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id: lb-azm-01
batch: 5
title: "Arbeitsbereitschaft und Rufbereitschaft"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Arbeitszeit"
topic: arbeitszeitmodelle
author: "Niederfriniger/David"
stand: 2026-07
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_arbeitsbereitschaft_und_rufbereitschaft.pdf"
text: ".lexis360/md/arbeitsbereitschaft_und_rufbereitschaft.md"
legal_bases: ["AZG §§ 2, 5, 5a, 7, 9, 20a, 28", "ARG §§ 6a, 27", "ABGB § 1152", "AngG § 6", "ASVG § 175", "VStG § 22"]
tags: [arbeitsbereitschaft, rufbereitschaft, arbeitszeit, strafrahmen, unentgeltlichkeit]
cross_refs: ["lb-azg-01", "lb-azg-03", "lb-azg-04", "lb-rhz-03", "lb-ent-04"]
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# Arbeitsbereitschaft und Rufbereitschaft
*Lexis Briefings Personalrecht, Niederfriniger/David, Stand Juli 2026 (lb-azm-01).*
## Zusammenfassung
- **Abgrenzung:** **Rufbereitschaft** liegt vor, wenn der Arbeitnehmer für
den Arbeitgeber erreichbar und zum Arbeitsantritt bereit sein muss, aber
über Aufenthaltsort und Verwendung der Zeit im Wesentlichen frei
entscheiden kann. **Arbeitsbereitschaft** verlangt demgegenüber das
Bereithalten an einem vom Arbeitgeber bestimmten Ort zur jederzeitigen
sofortigen Verfügung (eigenmächtiges Bereithalten zu Hause genügt nicht).
Die Abgrenzung ist für Arbeitszeitrecht und Entlohnung maßgeblich.
- **Rufbereitschaft — arbeitszeitrechtlich:** keine Arbeitszeit iSd § 2 AZG;
echte Arbeitszeit beginnt erst mit dem Einsatz. Sie ist ausdrücklich zu
vereinbaren (auch schlüssig möglich); ein bloßer Rahmendienstplan
begründet keine Rufbereitschaft. Einsatz darf die tägliche
Gesamtarbeitszeit von 12 Stunden (§ 9 Abs 1 AZG) nicht überschreiten;
die tägliche Ruhezeit (11 Stunden) darf unterbrochen werden, wenn
innerhalb von zwei Wochen eine andere tägliche Ruhezeit um vier Stunden
verlängert wird und ein Teil mindestens acht Stunden beträgt
(§ 20a Abs 2 AZG).
- **Rufbereitschaft — Grenzen:** maximal an zehn Tagen pro Monat
außerhalb der Arbeitszeit (Kollektivvertrag kann 30 Tage je drei Monaten
zulassen, § 20a Abs 1 AZG); höchstens zwei wöchentliche Ruhezeiten pro
Monat (§ 6a ARG).
- **Rufbereitschaft — Entgelt:** trotz fehlenden Arbeitszeitcharakters
grundsätzlich zu entlohnen, weil der Arbeitgeber über einen Teil der
Arbeitskraft verfügt; es kann aber geringeres Entgelt oder sogar
Unentgeltlichkeit vereinbart werden. Ohne Vereinbarung gebührt ein
ortsübliches bzw. angemessenes Entgelt (§ 1152 ABGB bzw. § 6 AngG);
Kollektivverträge sehen Ansprüche vor (zB § 7 IT-KV). Ob Wegzeiten bei
einem Einsatz entgeltpflichtige Arbeitszeit sind, ist ungeklärt
(Literaturstreit; kollektivvertragliche Abhilfe möglich).
- **Arbeitsbereitschaft:** gilt als Arbeitszeit. Fällt sie regelmäßig
(im Vorhinein erwartbar) und in erheblichem Umfang (mind. ein Drittel
der Arbeitszeit, Bezugspunkt der einzelne Arbeitstag) an, erlaubt § 5 AZG
die **echte** Verlängerung der Wochen-NAZ bis 60 und der Tages-NAZ bis
12 Stunden (Stufen KV/BV/Arbeitsinspektorat); innerhalb von
Überstunden sind bis 13 Stunden täglich möglich (§ 7 Abs 3 AZG). Nach
§ 5a AZG ist die Tages-NAZ drei Mal pro Woche bis 24 Stunden ausdehnbar,
wenn die Arbeitsbereitschaft überwiegt (> 50 %), besondere
Erholungsmöglichkeiten bestehen, ein arbeitsmedizinisches
Unbedenklichkeitsgutachten vorliegt und KV/BV die Bedingungen
festlegen — hier gilt das Durchrechnungsprinzip (§ 5a Abs 3 AZG:
Ø ≤ 60 h, Einzelwoche ≤ 72 h).
- **Unfallversicherung:** Während der Rufbereitschaft besteht kein
durchgehender Schutz (Unfälle bei privaten Tätigkeiten sind keine
Arbeitsunfälle); bei Arbeitsbereitschaft besteht der Schutz in der Regel
(§ 175 Abs 1 ASVG).
- **Strafrahmen:** Übertretungen werden nach § 28 AZG bzw. § 27 ARG
geahndet; wegen § 22 Abs 2 VStG droht je Einzelübertretung eine eigene
Geldstrafe, insgesamt € 20, bis € 3.600, (Stand 2026-07).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Rufbereitschaft max. | **10 Tage/Monat**; KV kann **30 Tage je 3 Monaten** zulassen (§ 20a Abs 1 AZG) |
| Wöchentliche Ruhezeiten | Rufbereitschaft darf max. **2 wöchentliche Ruhezeiten/Monat** umfassen (§ 6a ARG) |
| Tägliche Gesamtarbeitszeit bei Einsatz | max. **12 Stunden** (§ 9 Abs 1 AZG) |
| Tägliche Ruhezeit | **11 Stunden**; Unterbrechung zulässig, wenn binnen 2 Wochen andere Ruhezeit um **4 h** verlängert wird und ein Teil **≥ 8 h** beträgt (§ 20a Abs 2 AZG) |
| § 5 AZG (Arbeitsbereitschaft ≥ 1/3) | Wochen-NAZ bis **60 h**, Tages-NAZ bis **12 h** — echte Verlängerung, keine Durchrechnung |
| § 5a AZG (Bereitschaft > 50 %) | Tages-NAZ **3×/Woche bis 24 h**; im Durchrechnungszeitraum Ø ≤ **60 h**, Einzelwoche ≤ **72 h** (§ 5a Abs 3 AZG) |
| Überstunden bei Arbeitsbereitschaft | bis **13 h täglich** (§ 7 Abs 3 AZG) |
| Strafrahmen | **€ 20, bis € 3.600,** gesamt; > 10 Tage/Monat: € 20, bis € 436, je Übertretung; 12-h-/Ruhezeitverstoß: € 72, bis € 1.815, (Wiederholung ab € 145,); > 20 % Überschreitung oder Ruhezeit < 8 h: € 218, bis € 3.600,; Wochenruheverstoß: € 72, bis € 2.180, (Wiederholung ab € 145,) |
| Entgelt Rufbereitschaft | grundsätzlich entgeltpflichtig; geringeres Entgelt/Unentgeltlichkeit vereinbar; subsidiär § 1152 ABGB / § 6 AngG |
| Entgelt Arbeitsbereitschaft | als Arbeitszeit zu entlohnen; geringeres Entgelt vereinbar; ohne Regelung Normallohn |
## Rechtsgrundlagen
- **AZG:** § 2 (Arbeitszeitbegriff — Rufbereitschaft keine Arbeitszeit),
§ 9 Abs 1 (12-h-Grenze), § 20a Abs 1 und 2 (Rufbereitschaftsgrenzen,
Ruhezeitunterbrechung), § 28 Abs 1 Z 2, Abs 2 Z 1 und 3 lit a und b,
Abs 4 (Strafbestimmungen); **§ 5** (Ausdehnung bei Arbeitsbereitschaft),
**§ 5a** Abs 14 (24-Stunden-Ausdehnung; Abs 4 iVm § 1a Z 2 AZG bei
fehlender kollektivvertragsfähiger Körperschaft), **§ 7 Abs 3** (13 h).
- **ARG:** § 6a (Rufbereitschaft an wöchentlichen Ruhezeiten), § 27 Abs 1
(Strafbestimmung). **VStG § 22 Abs 2** (je Übertretung eigene Strafe).
- **Entgelt:** § 1152 ABGB bzw. § 6 AngG (ortsübliches/angemessenes
Entgelt ohne Vereinbarung); KV-Beispiel § 7 IT-Kollektivvertrag.
**ASVG § 175 Abs 1** (Unfallversicherungsschutz bei Arbeitsbereitschaft).
- Rechtsprechungsgerüst lt. Quelle: 9 ObA 71/04p, 8 ObA 321/01s,
9 ObA 77/19t, OLG Wien 9 Ra 68/23w (Rahmendienstplan), 8 ObA 35/02h
(erheblicher Umfang), 8 ObA 83/04w.
- ⚠ AZG/ARG-Werte sind im Projekt noch nicht gegen RIS verifiziert
(GP0-Rest: AZG/ARG-Volltexte beschaffen) — vor Implementierung prüfen.
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Eigene Work-Entry-Types:** Rufbereitschaft (vergütungspflichtige
Nicht-Arbeitszeit) und Arbeitsbereitschaft (Arbeitszeit) getrennt
führen — unterschiedliche AZ-Verrechnung, Zuschlagslogik und
Entgeltfortzahlung; Rufbereitschaftstage belasten keine
Arbeitszeitkonten, sind aber Compliance-Metriken (10/30-Tage-,
2-Ruhezeiten-Limits).
- **Einsatz-Übergang:** Ein während Rufbereitschaft angeordneter Einsatz
wird zum echten Arbeits-Work-Entry (12-h-Gesamtobergrenze, Zuschlags-
und Überstundenbewertung); die Ruhezeitunterbrechungs-Regel (4 h/8 h
binnen 2 Wochen) braucht eine Auswertung über die Work-Entry-Zeitreihe.
- **Vergütungslogik:** Rufbereitschaftsentgelt als eigene Lohnart je
Vereinbarung/KV (inkl. „unentgeltlich“); Arbeitsbereitschaft im
Normallohn bzw. mit vereinbartem Abschlag — Zuordnung über den
Work-Entry-Type, nicht über manuelle Eingaben.
- **Kalender:** § 5/§ 5a-Ausdehnungen sind personengruppen- und
kollektivvertragsabhängige NAZ-Grenzen — als versionsierbare
Kalender-/Grenzwerte (12/24 h; 60/72 h) führen, nie hard-coden;
Bereitschaftszeiten lückenlos aufzeichnen (Nachweise für die
Strafrahmen-relevanten Grenzen, → lb-azg-04).
## Verweise
- **KB-intern:** lb-azg-01 (Arbeitszeit-Höchstgrenzen) · lb-azg-03
(Normalarbeitszeit) · lb-azg-04 (Strafbarkeit von
Arbeitszeitübertretungen) · lb-rhz-03 (tägliche und wöchentliche
Ruhezeit) · lb-ent-04 (gesetzliche Entgeltgrundlagen § 1152 ABGB/
§ 6 AngG)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md` (verbindlich
für Lohnsteuer/SV-Logik; AZG/ARG dort nicht verifiziert ⚠)
- *Hinweis:* Die Quelle verweist auf Lexis360-Arbeitshilfen (Muster-BV
Rufbereitschaft, Rechtsprechungsübersicht Rufbereitschaft/
Arbeitsbereitschaft), die nicht im KB-Korpus sind.