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| lb-pvs-05 | 9 | Pensionsarten – Invaliditätspension | Lexis Briefings Personalrecht | Sozialversicherung | pension | Burger | 2026-07 |
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Pensionsarten – Invaliditätspension
Lexis Briefings Personalrecht, Burger, Stand Juli 2026 (lb-pvs-05).
Zusammenfassung
- Systematik der geminderten Arbeitsfähigkeit: Invaliditätspension = Pension invalider Arbeiter (§§ 253 ff ASVG), Berufsunfähigkeitspension = jene der Angestellten (§§ 270 ff ASVG), Erwerbsunfähigkeitspension = jene der Selbständigen (§§ 111 ff GSVG, §§ 102 ff BSVG) — derselbe Versicherungsfall, unterschiedliche Invaliditätsbegriffe. Abgrenzung zur Versehrtenrente (UV nur bei Arbeitsunfall/Berufskrankheit) und zum Krankengeld (Dauer). Altersunabhängig — auch ein 20-Jähriger kann Pensionist sein.
- Vier Voraussetzungen (§ 254 Abs 1 ASVG): Wartezeit · voraussichtlich dauerhafte Invalidität · berufliche Rehabilitationsmaßnahme unzweckmäßig/unzumutbar · kein Alterspensionsanspruch (ausgenommen Korridorpension und vorzeitige Alterspension bei langer Versicherungsdauer). Kein Altrecht/Neurecht-Splitting der Voraussetzungen — die Altrecht-/Neurecht-Grenze nennt die Quelle mit „1. 1. 1954", lb-pvs-02 (Stand 2026-07) mit „31. 12. 1954"/„1. 1. 1955" — ⚠ Grenzdatum widersprüchlich, RIS-Klärung offen.
- Wartezeit (§ 236 ASVG), altersabhängig: bis 27: mind. 6 Versicherungsmonate; 28–49: mind. 60 VM in den letzten 120 Kalendermonaten; ab 50: mind. 60 VM + 1 VM je Lebensmonat zwischen 50 und 60 (max 180 VM) in den letzten 120 Kalendermonaten + 2 Kalendermonate je Lebensmonat zwischen 50 und 60 (max 360 KM). Alternativ erfüllt bei mind. 180 Beitragsmonaten im gesamten Berufsleben (davon max 24 Monate Kindererziehung). Wartezeit entfällt bei Arbeitsunfall oder Berufskrankheit (§ 235 Abs 3 ASVG).
- Invaliditätsbegriff: (An)gelernte Arbeiter (§ 255 Abs 1 ASVG) genießen Berufsschutz — invalid, wenn die Arbeitsfähigkeit im erlernten/angelernten Beruf einschließlich der Verweisungsberufe auf weniger als die Hälfte eines Gesunden ähnlicher Ausbildung gesunken ist (Verweisungsberuf: ähnliche Ausbildung + gleichwertige Kenntnisse; Existenz in Österreich ab 100 Arbeitsplätzen österreichweit, Plätze müssen nicht frei sein). Ungelernte (§ 255 Abs 3 ASVG) ohne Berufsschutz: invalid erst, wenn durch keine zumutbare Tätigkeit am gesamten Arbeitsmarkt mehr die Hälfte des üblichen Entgelts erzielbar ist (Billigkeitsklausel wird restriktiv ausgelegt). Ungelernt ist, wer in den letzten 15 Jahren keine 90 Monate als (an)gelernter Arbeiter oder Angestellter arbeitete — Langzeitarbeitslose verlieren den Berufsschutz-Fristenstatus.
- Härtefallregelung 50+ (§ 255 Abs 3a ASVG): invalid auch bei Vollendung des 50. Lebensjahres, mind. zwölf Monaten Arbeitslosigkeit vor dem Stichtag, mind. 360 Versicherungsmonaten (davon mind. 240 Beitragsmonate), nur mehr Tätigkeiten mit geringstem Anforderungsprofil (durchschnittlicher Zeitdruck, überwiegend sitzend) und voraussichtlich kein Arbeitsplatz binnen eines Jahres.
- Tätigkeitsschutz 60+ (§ 255 Abs 4 ASVG): invalid, wenn eine Tätigkeit aus den letzten 15 Jahren (mind. 10 Jahre) gesundheitsbedingt nicht mehr ausübbar ist (Beispiel der Quelle: Metall-/Baubranche Trage- und Hebeleistungen — Kernbereich der Tätigkeit); zumutbare Änderungen sind zu berücksichtigen.
- Berufsschutz-Abschwächung durch Rehabilitation (seit 2014, § 255 Abs 5 ASVG): trotz Berufsschutz Umschulung außerhalb des Verweisungsfelds möglich, wenn zweckmäßig und zumutbar.
- Dauerhaftigkeit — „Rehabilitation vor Pension": vorübergehende (≥ 6 Monate) Invalidität führt zu medizinischen Rehabilitationsmaßnahmen (§ 253f Abs 1 ASVG); der Invaliditätspensionsantrag gilt zugleich als Reha-Antrag (§ 361 Abs 1 ASVG); für die Dauer gebührt Rehabilitationsgeld in Höhe des Krankengelds (§ 143a ASVG), zeitlich nicht befristet. Für vor dem 1. 1. 1964 Geborene gilt nach § 669 Abs 5 ASVG noch die Rechtslage vor BGBl I 2013/3: befristete Invaliditätspension schon bei nur 6 Monate andauernder Invalidität, ohne PV-Reha-Anspruch.
- Berufliche Rehabilitation (§ 253e Abs 1 ASVG): Rechtsanspruch, solange Invalidität dadurch wahrscheinlich beseitigt/vermieden werden kann; Maßnahmen: Arbeitserprobung, Berufsfindung, Berufsvorbereitung, Arbeitstraining, Ein-/Um-/Nachschulung, Lehr- und Schulausbildung; für die Dauer gebührt Umschulungsgeld aus der Arbeitslosenversicherung (§ 39b AlVG). Zweckmäßigkeit (Arbeitsmarktrealität) und Zumutbarkeit (Neigung, Eignung, Qualifikationsniveau, Alter, Gesundheit; Lehrlings-/ Mittelschulabschluss-Niveau darf nicht wesentlich unterschritten werden — „Qualifikationsschutz" mit Zustimmungsvorbehalt). Nicht an ungelernte Arbeiter ohne Berufsschutz gerichtet (Ausnahmen per Fn: § 253e Abs 1 ASVG).
- Keine Aufgabe der Erwerbstätigkeit erforderlich; sie kann sich zu einer Anteilspension wandeln (→ lb-pvs-13 Teilpension – Pension vor 65 & Nebenerwerb).
Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Wartezeit bis 27 | mind. 6 Versicherungsmonate (§ 236 ASVG) ✅ |
| Wartezeit 28–49 | mind. 60 VM in den letzten 120 Kalendermonaten vor dem Stichtag ✅ |
| Wartezeit ab 50 | mind. 60 VM + 1 VM je Lebensmonat 50–60 (max 180 VM) in den letzten 120 KM + 2 KM je Lebensmonat 50–60 (max 360 KM) ✅ |
| Alternativ-Wartezeit | mind. 180 Beitragsmonate im gesamten Berufsleben (inkl max 24 Monate Kindererziehung) ✅ |
| Wartezeitentfall | bei Arbeitsunfall/Berufskrankheit (§ 235 Abs 3 ASVG) ✅ |
| Invalidität (an)gelernt | Arbeitsfähigkeit < Hälfte im Beruf + Verweisungsberufen (§ 255 Abs 1 ASVG); Verweisungsberuf existiert ab 100 Arbeitsplätze österreichweit ✅ |
| Ungelernten-Schwelle | keine 90 Monate (an)gelernter Arbeiter/Angestellter in den letzten 15 Jahren → ungelernt (§ 255 Abs 3 ASVG) ✅ |
| Härtefallregelung 50+ | 12 Monate arbeitslos · 360 VM davon 240 BM · geringstes Anforderungsprofil · kein Arbeitsplatz binnen 1 Jahres (§ 255 Abs 3a ASVG) ✅ |
| Tätigkeitsschutz 60+ | Tätigkeit aus den letzten 15 Jahren (mind. 10 Jahre) nicht mehr möglich (§ 255 Abs 4 ASVG) ✅ |
| Vorübergehende Invalidität | ab 6 Monaten → medizinische Reha + Rehabilitationsgeld in Krankengeldhöhe, nicht befristet (§ 253f Abs 1, § 143a ASVG) ✅ |
| Vor dem 1. 1. 1964 Geborene | befristete Invaliditätspension ab 6 Monaten Invalidität; Rechtslage vor BGBl I 2013/3 (§ 669 Abs 5 ASVG); keine PV-Reha ✅ |
| Menschen mit Behinderung | Invalidität vor Versicherungsbeginn anrechenbar bei mind. 120 Beitragsmonaten aus Erwerbstätigkeit (§ 255 Abs 7 ASVG) ✅ |
| Umschulungsgeld | aus der ALV für die Dauer beruflicher Reha (§ 39b AlVG) ✅ |
| Altrecht/Neurecht-Grenze | Voraussetzungen ohne Splitting ✅ — ⚠ Grenzdatum „1. 1. 1954" hier vs „nach 31. 12. 1954" in lb-pvs-02 (beide Stand 2026-07) |
Rechtsgrundlagen
- §§ 253 ff ASVG (Invaliditätspension), § 254 Abs 1 (Voraussetzungen), § 236 (Wartezeit), § 235 Abs 3 (Wartezeitentfall) — zitiert ✅
- § 255 Abs 1, 3, 3a, 4, 5, 7 ASVG (Invaliditätsbegriff, Härtefall, Tätigkeitsschutz, Reha-Abschwächung, Behinderten-Ausnahme) — zitiert ✅
- § 253e Abs 1, § 253f Abs 1, § 361 Abs 1, § 143a ASVG (berufliche/medizinische Rehabilitation, Rehabilitationsgeld) — zitiert ✅
- § 669 Abs 5 ASVG (Rechtslage vor BGBl I 2013/3 für vor 1964 Geborene) — zitiert ✅
- § 39b AlVG (Umschulungsgeld) — zitiert ✅
- §§ 111 ff GSVG / §§ 102 ff BSVG (Parallelpension der Selbständigen) — zitiert ✅; Altrecht/Neurecht-Grenzdatum ⚠ (s. Konflikt lb-pvs-02)
Payroll-Relevanz (Odoo)
- PVA-Leistung außerhalb der DN-Payroll-Engine: keine Auszahlungs- oder Beitragswirkung im Lohnlauf; ehrlich: kein direkter Anknüpfungspunkt in der Entgeltabrechnung.
- Krankenstand→Invalidität-Schnittstelle: die Wartezeit-/Anwartschaftszeiten (Versicherungsmonate) sind sv-rechtliche Zählobjekte — die EFZ-/Krankenstandshistorie (Work Entries) und Entgeltdaten sind die Auskunftsgrundlage für den PVA-Prozess, nicht selbst Pensionslogik.
- Rehabilitationsgeld (§ 143a) zahlt die Krankenversicherung in Krankengeldhöhe — kein Payslip-Bestandteil; die Bemessungsdaten stammen wieder aus der Arbeits- und Entgeltbestätigung (→ EFZ-Phase und Krankengeld-Kontext in lb-krs-02-Familie).
- Anteilspension/Teilpension: Nebenerwerbsgrenzen (→ lb-pvs-13) als Datenmodell-Attribute führen; eine ggf. fortgesetzte (geringfügige) Beschäftigung läuft über das normale SV-Parameter-Regime.
- GemBG-Kontext: Tätigkeits-/Verwendungsdaten (Entlohnungsgruppen) für Dienstgeberauskünfte im Invaliditätsverfahren revisionssicher halten.
Verweise
- KB-intern: lb-pvs-02 (Alterspension — Ausschlussvoraussetzung, Altrecht/Neurecht-Grenzdatum) · lb-pvs-03 (Berufsunfähigkeitspension — Angestellten-Pendant, übernimmt Wartezeit-/Reha-Regeln) · lb-pvs-04 (Erwerbsunfähigkeitspension — Selbständigen-Pendant) · lb-pvs-06 (Korridorpension — Ausnahme vom Alterspensions-Ausschluss) · lb-pvs-07 (vorzeitige Alterspension bei langer Versicherungsdauer — Ausnahme) · lb-pvs-13 (Teilpension/Anteilspension — Breadcrumb-Verweis der Quelle)
- Projekt:
personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md(SV/PV-Regime, geminderte Arbeitsfähigkeit)