--- id: lb-mel-04 batch: 8 title: "Informationspflichten gegenüber den Arbeitnehmern" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Meldungen & Verpflichtungen" topic: meldungen-verpflichtungen author: "Sabara" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_informationspflichten_gegenuber_den_arbeitnehmern.pdf" text: ".lexis360/md/informationspflichten_gegenuber_den_arbeitnehmern.md" legal_bases: ["ABGB § 1157", "AngG § 18", "AVRAG § 2", "AVRAG § 2b Abs 2", "AVRAG § 3a", "AZG § 19c", "AZG § 19c Abs 2", "AZG § 19d Abs 2a", "AZG § 19d Abs 2b", "AZG § 26", "AZG § 26 Abs 2", "AZG § 26 Abs 4", "AZG § 26 Abs 8", "AZG § 26 Abs 9", "AZG § 28 Abs 1 Z 6", "MSchG § 3 Abs 6", "MSchG § 2a Abs 5", "MSchG § 15g", "VKG § 7a", "ASchG § 12", "ASchG § 2 Abs 3", "AÜG § 12"] tags: [informationspflichten, dienstzettel, arbeitszeit, mutterschutz, karenz, betriebsubergang, bestatigungen] cross_refs: ["lb-aug-01", "lb-ins-01", "lb-mip-03", "lb-msf-03", "lb-sch-07", "lb-zer-01"] --- # Informationspflichten gegenüber den Arbeitnehmern *Lexis Briefings Personalrecht, Sabara, Stand Juli 2026 (lb-mel-04).* ## Zusammenfassung - **Herkunft aus der Fürsorgepflicht:** Zahlreiche Informationspflichten folgen aus der allgemeinen Fürsorgepflicht (**§ 1157 ABGB, § 18 AngG**) — Schutz von Leben, Gesundheit, materiellen und immateriellen Interessen, Persönlichkeit, Sittlichkeit, Ehre und Vermögen. Auch vom Betrieb abwesende Arbeitnehmer (zB in Karenz) sind über wichtige Betriebsgeschehnisse zu informieren. - **Aufklärung bei der Einstellung:** Über nötige Befähigungen, Gefahren, Verdienst und Aufstiegsmöglichkeiten aufzuklären. Der Arbeitsvertrag kann mündlich geschlossen werden; ohne schriftlichen Vertrag ist zumindest ein **Dienstzettel** (schriftliche Aufzeichnung der wesentlichen Rechte und Pflichten) gem **§ 2 AVRAG** auszustellen. - **Information über unbefristete Stellen:** Befristet Beschäftigte sind gem **§ 2b Abs 2 AVRAG** über frei werdende unbefristete Stellen zu informieren; die allgemeine Bekanntgabe an einer geeigneten, leicht zugänglichen Stelle genügt. - **Arbeitszeitaufzeichnungen:** Der Arbeitgeber hat gem **§ 26 AZG** Aufzeichnungen über die geleisteten Arbeitsstunden zu führen. Führt der Arbeitnehmer die Aufzeichnungen (zB Gleitzeit), ist er zur ordnungsgemäßen Führung **anzuleiten** (§ 26 Abs 2 AZG); die Aufzeichnungen sind sich aushändigen zu lassen und zu kontrollieren; bei einem Zeiterfassungssystem besteht Anspruch auf **Abschrift oder Einsicht** nach Ende der Gleitzeitperiode. Per **Betriebsvereinbarung** (§ 26 Abs 4 AZG) können Arbeitnehmer mit weitgehend selbst bestimmter Lage der Arbeitszeit/ Heimarbeit auf reine Aufzeichnungen über die Dauer der Tagesarbeitszeit beschränkt werden. Einmal monatlich besteht Anspruch auf **kostenfreie Übermittlung** der Arbeitszeitaufzeichnungen nach verlangtem Nachweis (§ 26 Abs 8 AZG); wird die Übermittlung verwehrt oder ist die Feststellung mangels Aufzeichnungen unzumutbar, sind **Verfallsfristen gehemmt** (§ 26 Abs 9 AZG). - **Lage der Normalarbeitszeit:** Änderung der Lage durch den Arbeitgeber nur unter den Voraussetzungen des **§ 19c Abs 2 AZG** (sachliche Rechtfertigung, keine entgegenstehenden Interessen/Vereinbarung) und mit Mitteilung der Lage je Woche **mindestens zwei Wochen im Vorhinein**. - **Teilzeit-Information:** Teilzeitbeschäftigte sind gem **§ 19d Abs 2a AZG** über die Ausschreibung frei werdender/neuer Arbeitsplätze mit höherem Arbeitszeitausmaß zu informieren (jede Form interner/externer Bekanntmachung an mehr als eine Person; auch elektronisch/telekommunikativ zulässig). Für Verstöße droht neben der Strafsanktion des **§ 28 Abs 1 Z 6 AZG** (**€ 20 bis € 436**) ein **pauschalierter Schadenersatzanspruch iHv € 100** (§ 19d Abs 2b AZG). - **Schwangerschaft:** Unverzüglich nach Kenntnis (nach Vorlage ärztlicher Bescheinigung) ist das zuständige **Arbeitsinspektorat schriftlich** zu verständigen; eine **Kopie der Meldung ist der Arbeitnehmerin** auszufolgen (§ 3 Abs 6 MSchG). Die **Evaluierung** der Gefahren für werdende und stillende Mütter ist schriftlich festzuhalten; über Ergebnisse und Maßnahmen sind Arbeitnehmer, Betriebsrat oder Sicherheitsvertrauenspersonen zu unterrichten (§ 2a Abs 5 MSchG). Während der **Karenz** sind Arbeitnehmer über wichtige Betriebsgeschehnisse zu informieren — insb Insolvenzverfahren, Umstrukturierungen, Weiterbildungsmaßnahmen (**§ 15g MSchG, § 7a VKG**). - **Arbeitnehmerschutz:** Nach **§ 12 ASchG** sind Arbeitgeber verpflichtet, für ausreichende Information über Gefahren für Sicherheit und Gesundheit und über Maßnahmen zur Gefahrenverhetung zu sorgen — vor Aufnahme der Tätigkeit, regelmäßig wiederholt (bei Änderungen, neuen Erkenntnissen) und in **verständlicher Form/Muttersprache**; bei unmittelbarer erheblicher Gefahr unverzüglich. Die Einzelinformation kann entfallen, wenn Sicherheitsvertrauenspersonen/Belegschaftsorgane informiert wurden und das zur Gefahrenverhütung ausreicht. Bei **Telearbeit (Homeoffice)** gilt die Privatwohnung als auswärtige Arbeitsstelle (§ 2 Abs 3 letzter Satz ASchG): Arbeitsplatzevaluierung, Information/Unterweisung und Präventivdienstbetreuung gelten auch dort; arbeitsstättenbezogene Vorschriften nicht (Themen wie Belichtung/Raumtemperatur gleichwohl in der Evaluierung zu beachten). - **Betriebsübergang:** Ohne Betriebsrat müssen Veräußerer oder Erwerber die betroffenen Arbeitnehmer gem **§ 3a AVRAG im Vorhinein schriftlich** informieren über (1) den (geplanten) Zeitpunkt, (2) den Grund, (3) die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen und (4) die in Aussicht genommenen Maßnahmen. - **Arbeitskräfteüberlassung:** Der Überlasser muss der Arbeitskraft gem **§ 12 AÜG** vor jeder Beschäftigung in einem anderen Betrieb die wesentlichen Umstände (Beschäftiger, voraussichtliche Arbeitszeit im Beschäftigerbetrieb, gebührendes Entgelt) mitteilen und **ehestmöglich schriftlich bestätigen**; bei Endigung der Gewerbeberechtigung ist jede überlassene Arbeitskraft und jeder Beschäftiger nachweislich schriftlich zu informieren; grenzüberschreitend überlassene Arbeitskräfte sind vom Beschäftiger über die maßgeblichen Beschäftigungsumstände nachweislich zu informieren. - **Bestätigungen zur Vorlage:** Praktisch wichtige AG-Bestätigungen — Arbeits- und **Entgeltbestätigung für Wochengeld bzw Krankengeld** (ELDA bzw Lohnverrechnungssoftware), Karenz-Bestätigungen („keine Karenz" bzw „von – bis") für den anderen Elternteil, Bestätigung über den (Nicht-)Bezug bzw die Höhe des **Zuschusses zu Kinderbetreuungskosten**, Beschäftigungs- und Bezügebestätigungen für Ämter/Banken. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Dienstzettel | bei fehlendem schriftlichen Arbeitsvertrag jedenfalls auszustellen (§ 2 AVRAG) (Stand 2026-07) ✅ | | Info unbefristete Stellen | § 2b Abs 2 AVRAG; allgemeine Bekanntgabe an geeigneter, leicht zugänglicher Stelle genügt (Stand 2026-07) ✅ | | AZ-Aufzeichnungen | § 26 AZG (AG-Aufzeichnungspflicht); Anleitung des AN bei selbst geführten Aufzeichnungen (§ 26 Abs 2 AZG); BV-Option § 26 Abs 4 AZG (Stand 2026-07) ✅ | | Kostenfreie Übermittlung | einmal **monatlich** nach verlangtem Nachweis (§ 26 Abs 8 AZG); bei Verweigerung/mangelnden Aufzeichnungen **Hemmung der Verfallsfristen** (§ 26 Abs 9 AZG) (Stand 2026-07) ✅ | | Lage der Normalarbeitszeit | Änderung nur nach § 19c Abs 2 AZG; Mitteilung je Woche mindestens **2 Wochen im Vorhinein** (Stand 2026-07) ✅ | | Teilzeit-Info | § 19d Abs 2a AZG; Strafe **€ 20 bis € 436** (§ 28 Abs 1 Z 6 AZG); pauschalierter Schadenersatz **€ 100** (§ 19d Abs 2b AZG) (Stand 2026-07) ✅ | | Schwangerschaftsmeldung | unverzüglich nach Kenntnis + ärztlicher Bescheinigung schriftlich ans Arbeitsinspektorat; Kopie an die Arbeitnehmerin (§ 3 Abs 6 MSchG) (Stand 2026-07) ✅ | | Evaluierung MSchG | schriftliche Festhaltung der Ergebnisse und Maßnahmen; Unterrichtung AN/BR/SVP (§ 2a Abs 5 MSchG) (Stand 2026-07) ✅ | | Karenz-Information | über wichtige Betriebsgeschehnisse, insb Insolvenzverfahren, Umstrukturierungen, Weiterbildungsmaßnahmen (§ 15g MSchG, § 7a VKG) (Stand 2026-07) ✅ | | ASchG-Information | vor Aufnahme der Tätigkeit, regelmäßig wiederholt; verständliche Form, Muttersprache; Entfall der Einzelinformation bei informierten SVP/Belegschaftsorganen (§ 12 ASchG) (Stand 2026-07) ✅ | | Telearbeit | Privatwohnung = auswärtige Arbeitsstelle (§ 2 Abs 3 letzter Satz ASchG); Evaluierung/Information/Präventivdienst gelten, arbeitsstättenbezogene Vorschriften nicht (Stand 2026-07) ✅ | | Betriebsübergang | schriftliche Information im Vorhinein ohne BR; 4 Inhalte lt § 3a AVRAG (Stand 2026-07) ✅ | | AÜG-Mitteilung | vor jeder Beschäftigung in anderem Betrieb; ehestmögliche schriftliche Bestätigung (§ 12 AÜG) (Stand 2026-07) ✅ | ## Rechtsgrundlagen - **§ 1157 ABGB, § 18 AngG** (Fürsorgepflicht als Ansatzpunkt) — zitiert ✅ - **§ 2 AVRAG** (Dienstzettel), **§ 2b Abs 2 AVRAG** (Info unbefristete Stellen), **§ 3a AVRAG** (Betriebsübergang) — zitiert ✅ - **§ 26 AZG** samt **Abs 2, Abs 4, Abs 8, Abs 9** (Aufzeichnungen, Anleitung, BV-Option, kostenfreie Übermittlung, Fristenhemmung) — zitiert ✅ - **§ 19c Abs 2 AZG** (Lage der Normalarbeitszeit; 2-Wochen-Mitteilung) und **§ 19d Abs 2a/2b AZG** samt **§ 28 Abs 1 Z 6 AZG** (Teilzeit-Info, Strafe, pauschalierter Schadenersatz) — zitiert ✅ - **§ 3 Abs 6 MSchG** (Meldepflicht Arbeitsinspektion), **§ 2a Abs 5 MSchG** (Evaluierung/Unterrichtung), **§ 15g MSchG** und **§ 7a VKG** (Karenz-Information) — zitiert ✅ - **§ 12 ASchG** (Information über Gefahren und Schutzmaßnahmen), **§ 2 Abs 3 ASchG** (Telearbeit als auswärtige Arbeitsstelle) — zitiert ✅ - **§ 12 AÜG** (Mitteilungspflichten des Überlassers) — zitiert ✅ ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Dienstzettel-Automatik:** AVRAG-Pflichtangaben (u.a. nach § 2 AVRAG) aus `hr.contract` generieren und versioniert archivieren; Änderungen (Versetzung, Entgelt) lösen neue Dienstzettel-/Änderungsmitteilungen aus (Hinweis). - **Arbeitszeit-Kommunikation:** Work Entries/Zeiterfassungssysteme so konfigurieren, dass Mitarbeiter monatlich kostenfrei ihre Arbeitszeitaufzeichnungen exportieren können (§ 26 Abs 8 AZG); Hemmlage der Verfallsfristen (§ 26 Abs 9 AZG) als Warnhinweis im Verfallungs-Report. - **Schichtplanung:** 2-Wochen-Vorankündigung der Lage der Normalarbeitszeit (§ 19c Abs 2 AZG) als Validierungs-/Warnfrist im Planungsworkflow (hr planning/Work Entries). - **Teilzeit-Ausschreibungen:** interne Stellenausschreibungen mit höherem Arbeitszeitausmaß an alle Teilzeitbeschäftigten kommunizieren (§ 19d Abs 2a AZG); €-100-Pauschale als bekanntes Schadenersatzrisiko dokumentieren. - **Wochengeld-/Krankengeld-Bestätigungen:** ELDA-Formulare (Arbeits- und Entgeltbestätigung) über die Lohnverrechnungssoftware bzw Odoo-Anbindung (Meldewesen-Exporte) aus den Abrechnungsdaten speisen — Karenz-/Kinderbetreuungs-Zuschuss-Bestätigungen ebenfalls aus dem Datenbestand (→ lb-msf-03). - **Mutterschutzprozess:** Schwangerschaftsmeldung (§ 3 Abs 6 MSchG) und Gefahren-Evaluierung (§ 2a Abs 5 MSchG) als HR-Prozess mit Fristen-/Doku- Schritten abbilden (→ lb-sch-07); Telearbeit im ASchG-Kontext führt keine eigenen Abrechnungsparameter. ## Verweise - **KB-intern:** lb-aug-01 (Arbeitskräfteüberlassung — Aufgaben von Überlasser und Beschäftiger, § 12 AÜG) · lb-ins-01 (Begriff des Betriebsübergangs, § 3a AVRAG-Kontext) · lb-mip-03 (Arbeitszeit — Auskunftspflichten des Arbeitgebers) · lb-msf-03 (Wochengeld — Entgeltbestätigung ELDA) · lb-sch-07 (Schwangerschaft — Meldepflichten Arbeitnehmerin und Arbeitgeber) · lb-zer-01 (Arbeitszeit — Aufzeichnungspflicht, § 26 AZG) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (AVRAG/AZG/MSchG-Umfeld der Personalverrechnung) - *Hinweis:* Der Quellverweis „Aufzeichnungspflicht, Formen und Möglichkeiten" (Querverweis der Quelle) ist über lb-zer-01/lb-zer-02 abgedeckt.