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2026-09-14 16:34:07 +02:00

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id: lb-mob-01
batch: 6
title: "Mobbing"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Verhaltenspflichten"
topic: mobbing
author: "Pirker/Hoberstorfer"
stand: 2026-08
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_mobbing.pdf"
text: ".lexis360/md/mobbing.md"
legal_bases: ["ABGB §§ 1157, 1293 ff", "AngG §§ 18, 27", "GewO 1859 § 82", "BDG § 43a", "GlBG §§ 6, 7, 21", "BEinstG §§ 7c, 7d", "ArbVG §§ 90, 92a, 96, 97, 102", "RL (EU) 2019/1937"]
tags: [mobbing, bossing, fuhrsorgepflicht, abhilfepflicht, schadenersatz, betriebsvereinbarung]
cross_refs: ["lb-glb-03", "lb-glb-07", "lb-beh-04", "lb-ent-02", "lb-prm-03"]
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# Mobbing
*Lexis Briefings Personalrecht, Pirker/Hoberstorfer, Stand August 2026 (lb-mob-01).*
## Zusammenfassung
- **Kein gesetzlicher Begriff (privatrechtlich):** Die Rsp versteht
unter Mobbing eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz,
bei der die unterlegene angegriffene Person von einer oder einigen
Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel
und/oder Effekt des Ausstoßes aus dem Dienstverhältnis direkt oder
indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet —
entscheidend ist die **objektive Eignung** der Handlungen, nicht
allein das subjektive Empfinden; typisch ist das systematische,
ausgrenzende, **prozesshafte** Geschehen. Angriffe von Vorgesetzten
= „Bossing". (Dienstrechtlich normiert § 43a BDG ein Mobbingverbot
unter achtungsvollem Umgang.)
- **Kein Mobbing:** einzelfallartige „Retourkutsche", sachlich
begründete Anweisungen (Dienstfähigkeitsuntersuchung, dienstliche
Schriftverkehr-Weiterleitung), fachliche Kritik im Rahmen der
ordentlichen Arbeitsorganisation, medizinische Abklärung der
Einsetzbarkeit sowie **Nichtbeschäftigung** (kein Recht auf
tatsächliche Beschäftigung, außer drohender Kenntnisverlust) — die
absichtliche, ungewollte soziale Isolation am Arbeitsplatz dagegen
schon.
- **Ansprüche:** gesetzlich nicht ausdrücklich geregelt; die Rsp stützt
sie auf die allgemeine **Fürsorgepflicht** (§ 1157 ABGB; § 18 AngG):
Der Arbeitgeber muss die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass Leben
und Gesundheit möglichst geschützt sind — **Präventions- und
Interventionspflicht**. Kommen Gefährdungen zur Kenntnis (oder
hätten sie bei gehöriger Sorgfalt auffallen müssen), ist
**unverzüglich auf angemessene Weise Abhilfe** zu schaffen;
Mittelwahl grundsätzlich frei, Maßnahmen geeignet/angemessen.
Unzureichende oder verspätete Abhilfe = schuldhafte
Fürsorgepflichtverletzung → **Schadenersatz** (§§ 1293 ff ABGB; ua
Behandlungskosten, Verdienstentgang). KV-Verfallsklauseln, die alle
Ansprüche umfassen, erfassen auch Schadenersatz aus
Fürsorgepflichtverletzung.
- **GlBG/BEinstG-Konstellationen:** Erfüllt das Verhalten einen
Belästigungs-/Diskriminierungstatbestand (ua §§ 6, 7, 21 GlBG;
§§ 7c, 7d BEinstG — geschützt sind alle behinderten, nicht nur
begünstigte Arbeitnehmer), Schadenersatz nach diesen Gesetzen gegen
Arbeitgeber und/oder mobbende KollegInnen. Abgrenzung: eine
Belästigung kann schon durch eine **einmalige schwerwiegende**
Verhaltensweise begangen werden, Mobbing idR nicht (→ lb-glb-03).
- **Maßnahmen** (nach unverzüglicher **Sachverhaltsklärung**
Fürsorgepflicht auch gegenüber dem vermeintlichen Täter; voreilige
Reaktionen riskant): Ansprechen des Mobbers, Umorganisation von
Teams/Diensteinteilung, Versetzung (des Mobbers; des Gemobbten nur
auf dessen Wunsch), medizinische Abklärung der Einsetzbarkeit
(ärztliche Schweigepflicht: nur Ergebnis mitteilbar, keine
Diagnose), Mediation (unverzüglich — Termin 2 Monate nach
Erkennbarkeit der Unlösbarkeit = verspätet), Supervision,
Mobbing-BeraterIn, Sanktionsandrohung, schriftliche Verwarnung,
Disziplinarmaßnahme (nur auf KV/BV-Grundlage, Betriebsrat
zustimmungspflichtig), Suspendierung, Kündigung, Entlassung des
Mobbers (ua § 27 Z 1 AngG/§ 82 lit d GewO 1859 — für Arbeiter nur
iVm strafbarer Handlung; § 27 Z 4/§ 82 lit f; § 27 Z 6/§ 82 lit g).
- **Prävention:** Aufklärung/Broschüren, Fortbildung, Supervision/
Coaching, Beschwerdewesen (§ 97 Abs 1 Z 20 ArbVG), betriebliche
Disziplinarordnung (§ 96 Abs 1 Z 1 ArbVG), **Mobbing-Betriebs-
vereinbarung** (ua Teilnahmepflicht an angebotenen Maßnahmen,
institutionalisierte Konfliktlösung, Anlaufstelle/Mobbingkommission
ohne Entscheidungsbefugnisse, Mobbingdefinition), Konfliktbeauftragte,
internes Hinweisgebersystem (RL (EU) 2019/1937); Sozialpartner-
Broschüre „Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz" (BMASG, 2026).
- **Betriebsrat:** Interventions-/Verbesserungsrecht (§ 90 ArbVG),
Anhörungs-/Beratungsrecht zum Gesundheitsschutz (§ 92a), Mitwirkung
bei freiwilligen BV zu menschengerechten Arbeitsbedingungen und
Sicherheit (§ 97 Abs 1 Z 8 und 9).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Rsp-Definition | systematisch, oft, längerer Zeit; Ziel/Effekt Ausstoß; objektive Eignung maßgeblich (Stand 2026-08) |
| Abgrenzung Belästigung | Belästigung schon durch einmalige schwerwiegende Verhaltensweise; Mobbing idR prozesshaft (Stand 2026-08) |
| Belastungsstatistik | **98 %** der Mobbingopfer mit eingeschränktem arbeitsbezogenen Leistungsvermögen; nahezu **50 %** erkranken (Hälfte davon > **6 Wochen**); **20 %** kündigen (zit. n. AK-Studie 2016) (Stand 2026-08) |
| Zeitaufwand | Täter und Opfer verwenden je > **40 %** der Arbeitszeit für Mobbing (Stand 2026-08) |
| Kosten je Mobbingfall | **€ 7.000, bis € 15.000,** (Stand 2026-08) |
| Schmerzengeld-Beispiel | **€ 5.900,** (9 ObA 132/10t) (Stand 2026-08) |
| Schadenersatz dem Grunde nach | **€ 90.000,** (1 Ob 106/15t) (Stand 2026-08) |
| Unverzüglichkeit | Mediationstermin **2 Monate** nach Erkennbarkeit der eigenen Unlösbarkeit = verspätet (9 ObA 131/11x) (Stand 2026-08) |
| Abhilfepflicht | unverzüglich, geeignet, angemessen; auch bei Müssen-Kennen |
## Rechtsgrundlagen
- **ABGB** § 1157 (Fürsorgepflicht), §§ 1293 ff (Schadenersatz);
**AngG** § 18 (Fürsorgepflicht) und § 27 Z 1, 4, 6
(Entlassungsgründe); **GewO 1859** § 82 lit d, f, g
(Arbeiter-Paralleltatbestände).
- **BDG § 43a** (dienstrechtliches Mobbingverbot — Abgrenzung).
- **GlBG** §§ 6, 7, 21 / **BEinstG** §§ 7c, 7d bei erfüllten
Belästigungs-/Diskriminierungstatbeständen (→ lb-glb-03, lb-glb-07,
lb-beh-04).
- **ArbVG:** § 90, § 92a (Betriebsrat), § 96 Abs 1 Z 1
(Disziplinarordnung), § 97 Abs 1 Z 1, 8, 9, 20 (BV-Statut);
Disziplinarmaßnahmen zitiert das Briefing mit **§ 102 ArbVG**
(nur bei KV/BV-Vorkehrung, BR-Zustimmung) — ⚠ Fundstelle vor
Verwendungs-Implementierung gegen RIS verifizieren.
- **RL (EU) 2019/1937** (Hinweisgeberschutz) als
Präventionsanschlusspunkt.
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Mobbing ist kein Abrechnungstatbestand:** keine Mobbing-Salary-Rules.
Entgeltkürzungen/Geldstrafen als Disziplinarmaßnahmen nur mit
KV/BV-Grundlage und BR-Zustimmung — als dokumentierte manuelle
Korrekturbezüge, keine automatisierte „Straflogik" in der Engine.
- **Schadenersatz-/Schmerzengeldzahlungen** aus
Fürsorgepflichtverletzung sind echter Schadenersatz ohne
Entgeltcharakter → außerhalb der Bezüge-Regeln abbilden;
steuerliche Behandlung analog lb-glb-07 (materielle Anteile
steuerpflichtig, immaterieller Ausgleich nicht steuerbar) für
GlBG-/BEinstG-Konstellationen; SV-Behandlung im Briefing nicht
angesprochen (❓ offen).
- **Abwesenheitsfolgen:** mobbingbedingte Erkrankungen (> 6 Wochen
Arbeitsunfähigkeit) laufen über das übliche
Entgeltfortzahlungs-/Work-Entry-Handling (krankschreibungsbedingte
Bezüge).
- **Organisatorische Maßnahmen** (Versetzung, Team-Umorganisation,
Suspendierung) berühren Kalender-/Work-Entries und Vertragsdaten;
Prävention (Beschwerdewesen, Mobbing-BV, Disziplinarordnung,
Hinweisgebersystem) ist Organisations-/Prozess-IT —
Mitbestimmungs-/BV-Mechanik → lb-ent-02, lb-prm-03.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-glb-03 (Abgrenzung Belästigung/Mobbing) · lb-glb-07
(Rechtsfolgen und Steuer bei GlBG-/BEinstG-Tatbeständen) · lb-beh-04
(BEinstG §§ 7c, 7d — Diskriminierungsschutz behinderter AN) ·
lb-ent-02 (Betriebsvereinbarung) · lb-prm-03 (Mitbestimmungs-Mechanik
§§ 96/97 ArbVG am Beispiel Prämien)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`.
- *Hinweis:* Belastungs-/Kostenwerte stammen aus im Briefing zitieren
Sekundärquellen (AK-Studie 2016, Presse) und sind als
Größenordnungen dokumentiert; Export-Artefakte (Footer) ignoriert.