--- id: lb-pfa-12 batch: 4 title: "Lohnpfändung - Vorschüsse und Nachzahlungen" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: lohnpfandung author: "Kraft" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_lohnpfandung_vorschusse_und_nachzahlungen.pdf" text: ".lexis360/md/lohnpfandung_vorschusse_und_nachzahlungen.md" legal_bases: ["EO § 290c Abs 1", "EO § 290c Abs 3"] tags: [lohnpfandung, vorschusse, nachzahlungen, aufrollung, geldexistenzminimum] cross_refs: ["lb-pfa-04", "lb-pfa-05", "lb-pfa-14", "lb-lvr-02", "lb-naz-03"] --- # Lohnpfändung – Vorschüsse und Nachzahlungen *Lexis Briefings Personalrecht, Kraft, Stand Juli 2026 (lb-pfa-12).* ## Zusammenfassung - **Vorschüsse wirken pfändungsrechtlich „neutral"** (§ 290c Abs 1 letzter Satz EO): Das Existenzminimum ist so zu berechnen, **als ob kein Vorschuss geleistet** worden wäre. Der Vorschuss ist im Auszahlungszeitpunkt **nicht** in die Pfändungsberechnungsgrundlage einzubeziehen und darf im Zeitpunkt der (ratenweisen) Rückzahlung **nicht** aus ihr ausgeschieden werden. - Ein **Vorschuss darf auch während anhängiger Pfändung(en)** gewährt werden. Das Rückverrechnungsrecht des Dienstgebers ist aber gegenüber allen bei der **Vorschussgewährung bereits bestehenden** Pfändungen **nachrangig** — idR hat der Dienstgeber daher **keinen Zugriff auf den pfändbaren Teil** der Bezüge. - **Grenzen der Rückverrechnung:** Höhe und Zeitpunkt der Raten sind zu vereinbaren. Der Dienstgeber kann zur Hereinbringung des Vorschusses (bzw. der Rate) das **Existenzminimum heranziehen**; ist keine laufende Unterhaltsexekution anhängig, kommt auch die Heranziehung der **Unterhaltsmasse** in Betracht. Bei aufrechtem Beschäftigungsverhältnis muss dem Mitarbeiter aber ein Mindestgeldbetrag verbleiben: das **„absolute Geldexistenzminimum"** (Normalfall monatlich 2026: **€ 654,–**; bei Unterhaltspfändung(en) 2026: **€ 490,50,–**) — auch dann, wenn gar keine Exekution anhängig ist. **Endet dagegen das Dienstverhältnis** (Arbeitsleistung fällt weg), kann der Dienstgeber auf das **gesamte** Existenzminimum greifen, ohne dass ein Mindestbetrag verbleiben muss. Ein Abzug vom **pfändbaren Betrag** steht zudem nur zu, wenn **keine vorrangigen Pfändungen** bestehen. - **Nachzahlung** = verspätete Erbringung einer Leistung (erst nach dem laut Gesetz, Kollektivvertrag, Dienstvertrag oder sonstiger Vereinbarung vorgesehenen Zeitpunkt). Ursachen zB: unrichtige kollektivvertragliche Einstufung, sonstige Abrechnungsfehler, zu hohe Abzüge (Sozialversicherung, Lohnsteuer), ausgeräumte Meinungsverschiedenheiten. - **Aufrollung (§ 290c Abs 3 EO):** Nachzahlungen sind pfändungsrechtlich **für den Zeitraum zu berücksichtigen, auf den sie sich beziehen** — nicht pauschal im Auszahlungsmonat. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Absolutes Geldexistenzminimum (Normalfall, monatlich) | 2026: **€ 654,–**; 2025: € 636,50; 2024: € 608,50; 2023: € 555,–; 2022: **€ 500,–**; 2021: € 500,– (Stand 2026-07) — ⚠ Widerspruch im Korpus: lb-pfa-14 nennt für 2022 **€ 515,–**; vor Implementierung gegen RIS verifizieren | | Absolutes Geldexistenzminimum (bei Unterhaltspfändung, monatlich) | 2026: **€ 490,50**; 2025: € 477,38; 2024: € 456,38; 2023: € 416,25; 2022: € 386,25; 2021: € 375,– (Stand 2026-07) | | Vorschussgewährung | auch während anhängiger Pfändungen zulässig; Rückverrechnung nachrangig gegenüber allen bereits bestehenden Pfändungen (Stand 2026-07) | | Rückverrechnungsquellen | Existenzminimum; ohne laufende Unterhaltsexekution auch Unterhaltsmasse; bei DV-Ende das gesamte EX ohne Mindestbetrag; pfändbarer Betrag nur ohne vorrangige Pfändungen (Stand 2026-07) | | Nachzahlungen | pfändungsrechtliche **Aufrollung** in den Zeiträumen des Bezugs (§ 290c Abs 3 EO — ✅ zitiert) (Stand 2026-07) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 290c Abs 1 EO** (Neutralität des Vorschusses, letzter Satz) und **§ 290c Abs 3 EO** (Nachzahlungen für den Zeitraum der Bezug) — ✅ beide ausdrücklich zitiert. - Die Werte des absoluten Geldexistenzminimums nennt das Briefing ohne §-Zitat — ⚠ Detailnorm vor Implementierung gegen RIS verifizieren (Widerspruch 2022 zu lb-pfa-14 dokumentiert). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Pfändungsberechnung vor Vorschüssen schützen:** Die Berechnungsgrundlage und das Existenzminimum dürfen durch Vorschussauszahlung/-rückverrechnung nicht verändert werden — die Pfändungsregeln auf der unvoreingenommenen Bezugsgröße aufsetzen, Vorschüsse als separate Ausgleichsposten führen. - **Rückverrechnungsplan:** Raten unter Beachtung des absoluten Geldexistenzminimums (Jahreswerte versionieren; Pflichtfeld je Periode, auch ohne anhängige Exekution) und der Rangfolge (Vorpfändungen zuerst); bei Beendigung anderer Modus (volles EX heranziehbar). - **Aufrollungslogik für Nachzahlungen:** Je betroffenem Altzeitraum ein separates Existenzminimum ermitteln und die pfändbaren Anteile der Nachzahlung zuordnen — periodisierte Berechnung, keine Verrechnung im Auszahlungsmonat. Lohnsteuerliche Aufrollung separat beachten (→ lb-naz-03). - **Arbeits-/abgabenrechtliche Seite** von Vorschüssen und Arbeitgeberdarlehen (→ lb-lvr-02) bleibt von der pfändungsrechtlichen Neutralität unberührt. ## Verweise - **KB-intern:** lb-pfa-04 (Begriff und Arten) · lb-pfa-05 (Existenzminimum, Berechnungsgrundlage) · lb-pfa-14 (Sachbezüge — dasselbe absolute Geldexistenzminimum; Widerspruch 2022 dokumentiert) · lb-lvr-02 (Darlehen und Vorschüsse des Arbeitgebers) · lb-naz-03 (Nachzahlungen – Lohnsteuer) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (Nachzahlungs-/Aufrollungsthemen des Privatkontexts); Bgld.-Gemeinden siehe `RECHTSQUELLEN-Bgld.md`. - *Hinweis:* Export-Footer („Page n", „Erstellt von …") ignoriert.