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id: lb-pfa-11
batch: 4
title: "Lohnpfändung - Unterhaltspflichten"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung"
topic: lohnpfandung
author: "Kraft"
stand: 2026-07
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_lohnpfandung_unterhaltspflichten.pdf"
text: ".lexis360/md/lohnpfandung_unterhaltspflichten.md"
legal_bases: ["EO § 292f Abs 2"]
tags: [lohnpfandung, unterhaltspflichten, unterhaltsgrundbetrag, unterhaltspfandung, fuersorgepflicht]
cross_refs: ["lb-pfa-01", "lb-pfa-04", "lb-pfa-05", "lb-pfa-06"]
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# Lohnpfändung Unterhaltspflichten
*Lexis Briefings Personalrecht, Kraft, Stand Juli 2026 (lb-pfa-11).*
## Zusammenfassung
- **Gesetzliche Unterhaltspflichten** des Schuldners bewirken gegenüber
gewöhnlichen Gläubigern (zB Versandhaus, Versicherung, Leasingfirma)
idR ein **höheres Existenzminimum** — erreicht über pauschale
**Unterhaltsgrundbeträge** je Pflicht und
**Unterhaltssteigerungsbeträge** (**10 %** des Mehrverdienstes je
Pflicht), maximal für **5** Unterhaltspflichten. So sollen die
Lebenshaltungskosten der unterhaltsberechtigten Angehörigen
abgedeckt werden.
- **Unterhaltspfändungen:** Werden gesetzliche Unterhaltspflichten nicht
freiwillig erfüllt, können sie exekutiv eingetrieben werden. Gegenüber
**pfändenden Unterhaltsgläubigern** steht nur ein **geringeres
Existenzminimum** (Unterhaltsexistenzminimum) zu; andere, nicht
exekutiv betriebene gesetzliche Unterhaltspflichten (zB gegenüber dem
ehelichen Kind) wirken darauf wiederum erhöhend (→ lb-pfa-05).
- **Mitwirkung des Schuldners:** Der Dienstnehmer hat dem Dienstgeber
bei einer Lohnpfändung von sich aus mitzuteilen, ob und für welche
Personen gesetzliche Unterhaltspflichten bestehen. Kommt gar keine
Information herein, sollte der Dienstgeber — aus der
arbeitsrechtlichen **Fürsorgepflicht** — nachfragen, sofern die
Angabe nicht schon bei der Bewerbung erhoben wurde (Belegstelle des
Quelltexts: OLG Wien 10 Ra 69/07a = ARD 5942/8/2009).
- **Vereinfachungsregel (§ 292f Abs 2 EO):** Der Dienstgeber darf für
die pfändungsrechtliche Berücksichtigung **von den Angaben des
Dienstnehmers ausgehen**, solange deren Unrichtigkeit nicht
offensichtlich oder nicht durch Gerichtsbeschluss widerlegt ist.
Konkret: Mitgeteilte Unterhaltspflichten grundsätzlich berücksichtigen
(Beweisgründe: **Schriftlichkeit** empfehlen); teilt der Dienstnehmer
keine mit, darf der Dienstgeber davon ausgehen, dass keine bestehen.
**Keine Pflicht zu aufwendigen Recherchen** über Unterhaltspflichten.
- Die Angaben sind in der **Drittschuldnererklärung** anzuführen und
der **Pfändungsberechnung** zugrunde zu legen.
- **Praxistipp des Quelltexts:** Aus Beweissicherung eine
**schriftliche Erklärung** über bestehende Unterhaltspflichten vom
Dienstnehmer geben lassen (bzw. die Aufforderung zur Mitteilung
nachweislich, zB per E-Mail, dokumentieren).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Unterhaltsgrundbetrag (monatlich je Pflicht) | 2026: **€ 261,**; 2025: € 254,; 2024: € 243,; 2023: € 222,; 2022: € 206,; 2021: € 200,; 2020: € 193, (Stand 2026-07) |
| Unterhaltssteigerungsbetrag | **10 %** des Mehrverdienstes je gesetzliche Unterhaltspflicht (Stand 2026-07) |
| Obergrenze Pflichten | maximal **5** Unterhaltspflichten (Stand 2026-07) |
| Unterhaltsexistenzminimum | gegenüber pfändenden Unterhaltsgläubigern **geringer**; nicht exekutierte andere Pflichten wirken erhöhend (Stand 2026-07) |
| Vereinfachungsregel | Angaben des Dienstnehmers genügen, solange nicht offensichtlich falsch oder gerichtlich widerlegt (§ 292f Abs 2 EO — ✅ zitiert) (Stand 2026-07) |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 292f Abs 2 EO** — ✅ ausdrücklich zitiert (Vereinfachungsregel:
Angaben des Verpflichteten zugrunde legen, solange nicht
offensichtlich unrichtig).
- Die Wertserie zum Unterhaltsgrundbetrag stimmt mit lb-pfa-05
(gleicher Stand 2026-07) überein — ✅ korpusintern verifiziert.
- Die Nachfragepflicht aus der Fürsorgepflicht ergibt sich aus
Rechtsprechung (OLG Wien 10 Ra 69/07a, ARD 5942/8/2009), nicht aus
ausdrücklichem Gesetzestext — ⚠ bei Implementierung als
Prozesshinweis, nicht als normative Pflicht kodieren.
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Employee-Stammdaten „Unterhaltspflichten":** Anzahl (max. 5 wirksam)
und Status je Pflicht als versionierte Datenfelder mit
Änderungshistorie führen — sie wirken direkt auf
Grund-/Steigerungsbeträge der Existenzminimum-Berechnung (→
lb-pfa-05) und auf die Tabellenspaltenwahl.
- **Beleg/Dokumentation:** Schriftliche Erklärung des Mitarbeiters als
Anhang erfassen; Aufforderung zur Mitteilung nachweisbar dokumentieren
(Beweissicherung — Haftungsbegrenzung des Arbeitgebers).
- **Differenzierung exekutiert/nicht exekutiert:** Für das
Unterhaltsexistenzminimum zählen nur die **nicht** exekutiv
eingetriebenen Pflichten — je Pflicht kennzeichnen, ob eine
Unterhaltsexekution anhängig ist.
- **Drittschuldnererklärung:** Unterhaltspflichten aus den Stammdaten in
die Erklärung übernehmen (→ lb-pfa-06); keine eigenen
Rechercheprozesse anstoßen.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-pfa-01 (Einlangen, Nachfragepflicht aus der
Fürsorgepflicht) · lb-pfa-04 (Begriff und Arten) · lb-pfa-05 (Berechnung
Existenzminimum, Unterhaltsmasse) · lb-pfa-06 (Drittschuldnererklärung)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`;
Bgld.-Gemeinden siehe `RECHTSQUELLEN-Bgld.md`.
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