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id: lb-son-04
batch: 3
title: "Sonderzahlungen - Steuer"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung"
topic: sonderzahlungen
author: "Gruber/Haas"
stand: 2026-08
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_sonderzahlungen_steuer.pdf"
text: ".lexis360/md/sonderzahlungen_steuer.md"
legal_bases: ["EStG § 67", "EStG § 77", "EStG § 41 Abs 4", "EStG § 3", "EStG § 26", "EStG § 33 Abs 1a", "EStG § 124b Z 449", "LStR 2002"]
tags: [sonderzahlungen, jahressechstel, sonstige-bezuge, freigrenze, lohnsteuer, kontrollsechstel]
cross_refs: ["lb-son-01", "lb-son-02", "lb-son-03", "lb-prm-04", "lb-prm-06", "lb-zus-04", "lb-zus-05", "lb-rei-07", "lb-sac-03", "lb-ent-01"]
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# Sonderzahlungen Steuer
*Lexis Briefings Personalrecht, Gruber/Haas, Stand August 2026 (lb-son-04).*
## Zusammenfassung
- **Sonstiger Bezug (§ 67 Abs 1 und 2 EStG):** Steuerrechtlich ist nur
Entgelt begünstigt abrechenbar, das sich nach **Rechtstitel und
tatsächlicher Auszahlung** deutlich von den laufenden Bezügen
unterscheidet — üblich WR, UZ, Bilanzgeld, Bonifikation, Jahreserfolgs- und
Einmalprämien, Jubiläumsgeld, Quartals-/Jahresprovisionen. Begünstigt
besteuert wird grundsätzlich nur, was im Normalfall dem zweifachen
durchschnittlichen Monatsbezug (= **Jahressechstel**) entspricht; bei
jeder Auszahlung eines sonstigen Bezuges ist das Sechstel **neu zu
berechnen**.
- **Monatlich anteilig ausbezahlte SZ** (UZ/WR) bleiben zwar dem
Rechtstitel nach sonstige Bezüge, sind aber wegen der
Auszahlungsmodalität gemeinsam mit den laufenden Bezügen nach **§ 67
Abs 10 EStG tariff** zu versteuern (LStR Rz 1050) — nicht
jahressechstelerhöhend.
- **Provisionen/Prämien:** monatliche Abrechnung/Auszahlung oder
Akontierung (auch schwankender Höhe) → laufende Bezüge; Abrechnung in
größeren Zeiträumen ohne Akontierung → sonstiger Bezug;
Provisionsabgleich-Spitzen nach monatlicher Akontierung sind laufende
Bezüge (LStR Rz 1052).
- **Sechstelberechnung:** Bisher zugeflossene laufende Bruttobezüge
**× 60 / abgelaufene Lohnsteuertage** (volle Kalendermonate zählen
monatlich mit 30 Tagen); alternativ bei vollen Monaten: Monatsdurchschnitt
Ein gleichzeitig mit dem sonstigen Bezug ausgezahlter laufender
Bezug ist einzubeziehen; wird der sonstige Bezug **vor** dem laufenden
Bezug ausgezahlt, zählt der Divisor nur bis zum Vormonatsende.
- **Sechstelbasis:** u. a. Lohn/Gehalt, laufende geldwerte Vorteile
(Sachbezüge), Kranken-/Urlaubs-/Feiertagsentgelt, laufende
Prämien/Provisionen, Zulagen und Zuschläge (zB SEG-Zulagen), Sonn-/
Feiertags-/Nachtzuschläge, steuerpflichtige Teile von
Reisekostenvergütungen und Wohnung-Arbeitsstätte-Fahrten. Nicht
einbezogen: nicht steuerbare Bezüge (§ 26), steuerfreie Bezüge (§ 3)
außer Auslandsmontage, Entwicklungshilfe und monatliche
Zukunftssicherungsmaßnahmen, sowie sämtliche sonstige Bezüge
(inkl. Sechstelüberschreitungen).
- **Kontrollsechstel (§ 77 Abs 4a EStG, seit Steuerreformgesetz 2020):**
Bei Zufluss des letzten laufenden Bezuges des Jahres (Dezember bzw.
Beendigungsmonat) ist zu prüfen, ob mehr als ein Sechstel der
Jahreslaufbezüge begünstigt besteuert wurde; Überhänge sind verpflichtend
nach § 67 Abs 10 aufzurollen (Ausnahme: unterjährige Elternkarenz).
Bei Nachzahlung laufender Bezüge bis 15. 2. des Folgejahres kann eine
bereits vorgenommene Nachversteuerung korrigiert werden.
- **§ 77 Abs 5 EStG:** Sonstige Bezüge für das Vorjahr, die bis 15. 2.
des Folgejahres ausbezahlt werden, erzwingen eine Neuberechnung des
Jahressechstels unter Einbeziehung aller zuvor ausbezahlten laufenden
Bezüge. Sonst lassen aufgerollte laufende Bezüge bereits abgerechnete
sonstige Bezüge unberührt.
- **Mehrere Arbeitgeber:** hintereinander mit vorgelegtem L16 (Lohnzettel)
→ Behandlung, als hätte ein Arbeitgeber bezahlt (Restfreibetrag,
Freigrenzen-Nachbelastung/-Gutschrift); ohne L16 → Berechnung nur aus
eigenen Bezügen (Mehrfachnutzung des Freibetrags wird in der Veranlagung
korrigiert); parallel → jeder Arbeitgeber rechnet selbst und nutzt
Freibetrag/Freigrenze jeweils eigenständig.
- **Freibetrag (€ 620,) und Freigrenze (€ 2.615,)** gelten nur für
sonstige Bezüge nach § 67 Abs 1 und 2, nicht für Bezüge nach
§ 67 Abs 38 (Abfertigungen, Vergleichszahlungen etc.).
- **Dynamik:** Liegt das Sechstel bei Auszahlung (noch) innerhalb der
Freigrenze, bleibt der sonstige Bezug vorerst steuerfrei; steigt es
später im Jahr über die Freigrenze, sind die früher steuerfrei
belassenen Bezüge nachzuversteuern, sinkt es darunter, ist die
einbehaltene Steuer zurückzuvergüten.
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Fixsatz-Staffel § 67 Abs 1 | erste **€ 620,: 0 %** · nächste **€ 24.380,: 6 %** · nächste **€ 25.000,: 27 %** · nächste **€ 33.333,: 35,75 %**; darüber (über € 83.333,): Tariflohnsteuer nach § 67 Abs 10 — ✅ ident mit RECHTSQUELLEN-Privat (GP0, EStG-Verifikation Stand 02.08.2026) |
| Freigrenze | **€ 2.615, (2026)** ✅ RECHTSQUELLEN; unterhalb der Grenze unterbleibt die Pauschalierung; Historie: bis 2023 € 2.100, · 2024 € 2.447, (BGBl I 2024/13, § 124b Z 449) · 2025 € 2.570, (PrAG 2025) · 2026 € 2.615, (InflationsanpassungsVO 2026, BGBl II 2025/191) |
| 30 %-Begrenzung (Veranlagung) | bei Jahressechstel bis € 25.000, Steuer max 30 % der € 2.330, (2024) übersteigenden Bemessungsgrundlage; Grenze für die 30 %-Anwendung 2026: **€ 2.490,** |
| Sechstelformel | zugeflossene laufende Brutto-Bezüge × 60 ÷ abgelaufene Lohnsteuertage; volle Monate: Monatsdurchschnitt × 2; Neuberechnung bei jeder SZ-Auszahlung |
| Kontrollsechstel | § 77 Abs 4a: Rollup/Rolldown beim letzten laufenden Jahresbezug; Ausnahme Elternkarenz; Korrektur bei Lohnnachzahlung bis 15. 2. des Folgejahres — ✅ RECHTSQUELLEN (dort mit Ausnahmenkatalog § 77 Abs 4a lit aj) |
| SZ für Vorjahr | Auszahlung bis 15. 2. → Sechstel-Neuberechnung nach § 77 Abs 5 mit allen zuvor geflossenen laufenden Bezügen |
| Beendigung unterjährig | Laufende Bezüge ÷ abgelaufene Lohnsteuertage (volle Monate = 30 Tage) × 60; Urlaubsersatzleistung: Sechstel um 1/6 des laufenden Anteils erhöhen |
| Abzugsfolge | von der SZ zuerst DN-SV-Beiträge und Freibetrag € 620, abziehen, dann Fixsätze — RECHTSQUELLEN weist die SV-Abzugspflicht § 67 Abs 12 zu ✅ (Quelltext nennt die Mechanik ohne Abs-Zitat) |
| Arbeitgeberwechsel | L16-Vorlage: konsolidierte Betrachtung; ohne L16: eigene Bezüge; parallele Dienstverhältnisse: jeder AG nutzt Freibetrag/Freigrenge selbst |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 67 Abs 1 und 2 EStG** (sonstige Bezüge, Fixsatz-Staffel),
**§ 67 Abs 10** (Tarifbesteuerung über dem Sechstel), **§ 77 Abs 3**
(Aufrollung — für die 2024er-Freigrenzen-Erhöhung spätestens bis
30. 6. 2024), **§ 77 Abs 4** (30 %-Grenze), **§ 77 Abs 4a**
(Kontrollsechstel), **§ 77 Abs 5** (SZ bis 15. 2.), **§ 41 Abs 4**,
**§ 33 Abs 1a** (Freigrenze und 30 %-Grenze sind nicht Teil der
Progressionsabgeltung), **§ 3/§ 26** (Sechstelbasis),
**§ 124b Z 449** (Freigrenzen-Anpassung 2024).
- Auslegungsbehelfe: **LStR 2002** Rz 1050 (monatliche SZ-Auszahlung),
Rz 1052 (Provisionsspitzen), Rz 1060 (Lohnsteuerprotokoll 2009,
Arbeitgeberwechsel), Rz 1193b (Kontrollsechstel-Korrektur).
- Steuergesetzgebung: Steuerreformgesetz 2020 (BGBl I 2019/103),
BGBl I 2024/13, PrAG 2025, Inflationsanpassungsverordnung 2026
(BGBl II 2025/191).
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **§ 67-Engine:** Kennzeichnung jeder Bezugsregel als laufend vs. sonstiger
Bezug (13./14.-Regeln B13/B14) steuert die Behandlung; die
Sechstelberechnung braucht den **Jahresstand der laufenden Bezüge je
AN** (Lohnkonto-Aggregation, × 60 ÷ Lohnsteuertage) und eine
Neuberechnung bei jeder SZ-Auszahlung (Payslip-abhängige Regel,
kein statischer Parameter).
- **Freigrenze/Freibetrag/Staffelgrenzen als `hr.rule.parameter`-Jahreswerte**
(2026: 2.615/620/24.380/25.000/33.333) — ✅ Werte deckungsgleich mit
RECHTSQUELLEN-Privat; Jahrespflege im GP8-Zyklus; Freigrenzen-Änderung
löst Aufrollungsverpflichtung (§ 77 Abs 3) aus.
- **Kontrollsechstel:** Dezember-/Beendigungs-Payslip muss den
Jahres-Rollup (§ 77 Abs 4a: Überhang → § 67 Abs 10-Nachversteuerung,
Rolldown bei Absinken) als eigene Regelphase enthalten;
Elternkarenz-Ausnahme beachten.
- **Abzugsreihenfolge:** DN-SV-Beiträge vor den Fixsätzen abziehen
(§ 67 Abs 12 ✅ RECHTSQUELLEN) — Reihenfolge in der Regelkette fixieren.
- **Freigrenzendynamik:** provisorische Steuerfreiheit und spätere
Nachversteuerung/Rückvergütung erfordern einen Jahresprozess, der frühere
SZ-Payslips nachzeichnet (Retro-/Korrekturlogik).
- **Arbeitgeberwechsel:** optionale L16-Vorlage des AN in die
Sechstelberechnung einrechnen (manueller Input am AN-Datensatz).
- **Monatliche SZ-Variante:** Auszahlungsmodalität schaltet auf
§ 67 Abs 10 (Tarif) um — Entgeltkategorie darf das Sechstel nicht
erhöhen (→ lb-son-02/03 für Arbeits- und SV-Seite).
## Verweise
- **KB-intern:** lb-son-01 (Aliquotierung) · lb-son-02 (SZ-Arbeitsrecht) ·
lb-son-03 (SZ-SV) · lb-prm-04 (Prämien-Lohnabgaben) · lb-prm-06
(Provisionen-Lohnabgaben) · lb-zus-04 (SEG-Zulagen in der Sechstelbasis) ·
lb-zus-05 (SFN-Zuschläge in der Sechstelbasis) · lb-rei-07
(Fahrt Wohnung-Arbeitsstätte: steuerpflichtiger Teil in der Sechstelbasis) ·
lb-sac-03 (laufende Sachbezüge in der Sechstelbasis) · lb-ent-01
(Lohnsteuertage/Abrechnungsperiode)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` — verbindliche
§ 67/§ 68-Verifikation (✅ Werte ident mit diesem Briefing).
- *Hinweis:* Fußnoten-Verweis des Quelltexts auf die Prämienoptimierung
(„Formel 7") verweist auf ein Briefing außerhalb des KB-Katalogs —
nicht rekonstruiert.