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| lb-bsv-13 | 9 | Beitragsgrundlage – Beitragsgrundlagenoption (Große Option) | Lexis Briefings Personalrecht | Sozialversicherung | bauerliche-sozialversicherung | Fiedler | 2026-01 |
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Beitragsgrundlage – Beitragsgrundlagenoption (Große Option)
Lexis Briefings Personalrecht, Fiedler, Stand Jänner 2026 (lb-bsv-13).
Zusammenfassung
- Grundmechanik: seit 2001 kann der Betriebsführer beantragen, dass anstelle des vom Einheitswert abgeleiteten Versicherungswertes die tatsächlichen Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft laut Einkommensteuerbescheid zur Beitragsbemessung herangezogen werden — unabhängig von der Höhe des Einheitswerts (§ 23 Abs 1a BSVG; geschaffen durch Budgetbegleitgesetz 2001 iVm Pauschalierungsverordnung 2001, LuF-PauschVO 2006/2011). Die Option erfasst immer den gesamten Betrieb — Flächenbetrieb und land-/forstwirtschaftliche Nebentätigkeiten.
- Antrag/Widerruf: Antrag bei der SVS bis 30. 4. des dem Beitragsjahr folgenden Jahres, gerechnet ab dem Wirksamkeitsjahr (zB bis 30. 4. 2026 für das Beitragsjahr 2025); das Datum des Poststempels genügt nicht. Der Antrag gilt auch für die Folgejahre; Widerruf nur bei Änderung der Betriebsführung (Beispiele: bloße Zupachtung/Flächenänderung genügt nicht; Eintritt des Ehepartners in die gemeinsame Betriebsführung genügt) und bis längstens 30. 4. des auf die Änderung folgenden Beitragsjahres. Führen mehrere Personen den Betrieb, bedarf der Antrag der Zustimmung aller Betriebsführer; scheidet einer aus, können die verbleibenden bis 30. 4. des Folgejahres optieren; bei unterjähriger Betriebsübergabe kann der Übernehmer noch für das laufende Kalenderjahr optieren (VwGH 2010/08/0202-5).
- Keine Option für Gesellschafter (§ 2 Abs 1 Z 1a BSVG): die Betriebsführung erfolgt durch die Gesellschaft, eine pauschale Beitragsgrundlagenermittlung ist nicht vorgesehen.
- Steuerliche Kopplung: Abgehen vom Pauschalsystem setzt voraus, dass der steuerliche Gewinn durch Teilpauschalierung (tatsächliche Einnahmen minus 70 % pauschale Ausgaben), Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Buchführung festgestellt wird — nicht durch Vollpauschalierung; die sozialversicherungsrechtliche Option ist bindend für die steuerliche Gewinnermittlung; Aufzeichnungspflichte beachten.
- Historischer Zusatzbeitrag: gem § 24c BSVG war bis 31. 12. 2019 ein Zusatzbeitrag von 3 % der Summe der zu entrichtenden Beiträge zu leisten (seit BGBl I 2020/73 aufgehoben).
- Jährliche Beitragsgrundlage: Einkünfte laut EStB zuzüglich der im Beitragsjahr vorgeschriebenen KV-/PV-Beiträge, abzüglich der steuerlichen Veräußerungsgewinne (Vorschriften des EStG 1988).
- Mindestbeitragsgrundlagen bei Option (§ 23 Abs 10 lit a BSVG): KV € 551,10, PV € 1.091,21, UV € 2.050,52 (Wert 2026) — in UV und PV höher als im Pauschalsystem; Ehepartnerbetriebe KV € 275,55 / PV € 545,61; Kinder € 551,10 (Ehepartner-„Kinder"-Paare je € 275,55); übergebender Elternteil KV € 275,55 / PV € 545,61 (Wert 2026).
- Vorläufige Beitragsgrundlage: bis zum erstmaligen rechtskräftigen EStB gilt der Versicherungswert (§ 23 Abs 4a Z 2 BSVG), mindestens die Mindestbeitragsgrundlage bei Option; liegt ein EStB für ein Vorjahr vor, gilt dessen (mit Beiträgen erhöhte, um Veräußerungsgewinn verminderte) Beitragsgrundlage für alle Folgejahre bis zum nächsten EStB; eine Herabsetzung auf die Mindestbeitragsgrundlage ist rechtsgrundlos nicht möglich (BVwG G308 2004949-1/4E). Gem § 23 Abs 12 BSVG gelten zum Pensionsstichtag nicht nachbemessene vorläufige Beitragsgrundlagen als endgültig.
- Endgültige Beitragsgrundlage: Nachbemessung erst mit Vorliegen des EStB; „nichtausgleichsfähige" und „verrechenbare" Verluste der Vorjahre bleiben unberücksichtigt (§ 23 Abs 4 BSVG ist eine taxative Aufzählung; VwGH 2005/08/0143); Beitragsgutschriften früherer Jahre werden nicht abgezogen; liegt eine Finanzamts-Mitteilung vor, dass kein EStB ergangen ist, gilt die Mindestbeitragsgrundlage. Beispiele: 2024er EStB mit € 20.000 Einkünften + € 11.544 Beiträgen → monatlich endgültig € 2.628,67 (unter vorläufig € 4.041,99 → Gutschrift); 2022er Beispiel: € 75.000 + € 5.000 (Beiträge abzüglich Gutschrift € 5.818,24) → € 6.666,67, gedeckelt auf die dort „monatliche Höchstbeitragsgrundlage für 2022 von € 6.615,–" ⚠ — nach der 35-Fache-Regel des lb-bsv-12 (Stand 2026-01) ergäbe sich für 2022 ein höherer BSVG-Wert; Widerspruch dokumentiert, nicht aufgelöst (RIS); auch bei steuerlichem Verlust kann die Addition der Beiträge eine positive Beitragsgrundlage ergeben (Beispiel –€ 2.600 + € 5.000 = € 2.400).
- Praxistipp: vor der Option die steuerlichen Auswirkungen (Einnahmensaufzeichnung, jährliche Steuererklärung) und die Leistungsseite bedenken — eine niedrigere Beitragsgrundlage bedeutet später eine niedrigere Pension.
- Meldepflicht: § 16 BSVG — jede für die Versicherung bedeutsame Änderung (zB Zu-, Verpachtungen) binnen eines Monats der SVS melden.
Kernwerte & Fristen (Stand 2026-01)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Optionsfrist | Antrag bis 30. 4. des dem Beitragsjahr folgenden Jahres bei der SVS (zB 30. 4. 2026 für Beitragsjahr 2025); Poststempel genügt nicht (Stand 2026-01) |
| Widerruf | bis längstens 30. 4. des auf die Änderung der Betriebsführung folgenden Beitragsjahres; gilt für alle Folgejahre bis zur Änderung (Stand 2026-01) |
| Umfang | gesamter Betrieb (Flächenbetrieb + Nebentätigkeiten), unabhängig vom Einheitswert (Stand 2026-01) |
| Gesellschafter | keine Option für Versicherte gem § 2 Abs 1 Z 1a BSVG (Stand 2026-01) |
| Gewinnermittlungs-Voraussetzung | Teilpauschalierung (Einnahmen − 70 %), EÜR oder Buchführung — nicht Vollpauschalierung; Option bindend für die steuerliche Gewinnermittlung (Stand 2026-01) |
| Jährliche Beitragsgrundlage | EStB-Einkünfte + vorgeschriebene KV-/PV-Beiträge − steuerliche Veräußerungsgewinne (EStG 1988) (Stand 2026-01) |
| Mindestbeitragsgrundlage KV/PV/UV | € 551,10 / € 1.091,21 / € 2.050,52 (Wert 2026); UV/PV höher als im Pauschalsystem (Stand 2026-01) |
| MindestBG Ehepartner | KV € 275,55 / PV € 545,61 (Wert 2026) (Stand 2026-01) |
| MindestBG Kinder/Elternteil | Kinder € 551,10; Ehepartner-„Kinder"-Paare je € 275,55; Elternteil KV € 275,55 / PV € 545,61 (Wert 2026) (Stand 2026-01) |
| Vorläufige Beitragsgrundlage | Versicherungswert, mindestens MindestBG Option (§ 23 Abs 4a Z 2 BSVG); mit Vorjahres-EStB: dessen BG + Beiträge − Veräußerungsgewinn; keine Herabsetzung auf MindestBG (Stand 2026-01) |
| Versteinung | § 23 Abs 12 BSVG: zum Pensionsstichtag nicht nachbemessene vorläufige BG gelten als endgültig (Stand 2026-01) |
| Verluste/Gutschriften | nichtausgleichsfähige/verrechenbare Verluste und Beitragsgutschriften bleiben unberücksichtigt (taxative Aufzählung § 23 Abs 4 BSVG) (Stand 2026-01) |
| Zusatzbeitrag (historisch) | 3 % der Beiträge bis 31. 12. 2019 (§ 24c BSVG; BGBl I 2020/73) (Stand 2026-01) |
| Beispiel 2024 | Einkünfte € 20.000 + Beiträge € 11.544 = € 2.628,67 monatlich endgültig (Wert 2024) vs vorläufig € 4.041,99 → Gutschrift (Stand 2026-01) |
| Beispiel 2022 ⚠ | € 6.666,67 > „HBGL 2022 € 6.615,–" → Deckelung auf € 6.615,– (Wert 2022) — konfligiert mit der 35-Fache-HBGL-Regel in lb-bsv-12 (Stand 2026-01); RIS-Klärung offen |
| Meldepflicht | § 16 BSVG: bedeutsame Änderungen (zB Zu-, Verpachtungen) binnen 1 Monat (Stand 2026-01) |
Rechtsgrundlagen
- § 23 Abs 1a BSVG (Option für den gesamten Betrieb), § 23 Abs 4 (Zuschläge/ Abschläge zur BG), § 23 Abs 4a Z 2 (vorläufige BG), § 23 Abs 10 lit a (Mindestbeitragsgrundlagen), § 23 Abs 12 (Versteinung) — ausdrücklich zitiert ✅
- § 24c BSVG (Zusatzbeitrag bis 31. 12. 2019) und § 2 Abs 1 Z 1a BSVG (Gesellschafter) — zitiert ✅
- § 16 BSVG (Meldepflicht) — zitiert ✅
- EStG 1988 (steuerliche Veräußerungsgewinne) — zitiert ✅
- Budgetbegleitgesetz 2001 (BGBl I 2000/142), Pauschalierungsverordnung 2001 (BGBl II 2001/54), LuF-PauschVO 2006 (BGBl II 2005/258), LuF-PauschVO 2011 (BGBl II 2010/471) — zitiert ✅; Aufhebung des § 24c: BGBl I 2020/73 (Fußnote) ✅
Payroll-Relevanz (Odoo)
- BSVG-Sonderregime: die Große Option hängt am Einkommensteuerbescheid, nicht an
Entgelt-/Work-Entry-Daten — außerhalb des
l10n_at_hr_payroll-Scopes; kein hr_payroll-Standardobjekt. - Übertragbares Muster — vorläufig/endgültig: zweistufige Beitragsgrundlage (provisorischer Wert → Nachbemessung mit Bescheid) entspricht strukturell dem hr_payroll-Muster vorläufiger Werte mit späterer Korrektur; die Versteinung zum Pensionsstichtag ist eine harte Frist, die ggf. als Stichtagslogik modelliert wäre (Hinweis, keine Spec).
- Fristenparameter: 30. 4.-Antrags-/Widerrufsfrist (empfangsabhängig!) als
jahresunabhängige Konstante — Stil von
hr.rule.parameter/Fristenkonfiguration; nicht mit DN-Fristen vermischen. - Mindestbeitragsgrundlagen je Versichertengruppe als kategorisierte Grenzwert-Tabelle; UV/PV-Werte weichen vom Pauschalsystem ab — getrennte Parametersätze erforderlich.
- HBGL-Deckel ⚠: Beispiel nutzt € 6.615,– (2022) — vor jeder Implementierung BSVG-HBGL-Rechtfertigung klären (RIS), da lb-bsv-12 das 35-Fache der täglichen HBGL nennt (Stand 2026-01).
Verweise
- KB-intern: lb-bsv-12 (Beitragsgrundlage – Allgemeines, Mindest- und Höchstbeitragsgrundlage; dort die 35-Fache-HBGL ⚠) · lb-bsv-14 (Kleine Option) · lb-bsv-15 (Feststellung/Berechnung des Einheitswertes — Basis der vorläufigen BG) · lb-bsv-16 (Pauschalsystem — Systemalternative) · lb-gsv-02 (Beitragsgrundlage im GSVG/FSVG — Pendant bei den Gewerblichen)
- Projekt:
personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md(SV-Rahmen). Kein GemBG-Bezug (RECHTSQUELLEN-Bgld.mdnur für GemBG-relevante SV-Teile).