[ADD] personalverrechnung: Lexis360 knowledge base (Batch 7)

Seventh Lexis 360 intake (97 briefings, source Stands 2026-06 to
2026-08), extending the corpus to 374 curated entries in 56 clusters.
This batch opens five further briefings chapters ('Urlaub &
Karenzierung', 'Schwangerschaft & Elternkarenz', 'Krankenstand &
Arbeitsunfall', 'Dienstverhinderung', 'Ausserhalb des Betriebs-
standortes'; ten chapters in total now).

- 16 new clusters: urlaub (14), krankenstand (9), grenzeinsatz grz
  (8: Ausland/Entsendung/Standortverlegung), karenzsonderformen
  (7: Bildungs-/Hospiz-/Pflegekarenz), elternteilzeit (6), karenz
  (6), kinderbetreuungsgeld (6), praesenzdienst (6), telearbeit
  (6), mutterschutz msf (5: Schutzfristen/Wochengeld), dienst-
  verhinderung dvh (4, incl. Streik), arbeitskraefteueberlassung
  (2, AUEG), entgeltfortzahlung an Feiertagen efz (2), papamonat
  (2), pflegefreistellung (2), wiedereingliederung (2); existing
  clusters extended: arbeitnehmerschutz 12 -> 16 (Arbeitsunfall/
  Berufskrankheit), schwangerschaft 1 -> 7
- documented gaps closed: Bildungskarenz (kzs), Abfertigung Alt
  (lb-kar-01), Entgeltfortzahlung an Feiertagen (lb-efz-01/02),
  Gefahrenevaluierung und Arbeitsverbote (lb-sch-04), Telearbeit
  (tel cluster)
- three truncated duplicate export filenames (auslandstatigkeit_
  sv_tatigkeit_in x3) renamed explicitly before extraction
- cross-batch reconciliations: lb-sch-01's Gefahrenevaluierung gap
  now fully closed (-> lb-sch-04), lb-tzb-02's open Bildungskarenz
  reference resolved (-> lb-kzs-01; terminology conflict with the
  tzb briefing flagged for RIS)
- frontmatter fixes: seven entries of a stalled first curation
  pass used invented topic values (papamonat-und-familienzeit-
  bonus, geburt-schutzfrist, wochengeld) -> normalized to the
  schema values (familienzeit, schutzfrist)
- flagged: asc-15 worked example draws a 42-day contingency
  (1st-service-year pattern) against its own stage table (56
  days), aug paragraph garble ('11503/1503 Abs 30 ABGB', likely
  1153 Abs 30), grz-08 OGH follow-duty case law vs. explicit
  source criticism, efz-01 36-hours compensatory time off,
  dvh-04 pay claims of non-striking employees unsettled per
  source
- note: the first curation pass stalled at 82/97 (no progress
  from 14:43); the remaining 15 entries (asc-13..16, dvh/efz/pfl,
  grz-08, aug) were re-run by three fresh parallel agents after
  the user canceled the stuck one
This commit is contained in:
2026-09-10 15:24:36 +02:00
parent fe8243931a
commit 18bcc97133
104 changed files with 17282 additions and 44 deletions
@@ -0,0 +1,180 @@
---
id: lb-pfl-01
batch: 7
title: "Pflegefreistellung"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Dienstverhinderung"
topic: pflegefreistellung
author: "Heinz-Ofner/Radauer"
stand: 2026-07
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_pflegefreistellung.pdf"
text: ".lexis360/md/pflegefreistellung.md"
legal_bases: ["UrlG § 16 Abs 1 Z 1-3", "UrlG § 16 Abs 5", "UrlG § 18a", "ASVG § 49 Abs 3 Z 1", "GlBG § 12", "MSchG § 15d Abs 2", "AngG § 8 Abs 3", "ABGB § 1154b Abs 5"]
tags: [pflegefreistellung, krankenpflegefreistellung, betreuungsfreistellung, begleitungsfreistellung, urlg, ausfallsprinzip, motivkundigungsschutz, fristenhemmung]
cross_refs: ["lb-pfl-02", "lb-dvh-03", "lb-url-06", "lb-url-10", "lb-url-14", "lb-kzs-04", "lb-glb-07"]
---
# Pflegefreistellung
*Lexis Briefings Personalrecht, Heinz-Ofner/Radauer, Stand Juli 2026 (lb-pfl-01).*
## Zusammenfassung
- **Begriff:** Die Pflegefreistellung (§ 16 UrlG) ist eine besondere
Form der Dienstfreistellung unter Entgeltfortzahlung — **kein
Urlaubsanspruch**, obwohl sie im Urlaubsgesetz geregelt ist. Drei
Arten: Krankenpflegefreistellung, Betreuungsfreistellung und
Begleitungsfreistellung für Kinder; die erweiterte Krankenpflege-
freistellung für Kinder unter zwölf Jahren ist gesondert geregelt
(→ lb-pfl-02).
- **Krankenpflegefreistellung (§ 16 Abs 1 Z 1 UrlG):** notwendige Pflege
eines **erkrankten nahen Angehörigen** oder einer **im gemeinsamen
Haushalt lebenden erkrankten Person**. Nahe Angehörige: Kinder (auch
Wahl- und Pflegekinder), leibliche Kinder des anderen Ehegatten/Partners/
Lebensgefährten, Eltern, (Ur-)Großeltern, Enkel, Ehegatten, eingetragene
Partner bzw. Lebensgefährten. Das Merkmal des **gemeinsamen Haushalts
wurde für nahe Angehörige mit 1. 11. 2023 gestrichen**; für weitere
Personen (Onkel, Tante, Geschwister, Neffen, Nichten) bleibt der
gemeinsame Haushalt Voraussetzung. Eine Auslandsreise mit der
gepflegten Person ist unschädlich, wenn sie dem Heilungsverlauf nicht
schadet.
- **Betreuungsfreistellung (§ 16 Abs 1 Z 2 UrlG):** fällt die Person,
die das Kind ständig betreut, aus, und zwar durch Tod, Aufenthalt in
einer Heil- oder Pflegeanstalt, Verbüßung einer Freiheitsstrafe bzw.
behördlich angeordnete Anhaltung, schwere Erkrankung (zB schwere
Erkältung) oder Wegfall des gemeinsamen Haushalts des anderen
Elternteils bzw. der Betreuung des Kindes (Grundkatalog entsprechend
§ 15d Abs 2 Z 15 MSchG). Voraussetzung ist der **unvorhersehbare und
unabwendbare** Ausfall der normalen Betreuungsperson (auch Tagesmutter
etc.); die Betreuung muss **notwendig** sein (Auto-Fahrt zur Schule
bei öffentlicher Anbindung genügt nicht). Das Kind selbst muss **nicht
erkrankt** sein.
- **Begleitungsfreistellung für Kinder (§ 16 Abs 1 Z 3 UrlG):** Für
**Kinder unter zehn Jahren** Gebühren zur Begleitung zu einem
stationären Krankenhaus-Aufenthalt — unabhängig von Art und Schwere
der Erkrankung (leibliche Kinder ohne gemeinsamen Haushalt; Kinder des
anderen Ehegatten/Partners/Lebensgefährten bei gemeinsamem Haushalt).
Für über zehnjährige Kinder nur in besonderen Fällen (zB intensive
psychische Betreuung nach einer außergewöhnlich schweren Operation).
- **Wahlrecht:** Kommen mehrere berufstätige Angehörige (auch bei
verschiedenen Arbeitgebern) infrage, haben sie ein Wahlrecht, wer die
Pflege/Betreuung übernimmt — **nicht mehrere gleichzeitig**; eine
Rücksichtnahme auf betriebliche Interessen ist nicht erforderlich.
- **Inanspruchnahme/Nachweis:** **keine Wartezeit**, **keine
Vereinbarung** mit dem Arbeitgeber erforderlich (schriftliches
Festhalten dennoch empfohlen); Information des Arbeitgebers **so bald
wie möglich**. Auf Verlangen ist die Dienstverhinderung **dem Grunde
nach** nachzuweisen — ein bestimmter Nachweis (zB ärztliche
Bestätigung) kann **nicht verlangt** werden; der Nachweis kann auch
erst nachträglich, aber vor der Lohn-/Gehaltsabrechnung erfolgen.
- **Ärztliche Bestätigung — Kosten:** Verlangt der Arbeitgeber
ausdrücklich eine ärztliche Bestätigung, muss er die Kosten ersetzen;
dieser Kostenersatz ist **beitragsfrei** (§ 49 Abs 3 Z 1 ASVG). Legt
der Arbeitnehmer die Bestätigung unaufgefordert vor und übernimmt der
Arbeitgeber die Kosten, ist der Kostenersatz **beitragspflichtig**;
die Lohnsteuerbeurteilung folgt denselben Kriterien. Der
Kostenersatzausschluss kann vereinbart werden; akzeptiert der
Arbeitgeber einen aus eigenem Antrieb erbrachten Nachweis, trägt der
Arbeitnehmer die Kosten.
- **Anspruchsdauer:** für **alle Arten zusammen maximal eine Woche pro
Arbeitsjahr** (Ausnahme: neuerliche Erkrankung eines Kindes →
lb-pfl-02); stundenweise Inanspruchnahme möglich. Die „eine Woche"
entspricht der **regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit** (bei
Teilzeit inkl. der regelmäßig anfallenden Mehrstunden, bei Vollzeit
inkl. der regelmäßigen Überstunden). Günstigere KV-/BV-/AV-Regelungen
gehen vor; ein Übertrag ins nächste Arbeitsjahr ist nicht möglich.
Alternativen: Urlaub, unbezahlte Freistellung oder sonstige
Dienstverhinderung nach § 8 Abs 3 AngG bzw § 1154b Abs 5 ABGB —
nach hM **nicht kumulativ**.
- **Anspruchshöhe:** Ausfallsprinzip wie beim Urlaubsentgelt. Für
langfristige Begleitungsmaßnahmen schwerst erkrankter Kinder gilt die
Familienhospizkarenz (→ lb-kzs-04).
- **Motivkündigungsschutz:** Eine Kündigung wegen der beabsichtigten
oder tatsächlich in Anspruch genommenen Pflegefreistellung kann
angefochten werden; das verpönte Kündigungsmotiv ist glaubhaft zu
machen. Seit 1. 11. 2023: auf schriftliches Verlangen des
Arbeitnehmers hat der Arbeitgeber eine **schriftliche Begründung**
der Kündigung auszustellen — Verlangen binnen **5 Kalendertagen ab
Kündigungszugang**, Ausstellung binnen weiterer **5 Kalendertage ab
Verlangen**; unterbleibt sie, bleibt die Kündigung dennoch wirksam
(§ 16 Abs 5 UrlG).
- **Diskriminierungsschutz:** Im Zusammenhang mit einer
Pflegefreistellung gelten die Vorschriften des
Gleichbehandlungsgesetzes — insbesondere die Rechtsfolgen des
§ 12 GlBG — auch ohne den Diskriminierungsgrund Geschlecht.
- **Fristenhemmung:** Laufende Verjährungs- und Verfallsfristen für
bereits erworbene Ansprüche aus dem Dienstverhältnis bleiben bis zum
Ablauf von **zwei Wochen nach Ende der Pflegefreistellung gehemmt**
(§ 18a UrlG; BGBl I 2023/115, gültig ab 1. 11. 2023).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-07)
| Wert / Frist | Detail |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 16 Abs 1 Z 13 UrlG (Krankenpflege-, Betreuungs-, Begleitungsfreistellung) |
| Nahe Angehörige | Kinder (auch Wahl-/Pflegekinder), leibliche Kinder des anderen Ehegatten/Partners/Lebensgefährten, Eltern, (Ur-)Großeltern, Enkel, Ehegatten, eingetragene Partner/Lebensgefährten |
| Gemeinsamer Haushalt | für nahe Angehörige seit **1. 11. 2023 entfallen**; für sonstige Haushaltsmitglieder (Onkel, Tante, Geschwister, Neffen, Nichten) weiterhin Voraussetzung |
| Betreuungsfreistellung | Ausfallgründe: Tod, Heil-/Pflegeanstalt, Freiheitsstrafe/behördliche Anhaltung, schwere Erkrankung, Wegfall des Haushalts des anderen Elternteils/der Betreuung (§ 15d Abs 2 Z 15 MSchG analog benannt); unvorhersehbar + unabwendbar; Kind muss nicht erkrankt sein |
| Begleitungsfreistellung | Kinder **unter 10**: stationärer Krankenhausaufenthalt unabhängig von Art/Schwere; über 10 Jahre nur besondere Fälle (zB psychische Betreuung nach schwerer Operation) |
| Anspruchsdauer | **max. 1 Woche pro Arbeitsjahr** (alle Arten zusammen); stundenweise möglich; Ausnahme Kinder < 12 Jahre → lb-pfl-02; kein Übertrag |
| „Eine Woche" | = regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit (Teilzeit inkl. regelmäßiger Mehrstunden, Vollzeit inkl. regelmäßiger Überstunden) |
| Wartezeit/Vereinbarung | keine; Information so bald wie möglich; Nachweis dem Grunde nach auf Verlangen, kein bestimmter Nachweis (zB ärztliche Bestätigung) erzwingbar, auch nachträglich vor der Lohnabrechnung |
| Kostenersatz ärztliche Bestätigung | beitragsfrei, wenn vom Arbeitgeber **ausdrücklich verlangt** (§ 49 Abs 3 Z 1 ASVG); bei unaufgefordertem Vorlegen beitragspflichtig; LSt nach denselben Kriterien; abdingbar |
| Motivkündigungsschutz | Anfechtung, Motiv glaubhaft machen; schriftliche Begründung: Verlangen binnen **5 Kalendertagen** ab Zugang, Ausstellung binnen **5 Kalendertagen** ab Verlangen; ohne Begründung bleibt die Kündigung wirksam (§ 16 Abs 5 UrlG) |
| Fristenhemmung | **2 Wochen** nach Ende der Pflegefreistellung (§ 18a UrlG, ab 1. 11. 2023) |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 16 Abs 1 Z 13 UrlG** — die drei Freistellungsarten;
**§ 16 Abs 5 UrlG** — Motivkündigungsschutz/schriftliche
Begründungspflicht; **§ 18a UrlG** — Fristenhemmung (BGBl I 2023/115,
gültig ab 1. 11. 2023).
- **§ 49 Abs 3 Z 1 ASVG** — Beitragsfreiheit des Kostenersatzes bei
ausdrücklich verlangter ärztlicher Bestätigung.
- **§ 12 GlBG** — Rechtsfolgen bei Diskriminierung;
**§ 15d Abs 2 Z 15 MSchG** — Grundkatalog des Ausfalls der
Betreuungsperson (Fußnote des Quelltexts).
- **§ 8 Abs 3 AngG / § 1154b Abs 5 ABGB** — sonstige
Dienstverhinderung als nicht kumulative Alternative (→ lb-dvh-03).
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Bezahlter Abwesenheitstyp „Pflegefreistellung"** mit drei Unterarten
(Krankenpflege/Betreuung/Begleitung) und **gemeinsamem
Jahreskontingent**: „eine Woche" = regelmäßige wöchentliche
Arbeitszeit (inkl. regelmäßiger Mehr-/Überstunden) — Kontingent aus
Vertrags-/Arbeitszeitdaten, Verbrauch stundenweise (Arbeitsjahr als
Bezugszeitraum, kein Übertrag).
- **Ausfallsprinzip-Entgelt** wie Urlaubsentgelt (→ lb-url-14); keine
Wartezeit, keine Freigabe durch den Arbeitgeber erforderlich.
- **Kostenersatz ärztliche Bestätigung** als zwei getrennte
Vergütungskategorien führen (beitragsfrei bei ausdrücklichem Verlangen
vs. beitragspflichtig bei unaufgefordertem Vorlegen) — die
SV-Behandlung hängt am Anlassvermerk der Zahlung.
- **Nachweis-Workflow:** Vermerk „Nachweis dem Grunde nach erbracht
(vor Abrechnung)" am Abwesenheitssatz; kein fester Belegtyp
erzwingen.
- **Fristen-Hooks:** 5-Kalendertage-Fristen der Kündigungs-Begründung
als HR-Workflow (Fristen-Engine), 2-Wochen-Fristenhemmung in der
Verfalls-/Verjährungs-Logik für Ansprüche aus dem Dienstverhältnis
unterstützen.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-pfl-02 (Pflegefreistellung — Kinder unter 12 Jahren;
zweite Woche; Breadcrumb-Verweis der Quelle) · lb-dvh-03 (Sonstige
Dienstverhinderungsgründe auf Arbeitnehmerseite — § 8 Abs 3 AngG/
§ 1154b Abs 5 ABGB nicht kumulativ) · lb-url-06 (Urlaub und
Arbeitsverhinderung — urlaubsrelevante Wirkungen) · lb-url-10
(Urlaubsvereinbarung — Abgrenzung zur Vereinbarung von Urlaub) ·
lb-url-14 (Urlaubsentgelt — Ausfallsprinzip) · lb-kzs-04 (Begleitung
schwerst erkrankter Kinder — Abgrenzung kurzfristige bezahlte
Begleitungsfreistellung vs. langfristige entgeltlose
Familienhospiz-Maßnahme) · lb-glb-07 (Rechtsfolgen der
GlBG-Verletzung)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`
- *Hinweis:* Die im Quelltext erwähnten Muster (Krankenpflege-,
Betreuungsfreistellung, Begleitungsfreistellung) und die Checkliste
für Pflegefreistellungen sind im Export nicht enthalten — nicht
rekonstruiert.