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| lb-gsv-09 | 9 | Neue Selbstständige – Melde- und Beitragswesen | Lexis Briefings Personalrecht | Sozialversicherung | gsvg-fsvg | Mair | 2026-07 |
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Neue Selbstständige – Melde- und Beitragswesen
Lexis Briefings Personalrecht, Mair, Stand Juli 2026 (lb-gsv-09).
Zusammenfassung
- Begriff: „Neue Selbständige“ üben ihre unternehmerische Tätigkeit ohne Gewerbeberechtigung aus, sind daher keine Pflichtmitglieder der Wirtschaftskammer und nicht von vornherein als „Alte Selbständige“ nach § 2 Abs 1 Z 1 GSVG pflichtversichert — die Einbeziehung regelt § 2 Abs 1 Z 4 GSVG (der Begriff selbst ist ein Rechtspraxis-Arbeitsbegriff ohne Geszeswortlaut). Charakteristisch: das Erwerbseinkommen (nicht die Tätigkeit an sich) wird versichert.
- Voraussetzungen der Pflichtversicherung: (1) selbständige unternehmerische Erwerbstätigkeit ohne erforderliche Gewerbeberechtigung (auch wer die Berechtigung benötigen würde, aber nicht besitzt, kann erfasst sein); keine Pflicht zur persönlichen Leistungserbringung, freie Gestaltung von Art, Ort und Zeit; (2) betriebliche Tätigkeit — Zusammenfassung von menschlicher Arbeitskraft und sachlichen Produktionsmitteln zu einer organisatorischen Einheit (Abgrenzung zur privaten Tätigkeit; Beginn und Ende der betrieblichen Tätigkeit definieren schwergewichtig Beginn und Ende der Pflichtversicherung); (3) Einkünfte iSd § 22 Z 1 bis 3 und 5 und/oder § 23 EStG 1988 laut Einkommensteuerbescheid; (4) Überschreiten der Versicherungsgrenze (2026: € 6.613,20 kalenderjährlich, unverändert zum Vorjahr). Erfolgt die Einreihung nicht bereits als Dienstnehmer:in (§ 4 Abs 2 ASVG) oder dienstnehmerähnliche:r freie:r Dienstnehmer:in (§ 4 Abs 4 ASVG), zählen zB Aufsichtsratsmitglieder, Gutachter:innen, Künstler:innen, Musiker:innen, Sachverständige, Schriftsteller:innen, Vortragende dazu. Damit verbunden: Unfallversicherung nach dem ASVG (§ 8 Abs 1 Z 3 lit a, 2. Spiegelstrich).
- Beginn (§ 6 Abs 4 Z 1 GSVG): mit dem Tag der Aufnahme der betrieblichen Tätigkeit; zwei Varianten: (a) Überschreitungserklärung gegenüber der SVS (§ 2 Abs 1 Z 4 Satz 2 GSVG) — gilt bis zum Widerruf auch für Folgejahre; (b) nachträgliche Feststellung über den Einkommensteuerbescheid → rückwirkende Pflichtversicherung für das Kalenderjahr der Grenzüberschreitung. Unter der Grenze bleibt die Option des „Opting-in“ (freiwillige GSVG-Krankenversicherung + ASVG-UV, → lb-gsv-12).
- Ende: mit dem Letzten des Kalendermonats der Beendigung der betrieblichen Tätigkeit (§ 7 Abs 4 Z 1 GSVG) oder durch Erklärung gegenüber der SVS, künftig keine die Versicherungsgrenze übersteigenden Einkünfte mehr zu erzielen (§ 7 Abs 4 Z 3 GSVG — greift bei Begründung durch Überschreitungserklärung; Ende des Monats der Erklärung).
- Meldewesen: alle Meldungen zur Begründung, Durchführung und Beendigung der Pflichtversicherung hat die selbständig erwerbstätige Person selbst gegenüber der SVS zu erstatten (§ 18 Abs 1 GSVG).
- Beitragswesen: Beitragsgrundlage = relevante Einkünfte laut ESt-Bescheid (§ 25 Abs 1 GSVG); für das laufende Jahr vorläufig auf Basis der Einkünfte des drittvorangegangenen Kalenderjahres (§ 25a Abs 1 GSVG); Berechnung bis zur Höchstbeitragsgrundlage (2026: € 8.085 monatlich). Beitragssätze: Krankenversicherung 6,8 %, Pensionsversicherung 18,5 %; Unfallversicherung pauschal € 12,95 monatlich (2026). Vorschreibung quartalsweise mit Fälligkeit zum 28./29. 2., 31. 5., 31. 8. und 30. 11.
- Strafzuschlag: bei nachträglicher Feststellung 9,3 % auf die vorgeschriebenen Beiträge — vermeidbar durch Meldung binnen acht Wochen ab Ausstellung des ESt-Bescheids (§ 35 Abs 6 Z 2 GSVG).
Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Versicherungsgrenze | € 6.613,20 (2026), unverändert gegenüber 2025 (Stand 2026-07) ✅ |
| Höchstbeitragsgrundlage | € 8.085 monatlich (2026) (Stand 2026-07) ✅ — GSVG-eigene Grenze, nicht mit der DN-Höchstbeitragsgrundlage (2026: 6.930 € lt RECHTSQUELLEN-Privat.md) vermischen ⚠ |
| Beitragssatz KV (Versichertenanteil) | 6,8 % der Beitragsgrundlage (Stand 2026-07) ✅ |
| Beitragssatz PV (Versichertenanteil) | 18,5 % der Beitragsgrundlage (Stand 2026-07) ✅ |
| UV-Beitrag | € 12,95 pauschal monatlich (2026) (Stand 2026-07) ✅ — ⚠ 2025 laut lb-gsv-04 (Stand 2025-07): € 12,07 (Jahresfortschreibung) |
| Fälligkeit (quartalsweise) | 28./29. 2. · 31. 5. · 31. 8. · 30. 11. (Stand 2026-07) ✅ |
| Beginn der Pflichtversicherung | Tag der Aufnahme der betrieblichen Tätigkeit (§ 6 Abs 4 Z 1 GSVG); bei fristwidriger Meldung grds Beginn des Kalenderjahres der Grenzüberschreitung (vgl lb-gsv-11) ✅ |
| Ende der Pflichtversicherung | Letzter des Kalendermonats der Beendigung der betrieblichen Tätigkeit (§ 7 Abs 4 Z 1 GSVG) bzw der Erklärung künftiger Grenzunterschreitung (§ 7 Abs 4 Z 3 GSVG) ✅ |
| Überschreitungserklärung | freiwillige Erklärung, die Grenze zu überschreiten; gilt bis Widerruf auch für Folgejahre (§ 2 Abs 1 Z 4 Satz 2 GSVG) ✅ |
| Strafzuschlag | 9,3 % bei nachträglicher Feststellung; Vermeidung durch Meldung binnen 8 Wochen ab ESt-Bescheid-Ausstellung (§ 35 Abs 6 Z 2 GSVG) ✅ |
| Meldepflicht | alle Meldungen selbst gegenüber der SVS (§ 18 Abs 1 GSVG) ✅ |
| Opting-in | freiwillige KV im GSVG + UV im ASVG bei Einkünften unter der Grenze (Stand 2026-07; Detail → lb-gsv-12) ✅ |
Rechtsgrundlagen
- § 2 Abs 1 Z 4 GSVG (Pflichtversicherung; Satz 2 Überschreitungserklärung) — ausdrücklich zitiert ✅; § 2 Abs 1 Z 1 GSVG (Abgrenzung „Alte Selbständige“) — zitiert ✅
- § 6 Abs 4 Z 1 GSVG (Beginn), § 7 Abs 4 Z 1 und Z 3 GSVG (Ende), § 18 Abs 1 GSVG (Meldepflicht) — zitiert ✅
- § 25 Abs 1 GSVG und § 25a Abs 1 GSVG (Beitragsgrundlage, vorläufige Beitragsgrundlage) — zitiert ✅; § 35 Abs 6 Z 2 GSVG (Strafzuschlag/Meldung) — zitiert ✅
- § 4 Abs 2 und Abs 4 ASVG (DN bzw dienstnehmerähnliche freie Dienstnehmer:innen als Vorrang) und § 8 Abs 1 Z 3 lit a ASVG (UV) — zitiert ✅
- §§ 22 Z 1–3 und 5, 23 EStG 1988 (relevante Einkünfte) — zitiert ✅
Payroll-Relevanz (Odoo)
- Kein DN-Meldewesen: die Meldungen laufen direkt zwischen
Selbständigen und der SVS — das Odoo-Meldewesen (ÖGK/eSV,
An-/Ab-/Zwischenmeldung, → lb-bso-01 für DN-Abmeldungen) greift hier
nicht; kein
hr.payslip-Bezug, keine Work Entries. - Quartalsvorschreibung vs Monatsabrechnung: die SVS-Vorschreibung (quartalsweise, vorläufige Beitragsgrundlage aus dem drittvorangegangenen Jahr) hat keine Entsprechung in der monatlichen Odoo-Dienstnehmerverrechnung — bewusst nicht abbilden; Abgrenzungs-Know-how für Support-/Copilot-Fragen.
- Sätze strikt getrennt halten: KV 6,8 % / PV 18,5 % sind
GSVG-Versichertenanteile; DN-Sätze 2026 laut
RECHTSQUELLEN-Privat.md(KV 7,65 %: 3,87/3,78; PV 22,80 %: 10,25/12,55) sind andere Systematik — keine Übernahme inhr.rule.parameter⚠. - Abgrenzung als Datenqualität: Einreihung als „Neue:r Selbständige:r“ vs Dienstnehmer:in (§ 4 Abs 2/4 ASVG) entscheidet über die Existenz eines abzurechnenden Arbeitsvertrags überhaupt — im Odoo-Modell über Beschäftigungstyp/Vertragsanlage abzusichern, nicht über Berechnungsregeln.
Verweise
- KB-intern: lb-gsv-02 (Beitragsgrundlage im GSVG/FSVG — §§ 25/25a- Mechanik) · lb-gsv-04 (Beitragssätze und Vorschreibung SV-Beiträge — Grundmechanik; UV-Wert 2025) · lb-gsv-08 (Neue Selbstständige – Einkünfte über der Versicherungsgrenze) · lb-gsv-10 (Neue Selbstständige – Zusammentreffen von gewerblicher Pflichtversicherung und Neuer Selbstständigkeit) · lb-gsv-11 (Pflichtversicherte Personen nach dem GSVG/FSVG (Vollversicherung)) · lb-gsv-12 (Teilversicherte Personen nach dem GSVG/FSVG — Opting-in)
- Projekt:
personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md(SV-Rahmen; dort verifizierte DN-Beitragssätze und Höchstbeitragsgrundlage 2026 — GSVG-Versichertenanteile und GSVG-Höchstbeitragsgrundlage 8.085 € als Abweichung ⚠ dokumentiert). GemBG-Relevanz nicht gegeben.