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| lb-swa-04 | 6 | Schwerarbeitstatbestände | Lexis Briefings Personalrecht | Arbeitszeit | schwerarbeit | Schreiber/Marek | 2026-07 |
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Schwerarbeitstatbestände
Lexis Briefings Personalrecht, Schreiber/Marek, Stand Juli 2026 (lb-swa-04).
Zusammenfassung
- Katalog: § 1 Abs 1 ASchV definiert die unter körperlich oder psychisch besonders belastenden Bedingungen erbrachten Tätigkeiten; ergänzend § 2 ASchV (chemisch/physikalische Einflüsse) und § 4 Abs 2 ASchV (Zählregel Pflege). Im Einzelnen:
- Z 1 — unregelmäßige Nachtarbeit (Schicht-/Wechseldienst): Nachtarbeit zwischen 22 und 6 Uhr, je Einsatz mind. 6 Stunden, an mind. 6 Arbeitstagen im Kalendermonat — alternativ 12 Arbeitstage in diesem und dem Vormonat oder 18 in diesem und den zwei Vormonaten; bei Durchrechnung der Normalarbeitszeit über mehr als drei Monate auch 36 in diesem Monat und den fünf vorangegangenen Monaten (Durchrechnung wie im NSchG, Art XI Abs 6; Auffüllung nur mit zurückliegenden Monaten). Wesentlich ist der Wechsel zwischen Tag- und Nachtdienst (mind. ein Tagdienst vor, danach oder zwischen den Nachtdiensten): dauernde Nachtarbeit ist keine Schwerarbeit iSd Z 1 (anders als nach dem NSchG, → lb-nsc-02). Ein Nachtdienst zählt als ein Arbeitstag (kein Split beim Datumswechsel). Arbeitsbereitschaft darf nicht überwiegen (überwiegend = mehr als die Hälfte der Arbeitszeit; laut Quelle subsumiert der OGH darunter bereits mind. 3 Stunden); Rufbereitschaft zählt weder als Arbeitszeit noch als Arbeitsbereitschaft. Krankheitszeiten und Freistellungen eines Betriebsrates zählen nicht als Schwerarbeitszeiten; Urlaubszeiten hingegen schon, wenn gleich gearbeitet worden wäre.
- Z 2 — regelmäßig Hitze oder Kälte (iSd Art VII Abs 2 Z 2 und 3 NSchG): Hitze bei mind. 30 Grad Celsius und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit bei einer Luftgeschwindigkeit von 0,1 m/s (jeweils bei durchschnittlicher Außentemperatur), während des überwiegenden Teils der Arbeitszeit — und nur wenn durch die Arbeitsvorgänge, nicht durch klimatische Verhältnisse verursacht (Beispiele: Hochöfen, Gießereien, Glasschmelzen). Kälte: überwiegender Aufenthalt in begehbaren Kühlräumen unter –21 °C oder ständiger Wechsel zwischen solchen Kühlräumen und sonstigen Arbeitsräumen; Zustellung von Tiefkühlware mit Lkw ist nach OGH keine Schwerarbeit.
- Z 3 — chemische oder physikalische Einflüsse (iSd Art VII Abs 2 Z 5, 6 und 8 NSchG; § 2 ASchV): Erschütterungen durch Arbeitsgeräte, Maschinen, Fahrzeuge; Atemschutzgeräte mind. 4 Stunden bzw. Tauchgeräte mind. 2 Stunden der Arbeitszeit; ständig gesundheits- schädliche inhalative Schadstoffe mit Berufskrankheitspotenzial (Anlage 1 ASVG: zB Blei, Phosphor, Quecksilber, Arsen, Beryllium, Benzol, Nickel, Asbest). Nur Schwerarbeit, wenn dadurch MdE mind. 10 % verursacht wurde — Feststellung durch den Unfallversicherungsträger, daher nicht meldepflichtig (Feststellungsverfahren → lb-swa-01).
- Z 4 — schwere körperliche Arbeit: Kalorienverbrauch je 8-Stunden-Tag: Männer mind. 2.000 Arbeitskilokalorien (8.374 Arbeitskilojoule), Frauen mind. 1.400 (5.862 kJ) — die ASchV differenziert hier (anders als das NSchG) nach Geschlecht. Die ÖGK-Berufslisten (körperliche Schwerarbeit 1.400–2.000 kcal bzw. über 2.000 kcal) sind demonstrative Aufzählungen und werden laufend ergänzt; kein Schwerarbeit bei maschinellem Einsatz von Großgeräten (Krane, Bagger, Lkw) oder überwiegender Planungs-, Organisations-, Kontroll- oder Aufsichtstätigkeit. Die acht Stunden sind bloßer Richtwert: längere/kürzere tägliche Arbeitszeiten sind weder einzukürzen noch auf andere Tage übertragbar (OGH).
- Z 5 — berufsbedingte Pflege besonders pflegebedürftiger Menschen: unmittelbare Pflege durch eine hierzu ausgebildete Person am Patienten, überwiegend ausgeübt (Führungsaufgaben schaden; reine Betreuungs-/Beschäftigungstherapie genügt nicht). Beispiele der Verordnung: Schwerstkranke in Hospiz-/Palliativmedizin, Pflegebedarf ab Stufe 5 BPGG (§ 4 Abs 2 BPGG: durchschnittlich mehr als 180 Pflegestunden monatlich plus außergewöhnlicher Pflegeaufwand), geriatrische Demenzpflege. Zählregel: mind. 12 Arbeitstage im Kalendermonat, Pflegetätigkeit mind. Hälfte der Normalarbeitszeit, mindestens 4 Stunden; auch Tage mit genau 4 Stunden zählen. Nachtdienste können zwei Schwerarbeitstage ergeben (zwei aufeinanderfolgende Nachtdienste = drei Tage) — Änderungen idF BGBl. II Nr. 224/2025, in Kraft 1. 1. 2026.
- Z 6 — MdE ≥ 80 % mit Pflegegeldanspruch ab Stufe 3 (BPGG oder Landespflegegeldgesetze): Schwerarbeit unabhängig von der tatsächlichen Tätigkeit (praktisch zB Rollstuhlfahrer, hochgradig Sehbehinderte, Blinde); die MdE nach dem BEinstG gilt nur für Zeiten vor dem 1. 7. 1993. Keine DG-Meldepflicht, solange dem Dienstgeber die Pflegegeldeinstufung nicht bekannt ist.
Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Tatbestand | Schwellenwerte |
|---|---|
| Z 1 Nachtarbeit | 22–6 Uhr, je mind. 6 h; mind. 6 Arbeitstage/Monat · alternativ 12 in 2 Monaten · 18 in 3 Monaten · 36 in 6 Monaten (Durchrechnung > 3 Monate; Art XI Abs 6 NSchG, nur rückwärtige Auffüllung) |
| Z 1 Wechsel | mind. 1 Tagdienst vor/nach/zwischen den Nachtdiensten; dauernde Nachtarbeit ist keine Schwerarbeit |
| Z 1 Nachtdienst | = 1 Arbeitstag (kein Datumswechsel-Split; 10 ObS 118/15y) |
| Z 1 Arbeitsbereitschaft | tatsächliche Arbeit mind. 6 h; nicht überwiegend AB (= mehr als die Hälfte; laut Quelle mind. 3 h AB subsumiert, 10 ObS 103/10k) |
| Z 1 Nicht zählend | Rufbereitschaft (weder AZ noch AB), Krankheitszeiten, Betriebsratsfreistellung; Urlaub zählt (Ausfallsprinzip, 10 ObS 96/10f) |
| Z 2 Hitze | mind. 30 °C, 50 % rel. Luftfeuchte, 0,1 m/s Luftgeschwindigkeit, mind. 50 % der Arbeitszeit, arbeitsbedingt (nicht Witterung) |
| Z 2 Kälte | Kühlräume < –21 °C oder ständiger Wechsel Kühlraum/sonstige Räume; Tiefkühl-Lkw-Zustellung: keine Schwerarbeit (10 ObS 128/09k) |
| Z 3 chem./phys. | MdE ≥ 10 % (§ 2 ASchV), Feststellung durch UV-Träger, keine DG-Meldung; Atemschutz ≥ 4 h, Tauchgeräte ≥ 2 h, Erschütterungen, inhalative Schadstoffe (Anlage 1 ASVG) |
| Z 4 kcal | Männer ≥ 2.000 kcal (8.374 kJ), Frauen ≥ 1.400 kcal (5.862 kJ) je 8-h-Tag (Richtwert; keine Einkürzung/Übertragung) |
| Z 5 Pflege | mind. 12 Arbeitstage/Monat (§ 4 Abs 2 ASchV); mind. 50 % der Normalarbeitszeit unmittelbare Pflege, min. 4 h/Tag; Nachtdienst bis 2 Schwerarbeitstage (2 Folgedienste = 3); idF BGBl. II Nr. 224/2025 (ab 1. 1. 2026) |
| Z 5 Pflegestufe-5-Bezug | > 180 Pflegestunden monatlich + außergewöhnlicher Pflegeaufwand (§ 4 Abs 2 BPGG) |
| Z 6 | Pflegegeldanspruch ab Stufe 3 trotz MdE ≥ 80 %; BEinstG-MdE nur vor dem 1. 7. 1993 |
Rechtsgrundlagen
- ASchV: § 1 Abs 1 (Z 1–6), § 2 (chemisch/physikalische Tatbestände), § 4 Abs 2 (Pflege-Zählregel) — ✅ zitiert; Pflege-Neuerungen idF BGBl. II Nr. 224/2025 (in Kraft 1. 1. 2026) ✅.
- NSchG als Referenznorm der ASchV: Art VII Abs 2 (Z 2/3: Hitze, Kälte, chemisch/physikalische Einflüsse), Art XI Abs 6 (Durchrechnung der Nachtdienste) — ✅ zitiert; NSchG-Regime → lb-nsc-01, lb-nsc-02.
- BPGG § 4 Abs 2 (Pflegestufe 5) ✅; ASVG Anlage 1 (Berufskrankheiten) ✅; BEinstG (MdE nur vor 1. 7. 1993) ✅ genannt.
- Judikatur: ua. 10 ObS 103/10k, 10 ObS 104/17t (Wechselgebot) · 10 ObS 95/14i, 1/15t, 2/15i (kcal-Richtwert) · 10 ObS 149/12b, 116/17g, 23/16d, 30/16h (Pflege) · 10 ObS 98/25x (Nachtdienst- Doppelzählung); weitere Nachweise in den Fußnoten des Briefings.
Payroll-Relevanz (Odoo)
- Tatbestandskatalog als Konfigurationsdaten: je Tätigkeit/Kosten- stelle die ASchV-Ziffer (Z 1–Z 6) pflegen; Schwellenwerte (Zeitfenster, kcal, °C, Tagesquoten) als versionierte Regelparameter. Die ÖGK-Berufslisten sind externe, laufend aktualisierte Referenz- daten — nicht hard-codieren (demonstrative Aufzählung).
- Nachtarbeitsfenster 22–6 Uhr (mind. 6 h) getrennt bewerten von lohnsteuerlicher Nachtarbeit (§ 68 Abs 6 EStG, 19–7 Uhr, mind. 3 h → lb-zus-05), kollektivvertraglichen Zuschlagszeiträumen (→ lb-zus-06) und NSchG-Nachtschwerarbeit (→ lb-nsc-02): gemeinsame Work-Entry-Datenbasis, getrennte Bewertungen je Fenster.
- Monats-/Fensterzähler (Z 1): Nachtdienste je Kalendermonat mit den Staffeln 6/12/18/36 zählen — Auffüllung nur rückwärtig; Nachtdienst dem Starttag zuordnen; Arbeitsbereitschaftsanteile ausweisen; Rufbereitschaft als eigene, nicht zählende Kategorie führen. Ausfallsprinzip: Absence-Typen unterscheiden — Urlaub zählt (bei Schwerarbeits-Ursprungstätigkeit), Krankheit und Betriebsratsfreistellung nicht. Durchrechnungsszenarien an die AZG-Grenzen koppeln (→ lb-azg-01, lb-azg-03).
- Pflege (Z 5): Tages-Split der Work-Entries (≥ 50 % unmittelbare Pflege, mind. 4 h), 12-Tage-Schwelle je Monat, Doppelzählung von Nachtdiensten — Zählregeln versionieren (Änderung ab 1. 1. 2026, BGBl. II Nr. 224/2025).
- Z 3/Z 6 ohne Meldepflicht: dennoch Tätigkeitsdokumentation führen (Feststellungsverfahren → lb-swa-01; Ausschlüsse der Meldepflicht → lb-swa-05).
Verweise
- KB-intern: lb-swa-02 (Einführung, Schwerarbeitsmonat) · lb-swa-05 (Meldepflicht) · lb-swa-01 (Feststellung) · lb-nsc-01/lb-nsc-02 (Abgrenzung Nachtschwerarbeit: dauernde Nachtarbeit, NSchG-Beitrag 3,8 % Stand 2026-07) · lb-azg-01/lb-azg-03 (Durchrechnungszeiträume, Normalarbeitszeit) · lb-zus-05/lb-zus-06 (Nachtzuschläge, Fenster-Abgrenzung)
- Projekt:
personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md— § 68 Abs 6 EStG (Nachtarbeit 19–7 Uhr, mind. 3 h) ✅ als abgrenzende Referenz; ASchV in RECHTSQUELLEN nicht erschlossen (❓ offen).