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248 lines
16 KiB
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16 KiB
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id: lb-aug-02
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batch: 7
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title: "Arbeitskräfteüberlassung - wichtige Grundsätze"
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work: "Lexis Briefings Personalrecht"
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chapter: "Außerhalb des Betriebsstandortes"
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topic: arbeitskrafteuberlassung
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author: "Thöny-Maier/David"
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stand: 2026-06
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source:
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pdf: ".lexis360/Lexis360_arbeitskrafteuberlassung_wichtige_grundsatze.pdf"
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text: ".lexis360/md/arbeitskrafteuberlassung_wichtige_grundsatze.md"
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legal_bases: ["AÜG § 1 Abs 3 Z 4", "AÜG § 3 Abs 4", "AÜG § 4 Abs 2", "AÜG § 6a", "AÜG § 10 Abs 1", "AÜG § 10 Abs 1a", "AÜG § 10 Abs 2", "AÜG § 10 Abs 3", "AÜG § 10 Abs 5", "AÜG § 11", "AÜG § 11 Abs 2", "AÜG §§ 10–16a", "LSD-BG § 4", "LSD-BG § 6", "ABGB § 1159", "ArbVG § 14", "GlBG", "GewO", "EU-Entsenderichtlinie"]
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tags: [arbeitskrafteuberlassung, aueg, werkvertrag, abgrenzung, gleichstellung, mindestentgelt, kollektivvertrag, stehzeiten, lsd-bg, konzernuberlassung]
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cross_refs: ["lb-aug-01", "lb-grz-01", "lb-lsd-01", "lb-lsd-03", "lb-glb-01", "lb-glb-05", "lb-url-05", "lb-krs-08", "lb-vor-05", "lb-dvh-04"]
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# Arbeitskräfteüberlassung – wichtige Grundsätze
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*Lexis Briefings Personalrecht, Thöny-Maier/David, Stand Juni 2026 (lb-aug-02).*
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## Zusammenfassung
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- **Begriff:** Zurverfügungstellung einer Arbeitskraft durch ihren
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Arbeitgeber (**Überlasser**) an einen Dritten (**Beschäftiger**), der den
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Arbeitnehmer beschäftigt. Erfolgt die Überlassung durch
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Arbeitskräfteüberlassungsunternehmen nach der Gewerbeordnung, gilt das
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**Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG)** — im Bereich der gewerblichen
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Überlassung uneingeschränkt. Auch **freie Dienstnehmer** sind
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Arbeitnehmer iSd AÜG (§ 3 Abs 4 als Schutznorm auch für
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arbeitnehmerähnliche freie Dienstnehmer). Das AÜG schützt die
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überlassenen Arbeitnehmer **und** die Stammbelegschaft des
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Beschäftigerbetriebs.
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- **Abgrenzung zum Werkvertrag (§ 4 Abs 2 AÜG):** Arbeitskräfteüberlassung
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liegt insb vor, wenn Arbeitskräfte im Betrieb des Werkbestellers in
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Erfüllung von Werkverträgen arbeiten, aber (1) kein von den Produkten,
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Dienstleistungen und Zwischenergebnissen des Werkbestellers
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abweichendes, unterscheidbares, dem Werkunternehmer zurechenbares Werk
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herstellen (oder an dessen Herstellung mitwirken), (2) die Arbeit nicht
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vorwiegend mit Material und Werkzeug des Werkunternehmers leisten,
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(3) organisatorisch in den Betrieb des Werkbestellers eingegliedert
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sind und dessen Dienst- und Fachaufsicht unterstehen oder (4) der
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Werkunternehmer nicht für den Erfolg der Werkleistung haftet. Der
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VwGH qualifizierte bis vor kurzem bereits bei **einem** erfüllten
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Kriterium als Arbeitskräfteüberlassung.
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- **Judikaturwende:** Der EuGH (C-586/13 „Martin Meat", 2015, zur
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EU-Entsenderichtlinie) verlangt eine Beurteilung **nach dem wahren
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wirtschaftlichen Gehalt** unter Berücksichtigung mehrerer
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Gesichtspunkte (insb ob die Vergütung von der Qualität der Leistung
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abhängt, wer die Folgen einer nicht vertragsmäßig ausgeführten Leistung
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trägt, wer die Anzahl der eingesetzten AN bestimmt und von wem die
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genauen, individuellen Anweisungen stammen). Der VwGH (22. 8. 2017,
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Ra 2017/11/0068) berücksichtigt seither bei der Frage der
|
||
**grenzüberschreitenden** Arbeitskräfteüberlassung aus unionsrechtlicher
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Sicht jeden Anhaltspunkt; das Vorliegen eines einzelnen Kriteriums
|
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genügt nicht. Praktische Folge: behördliche **Umqualifizierungen** von
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||
Werkverträgen in Arbeitskräfteüberlassungen sind deutlich
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eingeschränkter — bei Falschqualifikation fehlen Melde- und
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Bereithaltungspflichten (für die Überlassung gelten andere Vorschriften
|
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als für die Entsendung auf Grund eines Werkvertrags), was die
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verwaltungsrechtliche Strafbarkeit nach sich zieht.
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||
- **Konzerninterne Überlassung (§ 1 Abs 3 Z 4 AÜG):** Die §§ 10 bis 16a
|
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AÜG sind ausgenommen, wenn Sitz **und** Betriebsstandort beider
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||
Konzernunternehmen im Bundesgebiet liegen, die Überlassung von
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Arbeitnehmern nicht zum Betriebszweck des überlassenden
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Konzernunternehmens gehört und sie vorübergehend ist. Die restlichen
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||
AÜG-Bestimmungen gelten auch für konzerninterne „innerösterreichische"
|
||
Überlassungen — insb: kein Überlasser ohne **ausdrückliche Zustimmung**
|
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des AN; durch den Einsatz dürfen die Lohn- und Arbeitsbedingungen
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nicht beeinträchtigt und die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft nicht
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gefährdet werden.
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||
- **Kollektivvertrag:** Für überlassene **Arbeiter** gilt der KV für
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Arbeitskräfteüberlasser, für **Angestellte** der KV Allgemeines Gewerbe
|
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(Angestellte im Handwerk und Gewerbe, in der Dienstleistung, in
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Information und Consulting). Für die Dauer der Überlassung sind auch
|
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einzelne Bestimmungen des im Beschäftigerbetrieb geltenden KV zu
|
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beachten — es sind also **zwei Kollektivverträge** zu berücksichtigen.
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- **Grenzüberschreitende Überlassung (LSD-BG):** Bei Überlassung aus der
|
||
EU, dem EWR, der Schweiz oder aus Drittstaaten unterliegt die
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||
Beschäftigung der behördlichen Lohnkontrolle des LSD-BG; per
|
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**1. 1. 2017** wurden die AÜG-Bestimmungen für grenzüberschreitende
|
||
Fälle ins LSD-BG übernommen. Hinsichtlich der arbeitsrechtlichen
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||
Ansprüche sind zu beachten: Entgeltanspruch nach § 10 AÜG;
|
||
Urlaubsanspruch (§ 4 LSD-BG); sonstige Mindestansprüche —
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Entgeltfortzahlung im Krankheits- oder Unfallfall, Kündigungsfristen
|
||
und -termine, Kündigungsentschädigung — (§ 6 LSD-BG). Der EuGH
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(C-64/18 „Maksimovic") hält Regelungen, die bei Nichteinhaltung
|
||
arbeitsrechtlicher Verpflichtungen (Genehmigungen, Bereithaltung von
|
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Lohnunterlagen) ein **Mindeststrafausmaß**, eine unbeschränkt
|
||
kumulative Strafverhängung je Arbeitnehmer und bei Uneinbringlichkeit
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||
die Umwandlung in Ersatzfreiheitsstrafe vorsehen, für nicht
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unionsrechtskonform — das nationale Recht bleibt insoweit unangewendet.
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||
- **Gleichbehandlung:** Der Beschäftiger gilt zur Durchsetzung des
|
||
Gleichbehandlungsgesetzes und anderer Gleichbehandlungsvorschriften und
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||
Diskriminierungsverbote hinsichtlich der Beschäftigung als **Arbeitgeber
|
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der überlassenen Arbeitskraft** (§ 6a AÜG). Die **Gleichstellung mit
|
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der Stammbelegschaft** — Entgelt, Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen,
|
||
Zugang zu betrieblichen Wohlfahrtseinrichtungen und -maßnahmen (zB
|
||
Kinderbetreuungseinrichtungen, Gemeinschaftsverpflegung,
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Beförderungsmittel) und Information über offene Stellen — ist in
|
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§§ 10, 11 AÜG festgelegt.
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- **Betriebliche Altersvorsorge:** AN, die **länger als vier Jahre** an
|
||
einen Beschäftiger überlassen werden, haben jedenfalls **ab Beginn des
|
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fünften „Überlassungsjahres"** für die weitere Dauer der Überlassung
|
||
wie Stammarbeitnehmer des Beschäftigers Anspruch auf eine
|
||
**Beitragsleistung in die Pensionskasse** bzw. **Prämienleistung an die
|
||
betriebliche Kollektivversicherung** (§ 10 Abs 1a AÜG).
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||
- **Zustimmung und Streik:** Der AN muss der Überlassung **ausdrücklich
|
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zustimmen**, ansonsten er ihr nicht Folge leisten muss. Verboten ist
|
||
die Überlassung an einen Betrieb, in dem sich die Stammbelegschaft im
|
||
**Streik** befindet.
|
||
- **Kollektivvertragliches Mindestentgelt:** Ohne anwendbaren KV hat der
|
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AN nach § 10 Abs 1 AÜG Anspruch auf ein **angemessenes, ortsübliches
|
||
Entgelt** (praktisch kaum von Bedeutung); der KV des Überlassers bleibt
|
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unberührt. Ansonsten erhält der Überlassene zumindest so viel, wie der
|
||
KV des Beschäftigers für eine **vergleichbare Tätigkeit vergleichbarer
|
||
Stammarbeitnehmer** vorsieht — maßgeblich ist das
|
||
**kollektivvertragliche** Entgelt, nicht überkollektivvertragliche
|
||
Ist-Löhne und Ist-Gehälter (8 ObA 332/99b); anzuwenden sind sämtliche
|
||
Entgeltregelungen des Beschäftiger-KV (zB Sonderzahlungen, Zulagen,
|
||
Zuschläge). § 10 AÜG regelt **nicht** den Anspruch auf
|
||
Aufwandsentschädigungen. Ist der im Überlasser-KV geregelte Lohn höher,
|
||
ist der höhere Lohn zu zahlen (**Günstigkeitsregel**).
|
||
- **Stehzeiten:** Auch in Zeiten zwischen den Aufträgen („Stehzeiten")
|
||
besteht der Anspruch auf das vereinbarte Entgelt (§ 10 Abs 2 AÜG);
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||
Sonderregelungen des anzuwendenden KV beachten (zB sieht der KV
|
||
Arbeitskräfteüberlassung im Punkt 6 vor, dass der Verbrauch von
|
||
Zeitausgleich auch während der überlassungsfreien Zeiten angeordnet
|
||
werden kann).
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||
- **Arbeitszeit:** Für überlassene AN gilt die im Betrieb für die
|
||
Stammbelegschaft geltende Arbeitszeit (§ 10 Abs 3 AÜG, zB eine
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||
37-Stunden-Woche); die wöchentliche Normalarbeitszeit darf aber
|
||
**maximal 38,5 Stunden** betragen (KV). Es dürfen nicht ständig
|
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längere Arbeitszeiten verlangt und zugleich für überlassungsfreie
|
||
Zeiten ein geringeres Ausmaß festgelegt werden (§ 11 Abs 2 AÜG).
|
||
Teilzeit kann vereinbart werden; einseitig angeordnete regelmäßige
|
||
Mehrarbeit ist unzulässig, eine Teilzeit unter dem zu erwartenden
|
||
Beschäftigungsausmaß wäre nichtig. KV-Besonderheit: Gilt beim
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||
Beschäftiger eine Normalarbeitszeit **unter 38,5 Wochenstunden**, gilt
|
||
diese zwar auch für den Überlassenen — er behält aber den
|
||
**Entgeltanspruch für 38,5 Stunden** (Punkt VI KV-Arbeitskräfteüberlassung);
|
||
keine Umgehung über Teilzeit oder über eine unechte
|
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Betriebsvereinbarung (9 ObA 15/17x).
|
||
- **Beendigung:** Kündigungsfrist **14 Tage** (§ 10 Abs 5 AÜG), sofern
|
||
nicht gesetzlich, kollektiv- oder einzelvertraglich länger; § 1159 ABGB
|
||
(ab 1. 10. 2021) lässt KV-Abweichungen zu, der KV der
|
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Arbeitskräfteüberlassung hat davon Gebrauch gemacht und wurde im
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maßgeblichen Zeitraum gemäß § 14 ArbVG kundgemacht, sodass seine
|
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gestaffelten Fristen weiter gelten (⚠ zur export-gestellten
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Übergangsbestimmung s. Rechtsgrundlagen). Für Angestellte gelten die
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Kündigungsfristen des Angestelltengesetzes. Beendigungserklärungen
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kann nur der Überlasser aussprechen; Kündigung oder Austritt des AN
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nur gegenüber dem Überlasser.
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## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-06)
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| Wert / Regel | Detail |
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|---|---|
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| AÜG-Personenkreis | auch arbeitnehmerähnliche freie Dienstnehmer (Schutznorm § 3 Abs 4 AÜG) (Stand 2026-06) |
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| Werkvertrag-Abgrenzung | seit EuGH „Martin Meat" (C-586/13, 2015) und VwGH 22. 8. 2017 (Ra 2017/11/0068): Beurteilung nach dem wirtschaftlichen Gehalt, kein Einzelkriterium entscheidend (Stand 2026-06) |
|
||
| Konzernüberlassung | §§ 10–16a AÜG ausgenommen bei: Sitz **und** Betriebsstandort beider Konzernteile in Ö, Überlassung nicht Betriebszweck, vorübergehend (§ 1 Abs 3 Z 4) — Zustimmung des AN und Schutz der Stammbelegschaft bleiben (Stand 2026-06) |
|
||
| Gleichstellung Entgelt | mindestens Beschäftiger-KV-Entgelt für vergleichbare Tätigkeit vergleichbarer Stammarbeitnehmer; Ist-Löhne irrelevant; Günstigkeitsregel zugunsten höheren Überlasser-KV-Lohns (Stand 2026-06) |
|
||
| Betriebliche Altersvorsorge | Überlassung **> 4 Jahre** an denselben Beschäftiger → ab dem **5. Überlassungsjahr** Beitragsleistung Pensionskasse/Prämienleistung betriebliche Kollektivversicherung (§ 10 Abs 1a AÜG) (Stand 2026-06) |
|
||
| Arbeitszeit | Arbeitszeit der Stammbelegschaft gilt (§ 10 Abs 3 AÜG); KV-max **38,5 h/Woche**; kürzere Beschäftiger-NAZ → gleichwohl Entgeltanspruch für **38,5 h** (KV) (Stand 2026-06) |
|
||
| Stehzeiten | Anspruch auf das vereinbartes Entgelt bleibt (§ 10 Abs 2 AÜG); KV kann Zeitausgleichsverbrauch auch in überlassungsfreien Zeiten anordnen (Stand 2026-06) |
|
||
| Kündigungsfrist | **14 Tage** (§ 10 Abs 5 AÜG); KV gestaffelt länger (Kundmachung § 14 ArbVG); Angestellte: AngG (Stand 2026-06) |
|
||
| Streik | Überlassung an Betriebe mit streikender Stammbelegschaft verboten (Stand 2026-06) |
|
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|
||
## Rechtsgrundlagen
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- **AÜG:** § 1 Abs 3 Z 4 (Konzernausnahme für die §§ 10–16a), § 3 Abs 4
|
||
(Schutznorm für arbeitnehmerähnliche freie Dienstnehmer), § 4 Abs 2
|
||
(Kriterien der Werkvertrags-Abgrenzung), § 6a (Beschäftiger als AG für
|
||
Gleichbehandlungsvorschriften), § 10 Abs 1 (angemessenes ortsübliches
|
||
Entgelt), § 10 Abs 1a (Altersvorsorge ab dem 5. Überlassungsjahr),
|
||
§ 10 Abs 2 (Stehzeiten), § 10 Abs 3 (Arbeitszeit), § 10 Abs 5
|
||
(Kündigungsfrist 14 Tage), § 11 und § 11 Abs 2 (Gleichstellung;
|
||
Verbot der Festlegung unterdurchschnittlicher Arbeitszeit) — ✅
|
||
ausdrücklich zitiert.
|
||
- **LSD-BG:** § 4 (Urlaubsanspruch), § 6 (sonstige Mindestansprüche:
|
||
Entgeltfortzahlung bei Krankheit/Unfall, Kündigungsfristen und
|
||
-termine, Kündigungsentschädigung); Übernahme der AÜG-Regelungen für
|
||
grenzüberschreitende Fälle per 1. 1. 2017 — ✅.
|
||
- **ABGB § 1159** (längere gesetzliche Kündigungsfrist ab 1. 10. 2021;
|
||
KV-Ausnahmevorbehalt), **ArbVG § 14** (Kundmachung), **GlBG** (iZm
|
||
§ 6a AÜG), **GewO** (reglementiertes Gewerbe) — ✅ benannt. ⚠ Die
|
||
zitierte Übergangs-/Kundmachungsbestimmung erscheint im Export als
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||
„§ 1503 Abs 30 ABGB" (in lb-aug-01 als „§ 11503 Abs 30 ABGB") —
|
||
offensichtlich gestellte Paragraphennummer; vor Implementierung gegen
|
||
RIS klären, daher nicht in `legal_bases`.
|
||
- **EU-Entsenderichtlinie** (Auslegungsgegenstand der C-586/13-Judikatur;
|
||
im Quelltext ohne Nummer benannt) — ✅.
|
||
- **Judikatur (aus dem Quelltext):** EuGH C-586/13 „Martin Meat" =
|
||
ARD 6454/7/2015 (wirtschaftlicher Gehalt); VwGH 22. 8. 2017,
|
||
Ra 2017/11/0068 = ARD 6569/5/2017 (Judikaturwende); EuGH C-64/18
|
||
„Maksimovic" (RdW 2019, 659 — Strafen teilweise nicht
|
||
unionsrechtskonform); OGH 8 ObA 332/99b = ARD 5132/1/2000
|
||
(kollektivvertragliches Entgelt, nicht Ist-Löhne); OGH 9 ObA 15/17x =
|
||
ARD 6561/6/2017 = LE-AS 28.4.2.Nr.2 (unechte BV als Umgehung);
|
||
Literatur: Krejci in Rummel, ABGB3 § 1151 Rz 91 ff (werkvertraglicher
|
||
Erfolgsbegriff); Wieser PVP 2017, 345 (Umqualifizierungen).
|
||
|
||
## Payroll-Relevanz (Odoo)
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||
|
||
- **Zwei-KV-Logik:** Die Entgeltfindung kombiniert den Überlasser-KV mit
|
||
den für die Überlassungsdauer anzuwendenden Bestimmungen des
|
||
Beschäftiger-KV — im KV-/Entgelt-Framework als kombinierte Einstufung
|
||
je Überlassung abbilden; Mindestens-Vergleich (Beschäftiger-KV-Entgelt
|
||
vergleichbarer Stammarbeitnehmer) und Günstigkeitsvergleich als
|
||
Berechnungsregeln, Werte nicht hard-codiert.
|
||
- **§ 10 Abs 1a AÜG als Dauer-Zähler:** je AN-Beschäftiger-Paar die
|
||
Überlassungsjahre zählen — ab dem 5. Überlassungsjahr Beitrags-/
|
||
Prämienleistung wie für Stammarbeitnehmer; Anknüpfung an die
|
||
Vorsorge-/BVK-Buchungslogik (→ lb-vor-05).
|
||
- **Arbeitszeit/Entgelt:** die im Beschäftigerbetrieb geltende
|
||
Normalarbeitszeit übernehmen; 38,5-h-KV-Grenze und 38,5-h-Entgeltgarantie
|
||
als eigene Regeln; Stehzeiten-Entgeltfortlauf ohne Arbeitseinsatz.
|
||
- **Grenzüberschreitende Überlassung:** Lohnkontroll- und Melde-/
|
||
Bereithaltungsregime des LSD-BG beachten (→ lb-lsd-01, lb-lsd-03);
|
||
Mindeststandards des § 6 LSD-BG (EFZ, Kündigungsfristen) mit dem
|
||
AT-Kern abstimmen (→ lb-krs-08; Urlaubsanspruch § 4 LSD-BG →
|
||
lb-url-05); Ansprüche ausländischer Arbeitnehmer → lb-grz-01
|
||
(ausdrücklicher Quellenverweis des Briefings).
|
||
- **Abgrenzung Werkvertrag/Überlassung:** Die Qualifikation bestimmt das
|
||
anzuwendende Abrechnungs- und Melderegime — Weisungs-, Werkzeug-,
|
||
Erfolgs- und Eingliederungsindikatoren am Vertrag dokumentieren.
|
||
- **Gleichbehandlung (§ 6a AÜG):** Diskriminierungsverantwortung liegt
|
||
beim Beschäftiger; Vergleichswerte der Stammbelegschaft (Entgelt,
|
||
Wohlfahrtseinrichtungen) für Gleichstellungsprüfungen vorhalten
|
||
(→ lb-glb-01, lb-glb-05).
|
||
|
||
## Verweise
|
||
|
||
- **KB-intern:** lb-aug-01 (Aufgaben von Überlasser und Beschäftiger:
|
||
Dienstzettel, Überlassungsmitteilung, Bürgenhaftung, Sozial- und
|
||
Weiterbildungsfonds) · lb-grz-01 (Ansprüche ausländischer Arbeitnehmer
|
||
in Österreich — ausdrücklicher Quellenverweis für das LSD-BG-Detail bei
|
||
grenzüberschreitender Überlassung) · lb-lsd-01 (Bereithaltungspflicht
|
||
bei grenzüberschreitendem Arbeitseinsatz) · lb-lsd-03 (Meldepflichten
|
||
bei grenzüberschreitendem Arbeitseinsatz) · lb-glb-01 (arbeitsrechtlicher
|
||
Gleichbehandlungsgrundsatz) · lb-glb-05 (Gleichbehandlung —
|
||
Grundsätzliches, GlBG) · lb-url-05 (Urlaub — Anspruch & Ausmaß;
|
||
§ 4 LSD-BG) · lb-krs-08 (Krankenstand — Entgeltfortzahlung Arbeiter
|
||
und Angestellte; § 6 LSD-BG) · lb-vor-05 (Betriebspension —
|
||
Arbeitsrecht; § 10 Abs 1a AÜG) · lb-dvh-04 (Streik — Überlassungsverbot
|
||
bei Streik der Stammbelegschaft)
|
||
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`
|
||
(KV-/Entgelt- und Meldewesen-Grundlagen der Abrechnung). |