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id: lb-brt-17
batch: 8
title: "Bildungsfreistellung von Betriebsratsmitgliedern"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Betriebsrat & Betriebsvereinbarungen"
topic: betriebsrat
author: "Sabara"
stand: 2026-07
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_bildungsfreistellung_von_betriebsratsmitgliedern.pdf"
text: ".lexis360/md/bildungsfreistellung_von_betriebsratsmitgliedern.md"
legal_bases: ["ArbVG § 118", "ArbVG § 118 Abs 3", "ArbVG § 118 Abs 6", "ArbVG § 119", "BRGO § 33"]
tags: [bildungsfreistellung, betriebsratsmitglied, schulungsveranstaltungen, entgeltfortzahlung, ausfallsprinzip, funktionsperiode, betriebsrat]
cross_refs: ["lb-brt-12", "lb-brt-21", "lb-brt-23"]
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# Bildungsfreistellung von Betriebsratsmitgliedern
*Lexis Briefings Personalrecht, Sabara, Stand Juli 2026 (lb-brt-17).*
## Zusammenfassung
- **Anspruch (§ 118 ArbVG):** Jedes Betriebsratsmitglied hat — unabhängig von den
Bildungsfreistellungen der anderen Mitglieder — innerhalb der **fünfjährigen
Funktionsperiode** Anspruch auf **bezahlte** Freistellung zur Teilnahme an Schulungs-
und Bildungsveranstaltungen bis **drei Wochen und drei Arbeitstage**; für
Betriebsräte mit Konstituierung **vor dem 31. 12. 2016** galt nur ein Anspruch von
drei Wochen (Funktionsperiode davor: vier Jahre).
- **Kleinbetriebe:** In Betrieben, in denen **dauernd weniger als 20 Arbeitnehmer**
beschäftigt sind, besteht die Freistellung nur **gegen Entfall des Entgelts** — wohl
aber besteht ein Anspruch auf **Sonderzahlungen und Remunerationen**.
- **Ausnahme:** Bei Vorliegen eines Interesses an einer **besonderen Ausbildung** kann
die Freistellung ausnahmsweise bis zu **fünf Wochen** ausgedehnt werden — erforderlich
sind Kurse, die **unmittelbar für die Betriebsratstätigkeit** von Bedeutung sind (zB
umfassende Ausbildung im Unfallschutz oder in betrieblich genutzten
Informations-/Kommunikationstechnologien).
- **Entgelt:** Fortzahlung nach dem **Ausfallsprinzip** (mutmaßlicher Verdienst, →
lb-brt-21); während der Freistellung **ruht die Arbeitspflicht**, die übrigen
Pflichten (insb Treuepflicht) bestehen fort.
- **Geeignete Veranstaltungen (§ 118 ArbVG, § 33 BRGO):** veranstaltet von
**kollektivvertragsfähigen Körperschaften der Arbeitnehmer (ÖGB, AK) oder der
Arbeitgeber (WKO)** — oder von beiden übereinstimmend als geeignet anerkannt — und
mit Kenntnissen für die Betriebsratsfunktion als vornehmlichem Gegenstand; auch
Einführung in die Rechts-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, Gesetzeshandhabung,
Rhetorik ua (Zweckbestimmung nicht eng auszulegen, OLG Wien 31 Ra 150/94).
- **Verfahren (§ 33 BRGO):** schriftlicher Antrag des Mitglieds an den Betriebsrat
**mindestens vier Wochen** vor Beginn mit Art, Gegenstand, Beginn, Dauer und
Teilnahmemöglichkeit; **Kopie an den Betriebsinhaber**; Eignungsnachweis durch
Bestätigung der zuständigen kollektivvertragsfähigen Körperschaften; Verständigung
des Betriebsinhabers spätestens **vier Wochen** vor Beginn; dieser hat binnen
**zehn Tagen** ab Erhalt über den Zeitpunkt zu beraten, der **im Einvernehmen**
festzusetzen ist; im Streitfall entscheidet das **Gericht**. Nicht eingehaltene
Formvorschriften gefährden den Anspruch auf die konkrete Veranstaltung.
- **Ersatzmitglieder (§ 118 Abs 6 ArbVG):** Bei **dauerndem** Nachrücken Anspruch nur
insoweit, als das ausgeschiedene Mitglied keine Bildungsfreistellung verbraucht
hat; bei vorübergehender Verhinderung **kein** Anspruch. Scheidet ein Mitglied im
Zuge einer **Betriebsänderung** aus, steht dem Ersatzmitglied ein **aliquoter**
Anspruch nach dem Verhältnis der offenen zur gesamten Tätigkeitsdauer zu; hat das
ausgeschiedene Mitglied **weniger als die Hälfte** oder keine Freistellung genutzt,
ein entsprechend größerer bzw der gesamte Anspruch.
- **Zusätzliche Freistellung (§ 119 ArbVG):** In Betrieben mit **mehr als 200
Arbeitnehmern** ist auf Antrag des Betriebsrats ein **weiteres** Betriebsratsmitglied
für die Teilnahme an Schulungs- und Bildungsveranstaltungen bis zum Höchstausmaß
**eines Jahres gegen Entfall des Entgelts** freizustellen — typisch etwa die
Sozialakademie der AK Wien oder länger dauernde Ausbildungslehrgänge von
Gewerkschaften/Arbeiterkammern, auch externe Kurse, wenn die Inhalte der
Betriebsratsfunktion förderlich sind.
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Regelausmaß | **3 Wochen + 3 Arbeitstage** je Funktionsperiode, bezahlt (Stand 2026-07) ✅ |
| Alt-Fälle | Konstituierung vor 31. 12. 2016: Anspruch nur **3 Wochen**; Funktionsperiode davor **4 Jahre** (Stand 2026-07) ✅ |
| Ausnahmeausmaß | bis **5 Wochen** bei Interesse an besonderer Ausbildung (Stand 2026-07) ✅ |
| Kleinbetriebe | dauernd **< 20 AN**: Freistellung gegen **Entfall des Entgelts**, aber Anspruch auf **Sonderzahlungen/Remunerationen** (Stand 2026-07) ✅ |
| Antragstellung | schriftlich an den Betriebsrat **mind. 4 Wochen** vor Beginn; Kopie an Betriebsinhaber; Bestätigung der KV-fähigen Körperschaften beizulegen (§ 33 BRGO) ✅ |
| Beratungsfrist AG | Verständigung des Betriebsinhabers spätestens **4 Wochen** vor Beginn; Beratung über den Zeitpunkt binnen **10 Tagen** ab Erhalt; Einvernehmen, im Streitfall Gericht (§ 33 Abs 57 BRGO) ✅ |
| Ersatzmitglieder | dauerndes Nachrücken: Restanspruch des Vorgängers; Betriebsänderungs-Ausscheiden: **aliquoter** Anspruch, bei < ½ Verbrauch mehr/ganzer Anspruch; vorübergehende Vertretung: **kein** Anspruch (§ 118 Abs 6 ArbVG) ✅ |
| Zusatzfreistellung | Betriebe **> 200 AN**: 1 weiteres Mitglied bis zu **1 Jahr** **unbezahlt** (§ 119 ArbVG) (Stand 2026-07) ✅ |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 118 ArbVG** (Bildungsfreistellung; Abs 3 Veranstaltungen, Abs 6 Ersatzmitglieder) —
ausdrücklich zitiert ✅
- **§ 119 ArbVG** (zusätzliche Freistellung in Betrieben mit mehr als 200
Arbeitnehmern, gegen Entfall des Entgelts) — zitiert ✅
- **§ 33 BRGO** (Antrags-, Nachweis- und Einvernehmensverfahren; vom Export teils als
„BR-GO" abgekürzt) — zitiert ✅
- OLG Wien 31 Ra 150/94 (weite Auslegung der Zweckbestimmung) — als Beleg genannt ✅
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Abwesenheits-/Work-Entry-Typen:** Zwei getrennte Typen modellieren —
Bildungsfreistellung **bezahlter** Art (Standard, Entgeltfortzahlung nach
Ausfallsprinzip) und Bildungsfreistellung **gegen Entfall des Entgelts**
(Kleinbetrieb < 20 AN, § 119-Jahresfreistellung); letztere nur SZ/Remunerationen
fortführen, kein laufendes Entgelt.
- **Verbrauchskonto:** Pro Mandat ein Kontingent **3 Wochen + 3 Arbeitstage je
Funktionsperiode** führen; bei dauerndem Nachrücken das Restkontingent des
Vorgängers, bei Betriebsänderungs-Ausscheiden aliquote Berechnung — Fristbeginn der
Funktionsperiode am Mandatsobjekt speichern (→ lb-brt-02).
- **Fristen-Workflows:** 4-Wochen-Antragsfrist, 10-Tage-Beratungspflicht und
Einvernehmen als Activities/Statusfelder; ohne Dokumentation ist der
Entgeltfortzahlungsanspruch gefährdet.
- **SV-Beitragsgrundlagen:** Unbezahlte Freistellung erzeugt keine Beitragsgrundlage
aus laufendem Entgelt — SV-Meldewesen und Beitragsnachweis berücksichtigen den
Entgeltentfall; bezahlte Freistellung ist regulärer Arbeitszeit (Work Entry)
gleichgestellt.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-brt-12 (Betriebsratsmitglied - Grundsätze der Mandatsausübung) ·
lb-brt-21 (Freistellung von Betriebsratsmitgliedern; Ausfallsprinzip und
Entgeltfortzahlung) · lb-brt-23 (Freizeitgewährung für Betriebsratsmitglieder;
Abgrenzung § 116/117/118 ArbVG)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (Betriebsverfassungsrecht
als Rahmen, unabhängig vom GemBG-Regime)