--- id: lb-pap-01 batch: 7 title: "Familienzeitbonus" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Schwangerschaft & Elternkarenz" topic: familienzeit author: "Sabara" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_familienzeitbonus.pdf" text: ".lexis360/md/familienzeitbonus.md" legal_bases: ["FamZeitbG § 2 Abs 3", "FamZeitbG § 2 Abs 3a", "FamZeitbG § 2 Abs 3b", "FamZeitbG § 2 Abs 4", "FamZeitbG § 2 Abs 7", "FamZeitbG § 3 Abs 2", "FamZeitbG § 3 Abs 3", "VKG § 1a", "ASVG § 8 Abs 1 Z 1 lit g", "ASVG § 8 Abs 1 Z 2 lit k", "ASVG § 11 Abs 3 lit a", "ASVG § 225 Abs 1 Z 2a", "GlBG § 5a Z 1", "GlBG § 12 Abs 7", "GlBG § 12 Abs 12", "UrlG", "MeldeG § 3 Abs 1"] tags: [familienzeitbonus, familienzeit, papamonat, erwerbstaetigkeitserfordernis, sv-abmeldung, diskriminierungsschutz] cross_refs: ["lb-pap-02", "lb-kbg-01", "lb-kbg-03", "lb-kbg-05", "lb-kar-04", "lb-tzb-01", "lb-glb-02", "lb-glb-07"] --- # Familienzeitbonus *Lexis Briefings Personalrecht, Sabara, Stand Juli 2026 (lb-pap-01).* ## Zusammenfassung - Der **Familienzeitbonus** (FamZeitbG) ist eine staatliche Tagesleistung für erwerbstätige Väter, die sich unmittelbar nach der Geburt ausschließlich der Familie widmen („Familienzeit", § 2 Abs 4 FamZeitbG): 28, 29, 30 oder 31 aufeinanderfolgende Kalendertage zur Gänze innerhalb von 91 Tagen ab Geburtstag. Höhe: € 54,87 täglich (Stand 2026-07; Wert 2025–2027 — Valorisierung 2026/2027 ausgesetzt, 2028 lt. RV 523 BlgNR 28. GP ebenfalls ausgesetzt geplant ⚠). - Während der Familienzeit muss der Vater **alle Erwerbstätigkeiten** unterbrechen, keine andere ausüben, keine Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung und keine Entgeltfortzahlung bzw. Leistungen bei Krankheit (zB Krankengeld, Betriebshilfe) beziehen. Unselbstständig Erwerbstätige unterbrechen zB über Sonderurlaub oder den arbeitsrechtlichen Papamonat (§ 1a VKG, lb-pap-02); ein Wechsel des Dienstgebers im Anschluss ist unschädlich (OGH 10 ObS 88/23y). Selbstständige müssen die Tätigkeit unterbrechen und sich bei der SV abmelden (Gewerbe ruhend etc.). - Anspruchsvoraussetzungen (§ 2 FamZeitbG): Familienbeihilfe für das Kind, Lebensmittelpunkt der Familie in Österreich, gemeinsamer Haushalt (beide Elternteile und Kind hauptwohnsitzlich an derselben Wohnadresse; bis zu 10 Tage verspätete Hauptwohnsitzmeldung des Kindes unschädlich — Gesamtfrist 13 Tage: 3 Tage MeldeG + 10 Tage FamZeitbG), allfälliger NAG-Titel sowie das **Erwerbstätigkeitserfordernis**. - Erwerbstätigkeitserfordernis: in den letzten 182 Tagen unmittelbar vor Bezugsbeginn durchgehend tatsächlich ausgeübte, in Österreich kranken- und pensionsversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit (bloß unfallversicherte geringfügige Beschäftigung genügt nicht); keine ALV-Leistungen (ALG, Notstandshilfe, Altersteilzeitgeld — Bildungsteilzeitgeld hingegen unschädlich, OGH 10 ObS 16/21g); Unterbrechungen bis 14 Kalendertagen unschädlich; Präsenzdienst schädlich (OGH 10 ObS 38/19i); unterbrochene Karenzphasen zur Kindererziehung werden gleichgestellt (§ 2 Abs 7 FamZeitbG, bis zum 2. Lebensjahr). Erholungsurlaub ist keine anspruchsschädliche Unterbrechung; Sonderurlaub über 14 Tagen ist unschädlich, wenn Bezüge und SV-Pflicht weiterlaufen (OGH 10 ObS 99/20m). - Anspruchsberechtigt: leibliche Väter, Adoptivväter, Dauerpflegeväter (Dauerpflege = mehr als 182 Tage); gleichgestellt sind gleichgeschlechtliche Adoptiv-/Dauerpflegemütter; bei gleichgeschlechtlichen Vätern nur einer. Der Bonus gebührt nur einmal je Geburt (bei Mehrlingen einfach). - Krankenhaus-Konstellationen: Haushaltsfiktion bei medizinisch indiziertem Krankenhausaufenthalt des Kindes, wenn beide Elternteile es durchschnittlich je mind. 2 Stunden täglich persönlich pflegen (§ 2 Abs 3a FamZeitbG; für Geburten bis 31. 10. 2023: 4 Stunden); bei Krankenhausaufenthalt des anderen Elternteils genügt Pflege in Anwesenheit des Kindes ab mind. 2 Stunden täglich (§ 2 Abs 3b FamZeitbG, Geburten nach 31. 10. 2023). Umfangreiche OGH-Judikatur zum gemeinsamen Haushalt (Krankenhaustage, ambulante Geburt, Wohnungs-/Topnummern-Fragen). - Anspruchsdauer und -verlauf: 28/29/30/31 Tage, nicht teilbar; für Geburten nach 31. 10. 2023 einmalige Änderung binnen 182 Tagen ab Geburt, keine vorzeitige Beendigung; Antragsfrist spätestens am 121. Tag nach Geburt beim KV-Träger (§ 3 Abs 2 und 3 FamZeitbG; davor 91 Tage) — materiell-rechtliche Frist auf Einlangen, auslösender Tag zählt nicht mit (EuFrÜb). - Rechtsprechungswende 2022: Fehlt an einzelnen Tagen eine Anspruchsvoraussetzung, gebührt der Bonus anteilig für die übrigen Tage (OGH 10 ObS 161/21f; früher 10 ObS 71/21w: gar kein Bonus). - Anrechnung auf Kinderbetreuungsgeld (früher: Reduktion des KBG-Tagesbetrags des Vaters) entfällt für ab 1. 1. 2023 geborene Kinder („Väteranreiz", BGBl I 2022/174). - **SV-Aspekte:** Bezieher sind in der Krankenversicherung teilversichert und pensionsversichert (§ 8 Abs 1 Z 1 lit g und Z 2 lit k ASVG); die Zeiten gelten als Beitragszeiten (§ 225 Abs 1 Z 2a ASVG). Bei Arbeitsunterbrechung für die Familienzeit endet die Pflichtversicherung trotz § 11 Abs 3 lit a ASVG — Abmeldung mit dem Tag vor Beginn der Familienzeit, Anmeldung vor Arbeitsantritt nach Rückkehr. - **Arbeitsrecht:** Bei Inanspruchnahme des § 1a-VKG-Papamonats besteht Kündigungs- und Entlassungsschutz ab Vorankündigung/Vereinbarung, frühestens 4 Monate vor dem errechneten Geburtstermin (bei Frühgeburt ab Meldung des Antrittszeitpunkts), endend 4 Wochen nach der Freistellung. Diskriminierung wegen Elternkarenz, Elternteilzeit, Änderung der Lage der Arbeitszeit nach MSchG/VKG sowie Papamonat ist nach § 5a Z 1 GlBG der Diskriminierung wegen Geschlechts gleichgestellt (Rechtsfolgen § 12 GlBG; Glaubhaftmachung durch den Arbeitnehmer, Beweislast beim Arbeitgeber, § 12 Abs 12 GlBG). ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Tagesbetrag | € 54,87 (Wert 2025–2027; Valorisierung 2026/2027 ausgesetzt, BGBl I 2025/25) | | Familienzeit | 28, 29, 30 oder 31 aufeinanderfolgende Kalendertage | | Zeitfenster | 91 Tage ab Geburtstag (Tage müssen zur Gänze darin liegen) | | Antragsfrist | spätestens 121. Tag nach Geburt (Geburten nach 31. 10. 2023; davor 91 Tage); Einlangensfrist | | Änderung der Anspruchsdauer | einmalig binnen 182 Tagen ab Geburt; keine vorzeitige Beendigung | | Erwerbstätigkeitserfordernis | 182 Tage vor Bezugsbeginn KV-/PV-pflichtig; Unterbrechungen ≤ 14 Kalendertage; keine ALV-Leistungen; Präsenzdienst schädlich | | Pflege-Nachweis Krankenhaus (Kind) | je mind. 2 Stunden täglich durch beide Elternteile (Geburten ab 1. 11. 2023; davor 4 Stunden) | | Pflege-Nachweis Krankenhaus (anderer Elternteil) | je mind. 2 Stunden täglich in Anwesenheit des Kindes (Geburten nach 31. 10. 2023) | | Hauptwohnsitzmeldung Kind | 13 Tage gesamt (3 Tage MeldeG + 10 Tage FamZeitbG); bis 10 Tage Verspätung unschädlich | | Dauerpflege-Begriff | auf mehr als 182 Tagen angelegte Pflege | | Kündigungs-/Entlassungsschutz (Papamonat) | ab Vorankündigung, frühestens 4 Monate vor errechnetem Geburtstermin; endet 4 Wochen nach Freistellung | | SV-Wechsel | Abmeldung mit Tag vor Familienzeitbeginn; Anmeldung vor Arbeitsantritt danach; Teilversicherung während des Bezugs | | Häufigkeit | einmal je Geburt (Mehrlinge einfach); keine KBG-Anrechnung für Geburten ab 1. 1. 2023 | ## Rechtsgrundlagen - **FamZeitbG:** § 2 (Abs 3 Haushalt, Abs 3a/3b Krankenhausfiktionen, Abs 4 Familienzeit, Abs 7 Karenz-Gleichstellung), § 3 Abs 2 und Abs 3 (Dauer, Antragsfrist 121 Tage). - **VKG § 1a** (Papamonat als arbeitsrechtliche Freistellung — lb-pap-02); **ASVG** § 8 Abs 1 Z 1 lit g, § 8 Abs 1 Z 2 lit k (Teilversicherung), § 11 Abs 3 lit a (Ende der Pflichtversicherung bei Familienzeit), § 225 Abs 1 Z 2a (Beitragszeiten, BGBl I 2024/106). - **GlBG** § 5a Z 1, § 12 Abs 7 und Abs 12 (Diskriminierungsschutz, Beweislast); **UrlG** (Erholungsurlaub als keine Unterbrechung); **MeldeG § 3 Abs 1** (3-Tage-Anteil der Meldedefrist). - **Valorisierung:** BGBl I 2022/174 (Väteranreiz), BGBl I 2025/25 (Aussetzung 2026/2027), RV 523 BlgNR 28. GP (2028 ⚠); EuFrÜb (BGBl 1983/254) für Fristberechnung. - Judikatur (Fußnoten der Quelle): OGH 10 ObS 161/21f (anteiliger Anspruch, Wohnbegriff, Topnummer), 10 ObS 71/21w (alte strenge Rechtsprechung), 10 ObS 88/23y, 10 ObS 111/18y, 10 ObS 10/19x, 10 ObS 157/21t (Unterbrechung/Karenz-Anschluss), 10 ObS 16/21g (Bildungsteilzeitgeld), 10 ObS 99/20m (Sonderurlaub), 10 ObS 38/19i (Präsenzdienst), 10 ObS 29/20t, 10 ObS 132/19p, 10 ObS 148/19s, 10 ObS 147/19v, 10 ObS 82/21p, 10 ObS 69/20z, 10 ObS 134/21k, 10 ObS 136/22f, 10 ObS 109/22k, 10 ObS 121/18v, 10 ObS 121/20x, 10 ObS 125/19h (Krankenhaus-/Frist-Fälle); OLG Wien 8 Rs 110/25t (Wochenfrist-Verlängerung). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - Staatliche Leistung des KV-Trägers — kein Entgeltbestandteil, kein SV-Beitragsanteil des Arbeitgebers; **aber** arbeitsseitig begleitet: die Familienzeit ist ein beschäftigungsfreier Zeitraum (Work-Entry-Sperre „Familienzeit"), der vom Papamonat (§ 1a VKG) als arbeitsrechtlicher Freistellung getragen sein kann. - **Kein Entgeltfortzahlungsanspruch** während der Freistellung (§ 1a VKG) — Bezüge sind für diesen Zeitraum zu stoppen; Urlaubsanspruch/-verbrauch und allfällige KV-Korrekturen entsprechend abbilden. - **SV-An-/Abmeldung:** Bei Familienzeit endet die Pflichtversicherung — die Ab-/Anmeldung ist ein Meldewesen-Prozesspunkt für den Arbeitgeber (Abmeldung mit dem Tag vor Beginn, Anmeldung vor Arbeitsantritt). - 182-Tage-Erfordernis: KV-/PV-pflichtige Beschäftigungshistorie über Work Entries als Nachweisbasis; geringfügige (nur UV-)Beschäftigungen genügen nicht; Bildungsteilzeitgeld und Karenzunterbrechungen beachten (lb-tzb-01, lb-kar-04). - Kündigungs-/Entlassungsschutz-Fenster (4 Monate vor errechnetem Termin bis 4 Wochen nach Freistellung) und GlBG-Schutz (§ 5a Z 1) bei Beendigungsentscheidungen beachten (lb-glb-02, lb-glb-07). - Tagesbetrag als versionierter Wertparameter (€ 54,87, Wert 2025–2027), wenn interne Simulations-/Dokumentations-Logik ihn benötigt. ## Verweise - **KB-intern:** lb-pap-02 (Papamonat § 1a VKG, Freistellung/Kündigungsschutz); lb-kbg-01 (Familienbeihilfe, Valorisierungsverbund); lb-kbg-03/lb-kbg-05 (frühere KBG-Anrechnung, Geburten bis 31. 12. 2022); lb-kar-04 (Karenz, Gleichstellung § 2 Abs 7 FamZeitbG). - **Querbezüge:** lb-tzb-01 (Bildungsteilzeit/Bildungsteilzeitgeld anspruchsunschädlich); lb-glb-02, lb-glb-07 (Diskriminierungsschutz und Rechtsfolgen). - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`. - *Hinweis:* PDF-Footer „Erstellt von … 10.9.2026" = Export-Artefakt, ignoriert; Links der Quelle (Formulare, Arbeitshilfen) nicht übernommen.