--- id: lb-elt-05 batch: 7 title: "Elternteilzeit - Kündigungs- und Entlassungsschutz" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Schwangerschaft & Elternkarenz" topic: elternteilzeit author: "Sabara" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_elternteilzeit_kundigungs_und_entlassungsschutz.pdf" text: ".lexis360/md/elternteilzeit_kundigungs_und_entlassungsschutz.md" legal_bases: ["MSchG § 10", "MSchG § 12", "MSchG § 15n", "VKG § 7", "VKG § 8f", "ArbVG § 105", "GlBG § 3"] tags: [elternteilzeit, kundigungsschutz, motivkundigungsschutz, gerichtliche-zustimmung, kundigungsentschadigung, rueckkehrrecht] cross_refs: ["lb-elt-02", "lb-elt-06", "lb-kar-05", "lb-kar-06", "lb-sch-06", "lb-glb-02", "lb-glb-07", "lb-mob-01"] --- # Elternteilzeit – Kündigungs- und Entlassungsschutz *Lexis Briefings Personalrecht, Sabara, Stand Juli 2026 (lb-elt-05).* ## Zusammenfassung - **Absolute Schutzfrist bis zum 4. Geburtstag:** Bis zum Ablauf des **vierten Lebensjahres** des Kindes besteht bei Bekanntgabe des Elternteilzeitwunsches **ab 1. 11. 2023** — ebenso wie bei Bekanntgabe bis 31. 10. 2023 — ein **absoluter Kündigungs- und Entlassungsschutz** (Rechtsanspruch und vereinbarte Elternteilzeit). Kündigung/Entlassung nur mit **vorheriger Zustimmung des Gerichts** aus den Gründen wie bei Schwangerschaft/Karenz (§ 10, § 12 MSchG, § 7 Abs 3 VKG): bis zum 1. Geburtstag nur Betriebseinschränkung/-stilllegung oder Einverständnis; danach auch personenbezogene/betriebliche Gründe bei Unzumutbarkeit (Standortschließung: 9 ObA 91/23g). - **Danach Motivkündigungsschutz** (§ 15n MSchG, § 8f VKG): Bei Bekanntgabe ab 1. 11. 2023 für **beide** Varianten (bis 31. 10. 2023 nur beim Rechtsanspruch). Anfechtung einer Kündigung, die wegen der beabsichtigten oder tatsächlich in Anspruch genommenen Elternteilzeit (auch reiner Lageänderung) ausgesprochen wurde; Maßstab § 105 Abs 5 ArbVG (Abweisung, wenn ein anderes Motiv überwiegend wahrscheinlich); der Arbeitnehmer muss das verpönte Motiv **glaubhaft machen**. Keine gesetzliche Klagefrist — wohl Fristen nach § 105 Abs 4 ArbVG ⚠. Begründungspflicht: Auf schriftliches Verlangen (binnen **5 Kalendertagen** ab Kündigungszugang) muss der Arbeitgeber die Begründung binnen **5 Kalendertagen** ausstellen; Unterlassen ist für die Wirksamkeit der Beendigung **ohne Belang**. - **Beginn des Schutzes:** grundsätzlich mit der **Bekanntgabe**, frühestens **vier Monate vor dem beabsichtigten Antritt** (9 ObA 9/24z); auch wenn die Dreijahres-Dienstzeit erst zum Antrittszeitpunkt erfüllt ist (8 ObA 68/15f). Eine bloße Absichtsbekundung ohne Eckpunkte begründet noch keinen Schutz (9 ObA 92/22b). - **Dauer:** bis **vier Wochen nach Ende der Elternteilzeit**, längstens bis vier Wochen nach Ablauf des vierten Lebensjahres; der Schutz gilt auch während des gesamten gerichtlichen und außergerichtlichen Verfahrens (8 ObA 1/16d) — Kündigung/Entlassung ohne Gericht also erst ab dem **29. Tag** nach Ende der Teilzeit, nach Verfahrensende oder nach endgültig gescheiterten Verhandlungen ohne Klage. - **Rechtsfolgen unwirksamer Beendigung:** Wahlrecht zwischen Fortbestehen des Dienstverhältnisses und Geltenlassen der Kündigung/Entlassung samt Ersatzansprüchen; die **Kündigungsentschädigung** umfasst den Zeitraum bis vier Wochen nach Ende der Elternteilzeit **plus anschließender Kündigungsfrist und -termin**. - **Recht auf Rückkehr auf den bisherigen Arbeitsplatz:** Der Gesetzgeber hat bewusst zugunsten Teilzeitbeschäftigter entschieden — die gerichtliche Kündigungszustimmung kann nicht damit begründet werden, dass eine Ersatzkraft sich in der Position bewährt hat; Ausnahmen für „höhere Positionen" gibt es nicht (9 ObA 50/14i). Die Versetzung einer Rückkehrerin in eine niedrigere, früher ausgeübte Stelle wegen Karenz + Elternteilzeit ist eine Diskriminierung wegen Geschlechts bei den sonstigen Arbeitsbedingungen (§ 3 Z 6 GlBG; OLG Wien). - **Weitere Erwerbstätigkeit:** Nimmt der Arbeitnehmer während der Elternteilzeit ohne Zustimmung des Arbeitgebers eine weitere Erwerbstätigkeit auf, kann der Arbeitgeber **binnen 8 Wochen ab Kenntnis** ohne Gerichtszustimmung kündigen (§ 15n Abs 3 MSchG, § 8f Abs 3 VKG); danach wieder Zustimmungserfordernis. Einvernehmliche Lösung (schriftlich) und Arbeitnehmerkündigung sind jederzeit möglich. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Frist | Detail | |---|---| | Absoluter Schutz | bis Ablauf **4. Lebensjahr** (Bekanntgabe ab 1. 11. 2023: Rechtsanspruch **und** Vereinbarung) | | Schutzbeginn | mit Bekanntgabe, frühestens **4 Monate vor Antritt** | | Schutzende | **4 Wochen** nach ETZ-Ende, längstens 4 Wochen nach dem 4. Geburtstag; während laufendem Verfahren | | Frühester Kündigungstermin | **29. Tag** nach ETZ-Ende / Verfahrensende / Scheitern der Verhandlungen | | Motivkündigung | § 105 Abs 5 ArbVG-Maßstab; Glaubhaftmachung durch AN; Klagefrist ⚠ wohl § 105 Abs 4 ArbVG | | Begründungspflicht | Verlangen binnen **5 Kalendertagen** ab Kündigung, Ausstellung binnen **5 Kalendertagen** (für Wirksamkeit ohne Belang) | | Nebenberuf-Kündigung | **8 Wochen** ab Kenntnis, ohne Gerichtszustimmung (§ 15n Abs 3 MSchG, § 8f Abs 3 VKG) | | Kündigungsentschädigung | bis 4 Wochen nach ETZ-Ende + Kündigungsfrist/-termin | ## Rechtsgrundlagen - **§ 15n MSchG / § 8f VKG** — absoluter Schutz, Motivkündigungsschutz, 8-Wochen-Ausnahme (Abs 3); §§ **10, 12 MSchG / § 7 Abs 3 VKG** — Zustimmungsgründe wie bei Schwangerschaft/Karenz. - **§ 105 Abs 4 und 5 ArbVG** — Motivanfechtung; **§ 3 Z 6 GlBG** — Diskriminierung bei sonstigen Arbeitsbedingungen (Versetzung). - Rsp: 9 ObA 9/24z (Schutzbeginn), 8 ObA 68/15f (Dreijahresstichtag), 9 ObA 92/22b (keine bloße Absicht), 8 ObA 1/16d (Verfahrensschutz), 9 ObA 50/14i (Rückkehrrecht), 9 ObA 91/23g (Standortschließung), 8 ObA 55/21b (Nebenbeschäftigung). ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Schutzfenster als Kalender-Constraints:** Beendigungssperre von der Bekanntgabe (bzw. 4 Monate vor Antritt) bis ETZ-Ende + 28 Tage, längstens 4. Geburtstag + 28 Tage; Verfahrensphasen verlängern die Sperre (Statusfeld „Verfahren anhängig"). Kündigungen frühestens am 29. Tag — Validierung im Beendigungs-Workflow. - **Kündigungsentschädigungsformel** (bis 4 Wochen nach ETZ-Ende + Frist/Termin) als eigene Endabrechnungsregel neben der normalen Kündigungszeit-Abrechnung. - **Motivkündigung/Begründungspflicht** sind Dokumentations- und Aufgabenobjekte (5-Kalendertage-Fristen), keine harten Abrechnungsregeln; Diskriminierungsanfechtungen laufen außersystemisch. - **Rückkehr-Anspruch:** ETZ-Ende terminiert die Rückkehr auf das alte Ausmaß (und die alte Position) — Positionskonflikte mit Ersatzkräften sind HR-, nicht Abrechnungsthema. - **Nebenbeschäftigung (8-Wochen-Fenster)** am ETZ-Objekt als Hinweis für die Personalverwaltung vermerken (Anknüpfung an die Nebentätigkeits-Workflows). ## Verweise - **KB-intern:** lb-elt-02 (Anspruch/Vereinbarung) · lb-elt-06 (Nichteinigungsverfahren; Schutz während des Verfahrens) · lb-kar-05 (Parallelschutz Karenz, § 10/§ 12 MSchG) · lb-kar-06 (Kündigungsfenster nach Karenzverlängerung; Neubeginn durch ETZ-Antrag) · lb-sch-06 (Kündigung/Entlassung während Schwangerschaft) · lb-glb-02 (Diskriminierung) · lb-glb-07 (Rechtsfolgen des Gleichbehandlungsverstoßes) · lb-mob-01 (Beendigungskonstellationen/Fürsorgepflicht) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; GemBG-Schiene: Kündigungen von Gemeindebediensteten nach GemBG IV. Hauptstück (§ 127) — § 15n MSchG greift dort nicht (`personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Bgld.md`). - *Hinweis:* Quellenverweise auf Muster (Zusatzklausel) und Literatur (Armbruster, ARD 6971/4/2025; Wagner-Steinrigl, ARD 6955/4/2025) — nicht KB-Bestand.