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id: lb-ent-08
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batch: 2
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title: "Istlohnklauseln in Kollektivverträgen"
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work: "Lexis Briefings Personalrecht"
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chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung"
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topic: entgelt
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author: "Reissner"
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stand: 2026-07
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source:
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pdf: ".lexis360/Lexis360_istlohnklauseln_in_kollektivvertragen.pdf"
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text: ".lexis360/md/istlohnklauseln_in_kollektivvertragen.md"
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legal_bases: ["ArbVG", "ABGB §§ 6 f", "ABGB § 863 Abs 1", "ABGB § 870"]
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tags: [istlohnklausel, aufsaugung, ueberzahlung, kv-entgelterhoehung, jahresspruenge]
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cross_refs: ["lb-ent-03", "lb-ent-04", "lb-ent-09", "lb-ent-10"]
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# Istlohnklauseln in Kollektivverträgen
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*Lexis Briefings Personalrecht, Reissner, Stand Juli 2026 (lb-ent-08).*
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## Zusammenfassung
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- **Istlohnklauseln** (besser: „Ist-Entgelt-Klauseln") valorisieren die
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einzelvertraglichen **Überzahlungen über das kv-Mindestentgelt** mit den
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kollektivvertraglichen Entgelterhöhungen; auch überkollektivvertraglich
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entlohnte Arbeitnehmer sollen in den Genuss kv-bedingter Erhöhungen
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kommen. Derartige Gestaltungen sind in Österreich **zulässig** und
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verbreitet.
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- **Konzeptionen:** prozentuelle Erhöhung der Istlöhne parallel zu den
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Mindestlöhnen (keine Aufsaugung) vs. bloßes Aufrechterhalten der
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€-„Spanne" oder Erhöhung mit geringerem Prozentsatz (teilweise
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Aufsaugung der Überzahlung).
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- Typologie: **qualifizierte** Istlohnklausel (angehobene Istlöhne werden
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neue Mindestentgelte; Zulässigkeit strittig, in der Praxis praktisch
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bedeutungslos), **schlichte** Istlohnklausel (Regelfall: zwingende
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Anhebung in der **„juristischen Sekunde"**, danach wieder Abdingbarkeit
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bis zum kv-Mindestlohn) und **rein dispositive** Klauseln.
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- Gegenstück im Einzelvertrag: **„Aufsaugungsklauseln"** rechnen künftige
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kv-Erhöhungen auf die Überzahlung an; deren Zulässigkeit richtet sich
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nach Klauseltyp und Höhe der Überzahlung (Je-desto-Abwägung des OGH).
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## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
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| Wert / Regel | Detail |
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| Wirkung schlichte Istlohnklausel | Istlohn wird in der „juristischen Sekunde“ mit zwingender Wirkung angehoben; sofort danach wieder bis zum kv-Mindestlohn abdingbar |
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| Nachträgliche Abdingung | in aller Regel unproblematisch, solange das kv-Mindestentgelt nicht angetastet wird; ausdrücklich, mündlich oder konkludent (§ 863 Abs 1 ABGB); keine zivilrechtlichen Mängel (zB § 870 ABGB: Täuschung/Drohung) |
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| Vorwegabdingung (Aufsaugungsklausel) | OGH-Leitentscheidung 8 ObA 173/98v: zulässig, **soweit für den Arbeitnehmer günstiger**; bei **ca. 40 %** überkollektivvertraglicher Überzahlung ist die Vorwegnahme der **nächsten zwei bis drei** Istlohnerhöhungen zulässig |
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| Je-desto-Regel | je höher die Überzahlung über dem kv-Mindestentgelt, desto mehr „Pausen“ möglich: ~40 % → dreimaliges Auslassen angemessen (ab dem vierten Mal Mitgehen); 40–50 % → vier Pausen |
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| Qualifizierte Istlohnklausel | Zulässigkeit nach ArbVG strittig (Lehrmeinungen dafür und dagegen); kommt in der Kollektivvertragspraxis praktisch nie vor |
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| Dispositive Istlohnklausel | möglich (Rsp: dispositive KV-Regelungen nur bei sachlichem Grund); müsste sich klar aus dem KV ergeben, da sie unbeschränkte Vorwegabdingung (Aufsaugung) ermöglicht; Gegenausdruck: kv-„Aufsaugungsverbot“ |
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| Rückwirkende Ist-Entgelterhöhung | erfasst mangels Übergangsbestimmungen auch Arbeitsverhältnisse, die im Rückwirkungszeitraum (Fall: 1. 1.–31. 5. 2022), nicht aber im Abschlusszeitpunkt (21. 7. 2022) aufrecht bestanden (OGH 13. 2. 2025, 9 ObA 75/24f) |
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| Jahressprünge | Biennal-/Quinquenniensprünge stufen das kv-Mindestentgelt um; zeitgleiche Istlohn-Anhebungen meist über Spannenregelungen; für Vorwegabdingung gilt dieselbe Angemessenheitsprüfung (OLG Wien 25. 5. 2023, 8 Ra 44/23h) |
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| Auslegung | Verhältnis der Klausel zu Vertragsgestaltungen mittels §§ 6 f ABGB; im Zweifel schlichte Istlohnklausel mit kurzfristig zwingender Wirkung |
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## Rechtsgrundlagen
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- **ArbVG** als Rahmen der Zulässigkeitsfrage (Vorbehalt der
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Mindestarbeitsbedingungen; zu § 2 und § 3 ArbVG nur
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Literaturverweise im Quelltext — ⚠ Detailverifikation vor
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Implementierung über RIS).
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- **ABGB:** §§ 6 f (Vertragsinterpretation), § 863 Abs 1 (konkludente
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Vereinbarung), § 870 (Willensmängel).
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- Judikatur: 8 ObA 173/98v (Leitentscheidung Vorwegabdingung),
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8 ObA 88/04f und 9 ObA 118/12m (dispositive KV-Regelung nur bei
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sachlichem Grund), OGH 9 ObA 75/24f (rückwirkende Ist-Entgelterhöhung),
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OLG Wien 8 Ra 44/23h (Jahressprünge).
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## Payroll-Relevanz (Odoo)
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- **KV-Valorisierung:** Bei jeder kv-Mindestlohnerhöhung (→ lb-ent-09,
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KV-Werte im KV-Framework) ist zu entscheiden, ob der
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überkollektivvertragliche Istlohn (Vertragsentgelt, → lb-ent-03)
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angepasst wird — prozentgleiche Istlohnklauseln verlangen eine
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**automatische Erhöhung des Ist-Entgelts** um den kv-Prozentsatz, nicht
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nur eine Anhebung der Untergrenze.
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- **Aufsaugungslogik:** Liegt das Vertragsentgelt über dem neuen
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kv-Mindestlohn, bleibt es unverändert (Aufsaugen der Überzahlung) —
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die Engine braucht beide Modi (Ist-Mitgehen vs. Spannenwahrung) als
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am KV parametrisierbare Verhaltensweisen.
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- **Bezugsanpassung:** Der jährliche kv-Update-Zyklus (Import neuer
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KV-Werte) muss erkennen, welcher Mitarbeiter dem Istlohn- oder dem
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Mindestlohnregime folgt; Istlohnklauseltyp je KV als Metadatum
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führen.
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- **Rückwirkung:** Nachträgliche kv-Rückwirkungszeiträume erzeugen
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Korrekturslips für abgeschlossene Perioden (→ lb-ent-05 für Fristen).
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## Verweise
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- **KB-intern:** lb-ent-03 (Einzelvereinbarung: überkollektivvertragliches
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Entgelt, Aufsaugungsklauseln) · lb-ent-04 (gesetzliche Grundlagen) ·
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lb-ent-09 (KV, Satzung, Mindestlohntarif) · lb-ent-10 (Soll-/Ist-Lohn)
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- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`.
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- *Hinweis:* Die Verweisstelle „Beispiele zu Istlohnklauseln in
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Kollektivverträgen siehe hier" ist im Export abgeschnitten (Linkziel
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nicht rekonstruiert).
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Reference in New Issue
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