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id: lb-bnd-13
batch: 8
title: "Einvernehmliche Lösung"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Beendigungsarten"
topic: beendigungsarten
author: "Thöny-Maier"
stand: 2026-06
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_einvernehmliche_losung.pdf"
text: ".lexis360/md/einvernehmliche_losung.md"
legal_bases: ["AngG § 23 Abs 7", "ArbAbfG § 2 Abs 1", "ArbVG § 104a", "ArbVG § 169", "MSchG § 10 Abs 7", "MSchG § 15n", "VKG § 7 Abs 3", "VKG § 8f", "APSG § 16", "BAG § 15 Abs 5"]
tags: [einvernehmliche-loesung, aufhebungsvertrag, vereinbarungssperre, abfertigung, entgeltfortzahlung]
cross_refs: ["lb-bnd-09", "lb-bnd-10", "lb-bnd-11", "lb-son-02", "lb-ent-11"]
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# Einvernehmliche Lösung
*Lexis Briefings Personalrecht, Thöny-Maier, Stand Juni 2026 (lb-bnd-13).*
## Zusammenfassung
- **Wesen:** Die einvernehmliche Auflösung ist ein **Aufhebungsvertrag** aus
allgemeiner Vertragsfreiheit — das Einverständnis beider Seiten ist
erforderlich. **Keine Fristen/Termine** wie bei der Kündigung; der
Beendigungszeitpunkt ist frei vereinbart (sofort oder auch erst Monate
später). Rückwirkend vereinbarte Auflösung: Beendigungszeitpunkt darf **nicht
vor dem letzten Arbeitstag** liegen.
- **Kein rechtswidriger Druck/Irreführung:** Drohen mit Entlassung oder Anzeige
ist nur zulässig, wenn tatsächlich ein **noch nicht verfristeter**
Entlassungsgrund oder ein plausibler Verdacht einer strafbaren Handlung
besteht; entscheidend ist ua, ob sich der AN vor Abschluss **mit seinem
Rechtsbeistand** beraten konnte. Bei rechtswidrigem Druck/Irreführung ist
die Auflösung **aufzuheben**.
- **Form:** grundsätzlich auch mündlich möglich (schriftlich empfohlen);
**besondere Formerfordernisse** (Schriftlichkeit; teils bescheinigte
Belehrung über den Kündigungsschutz): Schwangere/Mütter (§ 10 Abs 7 MSchG),
Väter (§ 7 Abs 3 VKG), Elternteilzeit (§ 15n MSchG / § 8f VKG), Minderjährige
(schriftlich + Belehrungsbescheinigung), Präsenz-/Zivildiener (§ 16 APSG,
Belehrungsnachweis Arb- und Sozialgericht/Arbeiterkammer), Lehrlinge
(§ 15 Abs 5 BAG; bei Minderjährigen zusätzlich Zustimmung beider gesetzlicher
Vertreter). **Formmangel → rechtsunwirksam**; der AN kann die Auflösung aber
(wie bei kündigungsschutzwidriger Kündigung) gegen sich gelten lassen und
**Kündigungsentschädigung** fordern. Belehrungsbescheinigungen der
Vereinbarung beifügen.
- **Krankenstand — neue Rechtslage (seit Beendigungen nach 30. 6. 2018,
BGBl I 2017/153):** Wird die einvernehmliche Auflösung in Hinblick auf eine
Erkrankung oder während der Erkrankung vereinbart, **endet der
Entgeltfortzahlungsanspruch nicht mit der Beendigung**, sondern bleibt
bestehen.
- **Vereinbarungssperre (§ 104a ArbVG):** Bei bestehendem BR kann der AN vor
der Vereinbarung eine **BR-Beratung** verlangen; dann ist für **2 Arbeitstage**
(Verlangtag zählt nicht; bis 24.00 des zweiten Arbeitstages) keine
rechtswirksame einvernehmliche Auflösung möglich. Der AG muss nicht auf dieses
Recht hinweisen. Rechtsunwirksamkeit kann der AN **schriftlich binnen 1 Woche**
nach Ablauf der Frist geltend machen, danach Feststellungsklage **binnen
3 Monaten**; Konsequenz: Arbeitsverhältnis bleibt ununterbrochen aufrecht.
- **Abfertigung Alt:** Die einvernehmliche Auflösung **wahrt** grundsätzlich
den Abfertigungsanspruch (§ 23 Abs 7 AngG / § 2 Abs 1 ArbAbfG); Verzicht im
aufrechten DV ist wirkungslos. OGH-Ausnahmen (Einzelfälle, Beweislast beim
AG): AN ersucht und AG stimmt nur unter Bedingung „keine Abfertigung" zu
(de facto Selbstkündigung); Scheinvereinbarung zur Verschleierung der
Selbstkündigung; AN kündigt und verschiebt nur den Termin (zB für
Nachfolgereinschulung); Handelsvertreter-Kündigung mit Ersuchen um früheren
Termin. Praxistipp: Wenn nur ein früherer Endtermin gewünscht ist, lieber den
AN kündigen lassen und Verzicht auf (Teil der) Kündigungsfrist bestätigen.
- **Konkurrenzklausel & Ausbildungskosten:** Die Konkurrenzklausel kommt bei
einvernehmlicher Auflösung **immer zum Tragen** (auch bei AG-Initiative;
Konventionalstrafe bei Verstoß), sofern nicht vereinbart, dass sie entfällt.
Ausbildungskostenrückersatz ist zulässig vereinbar.
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-06)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Beendigungszeitpunkt | frei vereinbart (sofortig oder künftig); rückwirkend nicht **vor dem letzten Arbeitstag** |
| Form | grundsätzlich auch mündlich; schriftlich empfohlen |
| Schriftform-Pflicht | Schwangere/Mütter (§ 10 Abs 7 MSchG) · Väter (§ 7 Abs 3 VKG) · Elternteilzeit (§ 15n MSchG / § 8f VKG) · Minderjährige (schriftlich + Belehrungsbescheinigung) · Präsenz-/Zivildiener (§ 16 APSG) · Lehrlinge (§ 15 Abs 5 BAG + bescheinigte Belehrung; Minderjährige: Zustimmung beider gesetzlicher Vertreter) |
| Formmangel | Auflösung rechtsunwirksam (DV bleibt aufrecht); AN kann sie aber gelten lassen und Kündigungsentschädigung fordern |
| Entgeltfortzahlung im Krankenstand | für Auflösungen, die **nach 30. 6. 2018** wirken und in Hinblick auf/während einer Erkrankung vereinbart werden: Fortzahlungsanspruch **endet nicht mit der Beendigung** (BGBl I 2017/153) |
| Vereinbarungssperre | § 104a ArbVG: bei BR-Beratungsverlangen **2 Arbeitstage** Sperre; Verlangtag zählt nicht; Fristende 24.00 Uhr des 2. Arbeitstages |
| Rechtsunwirksamkeit geltend machen | schriftlich **binnen 1 Woche** nach Ablauf der 2-Arbeitstage-Frist; Feststellungsklage **binnen 3 Monaten** |
| Hinweispflicht AG | keine Pflicht, auf das BR-Beratungsrecht hinzuweisen (OGH 9 ObA 157/07i) |
| Abfertigung Alt | einvernehmliche Lösung wahrt den Anspruch (§ 23 Abs 7 AngG / § 2 Abs 1 ArbAbfG); Verzicht wirkungslos; OGH-Ausnahmen bei faktischer Selbstkündigung/Scheinauflösung/Terminverschiebung/Handelsvertreter-Konstellation (Beweislast AG) |
| Konkurrenzklausel | greift bei einvernehmlicher Auflösung immer (auch bei AG-Initiative); Vertragsausschluss möglich |
| Ausbildungskostenrückersatz | für einvernehmliche Auflösung zulässig vereinbar |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 23 Abs 7 AngG** und **§ 2 Abs 1 ArbAbfG** (Abfertigungserhalt) — im
Briefing ausdrücklich zitiert ✅
- **§ 104a ArbVG** (Vereinbarungssperre BR-Beratung) und **§ 169 ArbVG**
(Fristberechnung, iVm § 32 Abs 1 AVG) — zitiert ✅
- **§ 10 Abs 7 und § 15n MSchG**, **§ 7 Abs 3 und § 8f VKG** (Schriftlichkeit) —
zitiert ✅
- **§ 16 APSG** (Präsenz-/Zivildiener) und **§ 15 Abs 5 BAG** (Lehrlinge) —
zitiert ✅
- **BGBl I 2017/153** (Änderung der Entgeltfortzahlung bei krankheitsbezogener
einvernehmlicher Auflösung) ✅
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Entgeltfortzahlung über die Beendigung hinaus:** Seit der Rechtslage
2018 läuft die Entgeltfortzahlung bei krankheitsbezogener einvernehmlicher
Auflösung **über das Beendigungsende weiter** → in der hr_payroll-Engine
eine Fortzahlungs-Position nach dem Beendigungstag abbilden (kein
automatisches Ende aller Entgeltläufe mit dem Austrittsdatum).
- **Abrechnungsart „einvernehmlich":** wahrt Abfertigung Alt/Neu-Ansprüche
(→ lb-bnd-09); die OGH-Ausnahmekonstellationen (faktische Selbstkündigung)
sind Beweis-/Klassifizierungsfragen, keine Abrechnungsparameter.
- **§ 104a-Sperre** ist ein Workflow-Schritt (BR-Beratung, 2-Arbeitstage-Frist)
vor Buchung der Beendigung — nicht in der Entgeltberechnung abbildbar,
aber Prozessbestandteil des Beendigungsfalls.
- **Konventionalstrafe (Konkurrenzklausel)** bei Verstoß: AG-Position,
kein SV-BG-Bestandteil; Ausbildungskostenrückersatz → lb-ent-11.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-bnd-09 (Folgen und Ansprüche) · lb-bnd-10
(Austrittserklärung) · lb-bnd-11 (Austrittsgründe Überblick) · lb-son-02
(Sonderzahlungen — Arbeitsrecht) · lb-ent-11 (Aus-/Fortbildungskosten in der
Lohnverrechnung)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (AngG/ArbAbfG/ArbVG-Kernregime)