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id: lb-asc-13
batch: 7
title: "Arbeitsunfall - Arbeitgeberpflichten"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Krankenstand & Arbeitsunfall"
topic: arbeitnehmerschutz
author: "Ruß/Radauer"
stand: 2026-07
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_arbeitsunfall_arbeitgeberpflichten.pdf"
text: ".lexis360/md/arbeitsunfall_arbeitgeberpflichten.md"
legal_bases: ["ASVG § 363 Abs 1", "ABGB § 1157", "ASchG § 98 Abs 1", "StGB § 84 Abs 1", "ASchG § 15 Abs 5", "ASchG § 16 Abs 1", "ASchG § 4 Abs 5", "ASchG § 14 Abs 1", "ASchG § 14 Abs 2 Z 6", "ArbVG § 92a Abs 2 Z 1", "ASchG § 130 Abs 1 Z 13"]
tags: [arbeitsunfall, unfallmeldung, auva, arbeitsinspektorat, aufzeichnungspflicht, arbeitgeberpflichten, berufskrankheit, aschg]
cross_refs: ["lb-asc-01", "lb-asc-08", "lb-asc-12", "lb-asc-14", "lb-asc-15", "lb-asc-16", "lb-aug-01", "lb-krs-09"]
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# Arbeitsunfall Arbeitgeberpflichten
*Lexis Briefings Personalrecht, Ruß/Radauer, Stand Juli 2026 (lb-asc-13).*
## Zusammenfassung
- **Doppelte Pflichtenlage:** Bei einem Arbeitsunfall (AU) oder einer
Berufskrankheit (BK) treffen den Arbeitgeber Pflichten nach dem ASVG
(Unfallmeldung an die AUVA bzw den zuständigen Unfallversicherungsträger)
und nach dem ASchG (Meldung an das Arbeitsinspektorat, Aufzeichnungs- und
Berichtspflichten, Evaluierungs- und Unterweisungsfolgen).
- **UV-Meldung (§ 363 Abs 1 ASVG):** Bei Arbeitsunfällen mit
(voraussichtlich) **länger als drei Tage** dauernder Arbeitsunfähigkeit
oder mit Tötung einer unfallversicherten Person ist die Meldung **binnen
fünf Tagen** zu erstatten; eine BK ist **binnen fünf Tagen nach ihrem
Beginn** zu melden. Die Anzeige ist erst mit **Einlangen** bei der
zuständigen Stelle erfüllt, nicht schon mit der Postaufgabe
(RS0085509). Unfallmeldungen für unselbstständig Erwerbstätige und
Personen in Bildungseinrichtungen gibt es nur mehr als **Online-Formulare**
der AUVA (elektronisch mit E-Mail/TAN-Bestätigung oder ID-Austria-Signatur;
falls nicht möglich, ausgedruckt per Post). Inhaltlich gefordert: Angaben
zur versicherten Person, zur Beschäftigung und zum Arbeitgeber sowie zum
Zeitpunkt, Unfallort, Unfallhergang und zur Unfallverletzung.
- **Arbeitskräfteüberlassung:** Die Meldepflicht nach § 363 Abs 1 ASVG
trifft den **Beschäftiger** — er kennt Unfallhergang bzw Ursache der BK
und kann weitergehende Präventionskonsequenzen ziehen (Poperl, ASVG
§ 363 Rz 1).
- **Haftungskonsequenz:** § 363 Abs 1 ASVG konkretisiert die Fürsorgepflicht
nach **§ 1157 ABGB**; die schuldhafte Unterlassung der Meldung ist eine
positive Vertragsverletzung und kann Schadenersatzansprüche des
Arbeitnehmers auslösen (2 Ob 95/03i).
- **Meldung ans Arbeitsinspektorat (§ 98 Abs 1 ASchG):** Tödliche und
schwere Arbeitsunfälle sind **unverzüglich** zu melden, sofern nicht eine
Meldung an die Sicherheitsbehörden (idR Polizei) erfolgt. „Schwerer
Arbeitsunfall" ist der **schweren Körperverletzung** nach § 84 Abs 1 StGB
gleichzusetzen: länger als 24 Tage dauernde Gesundheitsschädigung oder
Berufsunfähigkeit, oder eine an sich schwere Verletzung (LVwG Steiermark
30.15-2378/2014). Keine Formvorschrift — auch telefonische Meldung genügt.
- **Aufzeichnungspflicht (§ 16 Abs 1 ASchG):** Aufzeichnungen über alle AU
mit Arbeitsunfähigkeit von **mehr als drei Kalendertagen** sowie über
tödliche AU; Aufbewahrung **mindestens fünf Jahre**. Auf Verlangen des
Arbeitsinspektorats ist ein Bericht über einen bestimmten Arbeitsunfall
zu erstellen und zu übermitteln. Unfälle, die beinahe zu einem tödlichen
oder schweren AU geführt hätten, sind im
Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokument zu dokumentieren.
- **Weitere Pflichten:** Nach Unfällen ist die **Grundevaluierung** zu
überprüfen und anzupassen (§ 4 Abs 5 ASchG); ein allenfalls vorhandener
**Betriebsrat ist über jeden Arbeitsunfall zu informieren** und hat
Zugang zu den SiGu-Dokumenten sowie den Unfall-Aufzeichnungen und
-Berichten (§ 92a Abs 2 Z 1 ArbVG). Für ausreichende **Unterweisung** ist
zu sorgen (§ 14 Abs 1 ASchG); eine solche hat jedenfalls nach Unfällen
oder Beinahe-Unfällen zu erfolgen, soweit das zur Verhinderung weiterer
Unfälle nützlich ist (§ 14 Abs 2 Z 6 ASchG).
- **AN-Seite:** Arbeitnehmer müssen jeden Arbeitsunfall und jedes Ereignis,
das beinahe zu einem Unfall geführt hätte, **unverzüglich** dem
Vorgesetzten oder den sonst zuständigen Personen melden (§ 15 Abs 5
ASchG).
- **Strafe:** Wer die Pflichten zur Erstellung, Aufbewahrung und
Übermittlung von Aufzeichnungen und Berichten über Arbeitsunfälle
verletzt, ist mit **€ 166 bis € 8.324**, im Wiederholungsfall mit
**€ 333 bis € 16.659** zu bestrafen (§ 130 Abs 1 Z 13 ASchG).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Frist | Detail |
|---|---|
| UV-Unfallmeldung | AU mit (voraussichtlich) **> 3 Tagen** Arbeitsunfähigkeit oder Tötung einer versicherten Person: **binnen 5 Tagen** an AUVA/UV-Träger (§ 363 Abs 1 ASVG) |
| BK-Meldung | **binnen 5 Tagen nach Beginn** der Berufskrankheit (§ 363 Abs 1 ASVG) |
| Erfüllungszeitpunkt | erst mit **Einlangen** bei der zuständigen Stelle — nicht mit der Postaufgabe (RS0085509) |
| Formularlage | nur mehr **Online-Formulare** der AUVA (E-Mail/TAN oder ID-Austria-Signatur); sonst PDF-Druck per Post; Inhalt: Person, Beschäftigung/AG, Zeitpunkt, Unfallort, -hergang, -verletzung |
| Arbeitskräfteüberlassung | Meldepflicht trifft den **Beschäftiger** (§ 363 Abs 1 ASVG) |
| AI-Meldung | tödliche und schwere AU **unverzüglich** (§ 98 Abs 1 ASchG), sofern nicht an die Sicherheitsbehörden (idR Polizei) gemeldet; **formfrei** (auch telefonisch) |
| „schwerer Arbeitsunfall" | = schwere Körperverletzung (§ 84 Abs 1 StGB): Gesundheitsschädigung/Berufsunfähigkeit **länger als 24 Tage** oder an sich schwere Verletzung |
| Aufzeichnungspflicht | AU mit **> 3 Kalendertagen** Arbeitsunfähigkeit und tödliche AU (§ 16 Abs 1 ASchG); Aufbewahrung **mind. 5 Jahre** |
| Berichtspflicht | Bericht über einen bestimmten AU **auf Verlangen des Arbeitsinspektorats**; Beinahe-Unfälle (tödlich/schwer) im SiGu-Dokument |
| Unterweisung nach Unfall | jedenfalls nach Unfällen/Beinahe-Unfällen, soweit zur Verhinderung weiterer Unfälle nützlich (§ 14 Abs 2 Z 6 ASchG) |
| BR-Rechte | Information über jeden AU; Zugang zu SiGu-Dokumenten und Unfall-Aufzeichnungen/-Berichten (§ 92a Abs 2 Z 1 ArbVG) |
| Strafrahmen | **€ 166 bis € 8.324**; Wiederholungsfall **€ 333 bis € 16.659** (§ 130 Abs 1 Z 13 ASchG; deckungsgleich mit lb-asc-01/12, Stand 2026-07) |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 363 Abs 1 ASVG** — UV-Meldepflicht (5-Tage-Frist, > 3 Tage
Arbeitsunfähigkeit, Tötung, BK; Beschäftiger bei Überlassung);
**§ 1157 ABGB** — Fürsorgepflicht als zivilrechtliche Haftungsgrundlage —
✅ ausdrücklich zitiert.
- **ASchG:** § 98 Abs 1 (AI-Meldung), § 16 Abs 1 (Aufzeichnungen),
§ 15 Abs 5 (AN-Meldepflicht), § 4 Abs 5 (Überprüfung der Grundevaluierung
nach Unfällen), § 14 Abs 1 und Abs 2 Z 6 (Unterweisung),
§ 130 Abs 1 Z 13 (Strafrahmen) — ✅ ausdrücklich zitiert.
- **§ 84 Abs 1 StGB** (schwere Körperverletzung als Maßstab für „schweren
AU") und **§ 92a Abs 2 Z 1 ArbVG** (BR-Zugangsrecht) — ✅ zitiert.
- Judikatur/Kommentarliteratur des Quelltexts: RIS-Justiz RS0085509
(Einlangen statt Postaufgabe); 2 Ob 95/03i = ARD 5434/14/2003
(Schadenersatz bei unterlassener Meldung); LVwG Steiermark
30.15-2378/2014 (24-Tage-Kriterium); Poperl, ASVG, 59. Lfg, § 363 Rz 1
(Beschäftiger); Nöstlinger, ArbeitnehmerInnenschutz², Kap 3.13.9
(formfreie AI-Meldung).
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **AU/BK als Fristenobjekt:** Die 5-Tage-Meldefrist (mit
**Einlangen**-Kriterium, nicht Absendezeitpunkt) und das > 3 Tage-Kriterium
als Trigger auf den Work-Entry-Typ „Arbeitsunfall" koppeln. Die UV-Meldung
selbst läuft über AUVA-Online-Formulare, ist also **kein** eSV/ELDA-Prozess
— Fristenwahrung braucht ein Aktivitäten-/Dokumentenmodell am
Arbeitnehmer.
- **Work-Entry-Trennung:** Unfallbedingte Ausfallzeiten getrennt von
Krankheitszeiten führen — sie speisen das EFZ-Sonderkontingent
(→ lb-asc-14/15) und den AUVA-Zuschuss ab dem 1. Tag (→ lb-krs-09); das
Ursachenmerkmal (Krankheit vs. AU vs. BK) aus Bestätigung/ELDA übernehmen
(→ lb-krs-03-Kontext).
- **Aufbewahrung & Compliance:** 5-Jahres-Aufbewahrung der
Unfall-Aufzeichnungen und die Beinahe-Unfall-Dokumentation im
SiGu-Dokument auditierbar führen — die Historie ist zugleich
Entlastungsmaterial im VStG-Verfahren (→ lb-asc-12); die
BR-Informationspflicht als wiederkehrender Prozessschritt modellieren.
- **Überlassung/Mehrfachmandanten:** Meldepflicht des **Beschäftigers**
(nicht des Überlassers) — im Überlasser-Szenario den Beschäftiger-Mandanten
als Melder führen (→ lb-aug-01).
- **Strafrahmen § 130** ist Compliance-Kennzahl, kein Abrechnungswert.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-asc-16 (Begriffe Arbeitsunfall/Berufskrankheit) ·
lb-asc-14 (AU-EFZ bei Angestellten — dort Melde-Reminder > 3 Tage) ·
lb-asc-15 (AU-EFZ bei Arbeitern) · lb-asc-08 (Versicherungsfälle &
UV-Leistungen, § 363 im Leistungskontext, deckungsgleiche Werte) ·
lb-asc-01 (Gefahrenevaluierung § 4 ASchG, SiGu-Dokument/DOK-VO,
§ 130-Werte) · lb-asc-12 (Strafbarkeit ASchG, identer § 130-Rahmen) ·
lb-krs-09 (AUVA-Zuschuss zur EFZ — Breadcrumb-Verweis der Quelle auf
„Arbeitsunfall Arbeitgeberpflichten") · lb-aug-01
(Arbeitskräfteüberlassung: Aufgaben von Überlasser und Beschäftiger —
Meldepflicht des Beschäftigers)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`
(UV-/Fürsorgepflicht-Regime der Privatwirtschaft);
`RECHTSQUELLEN-Bgld.md` (Gemeinde als Arbeitgeber/Kleinunternehmer ⚠
GemBG-Sonderregime beachten).
- *Hinweis:* Der Link zur AUVA-Formularseite ist im Export nur als
Webadresse enthalten, hier nicht reproduziert.