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| lb-bso-09 | 8 | Sozialplan - Abgaben | Lexis Briefings Personalrecht | Beendigungsphase - Sonstiges | beendigungsphase-sonstiges | Mäder | 2026-07 |
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Sozialplan - Abgaben
Lexis Briefings Personalrecht, Mäder, Stand Juli 2026 (lb-bso-09).
Zusammenfassung
- Anwendungsfall: Bringt eine Betriebsänderung wesentliche Nachteile für eine erhebliche Anzahl an AN, kann über einen Sozialplan (Betriebsvereinbarung) abgeschlossen werden. Sozialplanzahlungen bei oder nach Beendigung des Dienstverhältnisses sind in der Lohnsteuer teilweise begünstigt und in der Sozialversicherung beitragsfrei.
- Grundsätze: Begünstigung über § 67 Abs 6 und § 67 Abs 8 lit f EStG; beitragsfrei gem § 49 Abs 3 Z 7 ASVG; keine Lohnnebenkosten (DB, DZ, KommSt); keine Beiträge an die Betriebliche Vorsorgekasse.
- Lohnsteuer-Begünstigung: bis € 22.000,– brutto pro Arbeitnehmer mit dem Hälftesteuersatz, wenn (1) eine Betriebsänderung iSd § 109 Abs 1 Z 1 bis 6 ArbVG (oder vergleichbare gesetzliche Bestimmungen) vorliegt, (2) der Sozialplan auf einer Betriebsvereinbarung beruht (in Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern bzw. ohne Betriebsrat: Vereinbarung mit der gesamten Belegschaft) und (3) die Zahlung im ursächlichen Zusammenhang mit der Beendigung des Dienstverhältnisses steht. Zahlungen außerhalb des Sozialplans verlieren die Begünstigung.
- Nicht begünstigt: Ersatz für nicht verbrauchte Urlaube, Tantiemen, Pensionsabfindungen, Umsatz-/Gewinnbeteiligungen, Bilanzremunerationen, Leistungsprämien, vorverlegtes Jubiläumsgeld etc.
- Abfertigungssystem „Alt" — Besteuerungsreihenfolge: (1) freiwillige Abfertigung mit 6 % nach § 67 Abs 6 EStG (Viertel-/Zwölftelregelung; Deckelung durch Vielfaches der ASVG-HBG); (2) übersteigender Betrag als Sozialplanzahlung bis € 22.000,– mit dem halben Steuersatz; (3) Rest gemeinsam mit dem laufenden Bezug nach Tarif (§ 67 Abs 10 EStG), ohne Erhöhung des Jahressechstels. Bei Auszahlung in Teilbeträgen ist der halbe Steuersatz von der Summe aller Teilbeträge zu berechnen.
- Abfertigungssystem „Neu" (DV nach dem 31. 12. 2002 begonnen): keine § 67 Abs 6-Begünstigung; Sozialplanzahlung bis € 22.000,– mit Hälftesteuersatz, darüber Tarif.
- Übertritte ins System „Neu": grundsätzlich alle drei Schritte; Besonderheiten der freiwilligen Abfertigung: Viertelregelung = 1/4 der laufenden Bezüge der letzten 12 Monate zu 6 %, max bis zur neunfachen ASVG-HBG (Deckelung 2026: € 62.370,–; § 67 Abs 6 Z 1 EStG); Zwölftelregelung nur nach Maßgabe der Übertragung alter Anwartschaften, Monatsbetrag gedeckelt mit der dreifachen HBG (Deckelung 2026: € 20.790,–); vier Fallgruppen (Weiterführung, Teilübertritt/Einfrieren, Vollübertragung, Vollübertragung mit Abschlag).
- Betriebsausgaben: Das frühere Abzugsverbot des § 20 Abs 1 Z 8 EStG für „Golden Handshakes" hob der VfGH (G 228/2021) mit Ablauf des 31. 12. 2022 als verfassungswidrig auf; seit BGBl I 2022/194 unterliegen Sozialplanzahlungen nie dem Abzugsverbot (für alle nach 31. 12. 2022 geleisteten Zahlungen). Außerhalb von Sozialplägen greift das Abzugsverbot nur, soweit die Werte des § 67 Abs 6 Z 1 bis 3 EStG überstiegen werden.
- Abschlagszahlung bei vorzeitiger Beendigung (Entgelt für Verzicht auf Arbeitsleistung bis zum geplanten Termin): keine Sozialplan-Begünstigung — voll nach Tarif (§ 67 Abs 10 EStG) und LNK-pflichtig (DB, DZ, KommSt); sozialversicherungsrechtlich jedoch beitragsfreie Abgangsentschädigung (§ 49 Abs 3 Z 7 ASVG), daher auch kein BVK-Beitrag.
- Auskunft: bei Unsicherheiten Auskunftsersuchen gem § 90 EStG bzw. § 43a ASVG. Outplacement-Beratung → eigenes Briefing (lb-end-17).
Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| SV | Sozialplanzahlungen bei Beendigung beitragsfrei (§ 49 Abs 3 Z 7 ASVG) ✅ |
| BVK | keine Beiträge an die Betriebliche Vorsorgekasse ✅ |
| Lohnsteuer-Grenze | bis € 22.000,– brutto pro AN mit dem Hälftesteuersatz (§ 67 Abs 8 lit f EStG) ✅ (Stand 2026-07) |
| Voraussetzungen | Betriebsänderung iSd § 109 Abs 1 Z 1–6 ArbVG; Sozialplan auf BV bzw. Vereinbarung mit der gesamten Belegschaft (Betriebe < 20 MA oder ohne BR); ursächlicher Zusammenhang mit der Beendigung ✅ |
| Nicht begünstigt | Urlaubsersatz, Tantiemen, Pensionsabfindungen, Umsatz-/Gewinnbeteiligungen, Bilanzremunerationen, Leistungsprämien, vorverlegtes Jubiläumsgeld ✅ |
| Reihenfolge „Alt" | 1. freiwillige Abfertigung 6 % (§ 67 Abs 6 EStG, Viertel-/Zwölftel); 2. Sozialplan bis € 22.000,– halber Steuersatz; 3. Rest nach Tarif (§ 67 Abs 10), kein Jahressechstel ✅ |
| Reihenfolge „Neu" | keine § 67 Abs 6-Begünstigung; Sozialplan bis € 22.000,– Hälftesteuersatz; Rest Tarif ✅ |
| Übertritte — Viertelregelung | 1/4 der laufenden Bezüge der letzten 12 Monate zu 6 %, max 9 × HBG = € 62.370,– (§ 67 Abs 6 Z 1 EStG) ✅ (Stand 2026-07) |
| Übertritte — Zwölftelregelung | je nach Anwartschaftsübertragung (4 Fallgruppen); Monatsbetrag gedeckelt mit 3 × HBG = € 20.790,– ✅ (Stand 2026-07) |
| Teilbeträge | halber Steuersatz von der Summe aller Teilbeträge, auf alle Teilbeträge anzuwenden ✅ |
| Lohnnebenkosten | frei — auch bei Abfertigung „Neu" (VwGH bestätigt) ✅ |
| Abzugsverbot | § 20 Abs 1 Z 8 EStG: Sozialplanzahlungen seit 1. 1. 2023 nie abzugsverboten (BGBl I 2022/194; VfGH G 228/2021 hob die alte Fassung mit Ablauf 31. 12. 2022 auf) ✅ |
| Abschlagszahlung | für Verzicht auf Arbeitsleistung: Tarif (§ 67 Abs 10), DB/DZ/KommSt pflichtig; SV: beitragsfreie Abgangsentschädigung (§ 49 Abs 3 Z 7 ASVG), kein BVK-Beitrag ✅ |
Rechtsgrundlagen
- § 67 Abs 6 EStG (6 %-Begünstigung, Viertel-/Zwölftelregelung) und § 67 Abs 8 lit f EStG (Hälftesteuersatz für Sozialplanzahlungen) — zitiert ✅
- § 67 Abs 10 EStG (Tarifbesteuerung des Restbetrags) — zitiert ✅
- § 20 Abs 1 Z 8 EStG (Betriebsausgabenabzug) — zitiert ✅
- § 109 Abs 1 Z 1–6 ArbVG (Betriebsänderung) — zitiert ✅
- § 49 Abs 3 Z 7 ASVG (SV-Beitragsfreiheit) und § 43a ASVG (Auskunftsersuchen ÖGK) — zitiert ✅
- § 90 EStG (Auskunftsersuchen Finanzamt) — zitiert ✅
- LStR 2000/2002 Rz 1085, 1087g, 1114b–1114f — von der Quelle zitierte Richtlinienstellen ✅
Payroll-Relevanz (Odoo)
- Once-off payment „Sozialplanzahlung" als eigene Bezugsart: Lohnsteuer § 67 Abs 8 lit f (Hälftesteuersatz, Grenze € 22.000,–), SV-frei, LNK-frei, BVK-frei — Kombination der vier Kategorien im hr_payroll-Regelwerk.
- Reihenfolge-Algorithmus je Abfertigungsregime (Alt / Neu / Übertritt): erst § 67 Abs 6-Masse (6 %), dann § 67 Abs 8 lit f-Masse, dann Tarif — Regime-Merkmal am Mitarbeitendenstamm steuert die Verzweigung (→ lb-end-13, lb-end-14, lb-end-16).
- Deckel als
hr.rule.parameter: Neunfache/Dreifache der monatlichen ASVG-HBG (Jahreswerte 2026: 62.370/20.790 €) — konsistent mit lb-end-13 (Stand 2026-07). - Abschlagszahlungen (einvernehmlicher Verzicht) getrennt behandeln: volle Tarifbesteuerung + DB/DZ/KommSt + SV-freie Abgangsentschädigung — eigene Kategorie, kein Sozialplan-Kennzeichen.
- Teilzahlungsklausel: Hälftesteuersatz aus der Summe aller Teilbeträge — berechnungslogik über Zahlungsverlauf (mehrere Payslips) vorsehen.
- Bgld. GemBG: Sozialplan-Konstellationen bei Gemeindebetrieben denkbar, Quelltext deckt nur Privatwirtschaft ab ⚠ (→ RECHTSQUELLEN-Bgld.md).
Verweise
- KB-intern: lb-brt-36 (Sozialplan — arbeitsverfassungsrechtliche Grundlagen) · lb-end-12 (Freiwillige Abfertigung - Lohnnebenkosten) · lb-end-13 (Freiwillige Abfertigung - Lohnsteuer, Abfertigung-Alt; gleiche Deckelwerte) · lb-end-14 (Freiwillige Abfertigung - Lohnsteuer, Abfertigung Neu) · lb-end-16 (Freiwillige Abfertigungen - Lohnsteuer, Übertritt Abfertigung Neu) · lb-end-17 (Outplacement)
- Projekt:
personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md(§ 67/68 EStG-Regime; Sozialplan 22.000 €-Hälftesteuersatz dort als verbindlich vermerkt) ·personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Bgld.md(Anwendbarkeit auf GemBG-Betriebsänderungen offen)