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| lb-grz-02 | 7 | Auslandstätigkeit - anzuwendendes Arbeitsrecht | Lexis Briefings Personalrecht | Außerhalb des Betriebsstandortes | entsendung | Sabara/David | 2026-08 |
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Auslandstätigkeit – anzuwendendes Arbeitsrecht
Lexis Briefings Personalrecht, Sabara/David, Stand August 2026 (lb-grz-02).
Zusammenfassung
- Grundlagenpapier des Entsende-Clusters: Welches materielle Arbeitsrecht bei Auslandstätigkeit gilt, hängt davon ab, ob der Arbeitnehmer in einem EU-/EWR-Mitgliedstaat oder einem Drittstaat tätig wird. In der EU: Kollisionsrecht (EVÜ bzw. Rom I-Verordnung) + EU-Entsenderichtlinie; in Drittstaaten: Internationales Privatrechtsgesetz (IPRG, v. a. § 35).
- Zeitliche Schichtung: EVÜ für Arbeitsverträge vom 1. 12. 1998 bis 16. 12. 2009; VO (EG) 593/2008 (Rom I-VO) für ab dem 17. 12. 2009 abgeschlossene Verträge (davor: IPRG). Vorvertragliche Ansprüche (culpa in contrahendo, zB Diskriminierungen) können unter die Rom II-VO (VO (EG) 864/2007) fallen.
- Freie Rechtswahl: Die Parteien können zwischen dem Recht des Tätigkeitsstaats und des Entsendestaats wählen. Grenzen: (1) öffentlich-rechtliche Normen (zB AZG, ASchG) sind nicht rechtswahlfähig; (2) Günstigkeitsvergleich — der Schutz zwingender Bestimmungen des ohne Wahl anwendbaren Rechts (Urlaub, KV-Mindestentgelt, Kündigungsfristen) darf nicht entzogen werden; (3) liegen alle Sachverhaltselemente in einem Staat, ist eine Rechtswahl nicht möglich. Praxistipp des Quelltexts: Rechtswahl schriftlich im Vertrag festhalten.
- Ohne Rechtswahl gilt das Recht des gewöhnlichen Arbeitsorts — dieser wechselt bei vorübergehender Entsendung nicht (Art 8 Abs 1/2 Rom I-VO); subsidiär: Niederlassung, die den AN eingestellt hat (Art 8 Abs 3); bei offensichtlich engerer Verbindung eines anderen Staats: dessen Recht (Art 8 Abs 4).
- Eingriffsnormen: Prozesuales Recht folgt der lex fori; zwingende Schutzgesetze (zB ArbVG §§ 105 ff) gelten nach dem Beschäftigungsort (Territorialitätsprinzip) — §§ 105 ff ArbVG brauchen einen in Österreich gelegenen Betrieb, nicht nur österreichisches Arbeitsrecht.
- EU-Entsenderichtlinie (RL 96/71/EG idgF RL (EU) 2018/957): gilt bei aufrechtem Arbeitsverhältnis für Werkvertragsentsendungen, konzerninterne Entsendungen und Arbeitskräfteüberlassung (Leiharbeit als Unternehmensgegenstand). Sie sichert zwingende Mindeststandards des Tätigkeitsstaats (Arbeitszeit, Urlaub, Mindestentgelt, Gesundheitsschutz, Überlassungsbedingungen u. a.) gegen „Sozialdumping". Umsetzung in Österreich: v. a. LSD-BG (BGBl I 174/2021) → lb-grz-01, lb-lsd-02.
- Drittstaaten: IPRG-Grundsatz der stärksten Beziehung; Rechtswahl unter Beachtung der nationalen Kollisionsnormen möglich; zusätzlich Arbeitsrecht des Tätigkeitsstaats prüfen.
Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08)
| Regel | Detail |
|---|---|
| EVÜ | Arbeitsverträge 1. 12. 1998 – 16. 12. 2009 (Stand 2026-08) |
| Rom I-VO (VO (EG) 593/2008) | Arbeitsverträge ab 17. 12. 2009; Art 3 (Rechtswahl), Art 8 (Arbeitsverträge) (Stand 2026-08) |
| Gewöhnlicher Arbeitsort | wechselt bei vorübergehender Auslandsentsendung nicht (Stand 2026-08) |
| Rechtswahlgrenze | Entzug zwingenden Schutzes unzulässig (Günstigkeitsvorbehalt); alle Elemente in einem Staat → keine Wahl möglich (Stand 2026-08) |
| Drittstaaten | § 35 IPRG, Grundsatz der stärksten Beziehung (Stand 2026-08) |
Rechtsgrundlagen
- EVÜ (für Verträge 1998–2009), Rom I-VO Art 3, Art 8 (Abs 1–4), Rom II-VO (vorvertragliche Ansprüche) — ✅ ausdrücklich zitiert.
- RL 96/71/EG (Entsenderichtlinie) idgF RL (EU) 2018/957 (Art 3: zwingende Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen) — ✅.
- IPRG (BGBl 304/1978), v. a. § 35 (Drittstaaten) — ✅.
- ArbVG §§ 105 ff als Eingriffsnorm-Beispiel (Betriebsübergangsschutz, Territorialität) — ✅; LSD-BG als Umsetzungsregel (BGBl I 174/2021).
- Judikatur des Quelltexts: OGH 8 ObA 34/14d = ARD 6450/6/2015 (fremdes Kündigungsschutzrecht anwendbar); 9 ObA 65/11s = ARD 6242/4/2012 (deutsches Betriebsverfassungsrecht in Ö nicht anwendbar); OLG Wien 10 Ra 57/24m = ARD 6954/9/2025; 9 ObA 94/24z = JBl 2025, 738.
Payroll-Relevanz (Odoo)
- Regime-Attribut „anzuwendendes Arbeitsrecht": Rechtswahl (Tätigkeits- vs. Entsendestaatsrecht) als Merkmal am Arbeitnehmer-/Einsatzdatensatz; steuert, welches arbeitsrechtliche Entgelt-/Urlaubsregime in der Abrechnung anzusetzen ist. Der Günstigkeitsvergleich erfordert die parallele Kenntnis beider Regime — Datenmodell-Hinweis, kein Odoo-Standard.
- Öffentlich-rechtliche Normen bleiben österreichisch, auch bei ausländischem Vertragsstatut — für SV/Arbeitszeit/ASchG ist die österreichische Engine unverändert heranzuziehen (→ lb-grz-03 ff.).
- Die sv-/lohnsteuerliche Seite folgt eigenen Kollisionsregeln (VO 883/2004, DBA) und darf nicht mit dem Arbeitsvertragsstatut gleichgesetzt werden — drei Regime getrennt konfigurierbar halten.
Verweise
- KB-intern: lb-grz-01 (Mindestansprüche/LSD-BG) · lb-grz-03 (SV EU/Schweiz) · lb-grz-07 (Besteuerung/DBA — eigene Kollisionsregeln) · lb-grz-08 (Standortverlegung — Arbeitsort) · lb-aug-02 (AÜG als Entsende-Sachverhalt der Richtlinie) · lb-lsd-02 (LSD-BG-Einführung als Umsetzung der Richtlinie)
- Projekt:
personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md.