müssen aus derselben Beitragsgrundlagen-/Lohnsteuerdatenquelle gespeist werden, sonst drohen Inkonsistenzen zwischen SV und Finanz. - **Sonderfälle abbilden:** Kündigungs-Krankenstand (Terminierung am letzten Krankenentgelt-Tag), Mehrfach-Dienstverhältnisse desselben Kalenderjahres (Lohnzettel-Gruppierung je Dienstverhältnis-Abschnitt, keine Summierung), Betriebsübergang (kein Stichtags-Lohnzettel, Steuernummer-Handling) und Auslandslohnzettel (→ lb-lvr-03). - **Abgrenzung:** Honorarmeldungen nach § 109a EStG ersetzen den L 16 nicht (→ lb-lvr-06). ## Verweise - **KB-intern:** lb-lvr-03 (Lohnzettel bei Auslandseinkünften; Quelltext verweist ausdrücklich dorthin) · lb-lvr-05 (Formular L 16 und Kennzahlen) · lb-lvr-06 (Meldung § 109a EStG) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; als Vertiefung verweist der Quelltext auf den WKO-Arbeitsbehelf „Abgaben und Steuern" (extern).