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id: lb-end-24
batch: 8
title: "Kündigungsentschädigung - Arbeitsrecht"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Beendigungsansprüche & Endabrechnung"
topic: endabrechnung
author: "Haider"
stand: 2025-06
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_kundigungsentschadigung_arbeitsrecht.pdf"
text: ".lexis360/md/kundigungsentschadigung_arbeitsrecht.md"
legal_bases: ["AngG § 29", "AngG § 32", "AngG § 34", "ABGB § 1162b", "ABGB § 1162d", "AMFG § 45a", "ArbVG § 105", "BEinstG § 8 Abs 1", "MSchG", "VKG"]
tags: [kundigungsentschadigung, bemessungsgrundlage, anrechnung, verfallsfrist, bestandsschutz, mitverschulden]
cross_refs: ["lb-bnd-38", "lb-bnd-39", "lb-bnd-42", "lb-end-23", "lb-url-16"]
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# Kündigungsentschädigung - Arbeitsrecht
*Lexis Briefings Personalrecht, Haider, Stand Juni 2025 (lb-end-24).*
## Zusammenfassung
-**Alter Quellenstand Juni 2025** — alle Regeln/Fristen vor Umsetzung
gegen RIS verifizieren; das Quelltext enthält **keine €-Werte**, wohl aber
fristgebundene Anspruchsregeln, die als solche mit Stand zu führen sind.
- **Anspruch:** löst der AG das Arbeitsverhältnis rechtswidrig auf oder gibt
er dem AN einen Auflösungsgrund aus wichtigem Grund, gebührt dem AN die
**Kündigungsentschädigung (KE) bis zur nächsten ordnungsgemäßen
Beendigungsmöglichkeit** (§ 29 AngG / § 1162b ABGB): bei unbegründeter
Entlassung, gerechtfertigtem vorzeitigen Austritt aus Verschulden des AG
(nicht: gesundheitliche Gründe), zeitwidriger DG-Kündigung unter
Nichteinhaltung der gesetzlichen/KV-/vertraglichen Kündigungsfristen und
-termine, DG-Kündigung im befristeten DV ohne Kündigungsmöglichkeit,
Zugang der Auflösungserklärung im Probemonat nach dem Probemonat,
rechtswidriger Kündigung bestandgeschützter AN, die die Kündigung gegen
sich gelten lassen, sowie Kündigung ohne Einhaltung des
**Frühwarnsystems nach § 45a AMFG** (wenn der AN die Kündigung gegen sich
gelten lässt). Das DV endet mit Ausspruch rechtlich — ab dann
**Schadenersatz** statt Arbeitspflicht (Stand 2025-06).
- **Bemessungsgrundlage („Entgelt"):** laufende Bezüge; regelmäßig geleistete
Überstunden, soweit sie auch in der Kündigungsfrist erforderlich gewesen
wären (Regelfall **13-Wochen-Durchschnitt**, bei großen Schwankungen
Jahresdurchschnitt); Überstundenpauschale; Zulagen; **Provisionen und
Prämien (12-Monats-Durchschnitt)**; Aktienoptionen; Gewinnbeteiligung;
Abgeltung von Sachbezügen (zB PKW-Privatnutzung); **aliquote SZ** für den
fiktiven Zeitraum; **Erhöhungen** der Urlaubsersatzleistung und der
Abfertigungsansprüche („Sprung" im System Abfertigung alt) **während** der
fiktiven Restvertragsdauer (bereits am Beendigungstag bestehende
Ansprüche zählen nicht zur KE); indirekte Entgelte (Pensionskasse,
Gruppenversicherung). Kein KE-Anspruch, soweit in der fiktiven Frist kein
Entgeltanspruch besteht (zB langer Krankenstand, Karenz); Wechsel des
Arbeitszeitausmaßes → neues Ausmaß maßgeblich (Stand 2025-06).
- **Fälligkeit:** die ersten **drei Monate sofort** bei Beendigung
(Zinslauf ab Folgetag, OLG Wien 7 Ra 42/16x); der übersteigende Teil
(ab dem 4. Monat) erst in jenem Monat, in dem bei fortlaufendem DV das
Entgelt fällig geworden wäre.
- **Anrechnung** (nur für den über drei Monate liegenden Zeitraum): (1)
erspartes (Fahrtspesen, Mehraufwand), (2) anderweitiges Einkommen
(laufendes Entgelt samt Zuschlägen/schwankenden Bestandteilen;
Urlaubsanspruch beim neuen AG auf die UEL), (3) absichtlich versäumter
Verdienst (strenge, restriktive Auslegung; keine unzumutbare Arbeit,
keine Trennung von der Familie). **Nicht** anzurechnen: echte
Aufwandsentschädigungen, bereits im alten DV erworbene Nebenverdienste
im gleichen Ausmaß, Pension, (rückforderbares) Arbeitslosengeld,
Notstandshilfe, Unfallrente, Aus-/Weiterbildungshilfen; zu GmbH-Gewinnen
des AN vgl. OGH 9 ObA 92/20z. In den ersten drei Monaten darf der AN
neues Gehalt **und** KE behalten (Stand 2025-06).
- **Mitverschulden (§ 32 AngG):** bei AN-Mitverschulden (zB keine
Entlastungsbeweise beim Diebstahlsverdacht; Vereitelung des
Kündigungsausspruchs durch Nichterscheinen) Mäßigung bis zum
gänzlichen Entfall im Richterermessen.
- **Bestandgeschützte Arbeitsverhältnisse:** Wahlrecht (aufrechter Bestand
per Feststellungsklage **oder** Kündigung gelten lassen + KE; nur einmal
ausübbar). KE-Zeiträume: **Betriebsräte** = normale Kündigungsfrist
(ohne Funktionsdauer); **Mütter in Karenz** (MSchG/VKG) und
**Elternteilzeit** = geschützter Zeitraum (verbleibende Karenz + 4 Wochen
bzw. bis zum 4. Lebensjahr des Kindes) zuzüglich anschließender
Kündigungsfrist/-termine; **Lehrlinge** = Zeit bis Lehrende +
Behaltefrist (Ausnahme: Probezeit, 9 ObA 135/18w);
**Präsenz-/Zivildiener** = geschützter Zeitraum (zB 1 Monat nach
Präsenzdienstende) + Fristen; **Behinderte** = DG-Kündigung mit
**6monatiger** Kündigungsfrist (Ausnahme: **4wöchige** Frist gem
§ 8 Abs 1 BEinstG) (Stand 2025-06).
- **Verfallsfrist:** die KE ist innerhalb von **6 Monaten ab dem Tag der
Auflösung gerichtlich** beim Arbeits- und Sozialgericht geltend zu
machen (Präklusivfrist; § 34 AngG, § 1162d ABGB) — schriftliche
Geltendmachung nur gegenüber dem AG genügt **nicht**. Verkürzung durch
KV/DV nur, wenn günstiger (Quellbeispiel: 4 Monate schriftliche
Geltendmachung + 3-jährige Verjährung ist günstiger als 6 Monate
gerichtlich). Unterbrechung u.a. bei Anfechtung der
Beendigungserklärung nach § 105 ArbVG (Stand 2025-06).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2025-06)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Rechtsgrundlagen | § 29 AngG / § 1162b ABGB: KE bis zur nächsten ordnungsgemäßen Beendigungsmöglichkeit ✅ (Stand 2025-06) |
| Anspruchsfälle | unbegründete Entlassung; gerechtfertigter vorzeitiger Austritt (AG-Verschulden); zeitwidrige DG-Kündigung; Kündigung im befristeten DV ohne Kündigungsmöglichkeit; Auflösungserklärung im Probemonat nach dem Probemonat; rechtswidrige Kündigung bestandgeschützter AN; Kündigung ohne Frühwarnsystem (§ 45a AMFG) bei Geltendlassen ✅ (Stand 2025-06) |
| Quellbeispiel | zu Unrecht entlassen am 4. 3. nach 1 Jahr; ordnungsgemäße Kündigung: 2 Monate zum Quartalsende → **KE 5. 3.30. 6.** ✅ (Stand 2025-06) |
| Bemessungsgrundlage | laufende Bezüge; regelmäßig geleistete Überstunden (**13-Wochen-Durchschnitt**, sonst Jahresdurchschnitt); Überstundenpauschale; Zulagen; Provisionen/Prämien (**12-Monats-Durchschnitt**); Aktienoptionen; Gewinnbeteiligung; Sachbezugsabgeltung; aliquote SZ; fiktive UEL-/Abfertigungserhöhungen; indirekte Entgelte ✅ (Stand 2025-06) |
| Kein Anspruch | wenn während der fiktiven Frist kein Entgeltanspruch bestünde (langer Krankenstand, Karenz) ✅ |
| Arbeitszeitwechsel | neues Arbeitszeitausmaß (zB Teilzeit) ist KE-Basis |
| Fälligkeit | erste **3 Monate sofort** (Zinslauf ab Folgetag); ab dem **4. Monat** wie bei fortlaufendem DV fällig ✅ (Stand 2025-06) |
| Anrechnung ab 4. Monat | erspartes; anderweitiges Einkommen; absichtlich versäumter Verdienst — nicht: Aufwandsentschädigungen, im alten DV erworbene Nebenverdienste (gleiches Ausmaß), Pension, (rückforderbares) ALG, Notstandshilfe, Unfallrente, Aus-/Weiterbildungshilfen ✅ (Stand 2025-06) |
| Mitverschulden | § 32 AngG: Mäßigung bis zum gänzlichen Entfall ✅ (Stand 2025-06) |
| Bestandsschutz | Wahlrecht nur einmal; KE-Zeiträume je Gruppe: BR = normale Frist; Karenz/Elternteilzeit = Schutzzeitraum + 4 Wochen bzw. bis 4. Lebensjahr + Fristen; Lehrlinge = bis Lehrende + Behaltefrist; Präsenz-/Zivildiener = Schutzzeitraum + Fristen; Behinderte = 6 Monate (Ausnahme 4 Wochen, § 8 Abs 1 BEinstG) ✅ (Stand 2025-06) |
| Verfallsfrist | **6 Monate ab Auflösung, gerichtlich** (Präklusivfrist; § 34 AngG / § 1162d ABGB); schriftliche Geltendmachung nur gegenüber AG genügt nicht; günstigere KV-/Vertragsregelung zulässig ✅ (Stand 2025-06) |
| Unterbrechung | u.a. Anfechtung der Beendigungserklärung nach § 105 ArbVG ✅ (Stand 2025-06) |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 29 AngG** (KE-Anspruch Angestellte) — ausdrücklich zitiert ✅
- **§ 32 AngG** (Mitverschulden, Mäßigung) — zitiert ✅
- **§ 34 AngG** (Verfallsfrist) — zitiert ✅
- **§ 1162b, § 1162d ABGB** (Arbeiter-Parallelnormen Anspruch/Verfall) —
zitiert ✅
- **§ 45a AMFG** (Kündigungsfrühwarnsystem) — zitiert ✅
- **§ 105 ArbVG** (Kündigungsanfechtung, Unterbrechung der Verfallsfrist) —
zitiert ✅
- **§ 8 Abs 1 BEinstG** (Kündigungsfrist für Behinderte) — zitiert ✅
- **MSchG, VKG** (Bestandschutz Mütter in Karenz) — als Gesetze genannt ⚠
Nomenklatur der Quelle (Stand 2025-06) vor Umsetzung via RIS prüfen
(Karenz-Schutzregime)
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Bemessungslogik:** KE-Höhe aus Entgeltbestandteilen inkl.
Durchschnittsberechnungen (13-Wochen-/12-Monats-Durchschnitte) und
**fiktiven** SZ-/UEL-/Abfertigungserhöhungen — als once-off payment in
der Endabrechnung mit eigenen Rechenschritten (hr_payroll-Engine),
Verweise auf die Abrechnungs-/Beendigungsdaten in hr.contract.
- **Fiktive Perioden:** die Fälligkeitsteilung (3 Monate sofort / Rest
monatlich) und die SV-Verteilung (→ lb-end-23) laufen über dieselben
fiktiven Monate — ein einheitliches Modell „fiktive Restlaufzeit"
verwenden.
- **Anrechnung** (ab 4. Monat) braucht Fremddaten beim AN (neuer AG,
Nebenverdienst) — manuell gestützter Prozess, kein Automat; im
Abrechnungsworkflow als Korrekturposition einpflegbar.
- **Verfallsfrist 6 Monate** als Fristen-/Dokumenten-Hinweis
(Prozess-/Workflow-Erinnerung), keine Abrechnungsregel.
- **Bestandsschutz-Gruppen** mit verlängerten KE-Zeiträumen als
AN-Merkmal führen — Auswirkung auf die Verlängerungsdauer der
Pflichtversicherung im Meldewesen (→ lb-end-23).
- **GemBG-Hinweis:** für Bgld. Gemeindebedienstete greift § 29 AngG nicht
(GemBG-Beendigungsregime verdrängt das AngG) — KE-Themen dort nach
GemBG-Dienstrecht zu klären (→ RECHTSQUELLEN-Bgld.md).
## Verweise
- **KB-intern:** lb-bnd-38 (Besonderer Kündigungsschutz) · lb-bnd-39
(Kündigungsausspruch) · lb-bnd-42 (Kündigungsfrühwarnsystem) · lb-end-23
(Kündigungsentschädigung - Abgabenrecht) · lb-url-16
(Urlaubsersatzleistung - Arbeitsrecht)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (AngG/ABGB-Regime
der Privatwirtschaft; arbeitsrechtlicher Quelltext ohne €-Werte — keine
Konflikte) · `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Bgld.md` (GemBG verdrängt
AngG)
- *Hinweis:* Die Quellverweisstelle „Beispiel: Berechnung
Kündigungsentschädigung" ist im Export **abgeschnitten** — nicht
rekonstruierbar, der zugehörige Rechenfall fehlt im Layer 1.