--- id: lb-pfa-08 batch: 4 title: "Lohnpfändung - Ende Dienstverhältnis, Karenz, Betriebsübergang" work: "Lexis Briefings Personalrecht" chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung" topic: lohnpfandung author: "Kraft" stand: 2026-07 source: pdf: ".lexis360/Lexis360_lohnpfandung_ende_dienstverhaltnis_karenz_betriebs.pdf" text: ".lexis360/md/lohnpfandung_ende_dienstverhaltnis_karenz_betriebs.md" legal_bases: ["EO § 299 Abs 1", "EO § 299 Abs 2", "EO § 299 Abs 4", "EO § 301 Abs 4", "AbgEO § 68 Abs 1", "AbgEO § 70 Abs 3"] tags: [lohnpfandung, bezugsende, wiederaufleben, karenz, betriebsubergang, verstandigungspflicht] cross_refs: ["lb-pfa-03", "lb-pfa-04", "lb-pfa-10", "lb-pfa-13"] --- # Lohnpfändung – Ende Dienstverhältnis, Karenz, Betriebsübergang *Lexis Briefings Personalrecht, Kraft, Stand Juli 2026 (lb-pfa-08).* ## Zusammenfassung - **Verständigung vom Bezugsende:** Endet das Dienstverhältnis eines gepfändeten Schuldners, hat der Dienstgeber **alle gerichtlichen Exekutionsgläubiger sowie die abgaben- und verwaltungsbehördlichen Pfändungsstellen — unabhängig vom Rang** — innerhalb der **ersten Woche des übernächsten Kalendermonats** (Einleitung: „bis zum 7. des übernächsten Monats") zu verständigen (§ 301 Abs 4 EO; § 70 Abs 3 AbgEO). Das Exekutionsgericht oder ein Verwalter sind nicht zu verständigen; Gläubiger mit bloßen **privatrechtlichen Sicherungsansprüchen** (Verpfändung, Gehaltsabtretung) ebensowenicht. Formular: „Verständigung vom Bezugsende" (justizonline). - **Haftung:** Bei Verletzung der Verständigungspflicht haftet der Dienstgeber für entstandene Gläubigerschäden, insgesamt beschränkt auf **€ 1.000,–** (§ 301 Abs 4 EO). - **Wiederaufleben bei Wiedereintritt:** Tritt der ausgeschiedene Schuldner **binnen 12 Monaten** (ab arbeitsrechtlichem Austritt) wieder beim selben Drittschuldner ein, leben die im früheren Dienstverhältnis begründeten **gerichtlichen, abgabenbehördlichen und verwaltungsbehördlichen** Pfändungen **im früheren Rang** auf (§ 299 Abs 1 EO; § 68 Abs 1 AbgEO). Dauert die Unterbrechung länger, müssen die Gläubiger neuerlich pfänden (gerichtliche Exekution beantragen bzw. neuerlichen Pfändungsbescheid erlassen); der Rang richtet sich dann nach dem neuen Einlangen. - **Vertragliche Verpfändungen/Zessionen:** kein Wiederaufleben — sie verlieren mit dem DV-Ende grundsätzlich ihre Wirkung und sind zu löschen; die Verpfändung erhält erst nach neuerlicher Verständigung eine Vormerkung (Rang nach deren Einlangen), die **Abtretung erhält hingegen ihren ursprünglichen Rang** wieder (→ lb-pfa-13). - **Karenzierung/Ruhendstellung** (Wochenhilfe, Elternkarenz, unbezahlter Urlaub, Präsenzdienst etc.): Die Einjahresfrist gilt **nicht**, weil das Dienstverhältnis dem Grunde nach aufrecht bleibt (Bezug € 0,–). Bestehende Lohnpfändungen bleiben **zeitlich unbeschränkt aufrecht** („ewiges Pfandrecht"); während der Karenz einlangende Pfändungen sind grundsätzlich wirksam. - **Arbeitgeberwechsel:** kein „Rucksackprinzip" — Pfändungen erstrecken sich nicht auf Bezüge nach einem Dienstgeberwechsel (§ 299 Abs 2 EO), auch nicht innerhalb desselben Konzerns; Gläubiger müssen beim neuen Dienstgeber neuerlich pfänden (Rang nach Einlangen). Ausnahme nur bei **nachweisbarem Missbrauch** (Wechsel allein zur Pfändungsvereitelung). - **Betriebsübergang/Gesamtrechtsnachfolge:** Bestehende Lohnpfändungen **gehen über** (§ 299 Abs 4 EO). Beim **Konzernwechsel** kann der bisherige Drittschuldner das Zahlungsverbot **auf Gefahr des betreibenden Gläubigers** an das andere Konzernunternehmen weiterleiten (mit Verständigungspflicht an den Gläubiger); ab der Weiterleitung hat der neue Dienstgeber das Zahlungsverbot zu beachten. Bei Unklarheit: **Feststellungsbeschluss** des Exekutionsgerichts; bis zur Klärung kann der neue Dienstgeber die pfändbaren Bezüge einbehalten. ## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07) | Wert / Regel | Detail | |---|---| | Verständigung vom Bezugsende | innerhalb der **ersten Woche des übernächsten Kalendermonats** (Einleitung: bis zum 7.) an alle gerichtlichen Exekutionsgläubiger und Abgaben-/Verwaltungspfändungsstellen, unabhängig vom Rang (§ 301 Abs 4 EO, § 70 Abs 3 AbgEO — ✅ zitiert) (Stand 2026-07) | | Haftungsobergrenze | **€ 1.000,–** gesamt bei Verletzung der Verständigungspflicht (§ 301 Abs 4 EO) (Stand 2026-07) | | Wiederaufleben | bei Wiedereintritt **binnen 12 Monaten** ab arbeitsrechtlichem Austritt, im früheren Rang (§ 299 Abs 1 EO, § 68 Abs 1 AbgEO) (Stand 2026-07) | | Karenz/Ruhendstellung | Einjahresfrist unanwendbar; Pfändungen bleiben **unbeschränkt** aufrecht („ewiges Pfandrecht"); Bezug € 0,– (Stand 2026-07) | | Arbeitgeberwechsel | **kein** Rucksackprinzip (§ 299 Abs 2 EO); neue Pfändung nötig, Rang nach neuem Einlangen; Ausnahme: nachweisbarer Missbrauch (Stand 2026-07) | | Betriebsübergang | Pfändungen **gehen über** (§ 299 Abs 4 EO); Konzernweiterleitung des Zahlungsverbots auf Gefahr des Gläubigers möglich (Stand 2026-07) | ## Rechtsgrundlagen - **§ 301 Abs 4 EO** (Verständigungspflicht, Haftung € 1.000,–) und **§ 70 Abs 3 AbgEO** — ✅ zitiert. - **§ 299 Abs 1 EO** mit **§ 68 Abs 1 AbgEO** (Wiederaufleben binnen 12 Monaten), **§ 299 Abs 2 EO** (Dienstgeberwechsel), **§ 299 Abs 4 EO** (Betriebsübergang) — ✅ zitiert. ## Payroll-Relevanz (Odoo) - **Beendigungsevent im Kalender/Work-Entry-Kontext:** DV-Ende löst die Verständigungspflicht aus → Aufgabe mit Frist „erste Woche des übernächsten Monats" je aktiver Pfändungsvormerkung; Pfändungen werden nicht automatisch gelöscht, sondern nach Vormerkung weitergeführt (Wiederaufleben binnen 12 Monaten!). - **Rehire-Logik:** Bei Wiedereinstellung desselben Mitarbeiters binnen 12 Monaten alte Pfändungen im früheren Rang reaktivieren — Ranghistorie je Employee persistieren. - **Karenzstatus:** Pfändungsvormerkungen über Karenz/Präsenzdienst hinausführen („ewiges Pfandrecht", kein Automatik-Ablaufdatum). - **Übertragungsszenarien:** Betriebsübergang übernimmt die Pfändungsvormerkungen mit; Arbeitgeberwechsel (auch konzernintern) übernimmt sie grundsätzlich nicht — nur bei dokumentierter Weiterleitung des Zahlungsverbots. - **Endabrechnung:** einmalige Beendigungsansprüche werden im eigenen Pfändungstopf verrechnet (→ lb-pfa-03). ## Verweise - **KB-intern:** lb-pfa-03 (Beendigungsansprüche) · lb-pfa-04 (Begriff und Arten) · lb-pfa-10 (Ranganmerkung) · lb-pfa-13 (Sonderformen: Verpfändung/Zession bei DV-Ende) - **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`; für Bgld.-Gemeinden `RECHTSQUELLEN-Bgld.md` (Betriebs(teil)übergänge im Gemeindeverbund beachten). - *Hinweis:* Export-Footer („Page n", „Erstellt von …") ignoriert.