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2026-09-14 16:34:07 +02:00

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id: lb-lsd-12
batch: 4
title: "Unterentlohnung - das tatsächlich gezahlte Entgelt"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Entgelt: Anspruch & Abrechnung"
topic: lohndumping
author: "Burger"
stand: 2026-07
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_unterentlohnung_das_tatsachlich_gezahlte_entgelt.pdf"
text: ".lexis360/md/unterentlohnung_das_tatsachlich_gezahlte_entgelt.md"
legal_bases: ["LSD-BG § 29 Abs 1", "ASVG § 49 Abs 3", "AngG § 15", "DHG § 7"]
tags: [lohndumping, lsd-bg, ist-entgelt, soll-ist-vergleich, faelligkeit, sachbezuege]
cross_refs: ["lb-lsd-02", "lb-lsd-07", "lb-lsd-09", "lb-lsd-11", "lb-lsd-13", "lb-ent-08", "lb-ent-10"]
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# Unterentlohnung das tatsächlich gezahlte Entgelt
*Lexis Briefings Personalrecht, Burger, Stand Juli 2026 (lb-lsd-12).*
## Zusammenfassung
- **Ist-Seite des Soll-Ist-Vergleichs:** Vergleichbar sind nur
Entgeltzahlungen, die mit dem geschützten Mindestentgelt **sachlich
und zeitlich kongruent** sind. § 29 Abs 1 Satz 8 LSD-BG rechnet
Entgeltzahlungen, die das gebührende Entgelt übersteigen, auf
allfällige Unterentlohnungen **im jeweiligen Lohnzahlungszeitraum**
(idR Kalendermonat) an.
- **Sachliche Kongruenz:** Vom weiten Entgeltbegriff auszugehen ist;
**echte Aufwandsentschädigungen** (zB Taggelder) sind nicht
anrechenbar — zahlt der Arbeitgeber € 3.000 „inklusive" € 150
Taggeld, liegt nur Entgelt iHv € 2.850 vor und damit eine strafbare
Unterentlohnung (nicht umgekehrt: offene Taggelder sind nicht
geschützt). Anrechenbar ist nur **tatsächlich zugeflossenes**
Entgelt; eine **berechtigte Aufrechnung** (zB Kostenbeitrag für
Privatnutzung des Firmen-Pkw) gilt als Zufluss, eine unberechtigte
(zB trotz Widerspruch nach § 7 DHG) nicht.
- **Brutto-Maßstab:** Das geschützte Mindestentgelt ist ein
**Bruttoentgelt** — zugeflossene **Nettozahlungen sind hochzurechnen**;
Abrechnungsfehler zulasten des Arbeitgebers (zB Abrechnung nach dem
falschen — hier: zu ungünstigen ausländischen — Steuerregime mit zu
niedrigem Netto) können Unterentlohnung begründen.
- **Rechtsgrund egal:** Auch freiwillige oder rein faktische Zahlungen
sind anrechenbar („die Entgeltzahlung hat kein Mascherl") — zahlt der
Arbeitgeber das vereinbarte Entgelt und ignoriert geleistete
Überstunden (Beispiel: Anspruch gesamt € 3.443,06, Mindestanspruch
€ 3.130,06, gezahlt € 3.300), liegt **keine** Unterentlohnung vor.
- **Zwei Ausnahmen mit „Mascherl"** (nicht anrechenbar):
(1) Entgeltbestandteile nach **§ 49 Abs 3 ASVG**, soweit sie nach
Gesetz/VO/KV gebühren (Beispiel kv-Schmutzzulage: als solche nicht
Teil des Mindestentgelts; arbeitsvertraglich vereinbart ist sie
hingegen als Überzahlung anrechenbar);
(2) **Sachbezüge** — das Mindestentgelt ist zwingend in Bar-/Giralgeld
zu leisten; nur wenn der KV die Begleichung durch Sachbezüge selbst
zulässt, sind sie anrechenbar.
- **Zeitliche Kongruenz:** Solange das Mindestentgelt **nicht fällig**
ist, kann keine Unterentlohnung vorliegen (EuGH Čepelnik). § 15 AngG
erlaubt Fälligkeit des Angestelltengehalts erst zum Monatsultimo;
einzelne Bestandteile (zB Überstundenentgelt, Arbeiterlohn) dürfen —
wenn KV-konform — erst im Folgemonat fällig werden; strafbar wird die
Unterzahlung erst, wenn auch der **letzte Teil** des Mindestentgelts
fällig und nicht gezahlt ist. Bei **Pauschalentgelt/All-in** ist eine
Unterdeckung erst nach Ablauf eines **Beobachtungszeitraums**
(mangels Vereinbarung: ein Jahr) feststellbar, die Nachzahlung erst
dann fällig — Ausnahme bei vorher eindeutig erkennbarer Unterdeckung.
Fälligkeit rein vertraglicher Mehrbestandteile (zB Gewinnprämie am
30. 6.) verschiebt die Prüfung des monatlichen Mindestentgelts nicht.
- **Spätere freiwillige Überzahlungen** verhindern das Entstehen der
Strafbarkeit nicht (auch nicht mit Anrechnungsvereinbarung) — sie
**heilen** aber rückwirkend als tätige Reue (→ lb-lsd-09).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Lohnzahlungszeitraum | idR der **Kalendermonat** — Anrechnung übersteigender Zahlungen je Periode (Stand 2026-07) |
| Fälligkeitsregel Angestellte | spätestens am Schluss des Kalendermonats vereinbarbar (§ 15 AngG); Teile (ÜSt-Entgelt, Arbeiterlohn) dürfen später fällig sein (Stand 2026-07) |
| Beobachtungszeitraum Pauschale | mangels abweichender Vereinbarung **1 Jahr** (Nachzahlung bis zu 11 Monate später fällig; früher bei eindeutig erkennbarer Unterdeckung) (Stand 2026-07) |
| Aufwandsersatz-Beispiel | € 3.000 Zahlung inkl. € 150 Taggeld → anrechenbares Entgelt nur **€ 2.850** (Stand 2026-07) |
| ÜSt-Beispiel | gezahlt € 3.300 ≥ geschütztes Mindestentgelt **€ 3.130,06** (€ 3.000 + 5 ÜSt € 3.000/173 × 1,5) → keine Unterentlohnung trotz ignoriertes Ist-ÜSt-Entgelt (Stand 2026-07) |
| Sachbezüge | grundsätzlich nicht anrechenbar (Bar-/Giralgeld-Zwang), außer der KV lässt Sachbezüge ausdrücklich zu |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 29 Abs 1 LSD-BG** (Satz 1 Tatbestand, Satz 8 Anrechnung je
Lohnzahlungszeitraum), **§ 49 Abs 3 ASVG** (nicht anrechenbare
Entgeltbestandteile, soweit kv-/gesetzlich gebühren),
**§ 15 AngG** (Fälligkeit des Gehalts), **§ 7 DHG** (Widerspruch gegen
Aufrechnung von Schadenersatzansprüchen).
- EuGH C-33/17 *Čepelnik* (Fälligkeit als Prüfpunkt) und OGH-Judikatur
zu Mahlzeit-/Verkehrskosten und Sachbezügen im Quelltext mit
Fundstellen. ✅ §-Zitate ausdrücklich genannt.
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Brutto-Soll-Ist je Lohnzahlungszeitraum** direkt aus dem Payslip
ableitbar: Summe der Entgelt-Gutschriften je Periode, korrigiert um
nicht anrechenbare Komponenten — die **Entgeltarten-Klassifizierung**
(echter Aufwandsersatz / § 49-Abs-3-ASVG / Sachbezug / Bar-Entgelt)
wird damit zum Schlüsselattribut des KV-Frameworks und der Abrechnung.
- **Fälligkeit vs. Zahlung trennen:** Der Abgleich braucht das
Fälligkeitsdatum des Mindestentgelts (per 1. des Folgemonats bzw.
vereinbarte spätere Teile) unabhängig vom tatsächlichen
Zahlungsdatum; Zahlungstermine (zB Banküberweisung am 5.) sind
gesondert zu führen (vgl. Fehlerliste in lb-lsd-13).
- **All-in/Pauschalen:** Jahres-Deckungsprüfung nach Ablauf des
Beobachtungszeitraums als periodenübergreifender Report (Default
1 Jahr, konfigurierbar).
- **Netto-Hochrechnung:** Bei Netto-Zahlungen (zB ausländisches
Steuerregime) ist auf Brutto hochzurechnen — nur als Hinweis für
Grenzfälle der Entsendeabrechnung.
- **Periodenübergreifende Anrechnung** von Überzahlungen ist zugleich
die Mechanik der tätigen Reue (→ lb-lsd-09): ein Abgleichsmodell mit
Vortragssaldo deckt beide.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-lsd-02 (Einführung) · lb-lsd-07 (Prüfungsschema) ·
lb-lsd-09 (tätige Reue; Überzahlung = Nachzahlung) · lb-lsd-11
(geschütztes Mindestentgelt — Soll-Seite) · lb-lsd-13 (Soll-Ist &
Sonderzahlungen; Fehlerquellenliste) · lb-ent-08 (Istlohnklauseln —
Ist- vs. Mindestentgelt-Abgrenzung) · lb-ent-10 (Lohn & Gehalt)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`
(Fälligkeits- und Entgeltbegriffs-Grundlagen General-AT).
- *Hinweis:* Eine Fußnote im Quelltext enthält widersprüchliche
Beispielzahlen (€ 2.200/€ 2.000 statt € 3.300/€ 3.000) — Export-
Artefakt, nicht rekonstruiert; die Beispiele im Haupttext sind
rechnerisch stimmig.