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| lb-bsv-06 | 9 | Bäuerliche Sozialversicherung – Mehrfachversicherung Pensionsversicherung | Lexis Briefings Personalrecht | Sozialversicherung | bauerliche-sozialversicherung | Fiedler | 2026-01 |
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Bäuerliche Sozialversicherung – Mehrfachversicherung Pensionsversicherung
Lexis Briefings Personalrecht, Fiedler, Stand Jänner 2026 (lb-bsv-06).
Zusammenfassung
- Betroffene Systeme: Pensionsversicherungen nach ASVG, GSVG und BSVG; die Regeln gelten auch für nach dem FSVG in die gewerbliche PV aufgenommene freiberufliche Ärzte, selbständigen Apotheker und Patentanwälte, wenn sie zusätzlich einer ASVG- oder BSVG-versicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit nachgehen.
- Versicherungsmonate: mehrfach Versicherte erwerben in jedem Pensionssystem Versicherungszeiten; parallel erworbene Monate sind der Pension nur einmal zuzuordnen. Rangordnung: ASVG vor GSVG/FSVG vor BSVG — neben unselbständiger Beschäftigung (ASVG) zählt die Zeit der Mehrfachversicherung unabhängig vom Einkommensverhältnis als ASVG-Zeit; im Rahmen der Mehrfachversicherung kann keine Versicherungszeit nach dem BSVG erworben werden; ein Versicherungsmonat ergibt sich nur, wenn neben der GSVG-Tätigkeit parallel eine BSVG-Tätigkeit ausgeübt wird.
- Pensionshöhe: Addition der Einkünfte aus allen Tätigkeiten bis zur HBTG kann eine höhere Beitragsgrundlagensumme und damit eine höhere Pension bewirken. PV-Beiträge ab 1. 1. 2005, die über der HBTG liegen, werden ab Pensionsstichtag 1. 1. 2006 spätestens zum Pensionsbeginn aufgewertet rückerstattet.
- Beitragsrecht: Einzahlung in jedes beteiligte System (je bis zur HBTG); bei Überschreitung der Summen-HBTG Differenzbeitragsvorschreibung (§ 33a BSVG [PV]; § 33b BSVG [KV]) oder Erstattung (§ 118b BSVG [PV]; § 33c BSVG [KV]); in der UV keine Differenzvorschreibung. Beitragsgrundlagen ohne eigene Beiträge (Krankengeld, Kinderbetreuungsgeld, Präsenz-/Zivildiener-Vergütung, BSVG-Übergangsgeld, Arbeitslosengeld) bleiben außer Ansatz; laufende Beitragszahlung nach dem Bezügegesetz/Anrechnungsbetrag begründet keine gesetzliche PV → kein § 33a.
- Historie: bis 31. 12. 2004 galt das Antragsprinzip — ohne Antrag auf Durchrechnung/Rückerstattung flossen zu viel bezahlte PV-Beiträge in die Höherversicherung (22,8 % des Überschreitungsbetrages); seit 1. 1. 2005 ist die Bildung einer Überschreitungsbeitragsgrundlage für die Höherversicherung iZm § 33a BSVG ausgeschlossen (→ lb-bsv-03).
- Differenzbeitragsvorschreibung: seit 1. 1. 2020 amtswegig durch die SVS; vorläufige BG nur für Monate gleichzeitigen Bestands der Pflichtversicherung nach ASVG und/oder B-KUVG und/oder GSVG/FSVG und nach BSVG; Rangordnung ASVG vor GSVG/FSVG vor BSVG (vorherige teilweise Befreiung von der Beitragspflicht).
- Formel vorläufige PV-Beitragsgrundlage: HBTG (= 35-Fache der täglichen HBTG gem § 108 Abs 3 ASVG) – monatliche ASVG-BG (+ 1/12 nachgewiesene Sonderzahlungen) – GSVG-BG (vermindert um BG gem § 35a GSVG) = Rest-BG; maßgeblich das Minimum aus § 23-BSVG-BG und Rest-BG; zu niedrige vorläufige BG → Nachentrichtung.
- Formel endgültige PV-Beitragsgrundlage: HBTG × Anzahl der Beitragsmonate (deckende nur einfach) – Jahressumme der ASVG-BG – GSVG-Jahres-BG (– § 35a GSVG) = Rest-BG. Beispiel (Stand 2026-01): HBTG € 8.085 (= 35 × € 231) × 12 = € 97.020 – ASVG € 85.020 = € 12.000 < BSVG-Jahres-BG € 24.000 → endgültige monatliche Differenzbeitragsgrundlage € 1.000. Neue Forderung nach § 33a Abs 2 BSVG: fällig mit Ablauf des auf die Vorschreibung folgenden Monats; Voraussetzungen: mind. ein Mehrfachversicherungsmonat im Jahr, sämtliche BG endgültig oder versteinert; KV und PV getrennt; Neuberechnung bei gemeldeten Änderungen.
- Erstattung (§ 118b BSVG): wenn keine Differenzvorschreibung greift und die Beiträge je Versicherungsverhältnis voll entrichtet werden, amtswegige Erstattung des die HBTG übersteigenden Anteils: BSVG/GSVG/FSVG-Beiträge in jener Höhe, die die versicherte Person zu tragen hat; ASVG-Beiträge zu 45 % (Berechnung: Überschreitungs-Beitragsgrundlage × 22,8 % × 45 %); bis spätestens 30. 6. des Kalenderjahres nach gänzlicher Entrichtung; für Jahrgänge ab 1. 1. 1955 gilt das APG (§ 12 Abs 1 APG), dabei sind Teilversicherungen (§ 4a BSVG) und freiwillige Versicherungen zu berücksichtigen. Wegen der automatischen Differenzvorschreibung nur mehr Ausnahmefälle.
- Verjährung/Lohnzettel: Nachverrechnung nach BG-Änderung → § 39 BSVG beachten; Rückzahlung → § 40 BSVG nicht; bei Guthaben-Rückzahlung iVm ASVG/B-KUVG (Bezug iSd § 25 Abs 1 Z 3 lit d EStG 1988) Lohnzettel der SVS bis 31. 1. des Folgejahres (§ 69 Abs 5 EStG 1988).
- Wanderversicherung: § 120 BSVG sichert die Anrechnung von Pensionsversicherungszeiten, die nacheinander nach unterschiedlichen Gesetzen erworben wurden — der zuständige Träger behandelt alle Zeiten wie bei ihm erworben, kein Verlust bereits erworbener Zeiten.
- EU/EWR: seit 1. 1. 2000 (Wegfall des Anhangs VII zur VO (EWG) 1408/71) keine Mehrfachversicherung bei Zusammentreffen einer BSVG-BG (Betriebsführer/ Angehörige) mit einer EU/EWR-Arbeitnehmer-BG; § 118b-Erstattungen können nur für österreichische Qualifikationen und Beitragsgrundlagen erfolgen.
Kernwerte & Fristen (Stand 2026-01)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Monatliche HBTG | € 8.085 = 35 × € 231 tägliche ASVG-HBTG (§ 108 Abs 3 ASVG) (Stand 2026-01) ✅ |
| Jahres-HBTG (12 Monate) | € 97.020 (Stand 2026-01) ✅ |
| Rangordnung Versicherungsmonate | ASVG vor GSVG/FSVG vor BSVG; keine BSVG-Versicherungszeit im Rahmen der Mehrfachversicherung ✅ |
| Höherversicherungs-Altregel | bis 31. 12. 2004 flossen zu viel bezahlte PV-Beiträge in die Höherversicherung (22,8 % des Überschreitungsbetrags); seit 1. 1. 2005 ausgeschlossen ✅ |
| Rückerstattung über HBTG | Beiträge ab 1. 1. 2005, Erstattung spätestens zum Pensionsbeginn ab Pensionsstichtag 1. 1. 2006 (aufgewertet) ✅ |
| Differenzvorschreibung | seit 1. 1. 2020 amtswegig (§§ 33a, 33b BSVG) ✅ |
| Beispiel endgültige Differenz-BG | € 97.020 – € 85.020 = € 12.000 → monatlich € 1.000 (Stand 2026-01) ✅ |
| Neue Forderung | fällig mit Ablauf des auf die Vorschreibung folgenden Monats (§ 33a Abs 2 BSVG) ✅ |
| ASVG-Erstattungsanteil | 45 % der auf den Überschreitungsbetrag entfallenden Beiträge (Überschreitungs-BG × 22,8 % × 45 %) (Stand 2026-01) ✅ |
| Erstattungsfrist | spätestens 30. 6. des Kalenderjahres nach gänzlicher Entrichtung ✅ |
| APG-Anwendung | Jahrgänge ab 1. 1. 1955; § 12 Abs 1 APG; Teilversicherungen (§ 4a BSVG) und freiwillige Versicherungen berücksichtigen ✅ |
| Lohnzettel | bis 31. 1. des Folgejahres bei Guthaben-Rückzahlung (§ 69 Abs 5 EStG 1988) ✅ |
| Verjährung | Nachverrechnung: § 39 BSVG beachten; Rückzahlung: § 40 BSVG nicht anzuwenden ✅ |
| Wanderversicherung | § 120 BSVG — Anrechnung nacheinander nach unterschiedlichen Gesetzen erworbener PV-Zeiten ✅ |
| EU/EWR | seit 1. 1. 2000 keine Mehrfachversicherung mit EU/EWR-Arbeitnehmer-BG; § 118b nur für österreichische Qualifikationen/BG ✅ |
Rechtsgrundlagen
- § 33a BSVG (Differenzbeitragsvorschreibung PV) · § 118b BSVG (Erstattung PV) · §§ 33b, 33c BSVG (KV-Gegenstücke) — zitiert ✅
- § 23 BSVG (BSVG-Beitragsgrundlage) · § 4a BSVG (Teilversicherungen im § 118b-Kontext) — zitiert ✅
- § 120 BSVG (Wanderversicherung) — zitiert ✅
- § 39 BSVG (Verjährung Nachverrechnung) · § 40 BSVG (bei Rückzahlung nicht anzuwenden) — zitiert ✅
- § 108 Abs 3 ASVG (tägliche HBTG; HBTG = 35-Fache) — zitiert ✅
- § 35a GSVG (abzuziehende GSVG-BG in der PV-Differenzrechnung) · GSVG, FSVG (beteiligte Systeme) — zitiert ✅
- § 12 Abs 1 APG (Erstattungsberechnung für Jahrgänge ab 1. 1. 1955) — zitiert ✅
- Bezügegesetz (Anrechnungsbetrag — keine gesetzliche PV) · § 69 Abs 5 EStG 1988 (Lohnzettel) · § 25 Abs 1 Z 3 lit d EStG 1988 (Bezugsbegriff) · VO (EWG) 1408/71 (EU/EWR) — zitiert ✅
Payroll-Relevanz (Odoo)
- Arbeitgeberseite = ASVG-Teil: für Odoo relevant ist nur die unselbständige Beschäftigung des mehrfach Versicherten; die Zuordnung der Versicherungsmonate und die BSVG-Differenzrechnung sind SVS-/PVA-Trägerlogik.
- Keine BSVG-Versicherungsmonate bei paralleler ASVG-Tätigkeit: für dienstzeitabhängige SV-Konzepte ist allein das ASVG-Verhältnis maßgeblich — die Module rechnen ohnehin je AN.
- HBTG-Kappung (monatlich € 8.085, Stand 2026-01) als Plafondierungsmuster für hr.rule.parameter-gestützte SV-Beitragsgrundlagen; die jahressummenbezogene endgültige Abrechnung ist keine Payslip-Funktion.
- Erstattungslogik § 118b (ASVG-Anteil 45 %) betrifft Trägerverrechnungen — kein Abbildungsziel im GemBG-Payroll.
- Pensionskonto/APG (Jahrgänge ab 1955, Teilversicherungen): SVS-Leistungsrecht; keine Datenlieferung aus der Lohnverrechnung beyond Beitragsgrundlagen-Meldungen.
- Hinweise, keine Spec: konsolidierte Mehrfachversicherungs-Abrechnungen bräuchten ein Träger-übergreifendes Datenmodell — derzeit kein Projektumfang.
Verweise
- KB-intern: lb-bsv-03 (Freiwillige Versicherung – Höherversicherung in der Pensionsversicherung; Überschreitungsbeitrags-Altregel) · lb-bsv-05 (Mehrfachversicherung Krankenversicherung) · lb-bsv-12 (Beitragsgrundlage – Allgemeines, Mindest- und Höchstbeitragsgrundlage) · lb-pvs-11 (Pensionskonto) · lb-sva-07 (Rückforderung ungebührlich entrichteter Beiträge) · lb-sva-15 (Verjährung von Sozialversicherungsbeiträgen)
- Projekt:
personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md(SV-Rahmen)